Langes warten bei mäßigen Andrang

Vorwort

Nach unserem Tagesstart im Fiabilandia erreichten wir zum späten Mittag den Parkplatz des Freizeitparks Mirabilandia. Obwohl unser Besuchstag auf den Ostersonntag fiel, hielt sich der allgemeine Besucherandrang in Grenzen, nicht aber die Wartezeiten und der Eifer der Touristen/Einwohner, sich vorzudrängeln. Ja, es war kein schöner Besuch in Mirabilandia, obwohl die Attraktionen tatsächlich erstklassig sind, doch dazu im einzelnen später mehr.

Die Geschichte des Mirabilandia

Wir starten den Bericht mit einem Blick in die Geschichte des 1992 eröffneten Freizeitparks. Gegründet wurde der Park als Projekt einer Investorengruppe bestehend aus Situr-Finbrescia (46%), San Paolo Finance (44%) und Publitalia 80 (10%) die mit der einfachen Formel „Touristenort + Freizeitpark = Cashcow“ völlig an ihren überzogenen Erwartungen scheiterten und nicht einmal ein Drittel der erhofften zwei Millionen Besucher in den Park ziehen konnte. Da die Betreibergesellschaft 1996 kurz vor dem Bankrott stand verkauften sie den Park im späten Herbst des Jahres an die Löffelhardt-Casoli Gruppe, einem Joint Venture aus dem Phantasialandmitgründer Gottlieb Löffelhardt und Giancarlo Casoli, einen der Eigentümer des ehemaligen italienischen Fahrgeschäft-Herstellers S.D.C., die den Park in den folgenden Jahren massiv erweiterten. In Folge dessen wuchsen auch die Besucherzahlen auf über 1,5 Millionen Besucher heran. Nach einigen Jahren zog sich Löffelhardt aus dem Geschäft zurück und Casoli übernahm die Schirmherrschaft, ehe das Mirabilandia 2006 an die spanische Gruppe Parques Reunidos verkauft wurde.

Parkrundgang

Nachdem man die Kassen hinter sich gelassen hat betritt man über eine Brücke, ähnlich dem englischen Freizeitpark Thorpe Park bei London, den Park. Die Skyline hält sich hier jedoch dezent zurück, ist aber mit der perfekt platzierten Cobra Roll des Inverters Katun zur Rechten der Brücke schon sehr beeindruckend. Von hier geht ein Weg in das Far West Valley, welches sich jedoch noch größtenteils im Bau befand, und den eigentlichen Eingangsbereich des Mirabilandia ab. Dieser stellt sich als detailverliebtes Piratennest heraus und beherbergt einige Shops, wo man unter anderem die, für diesen Park beinahe schon gezwungener Maßen benötigten, Fast Pässe erwirtschaften kann.

Zu meiner eigenen Verwirrung gab es im Mirabilandia willkürlich getaktete Öffnungs- und Schließzeiten der Fahrgeschäfte, wodurch viele Attraktionen erst zum Mittag oder auch später öffneten bzw. deutlich früher wieder schlossen. Dadurch wiederum ergaben sich im ganzen Park überall lange Wartezeiten. Einerseits kann ich verstehen, dass manch kleinere Parks ihre Fahrgeschäfte erst nach und nach in Betrieb nehmen oder manchmal auch bestimmte Themenbereich erst ab einer bestimmten Uhrzeit freigeben, jedoch ist mir eine solche Maßnahme in einen großen Freizeitpark noch nie über dem Weg gelaufen. Auch erklärt es mir warum das Gardaland im Gegenzug damit wirbt nur die Warteschlange seiner Fahrgeschäfte zum Ende seiner Öffnungszeit zu schließen; andererseits handeln die meisten Freizeitparks in Italien genauso und dementsprechend sehr vernünftig.

Divertical

Vorbei am Pepsi Theatre, in dem, wie soll es auch anders sein, eine Zaubershow gezeigt wird, und der davor gelegenen Musicalbühne geht es in Richtung der, bereits von weiten sehr markant wirkenden, Wasserachterbahn Divertical. Spätestens jetzt wird einem bewusst, wie hoch die Anlage doch ist und wie verschwenderisch sie mit dem Platz auf dem sie platziert wurde umgeht; dadurch wirkt die Anlage jedoch keineswegs ästhetisch, was vor allem an den sparsam platzierten Dekorationselementen liegt. Andererseits schmückt sie mit dem hinteren Teil der Fahrt den irrsinnig langen Zugangsweg zur völlig deplatzierten interaktiven Themenfahrt Reset, was durchaus positiv anzumerken ist und wahrscheinlich mehr Personen als je zuvor in diese Ecke des Mirabilandia lockt.

