Mit der Formule 1 auf die schiefe Bahn

Parc Saint Paul

Der Ursprung des Freizeitparks Parc Saint Paul liegt im Jahr 1978 als am Rande des Örtchens Saint-Paul ein kleines Ausflugsziel mit Ponyreiten, Bootsverleih und einem Lokal entstand. Fünf Jahre später kaufte der Schausteller André Campion das Gelände. Dieser stellte gut zwanzig Fahrgeschäfte in den Park und taufte diesen unter seinem heute bekannten Namen. Im Jahr 1999 übernahm der Sohn Gilles Campion das Geschäft. Dieser baute den Park dann zum Freizeitpark aus. Wo man vorher den Park frei betreten und für einzelne Attraktionen zahlen musste, galt fortan ein einheitlicher Eintrittspreis. Bereits im nächsten Jahr folgte mit dem Wild Train die erste Achterbahn des Parks. Seither zeichnet sich der Freizeitpark durch eine interessante Auswahl an Fahrgeschäften aus ohne dabei seine Hauptzielgruppe – Familien mit kleineren Kindern – außer Acht zu lassen.

Bereits auf dem Weg zum Eingang fallen uns eine Vielzahl an Kinderkarussells und familienfreundliche Fahrgeschäfte auf. Meist kommen diese von der SBF Visa Group und sind neueren Baujahrs. Doch die eigentliche Attraktion in diesem Bereich ist das Personal, welches nicht nur den Einlass kontrolliert, sondern auch für Fotos zur Verfügung steht. Wo ich anfangs noch dachte das Personal sei hier auf Stelzen unterwegs, so war ich doch sehr überrascht tatsächlich auf 2m20 große Personen zu stoßen. Darunter befindet sich auch der mit 2m46 zweitgrößte Mensch der Welt Monsieur Brahim Takioullah.

Aérotrain

Die erste Achterbahn auf unserem Rundlauf ist der Aérotrain. Diese Achterbahn aus dem Hause Vekoma stand zuvor in einem Einkaufzentrum in Portugal, wo sie als Montanha Russa bis ins Jahr 2013 betrieben wurde. Dank ihrer Lage und dem daraus resultierenden Verlauf oberhalb der Besucher ist die Bahn recht weit hochgeständert. Glück im Unglück suchte Gilles Campion eine Art Monorail für den Parc Saint Paul, damit dieser auch von oben betrachtet werden kann, als Cedeal Rides ihn diese Gebrauchtanlage als Vorschlag vorlegten.

Die Fahrt auf dem Aérotrain beginnt mit einer kurzen Linkskurve, an der sich der Reibradlift der Anlage anfügt. Auf einer Höhe von 11m angelangt geht es sogleich hinab. Das kurze Gefälle geht sogleich in eine Linkskurve über an der sich eine nach rechtsdrehende Helix anschließt. Über eine sehr lange Linkskurve nehmen wir langsam wieder etwas an Höhe zu, ehe wir diese in einer weiteren Helix auch schon wieder abbauen. Nach einer längeren Geraden folgt nur noch eine kurze Linkskurve bevor dann die Station auch schon wieder erreicht wird. Es folgt eine weitere Runde, ehe die Fahrt dann endet.

Auch wenn der Aérotrain nicht so schnell ist, wie der namensgebende Luftkissenzug, so ist die Fahrt ein durchaus kurzweiliges Vergnügen. Die Fahrt fällt generell seichter aus als die meisten Rollerskater und ist dadurch eine ideale Einstiegsachterbahn für die kleinsten Parkgäste.

Arche de Noé

Etwas spannender geht es derweil bei der Arche de Noé statt, einer Schiffschaukel des Herstellers Metallbau Emmeln. Diese wurde entsprechend der Thematik gestaltet, weswegen man zahlreiche Tierplastiken an der Anlage und um sie herum entdecken kann. Auch die Fahrt kann mit ihren kleineren Airtimemomenten durchaus überzeugen.

Aqua Splash

Ebenso überzeugend zeigt sich die Schlauchbootrutsche Aqua Splash desselben Herstellers direkt nebenan. Wir folgen derweil dem Weg am großen See entlang, wo sich einige Tretboote und der Mississippi-Dampfer des Parks tummeln. Vorbei an zahlreichen Spielplätzen und einer Trampolinhalle erreichen wir dann die zweite Achterbahn auf unserem Rundlauf.

Mini-Mouse Cartoon

Die Mini-Mouse Cartoon ist eine sehr familienfreundliche Achterbahn, bei der ein Zug durch eine Reihe von Haarnadelkurven geschoben wird. Auf den verbindenden Geraden gibt es zudem kleinere Hügel, ähnlich denen eines Wacky Worms, die die Fahrt ein wenig auflockern. Die Fahrt selbst ist jedoch sehr gemächlich. Je nach Andrang fährt man mehrere Runden durch das Layout.

Téléphérique

Direkt nebenan steht mit der Téléphérique eine scheinbar harmlose schienengeführte Seilbahn. Doch der Schein trügt, denn sollte man auf die Idee gekommen sein die Fahrt mit einem Rucksack auf den Rücken zu fahren, so nehmen die Fliehkräfte überhand und man muss sich ganz schön festhalten, um nicht herunter zu fallen. Ein sehr interessantes Spielgerät und ein noch interessanterer Grauzonencount.

Maison Foldingue

Nachdem ich bereits im japanischen Freizeitpark Yomiuriland und im italienischen Mirabilandia das von Preston & Barbieri erbaute Crazy House auf Grund fehlender Sprachkenntnisse nicht gefahren bin, konnte ich dieses bizarre Fahrgeschäft nun endlich mal testen. Die Witze und Spezialeffekte des Maison Foldingue sind jedoch nicht sonderlich erwähnenswert, genauso wie der Fahrtablauf der Anlage. Eine bizarre Idee, die bei Kindern sicherlich gut ankommt.

Souris Verte

Genauso wie das Kinderlied der Souris Verte. Im Parc Saint Paul jedoch verkörpert die grüne Maus eine Drehgondelachterbahn des Herstellers Zamperla. Die Fahrt durch das bekannte Layout verläuft leider ohne größere Drehung der Gondel.

Tour Descente Extrême

Da bei der Achterbahn Wild Train der Zug fehlte, konnte ich diese Achterbahn leider nicht testen. Nebenan jedoch steht mit dem Tour Descente Extrême ein weiteres Produkt der ehemaligen russischen Firma Pax, welches nur so darauf wartete endlich getestet zu werden. Der 40m hohe Freifallturm bietet eine sehr skurrile Fahrt, denn ehe man zum Fall kommt wird man erst einmal ewig durch die Magnetbremse gezogen, die in etwa die Hälfte des Turms in Anspruch nimmt.  Durch diesen Umstand ist auch die Bremsung überaus rabiat. Ça me plait beaucoup! So einen Fall habe ich von Pax bei bestem Willen nicht erwartet, der ist grandios. Die Fahrt selbst nimmt jedoch ihre Zeit in Anspruch; es ist also kein Wunder, dass man nicht so viele Anlagen von Pax vorfinden kann.

