Auf dem Weg ins Wunderland

Nach einer überaus stürmischen Nacht in Decatur, TX zog es mich wieder auf den Highway 287 in Richtung Amarillo, wo ich die nächsten 4 ½ Stunden verbringen würde. Da stellt sich nur eine Frage: Gibt es was Schöneres?

Die meisten Orte an diesem Highway sind es schonmal nicht. Immerhin lernt man, dass Sonic eine der wohl populärsten Fast-Food-Ketten im amerikanischen Süden ist. Außer diesen bestehen die kleinen Orte meist noch aus dem einen oder anderen Hotel und mindestens einer Tankstelle – das war es dann aber auch wieder. Der Highway 287 selbst ist jedoch top gepflegt, die Landschaft sehr grün und das Fahrtempo konstant hoch. Texas ist dann schon irgendwie sehr deutsch, nur halt in wärmer.

Auf dem Weg hielt ich dann irgendwann mal bei einem Loves zum Tanken. Hier merkte ich dann auch, dass mich weder meine Kredit- noch meine Debitkarte am Bezahlautomaten weiterbrachten. Blöd nur, wenn es die eigene PLZ in Amerika nicht gibt und auch alle anderen nicht einfach so geschluckt werden. Also rein in den Shop, wo ich mich dann erst einmal ganz grob verschätzt habe, was in den Tank des geliehenen Ford Focus so alles reinpasst und wie viel das am Ende kosten würde. Da man am Ende eh nur den getankten Beitrag abbuchen würde war es jedoch auch nur halb so wild, dennoch mag ich es persönlich nicht in Vorkasse zu gehen.

Nach einem frisch belegten Sub ging es dann weiter auf die amerikanische Bundesstraße. In Claude folgte dann der Wechsel auf eine Landstraße, woraufhin es an zahlreichen Ranchzufahrten vorbei in Richtung meines ersten Tagesziels, dem Palo Duro Canyon State Park, ging.

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Was für eine Aufruhr

Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Als ich am Vorabend eine E-Mail von American Airlines bzgl. möglicher Unwetter in Texas bekommen habe, hätte ich schon vom Schlimmsten ausgehen sollen. Als ich dann gegen Mittag auf der Arbeit den Link in der Email gefolgt bin, traf mich dann der Schlag: Mein Flug von Charlotte nach Dallas wurde gecancelt.

Zum Glück war die Umbuchung wenig kompliziert, doch nun musste ich deutlich früher als ursprünglich gedacht zum Flughafen nach Akron. Praktischerweise liegt dieser direkt gegenüber von unserem amerikanischen Entwicklungszentrum, blöderweise musste ich jedoch noch mein Gepäck holen. Also schnell zurück in die Wohnung und sich bei der Gegebenheit bei meinem mitreisenden Kollegen verabschieden – der jedoch wie geplant am Nachmittag zurück nach Europa flog –, sowie der Frau meines kroatischen Kollegen auf Wiedersehen sagen. Da mein ursprünglicher Flug ja gegen Abend war wollten wir alle noch gemeinsam zu Abend essen und ein letztes Bierchen zusammen trinken, aber das fiel ja nun flach.

Wieder zurück auf der Arbeit hieß es nun sich bei jedem der amerikanischen Kollegen zu verabschieden. Kurze Zeit später war ich dann auch schon am Flughafen. Nach dem Check-In und der Sicherheitskontrolle saß ich dann auch schon an der Bar der Great Lakes Brewing Company und wartete auf das Boarding. Das Bier der Clevelander Microbrewery ist dabei absolut zu empfehlen, gerade das Double IPA schmeckt echt fantastisch. Hier hatte ich jedoch nur das normale IPA, was allerdings auch verdammt gut ist.

Ein weiteres Bier später war dann auch der Flieger bereit und es ging auf die recht kurze Strecke in Richtung Charlotte. Dort hatte ich zwar nur eine Umsteigezeit von etwa einer Stunde zur Verfügung, doch der Flughafen ist sehr übersichtlich aufgebaut und die Wege sind vergleichsweise kurz. So saß ich kurz vor Beginn des Boardings im Wartebereich für meinen Flieger nach Dallas.