Nachdem man in die Station hinaufgebeten wurde und sich in das Schnellboot gesetzt hat kann die Fahrt auf Divertical auch schon beginnen. Da der Vertikallift der Anlage noch in weiter Ferne liegt dümpelt man mit dem Boot noch etwas durch den Kanal, wobei hier interessanter Weise recht gutes Wildwasserfeeling erzeugt wird, immerhin schlagen die Wellen immer wieder beinahe in das Boot um und lassen einen durch die aufgewirbelten Wassertropfen regelrecht davonzucken. Sobald der Lift erreicht wird geht es recht schnell auf die Ausgangshöhe von 60m, wobei man hier die Krümmung des Aufzugs interessanter Weise kaum bemerkt. Da die Sicht von hier oben wenig interessant ist wird man alsbald über die Kuppe geschoben und hat auf dem folgenden 45° steilen Gefälle genug Zeit um zu merken, dass diese Anlage verdammt schnell ist. Gischt erfrischt und so rast man anschließend durch das erste Becken nur um kaum gebremst über einen Hügel zu fahren. Hier hebt man dann ein wenig ab, ehe man sich in eine flotte Bayernkurve schmeißt. In der Hoffnung durch den anschließenden Blockbereich ein wenig an Geschwindigkeit abzubauen durchfährt man diesen nun ohne jegliche Bremswirkung und wird anschließend in eine Rechtskurve entlassen. Eine flotte Abwärtshelix fügt sich an, geht dann jedoch in einen Hügel über, welcher die finale Schussfahrt der Fahrt einleitet. Gut durchfeuchtet wird man wieder in den Kanal entlassen und erreicht kurz darauf die Station.

Entgegen meinen Erwartungen ist Divertical eine wirklich verdammt gute Wasserachterbahn, welche wie kaum eine andere Anlage ein Geschwindigkeitsgefühl sondergleichen vermittelt. Die Fahrt ist einfach nur schnell, was mir persönlich aber auch erst während der Durchquerung des ersten Beckens aufgefallen ist, was in Betrachtung der Ausgangshöhe, der weltgrößten Wasserachterbahn, ja eigentlich in der Natur der Anlage liegt; zumindest habe ich einen solchen Geschwindigkeitsrausch bisher nur selten erlebt. Darüber hinaus ist die Verarbeitung der Anlage astrein, wodurch die Reibungsverluste nicht wirklich ins Gewicht fallen, was der Geschwindigkeit auch wiederum zur Gute kommt.

iSpeed

Ebenfalls dem Leitthema der Geschwindigkeit zugewendet hat sich der Blitz Coaster iSpeed aus dem Hause Intamin, eine Katapultstartachterbahn mit LSM Modulen, welche die in die Jahre gekommene Holzachterbahn Sierra Tonante ersetzt. Als erstes Projekt der Spanier entstand mit dem selbstbetitelten „Il Rollercoaster #1“ eine durch und durch schnelle Achterbahn mit einer mehr als nur bescheidenen Kapazität.

Während wir bei Divertical noch recht kurz anstehen durften rächte sich unsere weniger verschwenderische und vor lauter Selbstgeilheit mangelnde Lebensweise, durch den Nichtkauf eines Fast Passes. Denn nun durften wir hier etwas über eine Stunde im trostlosen Wartebereich der Achterbahn warten, nur um dabei ständig von irgendwelchen Gören der durch und durch asozialen Touristen der italienischen Adria übergangen zu werden. Während in den anderen italienischen Parks niemand vordrängelte, sogar einen eher noch freiwillig vorließ um Gruppen aufrecht zu erhalten, war es hier schlichtweg eine Pest ohne Gleichen. Wer im Mirabilandia vernünftig sein möchte, der übt lieber im Voraus über das massenweise Erstellen von Selfies zum Narzisst zu werden und gönnt sich einen Fast Pass! So teuer ist der ja in der Theorie eh nicht, vor allem, wenn man sich eine Jahreskarte einer der anderen Parques Reunidos Parks (z.B. Movie Park Germany, Attractiepark Slagharen, …) gegönnt hat und eh keinen Eintritt bezahlt hat; immerhin erspart man sich das Warten mit den widerlich asozialen Touristen, während man in anderen Parks gerade mit dem Kauf eines Fast Passes zu einem widerlich asozialen Touristen wird.