La Pomme

Deutlich häufiger hingegen findet man Achterbahnen vom Typ Big Apple, in Frankreich auch gerne La Pomme genannt. Der hiesige kommt von der türkischen Firma DAL Amusement Rides Company. Besonders an der Anlage ist ihre stark präsente und überaus einladende Deko, die die Fahrt merklich aufwertet.

Vorbei am Riesenrad Grande Roue und den P’tits Lapins zieht es uns nun in den hinteren Bereich des Parks. In einem Anwesen und dessen Vorhof finden wir zahlreiche Laufgeschäfte, die Hauptgastronomie des Parc Saint Paul, sowie den Platz des Wellenfliegers Chaises Aériennes vor, der zum Zeitpunkt des Besuchs jedoch noch nicht aufgebaut war.

Château Hanté, Parcours 3D, Miroirs Magiques und Toi aussi deviens un Géant

Von den vier Laufgeschäften überzeugt vor allem das Château Hanté, welches durch eine riesige Ansammlung an Animatroniks und absoluter Dunkelheit beängstigender wirkt, als so manche Geisterbahn hierzulande. Der Parcours 3D hingegen ist zu kurz, um ihn wirklich wahrzunehmen. Das Spiegelkabinett Miroirs Magiques und das schiefe Haus Toi aussi deviens un Géant runden das Angebot ab.

Dino Splash

Direkt nebenan befindet sich die aufwändig gestaltete Wildwasserbahn Dino Splash des Herstellers Interlink. Bereits die Warteschlange der Anlage ist überraschend ansprechend gestaltet und lässt auf eine aufregende Fahrt hoffen.

Die Fahrt beginnt recht zügig mit der Erklimmung des ersten Lifthügels. Oben angekommen durchrollen wir eine enge Linkskurve, ehe dann bereits die erste Schussfahrt wartet. Über einen markanten Doppeldrop geht es dann überaus rasant und mit seichter Airtime hinab. Gut durchnässt rasen wir durch die Auslaufstrecke, ehe wir in der anschließenden Rechtskurve ein wenig gebremst werden. Über eine Gerade mit etwas Wildwasser und einem Wasserfall zur linken Seite zieht es uns nun in Richtung des zweiten Lifts. Dieser bringt uns auf 11m Höhe, woraufhin sich eine Rechtskurve anschließt. Kurz darauf geht es die zweite Schussfahrt mit ihrem signifikanten Dinosaurierrückgrad hinunter. Hier erwartet uns dann eine ordentliche Dusche, woraufhin wir den Rest der Fahrt komplett durchnässt verbringen. Nach einer längeren Geraden an der Front vorbei erreichen wir dann auch wieder die Station der Anlage und steigen glücklich und zufrieden aus dieser wirklich tollen Wildwasserbahn.

Safari Trip

Während in der Halle der Teen’s Party Holz für die Achterbahn Wood Express gelagert wurde, tummelten sich die Parkgäste auf Autoskooter, einer Teppichrutsche und dem Musik Express Safari Trip. Letzterer bietet durch seine Vor- und Rückwärtsfahrt eine echt schöne Fahrt. Unschön hingegen ist, dass auf der Teppichrutsche scheinbar Narrenfreiheit herrscht; hier zeigte sich das Parkpublikum von seiner unschönsten Seite. Generell fiel mir dieses im gesamten Tagesverlauf eher negativ auf, da sich vor allem eine marokkanische Familie und Geburtstagsgruppe wirklich danebenbenahm und ständig vom Parkpersonal – welches wirklich vorbildlich handelte – zurückgewiesen werden musste.

Generell ist das Personal im Parc Saint Paul verdammt freundlich. Als ich zum Beispiel im Lift der Achterbahn Formule 1 steckenblieb, da die Anlage unerwartet einen Notaus hatte, informierte man mich über jeden Schritt, bis dann die Anlage wieder lief. Auch nach der Fahrt entschuldigte man sich bei mir für die Unannehmlichkeit und brachte mir noch schnell meinen Rucksack, da ich den Wagen in diesem Fall im eigentlichen Ausstiegsbereich und nicht erst in der Station verlassen musste.

Formule 1

Die Fahrt auf der etwas anderen Wilden Maus Formule 1 des Herstellers Pax beginnt mit einer sehr, sehr steilen Auffahrt, an der sich sogleich ein ausgeprägter Pre-Drop anschließt. Recht zügig durchrasen wir nun eine Senke, ehe wir zur großen Schussfahrt ansetzen. Über eine enge Kuppe schießen wir nun gen Boden und werden dabei unerwartet stark aus dem Sitz gehoben. Über einen überaus airtimereichen Double-Up geht es dann erneut nach oben. Nach einer engen Kurve erwartet uns auch bereits die erste Blockbremse.

Erst jetzt folgen die Haarnadelkurven, die jedoch auch hier einen ganz besonderen Clou aufweisen. Die Einfahrt in diese erfolgt nämlich immer nach außen geneigt, während die Ausfahrt dieser nach innen geneigt ist. Eine ziemlich abgefahrene Angelegenheit. Nach insgesamt fünf Kurven ist dieser Abschnitt auch wieder vorbei und wir fahren (weiterhin nach außen geneigt) in eine Wendekurve ein. Hieran schließen sich gleich mehrere Auf- und Abfahrten an, die einen wieder einmal ordentlich aus dem Sitz heben. Nach einem weiteren Blockbereich verläuft die Fahrt ein wenig gemächlicher und so fährt man über mehrere Rechts-/Linksschwenker einmal quer durch die Anlage. Nach einer längeren Rechtskurve fügt sich dann die Auffahrt in die Bremsstrecke an. Nach der Fahrt durch den eigentlichen Ausstiegsbereich erreicht man nach einiger Zeit auch wieder die Station und kann dann auch aussteigen.

Die von Pax erbaute Anlage war für mich schon seit längerer Zeit der Grund irgendwann mal zum Parc Saint Paul zu fahren. Da bereits seit längerer Zeit das Gerücht einer baldigen Schließung der Anlage durch die Foren geht, war ein Besuch sozusagen unumgänglich. Da war es mir auch ganz egal, ob irgendwann im Laufe der Saison die Holzachterbahn Wood Express eröffnen würde. Pax geht vor. Die Fahrt auf Formule 1 ist wie zu erwarten brachial, bizarr und superbe. Die Airtime auf der Anlage sucht ihres Gleichen und die Mauskurven sind schlichtweg genial. Eine wirklich schöne und interessante Anlage.

Bilder Parc Saint Paul

Fazit Parc Saint Paul

Der Parc Saint Paul ist ein überaus seltsamer Vergnügungspark. Er wirkt konzeptlos und hingeklatscht. Auf der anderen Seite jedoch bietet man viele interessante Anlagen, die man in dieser Fülle nicht wirklich oft vorfinden kann. Allein die von Pax erbauten Anlagen sind den Besuch wert. Ob ich jedoch so schnell wieder in den Park möchte, mag ich zu bezweifeln. Als einziger Park meiner Reise, konnte mich der Park nicht so wirklich überzeugen. Das lag vor allem an seinem doch recht asozialen Publikum.


