Langes warten bei mäßigen Andrang

Vorwort

Nach unserem Tagesstart im Fiabilandia erreichten wir zum späten Mittag den Parkplatz des Freizeitparks Mirabilandia. Obwohl unser Besuchstag auf den Ostersonntag fiel, hielt sich der allgemeine Besucherandrang in Grenzen, nicht aber die Wartezeiten und der Eifer der Touristen/Einwohner, sich vorzudrängeln. Ja, es war kein schöner Besuch in Mirabilandia, obwohl die Attraktionen tatsächlich erstklassig sind, doch dazu im einzelnen später mehr.

Die Geschichte des Mirabilandia

Wir starten den Bericht mit einem Blick in die Geschichte des 1992 eröffneten Freizeitparks. Gegründet wurde der Park als Projekt einer Investorengruppe bestehend aus Situr-Finbrescia (46%), San Paolo Finance (44%) und Publitalia 80 (10%) die mit der einfachen Formel „Touristenort + Freizeitpark = Cashcow“ völlig an ihren überzogenen Erwartungen scheiterten und nicht einmal ein Drittel der erhofften zwei Millionen Besucher in den Park ziehen konnte. Da die Betreibergesellschaft 1996 kurz vor dem Bankrott stand verkauften sie den Park im späten Herbst des Jahres an die Löffelhardt-Casoli Gruppe, einem Joint Venture aus dem Phantasialandmitgründer Gottlieb Löffelhardt und Giancarlo Casoli, einen der Eigentümer des ehemaligen italienischen Fahrgeschäft-Herstellers S.D.C., die den Park in den folgenden Jahren massiv erweiterten. In Folge dessen wuchsen auch die Besucherzahlen auf über 1,5 Millionen Besucher heran. Nach einigen Jahren zog sich Löffelhardt aus dem Geschäft zurück und Casoli übernahm die Schirmherrschaft, ehe das Mirabilandia 2006 an die spanische Gruppe Parques Reunidos verkauft wurde.

Parkrundgang

Nachdem man die Kassen hinter sich gelassen hat betritt man über eine Brücke, ähnlich dem englischen Freizeitpark Thorpe Park bei London, den Park. Die Skyline hält sich hier jedoch dezent zurück, ist aber mit der perfekt platzierten Cobra Roll des Inverters Katun zur Rechten der Brücke schon sehr beeindruckend. Von hier geht ein Weg in das Far West Valley, welches sich jedoch noch größtenteils im Bau befand, und den eigentlichen Eingangsbereich des Mirabilandia ab. Dieser stellt sich als detailverliebtes Piratennest heraus und beherbergt einige Shops, wo man unter anderem die, für diesen Park beinahe schon gezwungener Maßen benötigten, Fast Pässe erwirtschaften kann.

Zu meiner eigenen Verwirrung gab es im Mirabilandia willkürlich getaktete Öffnungs- und Schließzeiten der Fahrgeschäfte, wodurch viele Attraktionen erst zum Mittag oder auch später öffneten bzw. deutlich früher wieder schlossen. Dadurch wiederum ergaben sich im ganzen Park überall lange Wartezeiten. Einerseits kann ich verstehen, dass manch kleinere Parks ihre Fahrgeschäfte erst nach und nach in Betrieb nehmen oder manchmal auch bestimmte Themenbereich erst ab einer bestimmten Uhrzeit freigeben, jedoch ist mir eine solche Maßnahme in einen großen Freizeitpark noch nie über dem Weg gelaufen. Auch erklärt es mir warum das Gardaland im Gegenzug damit wirbt nur die Warteschlange seiner Fahrgeschäfte zum Ende seiner Öffnungszeit zu schließen; andererseits handeln die meisten Freizeitparks in Italien genauso und dementsprechend sehr vernünftig.