Aber kommen wir nun zur Fahrtbeschreibung der LSM Achterbahn iSpeed, denn sobald man endlich die Treppen zur Station erreicht hat geht es auch bereits recht schnell voran. Einmal im Zug Platz genommen und die Bügel geschlossen wird der Zug alsbald leicht nach vorne geschoben, ehe der Impuls aufgegriffen wird und der Zug nun immer stärker beschleunigt. Nun geht es einen Top-Hat vertikal empor, ehe man diesen mit einer tollen Aussicht auf die Wildwasserbahn Autosplash überquert. Nun stürzt man sich vertikal gen Boden, vollzieht dabei noch eine kurze Rechtsdrehung und passiert sehr druckvoll das erste Tal, in dem man zudem eine S-Kurvenkombination unterhalb der Abschussstrecke vollführt. Parallel zur Station überquert man nun einen Hügel, bei dem man ordentlich aus dem Sitz gehievt wird. Schwungvoll vollführt man nun eine weitere S-Kurve, die in einer engen Rechtskurve übergeht. Auf dem nachfolgenden Hügel folgt ein gemächlicher Umschwung, welcher einen in eine leichte Linkskurve oberhalb der Station entlässt. Ganz plötzlich wird dann ein Korkenzieher eingeleitet, welcher einen wahnsinnig intensiv herumschleudert. Auf einen weiteren Hügel überquert man nun die Abschusstrecke, woraufhin man in der anschließenden Steilkurve zum ersten Mal wieder durchatmen kann. Eher gemächlich schießt der Wagenverbund durch eine weite Rechtskurve, die kurz darauf in die, von außen einsichtige, Herzlinienrolle übergeht. Nach einer weiteren Steilkurve folgt eine kurze Blockbremse. Diese verlässt man in einer ebenso steil abfallenden Linkskurve, woraufhin sich noch ein kleiner Hügel und die finale Linkskurve in Richtung der Station anschließt.

Auch wenn die Initialbeschleunigung des Abschusses eher lasch und kaum vergleichbar mit den Hydraulik- und Reibradantrieben des Herstellers ist, bietet die Fahrt ein Sammelsurium aufregender Elemente gepaart mit richtig viel Druck und Geschwindigkeit. Gerade der Korkenzieher, der von außen kaum einsehbar ist, hat mich während der Fahrt einfach nur überrascht und auch der Streckenteil nach der Blockbremse, welcher auf Videos immer belanglos wirkte, hat durchaus seine Momente und fügt sich hervorragend in das Gesamterlebnis der Fahrt ein. Die Anlage selbst hingegen ist dank der mageren Gestaltung und niedrigen Kapazität leider nicht so überzeugend wie die eigentliche Fahrt.

Leprotto Express

Direkt gegenüber im Kinderland Bimbopoli befindet sich mit dem Leprotto Express die nächste Achterbahn des Mirabilandia. Hierbei handelt es sich um eine einfache Kinderachterbahn des Herstellers L&T Systems, dessen Layout eine einfache Acht im ständigen Wechsel von Auf- und Abwärtsbewegungen beschreibt. Auf Grund der Fülle fuhr die Anlage nur eine Runde.

Rexplorer

Über die Insel mit der Acapulco-Todesspringer-Show erreicht man das im Jahr 2014 neugestaltete Dinoland. Neben der Umgestaltung vorhandener Anlagen, wie z.B. der Pressluftflieger mit Schrägstellung oder der beliebten Kindermonorail, fanden auch eine Gelddruckmaschine, ähm Kinderfahrschule, und ein Magic Bike von Zamperla ihren Weg in den Themenbereich. Wichtigstes Ziel für uns war jedoch die älteste Achterbahn des Mirabilandia, der Powered Coaster Rexplorer.

Die Fahrt beginnt mit einer weiten Linkskurve, an der sich ein gemächlicher Anstieg vorbei an einigen künstlichen Felsen anschließt. Oben angekommen durchfährt der Zug eine Abwärtshelix durch die Felsenformation ehe es eine steilere Gerade empor geht. Nun fährt der Zug durch eine weite abwärtsführende Rechtskurve, unterquert die eben passierte Strecke und umrandet die erste Abwärtshelix in einer Linkskurve. Mit nun deutlich mehr Schwung durchquert man die Station und vollführt eine weitere Runde durch den Parcours.

Theoretisch wäre die Fahrt auf dem Rexplorer schnell abgehandelt gewesen, denn im Gegensatz zu vielen anderen Fahrgeschäften im Mirabilandia hat diese Anlage von Haus aus eine etwas höhere Kapazität und die Warteschlange selbst war überschaubar, doch das Mirabilandia wäre nicht das Mirabilandia, wenn man auch dieses nicht versauen würde. Die Abfertigung war unter aller Sau und wurde durch die mangelnden Zahlenkenntnisse des Personals nochmals in die Länge gezogen. Nachdem man nämlich solange mit der Einteilung der potentiellen Fahrgäste wartete, bis alle Fahrgäste des eben eingetroffenen Zuges den Stationsbereich verlassen haben, wurden etwa die Hälfte des Zuges mit Fast Pass Leuten befüllt, die jedoch allesamt einzeln abgezählt und geprüft werden mussten. Natürlich verzählte sich das Personal dabei andauernd, was besonders nach einem Personalwechsel negativ auffiel. Erst nachdem sich jeder der Fast-Pass-Besitzer auf seinen Platz gesetzt hatte wurden die Normal-Wartenden eingelassen. Die Kontrolle der Bügel und die Fahrt selbst war hingegen schnell erledigt, doch der Ein-Mann-Betrieb an der Anlage benötigte für einen Durchgang fast immer 5 oder mehr Minuten während des Beladens.