Was denkst du über den französischen Freizeitpark Parc Saint Paul und seine legendäre Achterbahn Formule 1? Schreib es einfach hier in das Kommentarfeld unter dem Bericht oder besuche unsere Social Media Channels:

          


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WAA!!! Walibi à la française

Die Geschichte von Walibi Rhône-Alpes

À chacun son WAA!! Während ich mir mal eben das Buch von Dominique Fallon heraussuche um euch mit munteren Fakten über das einstiege Avenirland in Frankreich zu unterhalten, dürft ihr euch bereits über den tollen Lautschrei aus Walibi Rhône-Alpes amüsieren. Eddy Meeùs, seines Zeichens Gründer des belgischen Freizeitparks Walibi und exklusiver Wasserskianlagenvertreiber in Belgien hat im Jahr 1981 das Angebot bekommen Anteile an dem französischen Freizeitpark Avenirland bei Les Avenières zu übernehmen. Dieser recht kleine Freizeitpark in der Nähe von Lyon bot seit dem Jahr 1979 eine kleine Ansammlung von Fahrgeschäften aus dem Hause Mack und Soquet in einer – nicht unbedingt zum Namen passenden – Westernkulisse. Meeùs und ein französischer Fahrgeschäftehersteller übernahmen erst einmal 40% der Anteile, ehe dann bereits zwei Jahre später beide jeweils 50% besaßen.  Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Partien führten dann dazu, dass zum Ende des Jahres 1985 alle Anteile bei Meeùs lagen.

1986 folgte die Eröffnung des Schwimmbads Aqualibi und somit der erste Wasserpark der Gruppe. Zwar gab es bereits 1975 Pläne in Wavre ein Schwimmbad zu errichten, doch auf Grund fehlender Mittel wurden diese nie realisiert. Zehn Jahre später besuchte Dominique Fallon den Freizeitpark Duinrell samt nagelneuen Tikibad, woraufhin die Idee für das Schwimmbad Aqualibi in Belgien geboren wurde. Eddy Meeùs selbst konnte erst im Januar 1986 von der Idee überzeugt werden. Daraufhin ging eigentlich alles sehr schnell. Beide Aqualibis eröffneten in einem engen Zeitfenster, wobei der französische Wasserpark auf Grund seiner Lage nur während der Sommermonate geöffnet sein würde und daher im Vergleich zum belgischen Aqualibi – der seinerzeit den Status Quo für Wasserparks in Belgien stellte – eher spärlich ausfiel.

Zwei Jahre später erhielt der Park mit dem Boomerang seine erste Großachterbahn.  Der jedoch ausgebliebene Besucheransturm bedeutete beinahe das Aus für den Freizeitpark. Der Park hatte ein Imageproblem und Dominique Fallon hatte die Lösung. Die Marke Walibi war durch extensive Werbung über den luxemburgischen Radiosender RTL in ganz Frankreich bekannt – obgleich sich die Werbung ja immer stets an die frankophonen Belgier richtete – und mit der neuen Raftinganlage Radja River war man gerade in aller Munde. Das Avenirland sollte also seinen eigenen Radja River bekommen, ebenso sollte der Park in Walibi Rhône-Alpes umbenannt werden. Innerhalb eines Jahres konnte man somit die Besucherzahlen von 250000 auf 450000 steigern.

Die 90er Jahre sind geprägt vom rasanten Wachstum der Walibi Gruppe, während Walibi Rhône-Alpes ein wenig in den Besucherzahlen stagnierte. 1997 folgte dann der Verkauf eines Großteils der Gruppe (Ausnahme waren die beiden Brüsseler Attraktionen Mini Europe und Océade die fortan von Thierry Meeùs geleitet wurden) an Premier Parks. Unter der Ära Six Flags stabilisierten sich die Besucherzahlen wieder bei 400000 Besuchern. 2004 folgte dann die Übernahme durch Star Parks, einer von Palamon Capital Partners ins Leben gerufene Freizeitparkkette. Im Jahr 2006 erfolgte dann der Verkauf an die Grévin & Cie, also der heutigen Freizeitparksparte der Compagnie des Alpes.

Fortan hatte also Paris das Sagen und als erste Aktion wurde der Wasserpark Aqualibi massiv erweitert. Auch erhielt er mit L’île aux Pirates einen neuen Namen. 2011 folgte dann die größte Neuerung des Parks, als das knuffige Känguru sein eigenes Universum spendiert bekommen hat und anschließend deutlich moderner aufgestellt war. In Folge dessen hat auch der Wasserpark seinen ursprünglichen Namen erneut erhalten. Große Teile Walibi Rhône-Alpes wurden umgestaltet und unterlagen nun dem Leitmotiv rund um die beiden fiktiven Bands WAB und The SkunX. Auch wenn die Neuausrichtung insgesamt gesehen nur von kurzer Dauer war, so war sie wegweisend.

Mittlerweile liegt die Entscheidungsgewalt über die Ausrichtung des Vergnügungsparks nicht mehr ausschließlich in Paris, wodurch sich die einzelnen Parks nach ihrem eigenen Bedarf entwickeln können. Dass seit nunmehr sieben Jahren jedes Jahr eine Neuheit in Rhône-Alpes geboten wird ist eine überaus interessante Entwicklung. Dass besagte Neuheiten auch jedes Mal in Perfektion auf den entsprechenden Bereich abgestimmt werden, das schafft nicht jeder Park.

Parkrundgang

Dock n Roll und Hurricane

Es ist also kaum verwunderlich, dass mich der Park gleich nach Betreten des neu geschaffenen Eingangsbereichs absolut begeistern konnte. Walibi Rhône-Alpes ist schlichtweg schick, woran auch der neu geschaffene Themenbereich Festival City mit seinem Rockin‘ Tug Dock n Roll und dem Vertical Swing Hurricane, sowie das 4D-Kino des Parks beteiligt ist. Leider war der Kettenflieger zum Zeitpunkt des Besuchs noch in Bau, die Gestaltungsidee mit der Vielzahl an Ventilatoren gefiel mir sehr.

Bamba

Aus dramaturgischen Gründen begeben wir uns nun entgegen dem Uhrzeigersinn durch Walibi Rhône-Alpes. Dabei treffen wir alsbald auf den ursprünglichen Hauptbereich des Parks, der eigentlichen Westernstadt, die heutzutage natürlich quietschbunt daherkommt um den Look der Comicvorlage Morvans, L’Hermeniers und Wuyes gerecht zu werden. Dieser Bereich weist eine Vielzahl an Restaurants und Familienfahrgeschäften auf, darunter ein Karussell, eine Oldtimerbahn, sowie ein Autoskooter, aber auch zwei rasantere Fahrgeschäfte. Den Anfang macht dabei der Mack Calypso Bamba, der eine solide, wenngleich auch monotone, Fahrt bot und mit seinen fast 40 Jahren immer noch das Familienpublikum zu begeistern weiß.