Am Flughafen Dallas Fort Worth angekommen dauerte es nicht lange bis ich mein Gepäck in der Hand hatte. Mit einem Shuttle-Bus ging es dann in das Rental Car Center, wo ich meinem Wagen bei Budget abholte. Obwohl ich bereits online den Vertrag mit Budget über die deutsche Webseite abgeschlossen hatte, ging es nochmal durch den ganzen Prozess, woraufhin der Wagen etwa 80€ teurer war als ursprünglich gedacht. Klar, ich habe ihn nun notgedrungen einige Stunden vorher mieten müssen; aber so richtig verstanden habe ich es auch im Nachhinein nicht (zumal sich der eigentliche Mietzeitraum nicht geändert hat). Der auf der Rechnung ausgeschriebene Preis für die One-way-fee war jetzt zwar 50$ günstiger, dennoch fand ich das alles doch recht seltsam. Nichtsdestotrotz gab es zu Budget jedoch auch keine wirkliche Alternative, da die Einweggebühr hier als einzige weit unter 500$ lag und eine Tour mit mehreren Flügen auch teurer gewesen wäre.

Da ich keine amerikanische Sim hatte, erfolgte die Navigation stets mit Offline-Karten von Google Maps. Das funktioniert auch einwandfrei, zumal ich während der gesamten Tour nur ein bis zweimal im Stau stand. Empfehlenswert ist es jedoch von Anfang an die Mautstrecken auszustellen. Die Express Lanes und Turn Pikes sind sicherlich ganz praktisch, wenn man schnell von A nach B kommen möchte, wenn man jedoch auf der meist parallel verlaufenden Interstate gleich schnell unterwegs ist, kann man sie sich auch gut sparen. Interessanterweise waren jedoch auch nur die Fahrten am Flughafen Fort Worth davon betroffen gewesen.

Ursprünglich wollte ich meine Tour im Freizeitpark Six Flags Over Texas beginnen, da dieser am Gründonnerstag und Karfreitag bereits geöffnet hatte. Die Freizeitparks in San Antonio jedoch erst am Wochenende. Nachdem ich den Flug gebucht habe, ist mir dann jedoch aufgefallen, dass einige andere Ziele leider nicht am angedachten Tag eröffnet sein würden, weswegen ich ein wenig umplanen musste. Statt in der Nähe von Dallas sollte also meine Tour im 360 Meilen entfernten Amarillo beginnen. Die Nacht verbrachte ich in Decatur, welches etwa eine Stunde vom Flughafen entfernt lag. Auf dem Weg dahin fing auch das Unwetter an, weswegen der Weg durch die ganzen Blitze in der Ferne ziemlich gut ausgeleuchtet war.

Das Best Western Decatur Inn war das einzige Best Western auf der Tour und auch das einzige Motel, für das ich den Highway nicht einmal wirklich verlassen musste, denn die Auffahrt zum Hotel lag genau an diesem. Es war mein erster Kontakt mit einem typisch amerikanischen Motel und mein erster Eindruck war soweit positiv. Das Zimmer war gut ausgestattet, das Bett bequem und das Auto parkte genau vor der Zimmertür. Auch wenn in der Nacht die Welt untergegangen ist und der Fernseher die Gewitterwarnungen in Dauerschleife wiedergegeben hat, so was der Aufenthalt echt gut.

Best Western Decatur Inn

Das Frühstück am nächsten Morgen führte mich dann in die belanglose Welt des amerikanischen Kontinentalfrühstücks ein. Also selbstgemachte Waffeln aus dem Waffelautomaten, paar Cerealien, etwas Gebäck und mieser Kaffee und das alles serviert auf Pappgeschirr garniert mit etwas Plastikbesteck für die umweltbewusste Zielgruppe. Tendenziell bot das Best Western jedoch schon das beste Frühstück der Tour, in der Summe war jedoch das Frühstück in jedem Hotel beschissen.