El Dorado Falls und Gold Digger

Da die Bauarbeiten im neuen Themenbereich Far West Valley des Mirabilandia während des Besuchs noch im vollsten Gange waren verblieben der Spillwater El Dorado Falls, der Wasserfahrtpioniere O.D. Hopkins, welcher jedoch mit stetigen Ausfällen kämpfte und durch den Ein-Boot-Betrieb keine gute Form machte, sowie die Wilde Maus Gold Digger, ehemals Pakal, als einzige Attraktionen im Betrieb. Da auch hier 50% der Wagen mit Fast Passlern bestückt wurde, hatten wir leider ausreichend Zeit jeden noch so kleinen Winkel der kleinen, recht trostlosen, Warteschlange zu erleben und somit fast eine Stunde für die Wilde Maus italienischer Bauart investiert.

Dabei ist die Fahrt eigentlich recht unterhaltsam, denn nachdem man im oberen Level die Haarnadelkurven, insgesamt sieben an der Zahl, hinter sich gebracht hat geht es eine Ebene tiefer, wo sich nach einem großen Drop direkt eine weitere Serpentinenkurve anschließt. Auch hierauf folgen ein größeres Gefälle und ebenfalls eine Haarnadelkurve. Bekannter Weise machen bei Wilden Mäusen die beiden aufeinander folgenden Gefälle am meisten Spaß, weswegen auch hier nicht darauf verzichtet wird. Eine letzte enge Kurve und ein kleiner Dip schließen sich dann noch an, ehe man zur Station zurückgeführt wird.

Katun

Durch eine großzügig ausgelegte Tempelanlage gelangt man von hier aus zum Inverted Coaster Katun, welcher seit dem Millennium seine Fahrgäste mit baumelden Füßen gleich mehrmals auf den Kopf stellt. Mit einer Höhe von 50m und einer Länge von 1200m ist Katun seit jeher die größte Anlage ihrer Art in Europa und glücklicher Weise angsteinflößend genug um die Wartezeit trotz Ein-Zug-Betriebs gering zu halten. Interessanter Weise wurde gegen Ende des Tages tatsächlich der zweite Zug auf die Reise geschickt, wohl aber auch nur um pünktlich Feierabend zu machen.

Die Fahrt beginnt mit einer kurzen Linkskurve aus der Station hinaus hinein in den Lift der Anlage. Sobald der Zug seiner Ausgangshöhe erreicht hat dreht er sich nach links weg und vollführt zeitgleich ein recht steiles Gefälle. Mit ordentlichem Druck durchquert man das erste Tal, ehe man in dem riesigen Looping das erste Mal kraftvoll Überkopf gestellt wird. Wieder auf Bodenniveau angekommen schießt der Wagenverbund gleich erneut empor um sich in einer Zero-G Roll bei Schwerelosigkeit einmal um die eigene Achse zu drehen. Um die geniale Platzierung der Cobra Roll am See rechts des Eingangs zu ermöglichen fehlen nun einige Streckenmeter die durch eine bodennahe und nach rechts führende Steilkurve gelöst worden. In der anschließenden Inversionsfigur schießt man dann einen halben Looping empor, dreht sich dann zur Seite weg und vollführt das ganze nochmal in umgekehrter Reihenfolge. Natürlich mit überaus erfreulichen positiven Fliehkräften, die auch im anschließenden Tal nicht zu unterschätzen sind. Ebenfalls mit viel Druck dreht man eine Runde in einer weiten Aufwärtshelix an dessen Ende die Blockbremse der Anlage erreicht wird. Diese passiert man ohne jegliche Reduktion der Momentangeschwindigkeit und stürzt sich sogleich gen Abgrund. Beinahe schon geradlinig wird der erste Korkenzieher eingeleitet, welcher einen mit voller Kraft nach rechts in einen Tunnel hinein wirbelt. Diesen verlässt man dann in einen weiteren Korkenzieher, dieses Mal jedoch in die andere Richtung. Ein kurzer Hügel entlässt einen in die abschließende Abwärtshelix der Anlage, woraufhin auch schon gleich die Station erreicht wird.