Skunx Tower

Die Hauptattraktion in diesem Bereich ist der Skunx Tower, der damals von Premier Parks als Totem Infernal in den Park gestellt wurde. Dieser 57m hohe Abschussfreifallturm von S&S Power macht das, was ein Freifallturm der Firma im Space Shot Programm so macht und befördert einem mit ordentlich Schmackes rasant nach oben. Dort angekommen passiert jedoch etwas, was man so eigentlich gar nicht erwartet und so wird man überaus ordentlich in den Schulterbügel befördert. Airtime olé! Das man dann mit einem breiten Grinsen aus der Fahrt aussteigt versteht sich natürlich von allein und wäre die Schlange an so einem Turm nicht immer gleich so lang, man würde ruck zuck wieder einsteigen. Ein toller Turm, den man nicht verpassen sollte!

Aqualibi

Den Wegen folgend überschreiten wir mal eben die Gleise der Parkeisenbahn und sehen uns dann den Wasserpark Aqualibi ein wenig von außen an. Dieser war entsprechend zur Jahreszeit noch nicht in Betrieb und auch die interessant wirkende Rutsche Coursaire lag auf einem Gelände neben dem Wasserpark herum. Eigentlich wollte ich immer mal nach Walibi Rhône-Alpes um den Park mitsamt Wasserpark auszutesten, nun war ich etwas zu früh dran. Das macht jedoch nichts, denn der Wasserpark wird ggbfs. demnächst ein weiteres Mal massiv erweitert, um dann als eigenständiger Wasserpark wie auch in Wavre die Gäste unterhalten. Die besagte Röhrenrutsche mit dem sich stetig verengenden Kurvendurchmesser interessiert mich wirklich sehr.

Bambooz River

Direkt gegenüber dem Eingang zum Bad steht die moderne Wildwasserbahn Bambooz River aus dem Hause Interlink und Soquet. Im Jahr 2012 errichtet war diese Anlage die erste neue Attraktion seit dem Rebranding. Die Fahrstrecke steht dabei relativ nackt in der Gegend herum, wird aber durch größere Stahlskulpturen eindrucksvoll geschmückt. Die Fahrt weißt zwei Schussfahrten unterschiedlicher Höhe auf, wobei die kleinere zudem eine doppelte Abfahrt vorweisen kann. Beide machen nass. Tatsächlich kann einem der Bambooz River regelrecht soaken, das ist durchaus toll und erwünscht. Leider aber darf man keine der Wasserfahrten in den französischen CDA Parks allein fahren, weswegen ich es nur bei einer Fahrt beließ und was vor allem bei der nächsten Anlage auf unserem Parkrundgang seltsam anmutet.

Tam Tam Aventure

Wir begeben uns nun nämlich auf einem französischen Klassiker, der Tam Tam Tour bzw. dem Tam Tam Aventure, wie sich die ewig lange Bootsfahrt nach ihrer Umgestaltung nennt. Da ich die Anlage aus Walibi Aquitaine – also dem heutigen Walibi Sud-Ouest – kenne war ich sehr gespannt darauf, ob die Fahrt auch hier einem durch ein monotones Quaken unzähliger Frösche zum Wahnsinn treibt. Es kam anders. Sogar sehr.

Da ich nicht allein im Boot fahren durfte, zur Besuchszeit jedoch der einzige weit und breit war, durfte ich noch etwas auf andere Mitfahrer warten. Gut, dass innerhalb nur weniger Minuten gleich eine große Meute Mädels auf einem Junggesellenabschied vorbeikamen. Es wurde gesungen, getrötet und natürlich auch getrommelt, immerhin gibt es extra dafür in den Booten verbaute Trommeln. Eigentlich soll man ja im entsprechenden Rhythmus zu den verbauten Filmszenen trommeln – aber das macht nun wirklich keiner. Die Fahrt selbst hat einen tollen Schauwert, die Szenen sind wirklich kreativ und witzig gestaltet. Ebenfalls werden diese höchst ironisch von einem Erzähler wiedergegeben. Das macht schon wirklich viel Spaß und gibt der alten Bootsfahrt auch weiterhin eine Daseinsberechtigung.

Coccinelle

Apropos Daseinsberechtigung, kommen wir nun zur Coccinelle. Seit 1992 unterhält diese klassische Marienkäferbahn in ihrer größten Ausführung die Parkgäste aus Walibi Rhône-Alpes. Die Achterbahn mit dem Layout einer nebeneinanderliegenden doppelten Acht wusste wie immer zu überzeugen, nur leider durchfuhr man die Strecke nur eine einzige Runde lang. Das ist natürlich etwas Schade, immerhin sind diese Anlagen für einen Mehrrundenbetrieb prädestiniert.

Mini Ferme und Les plongeurs de l’extrême

Eine unerwartet lange Zeit verbrachte ich dann auf der Mini Ferme, einem kleinen Nutztierzoo. Dieser ist wirklich anschaulich gestaltet und doch überraschend weitläufig. Es ist schon erstaunlich wie viele französische Familienparks einen solchen Bereich vorweisen können, die Mini Ferme hier in Walibi Rhône-Alpes gehört dabei zu einem der schönsten Vertreter und eignet sich gerade für Familien mit kleineren Kindern dazu die Zeit gnadenlos zu vertrödeln oder aber zumindest die Zeit bis zur nächsten Wet Side Story zu nutzen. Les plongeurs de l’extrême bieten eine tolle und absolut sehenswerte Acapulco-Todesspringershow zu Tage.

Gold River

Kommen wir nun zur Raftinganlage Radja River, die seit der Errichtung der – zumindest in Teilen darüber verlaufenden – MonORrail zum Themenbereich Explorer Adventure gehört und seitdem auf den Namen Gold River hört. Im Gegensatz zum Original aus Belgien handelt es sich beim hiesigen Radja River um eine Anlage aus dem Hause Soquet, die immerhin über acht Sitzplätze per Boot verfügt. Die Fahrt durch den Stromschnellenkanal verläuft jedoch recht gemächlich und ohne größeres Highlight.

Hingegen war ich von der darüber verlaufenden Monorail ganz angetan. Ebenfalls aus dem Hause Soquet punktet diese nämlich mit recht ungewöhnlichen Einsichten auf den Vekoma Boomerang des Parks, sowie mit einer grandiosen Laufruhe. Ein echt tolles Ding.

Timber!

Vorbei am großen Amphitheater des Parks, welches nur in den Sommermonaten bespielt wird, zieht es nun immer mehr in Richtung der Holzachterbahn Timber!. Davor jedoch widmen wir uns der Stimmungskanone Le Galion, immerhin sind wir ja in Frankreich. Diese Schiffschaukel aus dem Hause HUSS wäre eigentlich nicht weiter erwähnenswert, hätten die Sitzflächen hier nicht bereits verbaute Sitztrenner, womit auch kleinere Kinder auf jedem Sitz absolut sicher mitfahren können. Da mit diese Sitztrenner auf keinem Pirat bisweilen untergekommen waren, war ich ganz schön erstaunt.

