Im Bann des Wicker Man

Vorwort

Da hat man schon einen Premium Annual Pass und kommt einfach nicht in die Midlands… Gut, – zu meiner Verteidigung – ich wohne gerade in Southsea am südlichen Ende der Insel Portland, also am Solent, und von dort ist der Weg schon verdammt lang bis nach Alton. Wobei, eigentlich auch nicht, denn ein Alton liegt gleich um die Ecke. Naja, ihr wisst schon was ich meine, es soll ja nach Alton ins wunderschöne Staffordshire gehen. Alton Towers wartet immerhin mit einer neuen Secret Weapon auf: Dem Wicker Man.

Die vergangenen fünf Jahre

Fünf Jahre lang war ich schon nicht mehr dort und beim letztem Mal saß ich im dritten Wagen der Achterbahn The Smiler an ihrem ersten offiziellen Eröffnungstag, der ja extrem kurzfristig durch die BBC verkündigt wurde. Dafür habe ich auch nur drei Stunden lang in der Gegend rumgestanden, wo man in Alton Towers wohl nicht einmal zu Halloween wartet und wurde durch eine englische Mutter mit Backwaren versorgt. Es hat sich aber gelohnt, weswegen ich die Prozedur gegen Parkschluss ein weiteres Mal über mich ergehen lassen habe. Zu dem Zeitpunkt jedoch in der regulären Queue.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich einiges getan und leider auch einiges zugespielt. Der Anfang war jedoch überaus positiv, denn man hat die Themenbereiche Storybook Land und Old MacDonalds Farmyard zu einem Bereich zusammengefasst und sogleich mit einer Lizenz bestückt. Der nun als CBeebies Land geführte Kleinkinderbereich belebte die zuvor meist eher verwaiste Parkecke mit neuem Leben und bietet dabei eine überaus nette Atmosphäre. Kein Wunder also, dass das Kinderland gleich im Folgejahr erweitert wurde. Mit dem Octonauts Rollercoaster Adventure zog endlich eine weitere Kinderachterbahn in den Park ein; während sich nur wenige Meter entfernt eine Tragödie abspielte: ein Wagen der Achterbahn The Smiler blieb auf offener Strecke stehen.

Der Unfall von The Smiler und seine Auswirkungen

Eigentlich nicht weiter schlimm – immerhin passierte das ja auch bereits schon in der Vergangenheit –, doch blöderweise schicke man einen zweiten, mit Passagieren beladenen Wagen, gleich hinterher. Wobei gleich relativ ist, immerhin hat man zuvor ja jegliche Warnungen der Anlage ignoriert und das System kurzerhand überschrieben. Es kam also, wie es kommen musste, und der fahrende Wagen knallte mit ordentlichem Schwung gegen den Stehenden. Ingenieure fragen sich an dieser Stelle immer, ob es denn Tote gäbe. Die gab es glücklicher Weise nicht und bis auf das Schicksal der Mitfahrer in der ersten Reihe des besagten Wagens ist der Unfall auch überraschend glimpflich ausgegangen. Es folgte jedoch, was folgen musste. Ein Shitstorm der Englischen Presse brach über Alton Towers ein, wonach der Park bis heute als unsicher gilt. Kein Wunder also, dass die Besuchermassen drastisch zurück gingen und seitdem Merlin Entertainments im eigenen Land durchaus zu kämpfen hat.

Dabei hat das teilweise etwas überaus Komödiantisches, wenn der Technische Leiter des Parks mal wieder vor die Kamera gezerrt wird, nur weil eine Achterbahn mal eben eine Sicherheitsabschaltung hatte und The Sun bereits gegen den Park wettert. Blöderweise hat es mittlerweile für den normalen Parkgast auch negative Auswirkungen, denn der Park hat seit diesem Jahr zum ersten Mal Schließtage innerhalb der Saison und zudem äußerst beschissene Öffnungszeiten. Angeblich sind diese durchaus flexibel; zusammenfassend kann man jedoch sagen, dass der Park die meiste Zeit über von 10 – 16 Uhr geöffnet hat. Eine Frechheit für einen Park dieses Ausmaßes, vor allem da man die meisten Fahrgeschäfte eh erst ab 11 Uhr fahren kann. Bis dahin muss man sich im Park gedulden und kann immerhin Nemesis, dank ausbleibenden Betrieb der Gondelbahn des Parks – es war angeblich zu heiß –, quasi Dauerfahren. Zuvor gäbe es immerhin noch die Möglichkeit zur frühmorgendlichen ERT auf ausgewählten Attraktionen, aber auch dafür müssten die Anlagen erst einmal ihren Betrieb aufnehmen.