Katun ist ein toller Inverted Coaster der größeren Bauart, welcher mit ordentlicher Geschwindigkeit viele riesige und gut aufeinander abgestimmte Inversionsfiguren in einem erlebenswerten Layout abspielt. Das Kräftespiel ist dabei nicht zu unterschätzen, doch immer noch recht sanft im Vergleich zu den kleineren Vertretern dieser Achterbahnart in Europa.

Max Adventures Master Thai, Eurowheel und die Hot Wheels Stunt Show

Bereits aus der Warteschlange der Achterbahn Katun konnten wir beobachten, dass die benachbarte Achterbahn Max Adventures Master Thai einen technischen Defekt hat und dementsprechend evakuiert wurde. Auch eine Stunde später war von einer Wiedereröffnung der Anlage nichts abzusehen, sodass wir uns in Richtung des markanten Wahrzeichens des Mirabilandia begaben. Auch beim 90m hohen Riesenrad Eurowheel erwartete uns eine lange und vor allem zähe Warteschlange. Doch eine Fahrt auf dem ehemals höchsten Riesenrad in Europa wollten wir uns aus lauter Lustlosigkeit noch irgendwo anders hinzugehen und dort genauso ewig zu warten nicht nehmen. Wie zu erwarten wurden beim Riesenrad nur die Hälfte der Gondeln bestückt, wodurch wir sehr viel Zeit hatten die unkonventionelle Stützkonstruktion des Riesenrads genauer anzusehen. Während der Fahrt konnten wir neben der Aussicht auf das Mirabilandia noch die Hot Wheels Stunt Show von oben betrachten, dessen Finale aus der Durchfahrt eines riesigen Loopings bestand.

Bilder Mirabilandia

Schlusswort

Ebenfalls von oben konnten wir einige Testfahrten auf Max Adventures Master Thai beobachten, weswegen wir sofort wieder zurück zur Anlage liefen, nur um dort erneut vor verschlossenen Türen zu stehen. Eine halbe Stunde blieb uns noch, weswegen wir uns zu einer weiteren Fahrt auf Katun entschlossen. Das uns danach keine weitere Fahrt mehr möglich war, war nicht abzusehen, weswegen wir insgesamt nur sechs der sieben Achterbahnen und das Riesenrad fahren konnten. Eine Schmach sondergleichen, die aus den eigentlich brillanten Freizeitpark Mirabilandia die letzte Absteige gemacht haben. Man merkt hier allzu deutlich warum das Gardaland (bei vergleichbaren Andrang am Besuchstag) in jeglicher Beziehung der erfolgreichste Freizeitpark in Italien ist und warum sich Parques Reunidos seine Strategie noch einmal überlegen sollte.


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Auf Entdeckungstour im Bellewaerde Park

Bellewaerde Park

Der Bellewaerde Park befindet sich in der belgischen Provinz West-Vlaanderen, welche durch die Stadt Brügge sicherlich als schönster Teil Belgiens deklariert werden kann. Auch die Straßen sind hier nicht so bescheiden wie im Rest des Landes und die Nähe zu der französischen Region Nord-Pas-de-Calais beschert den Park ein angenehmeres Parkpublikum als man es beispielsweise im Ur-Walibi erleben kann.

Parkrundgang

Bengal Rapid River

Betritt man den Park durch den Eingang A und geht sogleich nach links trifft man nach passieren des Kettenkarussells auf die Vekoma Raftinganlage Bengal Rapid River, welche dem indischen Themenbereich zuzuschreiben ist. Die Gestaltung des Kanals ist schön anzusehen und der Raftingfaktor durch die Boote, wie auch bei der Schwesteranlage im Walibi Holland, ausgeprägt, nur leider kam es durch die Beliebtheit der Anlage nicht zu einer Fahrt. Hier sollte man sicherlich gegen Anfang oder am Ende des Besuches eine Fahrt wagen.

Bengal Express

Die zweite Attraktion in diesem Bereich ist der Bengal Express, eine Zugfahrt in geschlossenen Wagons bei der man durch großzügige Tiger- und Löwengehege fährt und bei der zweiten Kehrtwende die Wasseraufbereitungsanlage des Parks als Highlight bestaunen darf – immerhin wird dieses ja sogar via Lautsprecher angepriesen. Sollte nicht gleich ein Zug in der Station sein, oder dieser gerade abgefahren sein kann man hier tatsächlich recht lange Warten. Auch sagt dieses der großzügig angelegte Wartebereich auch aus, wobei es den Anschein hat, dass der Bellewaerde Park im Allgemeinen in der Hochsaison durchaus sehr voll werden kann.