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Ein Park voller Bienen

Parc du Bocasse

Der letzte Stopp auf meiner Reise durch Frankreich liegt direkt an der Fahrstrecke zum Fährhafen Dieppe und somit direkt auf meinem Weg zurück nach England. Im Örtchen Le Bocasse befindet sich der Freizeitpark Parc du Bocasse. Wie so oft in Frankreich hat sich der Freizeitpark aus einem kleinen Ausflugslokal entwickelt. Bereits 1967 stellte der Gastronom Jacques Chabaille einige Spielgeräte auf, die dann in den 80er Jahren durch einige größere Fahrgeschäfte und der ersten Achterbahn des Parks unterstützt wurden. Mit der Übernahme des Freizeitparks durch Max Chabaille wuchs dann nicht nur der Park, sondern auch die Zielgruppe dessen. Im Jahr 2015 erweiterte dann der Park sein Gelände, so dass ein neuer Themenbereich samt Eingangsbereich entstehen konnte.

Und durch das schnieke Holztor betreten wir auch sogleich den Freizeitpark. Bereits zu Beginn unseres Parkrundgangs durch den Parc du Bocasse fällt uns somit gleich die neue Ausrichtung des Parks auf, die sich wirklich sehen lassen kann. Hier wird nicht mehr gekleckert, sondern ordentlich geklotzt. Die hier ansässigen Fahrgeschäfte sehen nicht nur sehr gut aus, sie sind auch im Vergleich zum restlichen Freizeitpark deutlich größer ausgefallen.

Splash-o-Saure

Den Anfang macht dabei die Wildwasserbahn Splash-o-Saure des französischen Herstellers Soquet, die jedoch eher an die Anlage Mami Wata aus dem österreichischen Freizeitpark Fantasiana Erlebnispark Strasswalchen erinnert und somit glatt von Hafema kommen könnte.

Nachdem man die Station verlassen hat erreicht man recht zügig den ersten Lift, der einen sogleich einige Meter nach oben befördert. Dort angekommen wird man auf einem Drehteller zügig in die Richtung der Abfahrt gedreht, verlässt diesen aber rückwärts. Gut befeuchtet dümpelt man nun einige Kurven durch den Kanal, bis man irgendwann den zentralen Turm der Anlage erreicht. Hier drin befindet sich dann der Vertikallift der Anlage, der einen gekonnt rasant bis zur Ausgangshöhe der großen Schussfahrt befördert. Ohne großartiges Geplänkel geht es auch sogleich hinab, woraufhin eine durchaus ordentliche Dusche auf einen wartet. Nach einer weiteren Kurve erreicht man dann auch schon wieder die Station der Anlage, wobei man mit etwas Pech – wie in alter Wildwasserbahn II Manier im Heide Park – von einem weiteren Boot geduscht werden kann. Über einen Steg an der Auslaufstrecke vorbei verlässt man dann die Anlage.

Der Splash-o-Saure ist eine wirklich gute Wildwasserbahn. Es ist wirklich schön in den letzten Jahren wieder vermehrt neuen Anlagen von Soquet antreffen zu können. Doch bevor ich nun ganz sentimental werde, widmen wir uns doch einer älteren Anlage desselben Herstellers, welche sich auf der anderen Seite des durch eine Straße geteilten Parks befindet.

Train de la Mine

Auch im Parc du Bocasse steht nämlich ein klassischer Train de la Mine. Die Variante hier hat jedoch eine überaus bemerkenswerte Helix gleich zu Beginn der Schussfahrt, wodurch die Anlage ein wenig hervorsticht. Fließend und gekonnt leitet diese dann eine wunderschöne Steilkurve ein. Auf dem darauffolgenden Hügel ändern wir mal eben kurz die Fahrtrichtung, woraufhin wir uns in eine weitere abwärtsführende Helix begeben. Nach zwei vollen Umdrehungen verlassen wir diese dann wieder und widmen uns sogleich einem kleinen Bunny Hop. Nach einer engen Wendekurve unterhalb der ersten Helix schmiegen wir uns sogleich ans Terrain und folgen dem Verlauf einer kleinen Senke. Nach einer Geraden und einem Linksknick erreichen wir dann auch schon die finale Kurve der Anlage, woraufhin wir uns sogleich in der Station der Achterbahn wiederfinden.