Es wäre nun ein leichtes für mich Alton Towers in Grund und Boden zu reden, doch ich tue es nicht. Der Park ist nämlich nach wie vor super. Selbst der Umstand, dass viele Fahrgeschäfte in den vergangenen Jahren den Park verlassen haben, ändert daran nichts. Eigentlich ist man sogar viel fokussierter daran, einfach alle Achterbahnen irgendwie zu schaffen, vor allem wenn man einen Freizeitparkneuling durch den Park führt. Das einem das am Ende, trotz (mit Ausnahme der Achterbahn The Smiler) moderater Wartezeiten, kaum gelingt und man dennoch einen super Tag hatte, spricht sogar für den Park. Man sollte sich für Alton Towers einfach Zeit nehmen, am besten gleich zwei Tage, vielleicht sogar mit Besuch des Wasserparks und einer Buchung für das Achterbahn-Restaurant am Abend.

Wicker Man

Erste Eindrücke

Zuvor heiligen wir jedoch den Wicker Man. Auf dem Platz der alten Quietscheentchen-Wildwasserbahn The Flume entstand im Laufe des vergangenen Jahres Englands erste Achterbahn des Herstellers Great Coaster International und somit nach sehr langer Zeit wieder eine neue Holzachterbahn. Thematisch behandelt die Anlage den Kult um den Wicker Man, einer Opferfigur aus Korbweide – die in der Vergangenheit ggbfs. auch Menschen beinhaltete (sei es auch nur als römisches Hirngespinst oder heutzutage aus dramaturgischen Mitteln in Film und Fernsehen) – und den Kelten mit dem Verbrennen eine reiche Ernte bescheren sollte. Es ist also quasi eine Analogie zu Alton Towers selbst, die durch das Verprellen von Besuchern auf neue Besucherströme hoffen.

Die Bahn selbst wirkt ein wenig seltsam, nur aus der Nähe weiß sie wirklich zu überzeugen. Der Wicker Man selbst ist eine beeindruckende Struktur und wirkt mit den künstlichen Feuern überraschend gut. Die richtigen Feuer auf den Schultern der Skulptur hingegen wurden kurz nach der Premiere bereits eingestellt – man kann sich ja denken warum. Die Anstehschlange führt einem neben dem Wicker Man auf einem Hügel, von dem man eine wunderbare Aussicht auf das Treiben unter einem hat. In einer äußert zügigen Taktung erklimmt nun Zug für Zug den zweistufigen Lifthügel der Anlage, der ganz fern ein wenig an alte Rct-Zeiten erinnert, denn er verläuft erst steil und dann etwas flacher. In umgekehrter Reihenfolge führt der Weg uns nun jedoch hinunter. Dabei finde ich den Lift tatsächlich sehr genial gelöst, immerhin hat man durch diese Lösung ein ideal erreichbares Motorhaus. Auch die Führung der Kette für den ersten Teil des Liftes fand ich persönlich recht spannend. Nunja, nach einer Treppe können wir dann unsere Tasche abgeben. Eigentlich Merlin-typisch, hier im Park jedoch eine Wiederkehr zu alten Traditionen. Irgendwie war es doof, dass es das überall anders nicht mehr gab. Nach einem kurzen Warteraum, folgt ein Pre-Show-Raum, in dem uns sehr effektvoll offenbart wird, dass wir da gleich geopfert werden sollen. Dem Ganzen sind wir natürlich nicht abgeneigt und nehmen alsbald im bereitgestellten Zug Platz.