Screaming Eagle

Am Ufer eines großen Sees gelegenen befindet sich der Themenbereich Canada, welcher die einzige von außen halbwegs einsichtige Attraktion des Bellewaerde Park aufweisen kann. Die Rede ist dabei vom Shot ’n‘ Drop Screaming Eagle, eine der seltenen Parkanlagen aus dem Hause HUSS. Im Gegensatz zu den des Öfteren vertretenen Space Shot Türme des Herstellers S&S Worldwide kann die Anlage aus dem Stand heraus nach oben geschossen werden. Im Gegensatz zu den Anlagen, welche vor einiger Zeit noch auf deutschem Kirmesboden zu sehen waren erfolgt der Abschuss nach oben doch sehr überraschend, da jegliche Rekommantion dieses nicht voraussehen ließ. In freier Wildbahn und nicht durch den Hall umherstehender Häuser beeinflusst ist der Lärmpegel dieses Geschäftes durchaus gering, wobei man als Mitfahrer beim Hochfahren der Gondel jedoch anderer Meinung sein kann. Der Fall ist im Vergleich zu besseren S&S Türmen eher zahm und Kräfte im negativen Bereich entstehen kaum, jedoch punktet die Anlage durch eine große Kapazität, der allgemeinen Gestaltung, sowie dem Abschuss und der höheren Fahrtdauer.

Niagara

Nebenan erstrahlt der Shoot the Chutes Niagara des Herstellers Interlink in seiner vollen Pracht. Diese Art der Wasserbahn zeichnet sich vor allem durch seine großen Boote und der entstehenden Welle aus, welche sich hier jedoch nur bedingt auf die Insassen des Bootes auswirkt. Tatsächlich ist der Nässegrad nicht so hoch wie bei den Anlagen Cataratas Salvajes aus dem spanischen Parque Warner oder Tidal Wave aus dem englischen Thorpe Park, aber immerhin nicht so enttäuschend wie bei Isla Magicas Iguazu. Auf der Brücke, welche seltsamer Weise nicht vom Ausgang der Anlage über die Anlage führt, sondern frei zugänglich als Brücke zwischen den Ufern dient, war die Sehnsucht nach dem nassen Element durchaus hoch. Hier warfen sich Kinder gnadenlos in die Welle und man konnte diese hinter einer sicheren Glaswand gut dabei beobachten. Tatsächlich bricht die Welle so seltsam durch das Boot, so dass der größte Teil dieser direkt die Brücke erwischt.

Die weiteren Attraktionen in diesem Bereich sind eine Koggenfahrt, eine nass wirkende Schlauchbootrutsche, sowie die ein wenig seltsam wirkende Schiffschaukel aus dem Hause HUSS. Von 13-16 Uhr kann man auf einer kleinen Insel Totenkopfaffen ein wenig näher kommen, da ein Weg genau durch deren Gehege verläuft.

Auf der rechten Seite des Parkeingangs A befindet sich der Kidspark Themenbereich, der einerseits aus einem mittelalterlich gestalteten Teilbereich besteht, andererseits aus einigen traditionellen Fahrgeschäften und einem mysteriösen Herrenhaus, sowie einem großen Kletter- und Rutschkomplex.

Maison Magique d’Houdini

Ob eben jenes Herrenhaus unbedingt zu dem Kinderbereich gehören sollte, mag man doch eher zu bezweifeln, denn die Preshow ist nicht unbedingt für ängstliche Personen gemacht, wenn gleich die eigentliche Thematik nicht gruselig ist. Nachdem man das Maison Magique d’Houdini betreten hat, wo einige Exponate ausgestellt wurden wird ein Film über seine Jugend gezeigt, welcher nach kurzer Zeit untermalt von einem fiesen Lachen jedoch wegbrennt. Nun aktivieren sich einige Effekte und nach einigen Tricks wird man eingeladen beim größten seiner Tricks selbst beizuwohnen.

Wo der Preshow Raum sehr detailliert gestaltet ist, so ist der Hauptraum doch überraschend leer. Im Vergleich zu anderen Hexenschaukeln des gleichen Herstellers kann man hier keine üppig gestaltete Raummitte finden, was den angestellten Bedienern die Abfertigung zwar durchaus erleichtert, aber doch ein wenig Schade ist. An den Seiten befinden sich Spiegel, die glücklicher Weise, fixiert sind und im späteren Verlauf noch eine weitere Funktion offenbaren.

Die eigentliche Fahrt lässt mit dem vorgetäuschten Überschlag ganz schön lange warten und auch die Musik bleibt einen nach der Fahrt nicht sehr lange in Erinnerung. Jedoch ist das wahnsinnige Genie Huidinis durchaus in Erinnerung geblieben, denn sein Trick war selbst nach Betteln für eine Befreiung noch nicht zu Ende. Trotz der Aussage man würde sich in seinem schlimmsten Alptraum befinden entsinnt sich Houdini nach einem weiteren fiesen Lachen und dem Worten „Ce que vous pensez que vous voyez n’est pas ce qu’il semblait. C’est ce qu’on appelle l’illusion“ wird man schlussendlich doch noch befreit. In den Spiegeln zeigt sich dabei ein animierter Schlüssel.