Divertical

Vorbei am Pepsi Theatre, in dem, wie soll es auch anders sein, eine Zaubershow gezeigt wird, und der davor gelegenen Musicalbühne geht es in Richtung der, bereits von weiten sehr markant wirkenden, Wasserachterbahn Divertical. Spätestens jetzt wird einem bewusst, wie hoch die Anlage doch ist und wie verschwenderisch sie mit dem Platz auf dem sie platziert wurde umgeht; dadurch wirkt die Anlage jedoch keineswegs ästhetisch, was vor allem an den sparsam platzierten Dekorationselementen liegt. Andererseits schmückt sie mit dem hinteren Teil der Fahrt den irrsinnig langen Zugangsweg zur völlig deplatzierten interaktiven Themenfahrt Reset, was durchaus positiv anzumerken ist und wahrscheinlich mehr Personen als je zuvor in diese Ecke des Mirabilandia lockt.

Nachdem man in die Station hinaufgebeten wurde und sich in das Schnellboot gesetzt hat kann die Fahrt auf Divertical auch schon beginnen. Da der Vertikallift der Anlage noch in weiter Ferne liegt dümpelt man mit dem Boot noch etwas durch den Kanal, wobei hier interessanter Weise recht gutes Wildwasserfeeling erzeugt wird, immerhin schlagen die Wellen immer wieder beinahe in das Boot um und lassen einen durch die aufgewirbelten Wassertropfen regelrecht davonzucken. Sobald der Lift erreicht wird geht es recht schnell auf die Ausgangshöhe von 60m, wobei man hier die Krümmung des Aufzugs interessanter Weise kaum bemerkt. Da die Sicht von hier oben wenig interessant ist wird man alsbald über die Kuppe geschoben und hat auf dem folgenden 45° steilen Gefälle genug Zeit um zu merken, dass diese Anlage verdammt schnell ist. Gischt erfrischt und so rast man anschließend durch das erste Becken nur um kaum gebremst über einen Hügel zu fahren. Hier hebt man dann ein wenig ab, ehe man sich in eine flotte Bayernkurve schmeißt. In der Hoffnung durch den anschließenden Blockbereich ein wenig an Geschwindigkeit abzubauen durchfährt man diesen nun ohne jegliche Bremswirkung und wird anschließend in eine Rechtskurve entlassen. Eine flotte Abwärtshelix fügt sich an, geht dann jedoch in einen Hügel über, welcher die finale Schussfahrt der Fahrt einleitet. Gut durchfeuchtet wird man wieder in den Kanal entlassen und erreicht kurz darauf die Station.

Entgegen meinen Erwartungen ist Divertical eine wirklich verdammt gute Wasserachterbahn, welche wie kaum eine andere Anlage ein Geschwindigkeitsgefühl sondergleichen vermittelt. Die Fahrt ist einfach nur schnell, was mir persönlich aber auch erst während der Durchquerung des ersten Beckens aufgefallen ist, was in Betrachtung der Ausgangshöhe, der weltgrößten Wasserachterbahn, ja eigentlich in der Natur der Anlage liegt; zumindest habe ich einen solchen Geschwindigkeitsrausch bisher nur selten erlebt. Darüber hinaus ist die Verarbeitung der Anlage astrein, wodurch die Reibungsverluste nicht wirklich ins Gewicht fallen, was der Geschwindigkeit auch wiederum zur Gute kommt.

iSpeed

Ebenfalls dem Leitthema der Geschwindigkeit zugewendet hat sich der Blitz Coaster iSpeed aus dem Hause Intamin, eine Katapultstartachterbahn mit LSM Modulen, welche die in die Jahre gekommene Holzachterbahn Sierra Tonante ersetzt. Als erstes Projekt der Spanier entstand mit dem selbstbetitelten „Il Rollercoaster #1“ eine durch und durch schnelle Achterbahn mit einer mehr als nur bescheidenen Kapazität.