Die Fahrt

Die Station von Wicker Man verlassen wir in einer Rechtskurve, die prompt immer steiler abfällt. Im Lot zur Stationsgeraden wechseln wir flugs die Richtung und werfen uns dabei in unseren Mitfahrer bzw. in die Seitenwand des Wagens. Parallel zur Station erreichen wir dann den Lifthügel der Anlage, der uns erst etwas steiler und dann etwas weniger steil hinaufbefördert. Oben angekommen wenden wir uns gleich einem Tunnel zu. In einer Linkshelix gewinnen wir sogleich ein wenig an Geschwindigkeit, ehe wir von einer plötzlichen Abfahrt gekonnt aus dem Sitz gehoben werden. Wieder am Tage dreschen wir durch ein Tal, nur um kurz darauf in einen weiteren Tunnel abzutauchen. Dabei brettern wir über einen Airtimehügel sondergleichen, woraufhin jeglicher Kontakt mit der Sitzfläche aufs erste unterbrochen wird.  Es folgt ein sehr steiler Drop, der erst nach rechts und zum Tal hin nach links führt. Mit nun 70 km/h durchqueren wir das erste Mal den Wicker Man und preschen sogleich einen Hügel empor. In der anschließenden Wendekurve umrasen wir einen Teil der Warteschlange, ehe wir uns dem Zündmännchen mit kleinen Airtimehopsern nähern. Nach dem Tal nach der zweiten Durchfahrt erklimmen wir in zwei Etappen einen weiteren Hügel, woraufhin wir zumindest theoretisch kurz Verschnaufen könnten. Statt einer ordentlich geneigten Rechtskurve erwartet uns jedoch ein weiteres Highlight der Anlage, wonach wir uns ohne Gnade an die linke Seite des Zuges ankuscheln. Hach, laterale Kräfte sind schon was Schönes. Ehe wir uns versehen donnern wir den letzten großen Hügel der Anlage ins Tal hinunter. Hierbei durchqueren wir ein drittes Mal den Wicker Man und werden dabei mit Wasserdampf befeuchtet. In einer weiteren Rechts-/Linkskurvenkombination erklimmen erneut den Hügel, woraufhin wir uns nach einer kurzen Geraden sogleich in der Bremsstrecke der Anlage wiederfinden. Es folgt das typische Wartungshäuschen der Anlage, wo sich viele Parkgäste nun auf den freien Fall vorbereiten. Th13teen verstört wohl viele. Doch auf die Frage „What’s in the shed?“ ist die Antwort hier: Nichts. Aber damit wurde hier ja auch nicht beworben.

Fazit

Der Wicker Man ist eine echt geile Holzachterbahn, die sich hervorragend in das Secret-Weapon-Line-Up des Parks einfügt. Zwar erfindet die Anlage eine Holzachterbahn nicht neu, aber sie definiert ein Gesamterlebnis, was es so noch nicht bei den Achterbahnen des Parks gab. Darüber hinaus lebt die Anlage durch ihr wortwörtliches Wechselspiel aus Tal und Hügeln samt der dreifachen Interaktion mit dem Weidenmann. Da Alton Towers, wie so mancher Park in Großbritannien, strengen Höhenbeschränkungen unterliegt ist das Layout zudem auch immer sehr bodennah, was der Berg- und Talbahn sehr zugutekommt. Ferner mag ich die Länge der Bahn, denn sie fühlt sich genau richtig an, wodurch die Anlage im krassen Kontrast mit vielen der neueren europäischen Holzachterbahnen, wie Heidi-The Ride aus dem Plopsaland De Panne und Timber! aus Walibi Rhône-Alpes steht, die mir persönlich viel zu kurz sind. Zusammenfassend kann man sagen, ich war überrascht und bin auch jetzt noch hin und weg von der Anlage, die sich meiner Meinung nach mit Troy aus dem Toverland auf den Spitzenreiterplatz der GCI-Achterbahnen befindet.

Diverses

Die Anstehschlange der Achterbahn The Smiler sieht nach fünf Jahren ganz schön ramponiert aus, was der Qualität der Bahn natürlich keinen Abbruch tut. Ich mag die Bahn einfach. Das VR-Update der Achterbahn Air und der Name Galactica hingegen mögen mir einfach nicht gefallen. Ohne die Brille ist die Bahn weiterhin mein liebster Flying Coaster, doch mit der Brille fehlt das Pacing bzw. das Geschwindigkeitsgefühl während der Fahrt. Zudem war das Bild so seltsam nach Links versetzt als die Fahrt dann begann, was das VR-Erlebnis auch eher hinken lässt. Immerhin, der Film wirkt nicht ganz so billig, nur etwas einfallslos. Theoretisch gibt es auch noch Ton, aber der fehlte bei mir komplett.

Bilder

 