“It’s going down, I’m yelling timber! You better move, you better dance”. Irgendwer muss den Song von Pitbull ganz schön gemocht haben, denn der Ausruf Timber! war zuvor bestimmt keinem Franzosen bekannt. Umso schöner nun eine Montagne russe en bois aus ganz vielen timbres im Park stehen zu haben. Hersteller dieser Schönheit ist der amerikanische Hersteller Gravity Group, deren Gründer sich zuvor für zahlreiche Werke des Herstellers Custom Coaster International, kurz CCI auszeichneten. Seit einiger Zeit baut die Firma vorwiegend kleinere Holzachterbahnen, was sie vor allem für kleine bis mittelgroße Vergnügungsparks interessant macht. Kein Wunder also, dass Walibi Rhône-Alpes damals zugegriffen hat.

Die wilde Fahrt in den kurzen Zügen beginnt recht flott mit der Erklimmung des gerade einmal 17m hohen Lifthügels. Nach einer engen Wendekurve stürzt sich der Zug unter passender Musikbemalung gnadenlos über die viel zu enge Kuppe hinunter. Mit massig Airtime absolvieren wir den First Drop der Anlage, wie auch den anschließenden recht bodennahen Hügel. Nach einem kurzen Knick nach Links schlängeln wir uns nun über drei Kuppeln, einmal in die eine Richtung und dann in die andere Richtung geneigt, nach oben und werden dabei jedes Mal brachial aus dem Sitz gerissen. In einer bodennahen Rechtskurve nähern wir uns der Parkgrenze, schießen dabei ein weiteres Mal über einen sehr flachen Hügel und wenden und schlussendlich wieder von ihr ab. Unterhalb der dritten Hügelkuppe vollziehen wir nun ein wildes und airtimereiches Wendemanöver. Just darauf preschen wir durch eine weitere Wendekurve um kurz darauf über einen Hügel zu fliegen. Nach einer Rechtskurve folgt nun eine Reihe von kleineren Hügeln, wobei die Geschwindigkeit in einer Reduzierbremse vorher ein wenig gemindert wird. Ehe man sich versieht erreicht man auch bereits die Bremsstrecke der Anlage und der kurze und überaus wilde Ritt nimmt ein Ende.

Timber! ist eine außerordentlich tolle Achterbahn, die fantastisch inszeniert wurde und die durch ihre überaus knackige Fahrweise punktet. Vergleicht man die Fahrweise der Achterbahn mit denen der hierzulande eher bekannten Holzachterbahnen des Herstellers GCI, so ist das was die Gravity Group hier auffährt eine ganz schöne Ansage. Leider aber gibt es an der Anlage ein kleines Detail, welches mir den Spaß ein wenig trübt und das sind die Züge! Timberliner mögen ja ihre Berechtigung haben, zumal sie gerade kleineren Kindern eine sichere Fahrt ermöglichen. Doch, was um Himmels Willen sollen die Scheuklappen an den Zugseiten? Die bescheuerte Bügelkonstruktion lass ich den Hersteller noch durchgehen, denn die sind eigentlich nur schwerfällig, aber die Scheuklappen beschränken einem doch schon sehr. Man sitzt einfach nicht bequem. Nichts desto trotz, eine gute Anlage – wegen der verwendeten Züge jedoch nicht mein Highlight.

Woodstock Express

Vorbei am Zamperla Barnyard Volt-O-Vent zieht es uns nun in Richtung der Wilden Maus Woodstock Express. Dieses italienisches Mausachterbahnkonstrukt aus dem Hause Zamperla bietet dabei ein ähnliches Fahrvergnügen wie die Anlagen von L&T Systems, jedoch mit einem kleinen, aber überaus feinen Unterschied gleich zu Beginn der Fahrt. Während die anderen Mäuse nämlich ihre Fahrgäste in einer Rechtskurve in den Lifthügel der Anlage geleiten schießt die Zamperla Maus in einem kurzen Gefälle aus der Station heraus, ehe es im Lift dann einmal ordentlich Rumms macht. Da ich besagtes Verhalten bereits aus Walibi Sud-Ouest kannte war ich dementsprechend vorbeireitet und stützte mich bis zum besagten Moment von der Rückenstütze ab. Hierauf folgte dann eine absolut butterweiche Fahrt, für die ich mich immer wieder gerne angestellt habe.

EqWalizer

An der Bootsrutsche Surf Music vorbei geht es nun zur letzten Achterbahn des Parks und meinem persönlichen Favoriten, dem Vekoma Boomerang EqWalizer. Nun könnte man sich fragen, warum denn ausgerechnet ein Boomerang besser sein soll als eine abgedrehte und äußerst kraftvolle Holzachterbahn. Die Antwort darauf ist simpel: Der Zug.

Vekoma Boomerangs sind per se überaus lustige Achterbahnen, die sowohl auf der Vorwärts-, wie auch auf der Rückwärtsfahrt durch Cobra Roll und Looping mit Leichtigkeit überzeugen können; wenn sie sich denn gut fahren und zumindest das tun sie in Europa durch die Bank gut. Natürlich gibt es bessere Achterbahnen, aber wenn ein Boomerang ganz plötzlich Schulterbügelfrei unterwegs ist dann muss man sich schon verdammt gut anstellen um gegen eine solche Anlage zu bestehen. Die ungewöhnlich hohe Freiheit in den Sunkid Zügen kommt der Fahrt überaus zu Gute und macht tatsächlich Hunger auf Wiederholungsfahrten und hier im Park muss man dafür auch nicht jedes Mal 5€ berappen wie auf dem Wiener Prater.  Jedoch habe ich auch beim EqWalizer kleinere Kritikpunkte, die zumindest in Teilen die Fahrt betreffen, sie jedoch nicht in der Qualität mindern. So ist der Einstieg in die jeweils zweite Sitzreihe eines Wagens eine überaus enge Prozedur, die man mit einer etwas anderen Bügelform sicherlich optimieren könnte, ebenfalls lief der Onboardsound bei meinem Besuch nicht; dies kann jedoch auch nur temporär der Fall gewesen sein. Summa Summarum also ein geiles Ding!

Bilder Walibi Rhône-Alpes

Fazit Walibi Rhône-Alpes

Walibi Rhône-Alpes stand – als letzter verbleibender Walibi Park – schon länger auf meiner Bucketlist und zum Glück steht er dank den kommenden Neuheiten schon längst wieder auf der Liste. Der Park hat einen echt tollen Charme und überzeugt durch sein echt stimmiges Gesamtpaket. Auch hat der Park ein sehr angenehmes Publikum, was den Familienparkcharakter noch einmal stärkt. Schön war es auch immer wieder auf die Junggesellenabschiedstruppe zu stoßen, die sich wirklich jedes Mal für die Fahrt mit Ihnen auf Tam Tam Aventure bedankt haben. Auf jeden Fall hätte ich mir keinen besseren Auftakt für meine Achterbahnreise denken können, obwohl an diesem Tag in Le Pal die Achterbahn Yukon Quad seine Premiere feierte, aber die gucken wir uns im nächsten Bericht an.