Jungle Mission

Vorbei an einigen sehr großzügigen Tiergehegen, welche hauptsächlich afrikanische Tierarten aufwiesen, geht es in den Jungle. Die Hauptattraktion dieses Bereiches und zugleich einer der Hauptattraktionen des Bellewaerde Park schlechthin ist die Towboat Safari Jungle Mission, bei der man wie im Erlebnis-Zoo Hannover an einigen Tiergehegen vorbei schippert. Diese Anlage wurde vor gar nicht langer Zeit von Grund auf erneuert und erstrahlt heute im frischen Glanz bzw. in ihrer jetzigen Ausprägung. Während der Fahrt werden einige Wassereffekte aktiviert, nur die wenigsten von diesen erfrischen die Besucher auch direkt. Das afrikanische Thema wurde dabei nicht so liebevoll rassistisch wie beim ehemaligen dänischen Vergnügungspark Sommerland Syd umgesetzt, kann aber von den bekannten Uraltanimatroniks, welche man allesamt in der Themenfahrt La Jungla des Parque de Atracciones de Madrid wiederfindet, glücklicherweise keine einzige vorweisen und hebt sich daher doch deutlich ab.

Coccinelle

Die Achterbahn mit der längsten Warteschlange war an diesem Tag ein Klassiker deutscher Ingenieurskunst mit dem Namen Coccinelle, oder Keverbaan, je nachdem welche Sprache man besser versteht. Interessanter Weise konnte die Anlage weder von der Lautstärke noch von der Geschwindigkeit mit baugleichen Anlagen verglichen werden, denn sie hörte sich weder an wie ein Düsenjet, noch war sie so langsam, dass sie zusätzliche Reibräder auf der Strecke brauchte. Tatsächlich konnte man weder diese Anlage, noch den Luftdruckturm von weiten hören. Die allgemeine Gestaltung als wilde Achterbahn des Westens wirkt zwar ein wenig ungewohnt, ist durch die umgebenden Wände und der Überdachung des Lifthills eigentlich recht gelungen.

River Splash und El Toro

Neben der Wildwasserbahn River Splash und einem Bisongehege beginnt der Themenbereich Mexico sein Dasein. Hier kann man in einem 4D Kino den Film Sammys großes Abenteuer auf Niederländisch beziehungsweise Französisch ansehen, eine Runde auf dem Break Dance El Toro in Kuhgondeln drehen, dem zur Zeit noch einzigen Topple Tower außerhalb Skandinaviens mit Personenverkehr in Europa bestaunen oder die beiden verbliebenen Achterbahnen des Bellewaerde Park fahren.

El Volador

Ein Topple Tower des Hersteller HUSS ist ein seltsames Gerät, denn es scheint spektakulär von außen und auch die Technik scheint durchdacht, wenn auch in den wenigsten Fällen zu funktionieren und dennoch gehört dieses Fahrgeschäft mit Abstand zu den langweiligsten was man in einem Freizeitpark erleben kann, was man zuvor evtl. noch von dem King Kong aus dem Bobbejaanland hätte sagen können, wobei dort weder die Fahrt noch das Äußere besonders interessant aussehen, aber immerhin hat die Anlage Effekte die einen tatsächlich betreffen. Die Fahrt in El Volador gleicht der eines Wellenfliegers sollte man ihn seitlich fahren, nur das man diesen deutlich langsamer und mit Schulterbügeln absolvieren würde und mit leichter Querneigung nach unten. Wie Chessington World of Adventures des Öfteren zeigte kann man so gut wie alles massiv aufwerten wenn man denn das Element Wasser dazu ausnutzt andere Leute nass zu machen, hier hingegen war es unerreichbare Deko, die nicht einmal die Schuhe bespritzte, schade, denn das Konzept sieht in Bewegung von außen sehr schön aus.

Boomerang

Einige Meter von der Anlage entfernt kann man den ersten jemals eröffneten Boomerang seine Ehre erweisen und tatsächlich ist diese Achterbahn ein würdiger Vertreter dieser Shuttlecoaster Art. Im Vergleich zu vielen anderen Vertretern kommt die Station nicht in einer Zeltoptik daher, sondern wurde passend zum mexikanischen Bereich gestaltet. Die Vekoma Züge der zweiten Generation fahren sich hier, wie auch bei der Schwesteranlage Cobra aus dem Walibi Belgium erstaunlich gut, wenn auch nicht ganz so perfekt wie in Wavre. Die Anlage selbst erstrahlt durch ihre Farben, ist jedoch nicht unbedingt am Geeignetsten für diesen Bahntypus platziert worden.