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Der Schwur des Kärnan

Vorwort

Vier Jahre sind vergangen seit mit der Schlange von Midgard die letzte halbfertige Achterbahn im Hansa Park eröffnet wurde, vier lange Jahre in denen sich bis auf dem Abriss des Vertikalfahrtprototypen der Firma Maurer Söhne überraschend wenig im Park geändert hat. Im Zuge der Finanzierung der Planung und Umsetzung des diesjährigen Projektes verständlich, andererseits hätte man die Zeit auch für eine Erneuerung der Bestandsanlagen nutzen können, oder zumindest versuchen können die Anzahl der vordrängelnden Eltern bei der oben genannten Kinderachterbahn zu reduzieren. Als der Hansa Park jedoch veröffentlichte einen Hyper Coaster zu bauen waren meine Hoffnungen sehr groß, dass sich der Park an den englischen Freizeitpark Pleasure Beach Blackpool, welcher ebenfalls am Meer liegt und ein sehr begrenztes Areal zur Verfügung hat, orientiert und eine klassische Anlage dieser Art und Weise in den Park setzt. Als großer Fan der Big One wäre zumindest eine fast zwei Kilometer lange Achterbahn des Herstellers Chance Morgan oder vergleichbar, welche sich durch den gesamten Park zieht, ein Grund den Hansa Park mal wieder öfters zu besuchen, stattdessen wurde das Projekt durch Bekanntgabe einer Achterbahn mit einem Vertikallift in einem Turm und einer Rolle als Inversionsfigur schlagartig uninteressant, da man die Achterbahn Der Schwur des Kärnan nun als Fluch von Novgorod II einstufen konnte.

Der Bau schritt voran und der verdammt hässliche Betonklotz, welchen man in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch erkennen kann wuchs in die Höhe. Einige von außen sichtbare Streckenmeter schlossen sich an, das Interesse jedoch lag bei anderen Projekten. Zu Beginn dieses Monats dann erfolgte die Eröffnung der nun dritten Achterbahn aus dem Hause Gerstlauer infolge, natürlich, denn wie soll es auch anders sein, halbfertig. Trotz dessen konnte der Schwur des Kärnan ziemlich schnell die Gunst seiner Mitfahrer gewinnen, denn Kärnan sei vieles, vor allem aber mega extrem, druckvoll, super smooth und, und, und.

Der Schwur des Kärnan

Das äußere Erscheinungsbild

Im Hansa Park selbst fällt Der Schwur des Kärnan nur beim Übergang zur Spanischen Glocke und dem Rio Dorado negativ auf, denn der Zugang zu beiden Anlagen wirkt nun leicht versteckt, ansonsten ist der Turm zwar unansehnlich, aber doch beeindruckend. Das flache Layout über der Wiese vor der Barracuda Slide ist recht ansehnlich und durch die quasi nicht vorhandenen Fahrgeräusche der Wagen bemerkt man kaum wie schnell die Züge hier eigentlich unterwegs sind.

Die Warteschlange

Die Warteschlange wirkt im Allgemeinen sehr provisorisch, bietet aber durch die vorhandenen recht großen Räume im Gebäude sehr viel Potential. Die Gepäckabgabe erfolgt wie bei der Achterbahn Blue fire aus dem Europa Park bei Rust, jedoch gesondert in einem vorgezogenen Raum. Daraufhin betritt man die Warteschlangeneinteilung, bei der es die vier Reihen zu je vier Personen zu füllen gilt. Die Gates sind dabei ein wenig vorgezogen und öffnen sich synchron zu einer der Türen hinter denen sich die Reihen 1 – 4 befinden. Per Zufall wird nun Reihe für Reihe der Zug gefüllt, eine durchaus interessante und lobenswerte Idee, welche so gerne auch von anderen Freizeitparks übernommen werden kann.

Die Fahrt

Die Fahrt auf dem Schwur des Kärnan beginnt mit einem kleinen Gefälle, woraufhin sich eine, nach außen geneigte, Linkskurve anschließt. Vor dem Vertikallift wartet der Zug dann kurz bis der vorangehende Zug diesen verlassen hat. Gewohnt schnell geht es nun hinauf, ehe der Zug kurz vor dem Ende dessen einen Zwischenstopp einlegt. Dieser wird in Position gehalten, während der Mitnehmer der Kette in Position gefahren wird. Kurz darauf löst sich die Bremse und es kommt wie es kommen muss, der Zug fällt rückwärts hinunter. Durch Bremsschwerter am unteren Ende der, im Lift integrierten, Freifallstrecke reagieren die Magnetbremsen und die Geschwindigkeit des Zuges wird reduziert. Mechanische Bremsen halten den Zug wieder komplett an, die Kette klinkt ein weiteres Mal ein und befördert den Zug nun über die Kuppe des Lifts.