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Langes warten bei mäßigen Andrang

Vorwort

Nach unserem Tagesstart im Fiabilandia erreichten wir zum späten Mittag den Parkplatz des Freizeitparks Mirabilandia. Obwohl unser Besuchstag auf den Ostersonntag fiel, hielt sich der allgemeine Besucherandrang in Grenzen, nicht aber die Wartezeiten und der Eifer der Touristen/Einwohner, sich vorzudrängeln. Ja, es war kein schöner Besuch in Mirabilandia, obwohl die Attraktionen tatsächlich erstklassig sind, doch dazu im einzelnen später mehr.

Die Geschichte des Mirabilandia

Wir starten den Bericht mit einem Blick in die Geschichte des 1992 eröffneten Freizeitparks. Gegründet wurde der Park als Projekt einer Investorengruppe bestehend aus Situr-Finbrescia (46%), San Paolo Finance (44%) und Publitalia 80 (10%) die mit der einfachen Formel „Touristenort + Freizeitpark = Cashcow“ völlig an ihren überzogenen Erwartungen scheiterten und nicht einmal ein Drittel der erhofften zwei Millionen Besucher in den Park ziehen konnte. Da die Betreibergesellschaft 1996 kurz vor dem Bankrott stand verkauften sie den Park im späten Herbst des Jahres an die Löffelhardt-Casoli Gruppe, einem Joint Venture aus dem Phantasialandmitgründer Gottlieb Löffelhardt und Giancarlo Casoli, einen der Eigentümer des ehemaligen italienischen Fahrgeschäft-Herstellers S.D.C., die den Park in den folgenden Jahren massiv erweiterten. In Folge dessen wuchsen auch die Besucherzahlen auf über 1,5 Millionen Besucher heran. Nach einigen Jahren zog sich Löffelhardt aus dem Geschäft zurück und Casoli übernahm die Schirmherrschaft, ehe das Mirabilandia 2006 an die spanische Gruppe Parques Reunidos verkauft wurde.

Parkrundgang

Nachdem man die Kassen hinter sich gelassen hat betritt man über eine Brücke, ähnlich dem englischen Freizeitpark Thorpe Park bei London, den Park. Die Skyline hält sich hier jedoch dezent zurück, ist aber mit der perfekt platzierten Cobra Roll des Inverters Katun zur Rechten der Brücke schon sehr beeindruckend. Von hier geht ein Weg in das Far West Valley, welches sich jedoch noch größtenteils im Bau befand, und den eigentlichen Eingangsbereich des Mirabilandia ab. Dieser stellt sich als detailverliebtes Piratennest heraus und beherbergt einige Shops, wo man unter anderem die, für diesen Park beinahe schon gezwungener Maßen benötigten, Fast Pässe erwirtschaften kann.

Zu meiner eigenen Verwirrung gab es im Mirabilandia willkürlich getaktete Öffnungs- und Schließzeiten der Fahrgeschäfte, wodurch viele Attraktionen erst zum Mittag oder auch später öffneten bzw. deutlich früher wieder schlossen. Dadurch wiederum ergaben sich im ganzen Park überall lange Wartezeiten. Einerseits kann ich verstehen, dass manch kleinere Parks ihre Fahrgeschäfte erst nach und nach in Betrieb nehmen oder manchmal auch bestimmte Themenbereich erst ab einer bestimmten Uhrzeit freigeben, jedoch ist mir eine solche Maßnahme in einen großen Freizeitpark noch nie über dem Weg gelaufen. Auch erklärt es mir warum das Gardaland im Gegenzug damit wirbt nur die Warteschlange seiner Fahrgeschäfte zum Ende seiner Öffnungszeit zu schließen; andererseits handeln die meisten Freizeitparks in Italien genauso und dementsprechend sehr vernünftig.

Divertical

Vorbei am Pepsi Theatre, in dem, wie soll es auch anders sein, eine Zaubershow gezeigt wird, und der davor gelegenen Musicalbühne geht es in Richtung der, bereits von weiten sehr markant wirkenden, Wasserachterbahn Divertical. Spätestens jetzt wird einem bewusst, wie hoch die Anlage doch ist und wie verschwenderisch sie mit dem Platz auf dem sie platziert wurde umgeht; dadurch wirkt die Anlage jedoch keineswegs ästhetisch, was vor allem an den sparsam platzierten Dekorationselementen liegt. Andererseits schmückt sie mit dem hinteren Teil der Fahrt den irrsinnig langen Zugangsweg zur völlig deplatzierten interaktiven Themenfahrt Reset, was durchaus positiv anzumerken ist und wahrscheinlich mehr Personen als je zuvor in diese Ecke des Mirabilandia lockt.

Nachdem man in die Station hinaufgebeten wurde und sich in das Schnellboot gesetzt hat kann die Fahrt auf Divertical auch schon beginnen. Da der Vertikallift der Anlage noch in weiter Ferne liegt dümpelt man mit dem Boot noch etwas durch den Kanal, wobei hier interessanter Weise recht gutes Wildwasserfeeling erzeugt wird, immerhin schlagen die Wellen immer wieder beinahe in das Boot um und lassen einen durch die aufgewirbelten Wassertropfen regelrecht davonzucken. Sobald der Lift erreicht wird geht es recht schnell auf die Ausgangshöhe von 60m, wobei man hier die Krümmung des Aufzugs interessanter Weise kaum bemerkt. Da die Sicht von hier oben wenig interessant ist wird man alsbald über die Kuppe geschoben und hat auf dem folgenden 45° steilen Gefälle genug Zeit um zu merken, dass diese Anlage verdammt schnell ist. Gischt erfrischt und so rast man anschließend durch das erste Becken nur um kaum gebremst über einen Hügel zu fahren. Hier hebt man dann ein wenig ab, ehe man sich in eine flotte Bayernkurve schmeißt. In der Hoffnung durch den anschließenden Blockbereich ein wenig an Geschwindigkeit abzubauen durchfährt man diesen nun ohne jegliche Bremswirkung und wird anschließend in eine Rechtskurve entlassen. Eine flotte Abwärtshelix fügt sich an, geht dann jedoch in einen Hügel über, welcher die finale Schussfahrt der Fahrt einleitet. Gut durchfeuchtet wird man wieder in den Kanal entlassen und erreicht kurz darauf die Station.

Entgegen meinen Erwartungen ist Divertical eine wirklich verdammt gute Wasserachterbahn, welche wie kaum eine andere Anlage ein Geschwindigkeitsgefühl sondergleichen vermittelt. Die Fahrt ist einfach nur schnell, was mir persönlich aber auch erst während der Durchquerung des ersten Beckens aufgefallen ist, was in Betrachtung der Ausgangshöhe, der weltgrößten Wasserachterbahn, ja eigentlich in der Natur der Anlage liegt; zumindest habe ich einen solchen Geschwindigkeitsrausch bisher nur selten erlebt. Darüber hinaus ist die Verarbeitung der Anlage astrein, wodurch die Reibungsverluste nicht wirklich ins Gewicht fallen, was der Geschwindigkeit auch wiederum zur Gute kommt.

iSpeed

Ebenfalls dem Leitthema der Geschwindigkeit zugewendet hat sich der Blitz Coaster iSpeed aus dem Hause Intamin, eine Katapultstartachterbahn mit LSM Modulen, welche die in die Jahre gekommene Holzachterbahn Sierra Tonante ersetzt. Als erstes Projekt der Spanier entstand mit dem selbstbetitelten „Il Rollercoaster #1“ eine durch und durch schnelle Achterbahn mit einer mehr als nur bescheidenen Kapazität.