Huracan

Die Neuheit in diesem Jahr ist der Indoorcoaster Huracan, welcher die vermeintlich recht gute Piratenthemenfahrtkopie im selben Gebäude ersetzt hat. Von außen kann man einen kleinen Teil der Strecke einsehen und man fragt sich ein wenig, warum man diese nicht ein wenig mehr ausgeprägt hatte, immerhin ist die Höhe bis zum Boden doch noch recht hoch. Betritt man den ein wenig zu hellen Wartebereich dauert es auch nicht lange bis man sich in der schön gestalteten Station befindet. Da man hier, wie in den anderen Anlagen auch, abgezählt wird besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit sich seinen Lieblingsplatz zu ergattern.

Die Fahrt beginnt mit einer kleinen Themenfahrt, wo man begleitet von Musik und anderen Klängen durch die Elemente Feuer, Wasser und Wind geleitet wird. Anschließend fördert einen der Lifthill auf die Maximalhöhe der Anlage und nach einer kleinen Geraden folgt der kurvige erste Drop, welcher nach einem kleinen Anstieg wieder in das Gebäude führt. Nun folgt die überraschend wilde und zugleich ruhige Fahrt. Eine Kurve wechselt mit der nächsten und die Umschwünge machen dabei allesamt sehr viel her. Wo man denkt ein Force Coaster müsste so langsam mal enden macht Huracan einfach weiter, bis irgendwann auf einer Geraden haltmacht und dabei von Lasern ein wenig unterhalten wird, immerhin muss der vorangehende Block noch freigegeben werden.

Huracan macht als Dunkelachterbahn so einiges her und ist in der Halle tatsächlich so dunkel, wie man es selten erlebt. Die Geschwindigkeit wie auch die Kräfte während der Fahrt sind einfach toll und der Thementeil am Anfang nettes Beiwerk, auch wenn man diesen Part nicht unbedingt für eine sehr gute Achterbahn wie es Huracan nun mal ist bräuchte.

Bilder Bellewaerde Park

Fazit Bellewaerde Park

Der Bellewaerde Park ist zweifellos einer der schönsten Parks Europas und es tut mir schon ein wenig Leid den Park nach nur 3 1/2 Stunden verlassen gemusst zu haben, zumal Wiederholungsfahrten, wie auch eine Fahrt auf der seltenen Raftinganlage darunter gelitten haben. Die Companie des Alpes hat mit dem Bellewaerde Park einen großartigen Park, der vor allem gegenüber der Konkurrenz aus de Panne Punkten kann. Hier bleibt daher nur zu hoffen, dass auch in Zukunft weiter in die bisherige Richtung des doch recht großen Parks investiert wird.

 

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Bellewaerde



Freizeitpark:Bellewaerde (ab 2014)
Bellewaerde Park (1972 - 2013)
Safari Bellewaerde (1969 - 1971)
Toeristisch Centrum Bellewaerde (1954-1968)
Adresse:Meenseweg 497
8902 Ieper
https://www.bellewaerde.be/en
Betrieb:Compagnie des Alpes

Bellewaerde in Ypern in der Nähe der französischen Grenze bei Kortrijk ist einer der größten belgischen Tier- und Freizeitparks. Der Park wurde im Jahr 1954 gegründet und wird derzeit durch die französische Compagnie des Alpes betrieben. Der Park bietet eine Vielzahl an außergewöhnlichen Fahrgeschäften für die ganze Familie, darunter auch der einzige im Betrieb befindliche HUSS Topple Tower.

Fun Fact #1: Die Achterbahn Boomerang ist die erste im Betrieb gegangene Anlage ihrer Art, jedoch nicht die erste gebaute.

Fun Fact #2: Die Raftinganlage Bengal Rapid River wurde von dem niederländischen Achterbahnbauer Vekoma errichtet und ist die einzige der beiden gebauten Anlagen, die noch mit den originalen Booten unterwegs ist.

 
 
 

Highlights des Tier- und Freizeitparks

 




 

Bengal Rapid River

Ein rasanter Fluss von Vekoma

 


 

Boomerang

Der erste seiner Art

 


 

Coccinelle

Ein Familienklassiker

 


 

El Volador

Der einzige verbliebene seiner Art

 


 

Maison Magique d’Houdini

Ein verrücktes Haus

 


 

Huracan

Eine sehr lustige Familienachterbahn

 



 

Jungle Mission

Ein Abenteuer auf dem Floß

 


 

Niagara

Solch eine nasse Schönheit

 


 

Screaming Eagle

Eine vertikale Erfahrung