In einem vertikalen Gefälle mit zusätzlicher Drehung um 90° verlässt man nun das Gebäude, woraufhin sich ein von außen, nur weit entfernt, an ein Herz erinnernder Streckenabschnitt anfügt. Dabei vollführt man im Grunde einen Non Inverting Butterfly, wobei die seitlichen Neigungen der Strecke durch die horizontalen Kuppen gekonnt unterbrochen werden. Mit erneuten Schwung geht es in eine etwas höher gelegene übergeneigte Rechtskurve, in deren Abfahrt der erste Umschwung stattfindet. Ein kleiner Hügel in Bayernkurvenmanier leitet den zweiten Umschwung ein. Sehr bodennah vollführt man nun eine weite Rechtskurve, wonach sich eine schöne leicht aufwärts führende Zickzackkombination anschließt. In einer weiteren Rechtskurve nähert man sich nun einem Airtimehügel, bei dem man auch wunderbar abhebt. Eine weitere großzügig ausgelegte Bayernkurve leitet in die letzte Kurvenkombination auf dem Rückweg zur Station über. Ein kleiner Hügel später greifen bereits die Bremsen und die Fahrt scheint erst einmal zu Ende.

Das Tor öffnet sich und eine Inversion, welche sehr an die letzte Rolle des Smilers aus dem englischen Freizeitpark Alton Towers erinnert, kommt zu Tage. Der kaum vorhanden Geschwindigkeit sei Dank durchfährt man diese mit ordentlicher Hangtime. Eine letzte Rechtskurve mit kleinem Dip vor der Stationsbremse schließt sich an, dabei werden seltsamer Weise erst hier die Fahrtfotos gemacht.

Fazit

Der Schwur des Kärnan ist eine durch und durch nette Achterbahn, aber definitiv nicht die beste Achterbahn in Deutschland, auch ist sie sicherlich nicht die intensivste Achterbahn hierzulande. Der Rückwärtsfreifall ist ein nettes Feature, welches man, wäre man der Park, eigentlich großartig bewerben müsste, wie auch die gesamte Anlage. Jedoch ist besagtes Element gleichzeitig sehr kapazitätsmindernd und für das Gesamterlebnis genau genommen sogar unnötig. Der wirkliche Drop hingegen ist absolut genial und auch das Herzelement kann überzeugen. Bei dem darauffolgenden bodennahen Streckenabschnitt verliert man schnell ein wenig den Überblick und bis auf den Hügel und die darauffolgenden Streckenmeter blieb er mir kaum im Gedächtnis. Die Rolle am Ende ist durchaus gut, nur braucht sie eine solche Anlage nicht wirklich.  Die Laufruhe während der Fahrt entspricht dem typischen Fahrverhalten des Herstellers und ist für eine Achterbahn dieser Höhe durchaus sehr gut, aber weit abseits von smooth.

Bilder Hansa Park

Schlusswort

Dabei ist mir eins aber vollkommen unverständlich, denn warum öffnet man zum dritten Mal in Folge eine halbfertig gestaltete Achterbahn und das erst zu Beginn der Hauptsaison? Selbst die von Pannen und einem sehr harten Winter nur so gezeichnete Achterbahn The Smiler öffnete in der Nebensaison, andere halbfertige Achterbahnen wie der Sky Scream aus dem Holiday Park sogar zu Beginn der Saison, woraufhin sie sogar noch während der Saison zumindest äußerlich fertig gestaltet wurden. Ich verstehe ja wenn man sich kein Beispiel an seinem nähesten Konkurrenten nehmen möchte, aber in der Heide werden Achterbahnen mittlerweile bereits in der Saison vorher fertiggestellt, zeitnah getestet und pünktlich eröffnet. Dem Schwur des Kärnan zumindest würde eine fertige Gestaltung zumindest allemal besser bekommen, denn obwohl sie derzeit zumindest viel Spaß bereitet, wirklich weltbewegend ist sie nicht.

 

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Von Windgöttern, Pharaonen und seitlichen Überschlägen

Vorwort

Der Freizeitpark Belantis bei Leipzig ist wahrhaftig nicht der beste Park Deutschlands wenn man den Kritiken diverser Foren Glauben schenken möchte; er gilt als dürftig bestückt sowohl was Attraktionsanzahl wie auch Bepflanzung angeht und kann es so gut wie niemanden wirklich recht machen. Tatsächlich ist das sächsische Terra Mitica durchaus für die eine oder andere Überraschung gut, weswegen mich der Park in seiner Gesamtheit überzeugen konnte.

Durch ein, ausgerechnet nach einer Baustelle, liegen gebliebenes Auto, bei der die zuvor zwei spurige A9 wieder auf drei Spuren wechselte um dann auf eine einzige reduziert zu werden, entstand ein vollkommen unnötiger Stau, wodurch der Besuch in Belantis erst gegen 15 Uhr möglich wurde. In den verbleibenden zweieinhalb Stunden reichte die Zeit, trotz bereits geringeren Andrangs an den Fahrgeschäften, nur knapp aus um den Park zu erkunden. Warum man trotz einer Öffnungszeit bis 18 Uhr seine Fahrgeschäfte schon eine halbe Stunde vorher schließt bleibt wie bei manch anderen Parks ein großes Rätsel.