Während wir bei Divertical noch recht kurz anstehen durften rächte sich unsere weniger verschwenderische und vor lauter Selbstgeilheit mangelnde Lebensweise, durch den Nichtkauf eines Fast Passes. Denn nun durften wir hier etwas über eine Stunde im trostlosen Wartebereich der Achterbahn warten, nur um dabei ständig von irgendwelchen Gören der durch und durch asozialen Touristen der italienischen Adria übergangen zu werden. Während in den anderen italienischen Parks niemand vordrängelte, sogar einen eher noch freiwillig vorließ um Gruppen aufrecht zu erhalten, war es hier schlichtweg eine Pest ohne Gleichen. Wer im Mirabilandia vernünftig sein möchte, der übt lieber im Voraus über das massenweise Erstellen von Selfies zum Narzisst zu werden und gönnt sich einen Fast Pass! So teuer ist der ja in der Theorie eh nicht, vor allem, wenn man sich eine Jahreskarte einer der anderen Parques Reunidos Parks (z.B. Movie Park Germany, Attractiepark Slagharen, …) gegönnt hat und eh keinen Eintritt bezahlt hat; immerhin erspart man sich das Warten mit den widerlich asozialen Touristen, während man in anderen Parks gerade mit dem Kauf eines Fast Passes zu einem widerlich asozialen Touristen wird.

Aber kommen wir nun zur Fahrtbeschreibung der LSM Achterbahn iSpeed, denn sobald man endlich die Treppen zur Station erreicht hat geht es auch bereits recht schnell voran. Einmal im Zug Platz genommen und die Bügel geschlossen wird der Zug alsbald leicht nach vorne geschoben, ehe der Impuls aufgegriffen wird und der Zug nun immer stärker beschleunigt. Nun geht es einen Top-Hat vertikal empor, ehe man diesen mit einer tollen Aussicht auf die Wildwasserbahn Autosplash überquert. Nun stürzt man sich vertikal gen Boden, vollzieht dabei noch eine kurze Rechtsdrehung und passiert sehr druckvoll das erste Tal, in dem man zudem eine S-Kurvenkombination unterhalb der Abschussstrecke vollführt. Parallel zur Station überquert man nun einen Hügel, bei dem man ordentlich aus dem Sitz gehievt wird. Schwungvoll vollführt man nun eine weitere S-Kurve, die in einer engen Rechtskurve übergeht. Auf dem nachfolgenden Hügel folgt ein gemächlicher Umschwung, welcher einen in eine leichte Linkskurve oberhalb der Station entlässt. Ganz plötzlich wird dann ein Korkenzieher eingeleitet, welcher einen wahnsinnig intensiv herumschleudert. Auf einen weiteren Hügel überquert man nun die Abschusstrecke, woraufhin man in der anschließenden Steilkurve zum ersten Mal wieder durchatmen kann. Eher gemächlich schießt der Wagenverbund durch eine weite Rechtskurve, die kurz darauf in die, von außen einsichtige, Herzlinienrolle übergeht. Nach einer weiteren Steilkurve folgt eine kurze Blockbremse. Diese verlässt man in einer ebenso steil abfallenden Linkskurve, woraufhin sich noch ein kleiner Hügel und die finale Linkskurve in Richtung der Station anschließt.

Auch wenn die Initialbeschleunigung des Abschusses eher lasch und kaum vergleichbar mit den Hydraulik- und Reibradantrieben des Herstellers ist, bietet die Fahrt ein Sammelsurium aufregender Elemente gepaart mit richtig viel Druck und Geschwindigkeit. Gerade der Korkenzieher, der von außen kaum einsehbar ist, hat mich während der Fahrt einfach nur überrascht und auch der Streckenteil nach der Blockbremse, welcher auf Videos immer belanglos wirkte, hat durchaus seine Momente und fügt sich hervorragend in das Gesamterlebnis der Fahrt ein. Die Anlage selbst hingegen ist dank der mageren Gestaltung und niedrigen Kapazität leider nicht so überzeugend wie die eigentliche Fahrt.

Leprotto Express

Direkt gegenüber im Kinderland Bimbopoli befindet sich mit dem Leprotto Express die nächste Achterbahn des Mirabilandia. Hierbei handelt es sich um eine einfache Kinderachterbahn des Herstellers L&T Systems, dessen Layout eine einfache Acht im ständigen Wechsel von Auf- und Abwärtsbewegungen beschreibt. Auf Grund der Fülle fuhr die Anlage nur eine Runde.

Rexplorer

Über die Insel mit der Acapulco-Todesspringer-Show erreicht man das im Jahr 2014 neugestaltete Dinoland. Neben der Umgestaltung vorhandener Anlagen, wie z.B. der Pressluftflieger mit Schrägstellung oder der beliebten Kindermonorail, fanden auch eine Gelddruckmaschine, ähm Kinderfahrschule, und ein Magic Bike von Zamperla ihren Weg in den Themenbereich. Wichtigstes Ziel für uns war jedoch die älteste Achterbahn des Mirabilandia, der Powered Coaster Rexplorer.

Die Fahrt beginnt mit einer weiten Linkskurve, an der sich ein gemächlicher Anstieg vorbei an einigen künstlichen Felsen anschließt. Oben angekommen durchfährt der Zug eine Abwärtshelix durch die Felsenformation ehe es eine steilere Gerade empor geht. Nun fährt der Zug durch eine weite abwärtsführende Rechtskurve, unterquert die eben passierte Strecke und umrandet die erste Abwärtshelix in einer Linkskurve. Mit nun deutlich mehr Schwung durchquert man die Station und vollführt eine weitere Runde durch den Parcours.

Theoretisch wäre die Fahrt auf dem Rexplorer schnell abgehandelt gewesen, denn im Gegensatz zu vielen anderen Fahrgeschäften im Mirabilandia hat diese Anlage von Haus aus eine etwas höhere Kapazität und die Warteschlange selbst war überschaubar, doch das Mirabilandia wäre nicht das Mirabilandia, wenn man auch dieses nicht versauen würde. Die Abfertigung war unter aller Sau und wurde durch die mangelnden Zahlenkenntnisse des Personals nochmals in die Länge gezogen. Nachdem man nämlich solange mit der Einteilung der potentiellen Fahrgäste wartete, bis alle Fahrgäste des eben eingetroffenen Zuges den Stationsbereich verlassen haben, wurden etwa die Hälfte des Zuges mit Fast Pass Leuten befüllt, die jedoch allesamt einzeln abgezählt und geprüft werden mussten. Natürlich verzählte sich das Personal dabei andauernd, was besonders nach einem Personalwechsel negativ auffiel. Erst nachdem sich jeder der Fast-Pass-Besitzer auf seinen Platz gesetzt hatte wurden die Normal-Wartenden eingelassen. Die Kontrolle der Bügel und die Fahrt selbst war hingegen schnell erledigt, doch der Ein-Mann-Betrieb an der Anlage benötigte für einen Durchgang fast immer 5 oder mehr Minuten während des Beladens.