Der Train de la Mine ist eine überaus nette Familienachterbahn, die jedoch ein wenig die waghalsigeren Momente anderer Soquet Achterbahnen vermissen lässt. Die Fahrt macht dennoch sehr viel Spaß und kann durch ihre hochgeständerte Helix ein optisches Highlight und einen wirklich schönen Start vorweisen.

Electro Spin und Flash Tower

Da das französische Rundbootrutschrafting Colorad’Eau nebenan zum Zeitpunkt des Besuchs leider nicht in Betrieb war, widmen wir uns nun den nebenstehenden Anlagen, die allesamt aus italienischem Hause stammen, wobei das auch beinahe für den gesamten Parkbereich zählt. Die aufregenderen Fahrten Electro Spin und Flash Tower stammen dabei von Zamperla, andere Fahrgeschäfte meist von SBF Visa.

Speedy Gonzales

Tatsächlich bietet der Parc du Bocasse eine außerordentlich große Ansammlung an kleineren Kinderfahrgeschäften. Nach und nach werden diese nun thematisch eingebunden und es entstehen durchaus sehenswerte Themenbereiche. Noch gänzlich ohne Gestaltung ist dabei die kleine Achterbahn Speedy Gonzales, welche ein überaus kompaktes Layout in Form einer Acht vorweisen kann, welches trotz seiner steileren Auf- und Abfahrten absolut kinderfreundlich unterwegs ist.

Pirate’s Plunder

In der hinteren Ecke des Freizeitparks Parc du Bocasse treffen wir dann auf weitere eher größere Fahrgeschäfte, wie einem Rockin’Tug und einer Schiffschaukel. Ebenfalls sind hier ganz überraschend ein Simulator, wie auch ein interaktives Theater des Herstellers Alterface vorzufinden. Statt der bekannten Westernballerei gehen wir jedoch mit einem Jack-Sparrow-Verschnitt auf Schatzsuche und entledigen uns dabei Skeletten. Ein toller Spaß!

Apiland

Die größte Überraschung des Freizeitparks erwartet uns jedoch in einer kleinen Halle, die mit Apiland beschriftet ist. Was von außen noch wie ein Museum rund um das Thema Bienen aussieht, entpuppt sich im Inneren als eine überaus sehenswerte und liebenswert gestaltete Themenfahrt, die einfach nicht enden möchte. Die Fahrt ist für einen Freizeitpark dieser Größe einfach nur überragend.

Jurassic Twister

Auf dem Weg zum Ausgang nehmen wir noch eben schnell die Achterbahn Jurassic Twister mit, die sich so wie jede andere Drehmaus von Zamperla fährt. Kurz darauf sitze ich auch schon wieder im Auto und verlasse überaus gut gelaunt den Parc du Bocasse. Französische Familienparks haben es einfach in sich 😉.

Bilder Parc du Bocasse

Fazit Tron-Tron-Trône

Nur wenig später befinde ich mich auch schon auf der Fähre nach England, woraufhin meine Reise durch Frankreich auch schon wieder endet. Es war schön; es war aber auch nicht billig. Doch die französische Freizeitparklandschaft ist es definitiv immer wert besucht zu werden. Die Parks sind mit wenigen Ausnahmen allesamt klasse, das Publikum ist in der Regel sehr angenehm und auch der Rest des Landes ist überaus entspannt unterwegs; man sollte sich nur nicht so von Franzosen im Ausland blenden lassen. Fahrt auf jedem Fall mal rüber, es lohnt sich.


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