Parkrundgang

Fluch des Pharao

Beginnend gegen den Uhrzeigersinn stößt man zuerst auf die wohl bekannteste Fahrattraktion des Freizeitparks, dem Hafema Splash Ride Fluch des Pharao. Obwohl die Anlage optisch einer Wildwasserbahn gleicht, so ist sie in vielerlei Hinsicht doch sehr besonders. Wie auch die Van Edgom Anlage Kongo River aus dem Zoo Safaripark Stukenbrock bietet die Anlage Gummiboote, welche durch ihr flexibles Material sich dem Untergrund anpassen und auch ein wenig wendiger unterwegs sind. Zwar bietet die Anlage keine außergewöhnliche Airtimemomente wie es der Kongo River vorweisen kann, dafür aber einen Strudel wie man ihn sonst fast ausschließlich bei den Raftinganlagen desselben Herstellers findet.

Nachdem man die Boote bestiegen hat und die vollkommen unnötigen Seitengitter heruntergelassen wurden kann die Fahrt beginnen. Vorbei an der wüstenartigen Landschaft führt der Fluss die Expedition durch einige Kurven in Richtung der größten Pyramide Europas, in dessen Inneren leider nur ein kleines Szenenbild und der Vertikallift auf einen wartet, in dem man interessanter Weise seitlich ein- und ausfährt. Auf dem maximalen Höhenlevel angekommen geht es sogleich die 26m hohe Schussfahrt rasant hinunter um dann untypischer Weise komplett durchnässt zu werden. Dabei ist der Nässegrad durchaus mit einem besseren Shoot the Chute zu vergleichen, wie beispielsweise Cataratas Salvajes aus dem spanischen Parque Warner oder Tidal Wave aus dem englischen Thorpe Park.

Durchaus überrascht folgte dann die Fahrt durch den Strudel, an dessen Ende glücklicher Weise keine Wellenfront, wie beim Hafema Rafting El Rio des Bobbejaanlands, auf einen wartet. Kurz darauf folgt dann auch schon die Fahrt in Richtung Station bei der der benachbarte Wasserfall auch ein wenig die Insassen des Bootes befeuchtet.

Götterflug

Durchnässt und ein wenig frierend ging es in den griechischen Themenbereich des Parks, in dem sich neben einigen Heege Produkten und der langwierigen Bootsfahrt Fahrt des Odysseus der Gerstlauer Sky Roller Götterflug befindet. Der Prototyp der interaktiven Gerätschaft für seitliche Überschläge wird leider oftmals falsch bedient, so dass eine langweilige Ausflugsfahrt in luftiger Höhe stattfindet. Als Maschinenbaustudent mit fungierten Kenntnissen der Physik und ständigen Drang auf Sachen zu drücken oder Hebel umzulegen ist es natürlich ein leichtes die richtige Technik herauszufinden um die Welt nur noch in Kreisen wahrzunehmen. Neugierige Personen mit der Sehnsucht nach einer aufregenden Fahrt werden jedoch auch schnell dahinter kommen das ein ständiges Wechselspiel der Flügel kaum zu einem ordentlichen Resultat führt. Dabei bedarf es nur ein wenig Fahrtwind und die Freigabe der Arretierung der Gondelbremse um noch vor der finalen Fahrposition in Dauerüberschlägen zu verweilen.

Gut 90 Sekunden und 96 Überschläge später war die erste Fahrt schon vorbei und die These das Wind einfach nur awesome ist schnell gestellt, denn im Gegensatz zu den Sky Fly Produkten greift dieser aktiv auf das Fahrvergnügen ein und erleichtert die Bildung von Überschlägen rapide und in einem solchen Maßen, dass einem dann doch ein wenig schlecht werden kann. Wie auch beim Air Meeting im französischen Nigloland macht die Anlage in der kurzen Zeit durchaus abhängig, leider aber auch schnell blaue Flecke, was gerade bei mehr als nur einer einzigen Fahrt durchaus die darauf folgenden Tage noch zu spüren ist.

Vom griechischen Themenbereich ist es nur ein kleiner Weg ins Mittelalter. Vorbei an einem der schönsten Kulissen der deutschen Parkszene geht es in Richtung einer Burg, wo sich eine Schlitten Achterbahn von Gerstlauer und ein kleines Madhouse von Vekoma den Platz teilen. Im Vergleich zu der Variation mit Wildwasserbahn, wie man sie im Erlebnispark Tripsdrill und endlich im Wild- und Freizeitpark Klotten vorfinden kann, wirkt dieses Gebilde weniger nackt und insgesamt runder.