El Dorado Falls und Gold Digger

Da die Bauarbeiten im neuen Themenbereich Far West Valley des Mirabilandia während des Besuchs noch im vollsten Gange waren verblieben der Spillwater El Dorado Falls, der Wasserfahrtpioniere O.D. Hopkins, welcher jedoch mit stetigen Ausfällen kämpfte und durch den Ein-Boot-Betrieb keine gute Form machte, sowie die Wilde Maus Gold Digger, ehemals Pakal, als einzige Attraktionen im Betrieb. Da auch hier 50% der Wagen mit Fast Passlern bestückt wurde, hatten wir leider ausreichend Zeit jeden noch so kleinen Winkel der kleinen, recht trostlosen, Warteschlange zu erleben und somit fast eine Stunde für die Wilde Maus italienischer Bauart investiert.

Dabei ist die Fahrt eigentlich recht unterhaltsam, denn nachdem man im oberen Level die Haarnadelkurven, insgesamt sieben an der Zahl, hinter sich gebracht hat geht es eine Ebene tiefer, wo sich nach einem großen Drop direkt eine weitere Serpentinenkurve anschließt. Auch hierauf folgen ein größeres Gefälle und ebenfalls eine Haarnadelkurve. Bekannter Weise machen bei Wilden Mäusen die beiden aufeinander folgenden Gefälle am meisten Spaß, weswegen auch hier nicht darauf verzichtet wird. Eine letzte enge Kurve und ein kleiner Dip schließen sich dann noch an, ehe man zur Station zurückgeführt wird.

Katun

Durch eine großzügig ausgelegte Tempelanlage gelangt man von hier aus zum Inverted Coaster Katun, welcher seit dem Millennium seine Fahrgäste mit baumelden Füßen gleich mehrmals auf den Kopf stellt. Mit einer Höhe von 50m und einer Länge von 1200m ist Katun seit jeher die größte Anlage ihrer Art in Europa und glücklicher Weise angsteinflößend genug um die Wartezeit trotz Ein-Zug-Betriebs gering zu halten. Interessanter Weise wurde gegen Ende des Tages tatsächlich der zweite Zug auf die Reise geschickt, wohl aber auch nur um pünktlich Feierabend zu machen.

Die Fahrt beginnt mit einer kurzen Linkskurve aus der Station hinaus hinein in den Lift der Anlage. Sobald der Zug seiner Ausgangshöhe erreicht hat dreht er sich nach links weg und vollführt zeitgleich ein recht steiles Gefälle. Mit ordentlichem Druck durchquert man das erste Tal, ehe man in dem riesigen Looping das erste Mal kraftvoll Überkopf gestellt wird. Wieder auf Bodenniveau angekommen schießt der Wagenverbund gleich erneut empor um sich in einer Zero-G Roll bei Schwerelosigkeit einmal um die eigene Achse zu drehen. Um die geniale Platzierung der Cobra Roll am See rechts des Eingangs zu ermöglichen fehlen nun einige Streckenmeter die durch eine bodennahe und nach rechts führende Steilkurve gelöst worden. In der anschließenden Inversionsfigur schießt man dann einen halben Looping empor, dreht sich dann zur Seite weg und vollführt das ganze nochmal in umgekehrter Reihenfolge. Natürlich mit überaus erfreulichen positiven Fliehkräften, die auch im anschließenden Tal nicht zu unterschätzen sind. Ebenfalls mit viel Druck dreht man eine Runde in einer weiten Aufwärtshelix an dessen Ende die Blockbremse der Anlage erreicht wird. Diese passiert man ohne jegliche Reduktion der Momentangeschwindigkeit und stürzt sich sogleich gen Abgrund. Beinahe schon geradlinig wird der erste Korkenzieher eingeleitet, welcher einen mit voller Kraft nach rechts in einen Tunnel hinein wirbelt. Diesen verlässt man dann in einen weiteren Korkenzieher, dieses Mal jedoch in die andere Richtung. Ein kurzer Hügel entlässt einen in die abschließende Abwärtshelix der Anlage, woraufhin auch schon gleich die Station erreicht wird.

Katun ist ein toller Inverted Coaster der größeren Bauart, welcher mit ordentlicher Geschwindigkeit viele riesige und gut aufeinander abgestimmte Inversionsfiguren in einem erlebenswerten Layout abspielt. Das Kräftespiel ist dabei nicht zu unterschätzen, doch immer noch recht sanft im Vergleich zu den kleineren Vertretern dieser Achterbahnart in Europa.

Max Adventures Master Thai, Eurowheel und die Hot Wheels Stunt Show

Bereits aus der Warteschlange der Achterbahn Katun konnten wir beobachten, dass die benachbarte Achterbahn Max Adventures Master Thai einen technischen Defekt hat und dementsprechend evakuiert wurde. Auch eine Stunde später war von einer Wiedereröffnung der Anlage nichts abzusehen, sodass wir uns in Richtung des markanten Wahrzeichens des Mirabilandia begaben. Auch beim 90m hohen Riesenrad Eurowheel erwartete uns eine lange und vor allem zähe Warteschlange. Doch eine Fahrt auf dem ehemals höchsten Riesenrad in Europa wollten wir uns aus lauter Lustlosigkeit noch irgendwo anders hinzugehen und dort genauso ewig zu warten nicht nehmen. Wie zu erwarten wurden beim Riesenrad nur die Hälfte der Gondeln bestückt, wodurch wir sehr viel Zeit hatten die unkonventionelle Stützkonstruktion des Riesenrads genauer anzusehen. Während der Fahrt konnten wir neben der Aussicht auf das Mirabilandia noch die Hot Wheels Stunt Show von oben betrachten, dessen Finale aus der Durchfahrt eines riesigen Loopings bestand.

Bilder Mirabilandia

Schlusswort

Ebenfalls von oben konnten wir einige Testfahrten auf Max Adventures Master Thai beobachten, weswegen wir sofort wieder zurück zur Anlage liefen, nur um dort erneut vor verschlossenen Türen zu stehen. Eine halbe Stunde blieb uns noch, weswegen wir uns zu einer weiteren Fahrt auf Katun entschlossen. Das uns danach keine weitere Fahrt mehr möglich war, war nicht abzusehen, weswegen wir insgesamt nur sechs der sieben Achterbahnen und das Riesenrad fahren konnten. Eine Schmach sondergleichen, die aus den eigentlich brillanten Freizeitpark Mirabilandia die letzte Absteige gemacht haben. Man merkt hier allzu deutlich warum das Gardaland (bei vergleichbaren Andrang am Besuchstag) in jeglicher Beziehung der erfolgreichste Freizeitpark in Italien ist und warum sich Parques Reunidos seine Strategie noch einmal überlegen sollte.


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