Verlies des Grauens

Die Warteschlange des Verlies des Grauens startet dabei für ein Verlies recht ungewöhnlich auf dem Dach der Burg. Durch ein Treppenhaus steigt man dann doch in den Kerker hinunter, wo die Preshow schon auf einen wartet. Der dunkle Sheriff hat die Burg für sich beansprucht und das Land unterworfen, voll lauter Machtgier hat dieser Merlins Kristall gestohlen und es liegt an den Eindringlingen diesen zurück zu holen, bevor dieser herausfindet wie man diesen bedient.

In der Hauptkammer erwartet einen ein Drache, das Haustier des Sheriffs und es wird ein wenig unverständlicher, da tatsächlich zu viel erzählt wird. Die Musik während der Fahrt ist gut komponiert, wird aber andauernd durch die Story in ihrem Wirken gestört. Die Kammer ist zwar klein, dafür aber effektreich und gut gestaltet.

Im Gesamten ist das Verlies des Grauens eine gute Hexenschaukel, die durch weniger Story besser hätte sein können. Der Drache ist dabei absolut unnötig und bringt nur noch mehr Treiben in die Hauptkammer die sich bestenfalls auf den Kampf zwischen Merlin und den Sheriff konzentrieren sollte.

Drachenritt

Zumindest beim Drachenritt sollte man auf dem Drachen nicht verzichten. Die Gerstlauer Anlage ist mit Thors Hammer aus dem dänischen Djurs Sommerland die schönste ihrer Art, kann aber darüber hinaus noch eine wirklich gute Streckenführung aufweisen und nicht nur ein Wetten Dass…? Schild als Besonderheit der Fahrt, wie man es im Erlebnispark Tripsdrill auf der G’sengten Sau erleben kann.

Nach Erklimmen des Lifthügels folgt ein überraschend steiles erstes Gefälle, welches zugleich in einer Kurve mundet. Dieser Drop hat es in sich und wird in seiner Vollkommenheit nur von der Big One aus dem Pleasure Beach Blackpool und der Haßlocher Expedition GeForce europaweit geschlagen. Nach einer kurzen Auffahrt folgen einige kraftvolle Mauskurven, die mit den richtigen Fahrpartner in einer ordentlichen Folterpartie enden könnten. Nach einer Blockbremse folgt eine Abwärtshelix mit anschließender Aufwärtshelix, welche dann in eine grandiose Airtimeorgie überleitet. Eine weitere Abwärtshelix und eine kurze Tunnelfahrt runden das Vergnügen ab. Nach einer Linkskurve ins Licht endet die rasante Fahrt leider schon.

Ein wenig versteckt und nur über die Anstehschlange des Drachenritts zu erreichen streckt sich mit der Prärie der Indianer der schönste Themenbereich in Belantis entlang des Sees. Am Ende des Bereichs im Fort Feuerwasser befindet sich mit Belanitus Rache eine HUSS Frisbee der alten Bauart. Damit auch kleinere Kinder mit der Anlage fahren können bietet sie zwei Fahrprogramme mit jeweils getrennten Warteschlangen, welches durchaus eine gute Wahl ist denn das ausgewachsene Fahrprogramm hat es durchaus in sich.

Belanitus Rache

Die Frisbees mit Innenblick sind in ihrer Fahrt durchaus kraftvoll, sofern sie denn richtig bedient werden oder besser gesagt gar nicht bedient werden. Normaler Weise sind Fahrprogramme in Freizeitparks fast nie das Gelbe vom Ei, da jedoch der Schausteller Robrahn außerhalb des Bremer Freimarkts kaum noch das Potential der Anlage ausnutzt, sind diese Varianten, trotz mangelnden Ansagen deutlich besser. Zwar ist Belantis Version Belanitus Rache nicht so irrsinnig kraftvoll wie La Maquina des spanischen Parque de Atracciones de Madrid, kann jedoch durch ständige Richtungswechsel und die Länge ihrer Fahrt vollkommen überzeugen. Wer die großen HUSS Varianten dieses Fahrgeschäftes mag, der sollte unbedingt durch eine der kleinen Anlagen von seinem Irrglauben kuriert werden.

Leider bildet die Prärie der Indianer eine Sackgasse, dabei wäre eine direkte Verbindung zur Achterbahn Huracan durchaus lobenswert. Es ist eines der wenigen wirklichen Probleme des Freizeitparks Belantis, denn wo es sich beispielsweise lohnen würde den Weg einfach geradeaus zu legen, so schlängelt sich dieser gemächlich hin und her. In Folge dessen entstehen Trampelpfade oder es kommt zu Staus und beides könnte man durch eine bessere Infrastruktur verhindern.

Drachenflug

Auf dem Weg zur großen Achterbahn in Belantis muss man gezwungener Maßen drei Themenbereiche durchqueren. Dabei trifft man auf den HUSS Condor des Parks, dessen Gestaltung mit Gondeln im Drachendesign durchaus gelungen ist. Der Drachenflug sieht dabei, wie andere Anlagen seiner Art, nicht nur von außen imposant aus, sondern kann auch einen guten Fahrtverlauf bieten.

Piratentaufe und Santa Maria

Im spanisch anmutenden Bereich Küste der Entdecker befindet sich ein ABC Rides Türmchen mit Kippeffekt, wo allein schon die Warteschlange für ausreichend Schräglage sorgt. Die eigentliche Fahrt auf der Piratentaufe kann dabei durchaus überzeugen und für den einen oder anderen Lacher sorgen.

Etwas anders verhält es sich bei der Schiffschaukel Santa Maria, bei der einem das Lachen doch sehr schnell vergeht. Die Fahrt bietet einen ziemlich bösen Schlag, was mir bisher bei keiner anderen HUSS Schiffschaukel aufgefallen ist. Bescheuerter Weise ist der äußerste Platz zur Landseite für Fahrwillige gesperrt.

Huracan

Obwohl sich Belantis durch kleinere Anlagen stets erweiterte und mit den Tanzenden Pavillon die letzte Neuheit aufweisen kann, so ist es die Achterbahn Huracan die die meiste Aufmerksamkeit auf sich zog. Diese Anlage gilt als berühmt berüchtigt, was durch den einen oder anderen Schlag ausgehen soll. Ausgehend von der, doch recht seltsam geformten, Cobra Roll, welche bei der Ausfahrt schon bei Alton Towers The Smiler als einziges Element durch einen Schlag negativ auffiel, war ich auf das schlimmste vorbereitet und wurde durchaus überrascht.

Nachdem der Wagen die Station verlassen hat nimmt er langsam Fahrt auf um dann recht unsanft gebremst zu werden. Kurz darauf hackt der Wagen in den Mitnehmer ein und es geht schnell den Lift empor um noch schneller das übersteile Gefälle zu absolvieren. Was darauf folgt ist recht waghalsig, denn es geht rasch empor nur um noch rascher seine Fahrgäste zu verprügeln. Wo die Zero-G Roll noch erträglich ist, so ist die darauffolgende Cobra Roll deutlich schlimmer als erwartet. Der darauffolgende Speedbump wird schnell passiert und man hat eine kurze Verschnaufpause die man am besten dafür nutzen sollte seinen Kopf möglichst starr zwischen den Bügeln zu halten, denn die Einfahrt in die abwärtsführende Kurve ist alles andere als sanft. Zwei nicht gerade glattgebügelte ineinander verschlungene Korkenzieher leiten glücklicher Weise das Finale der Bahn ein.

Obwohl die Bahn so vielversprechend aussieht ist die Fahrt, ungleich von Gerstlauer gewohnt, absolute Grütze. Obwohl sich Typhoon aus dem belgischen Bobbejaanland und Saw – the ride aus dem englischen Thorpe Park zwischenzeitlich ähnlich brachial fuhren, so gab es für beide Anlagen Maßnahmen die sich positiv auf die Fahrt ausgewirkt haben. Etwas Ähnliches sollte dringend auch hier geschehen, bestenfalls sollte man sich die Art der Züge auf der Anlage überdenken, was zumindest zu einer deutlich höheren Kapazität führen würde.

Bilder Belantis

Fazit Belantis

Belantis ist mit Ausnahme seiner angeblichen Hauptattraktion ein wirklich guter Park, der durch vielerlei Punkte an ein skandinavisches Sommerland erinnert. Außerhalb seiner Fahrgeschäfte ist das Angebot vielseitig und an jeder Ecke vorhanden, es fehlt eigentlich nur ein Schwimmbad, was dem Park durchaus gut stehen könnte. Die allgemeine Gestaltung in Belantis ist überragend und kann sich in ihrer Gesamtheit wirklich sehen lassen, darüber hinaus ist der Park wirklich gut begrünt, was man bei anderen Reizbrettparks neuerdings oftmals vermisst.

 

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