Während wir bei Divertical noch recht kurz anstehen durften rächte sich unsere weniger verschwenderische und vor lauter Selbstgeilheit mangelnde Lebensweise, durch den Nichtkauf eines Fast Passes. Denn nun durften wir hier etwas über eine Stunde im trostlosen Wartebereich der Achterbahn warten, nur um dabei ständig von irgendwelchen Gören der durch und durch asozialen Touristen der italienischen Adria übergangen zu werden. Während in den anderen italienischen Parks niemand vordrängelte, sogar einen eher noch freiwillig vorließ um Gruppen aufrecht zu erhalten, war es hier schlichtweg eine Pest ohne Gleichen. Wer im Mirabilandia vernünftig sein möchte, der übt lieber im Voraus über das massenweise Erstellen von Selfies zum Narzisst zu werden und gönnt sich einen Fast Pass! So teuer ist der ja in der Theorie eh nicht, vor allem, wenn man sich eine Jahreskarte einer der anderen Parques Reunidos Parks (z.B. Movie Park Germany, Attractiepark Slagharen, …) gegönnt hat und eh keinen Eintritt bezahlt hat; immerhin erspart man sich das Warten mit den widerlich asozialen Touristen, während man in anderen Parks gerade mit dem Kauf eines Fast Passes zu einem widerlich asozialen Touristen wird.

Aber kommen wir nun zur Fahrtbeschreibung der LSM Achterbahn iSpeed, denn sobald man endlich die Treppen zur Station erreicht hat geht es auch bereits recht schnell voran. Einmal im Zug Platz genommen und die Bügel geschlossen wird der Zug alsbald leicht nach vorne geschoben, ehe der Impuls aufgegriffen wird und der Zug nun immer stärker beschleunigt. Nun geht es einen Top-Hat vertikal empor, ehe man diesen mit einer tollen Aussicht auf die Wildwasserbahn Autosplash überquert. Nun stürzt man sich vertikal gen Boden, vollzieht dabei noch eine kurze Rechtsdrehung und passiert sehr druckvoll das erste Tal, in dem man zudem eine S-Kurvenkombination unterhalb der Abschussstrecke vollführt. Parallel zur Station überquert man nun einen Hügel, bei dem man ordentlich aus dem Sitz gehievt wird. Schwungvoll vollführt man nun eine weitere S-Kurve, die in einer engen Rechtskurve übergeht. Auf dem nachfolgenden Hügel folgt ein gemächlicher Umschwung, welcher einen in eine leichte Linkskurve oberhalb der Station entlässt. Ganz plötzlich wird dann ein Korkenzieher eingeleitet, welcher einen wahnsinnig intensiv herumschleudert. Auf einen weiteren Hügel überquert man nun die Abschusstrecke, woraufhin man in der anschließenden Steilkurve zum ersten Mal wieder durchatmen kann. Eher gemächlich schießt der Wagenverbund durch eine weite Rechtskurve, die kurz darauf in die, von außen einsichtige, Herzlinienrolle übergeht. Nach einer weiteren Steilkurve folgt eine kurze Blockbremse. Diese verlässt man in einer ebenso steil abfallenden Linkskurve, woraufhin sich noch ein kleiner Hügel und die finale Linkskurve in Richtung der Station anschließt.

Auch wenn die Initialbeschleunigung des Abschusses eher lasch und kaum vergleichbar mit den Hydraulik- und Reibradantrieben des Herstellers ist, bietet die Fahrt ein Sammelsurium aufregender Elemente gepaart mit richtig viel Druck und Geschwindigkeit. Gerade der Korkenzieher, der von außen kaum einsehbar ist, hat mich während der Fahrt einfach nur überrascht und auch der Streckenteil nach der Blockbremse, welcher auf Videos immer belanglos wirkte, hat durchaus seine Momente und fügt sich hervorragend in das Gesamterlebnis der Fahrt ein. Die Anlage selbst hingegen ist dank der mageren Gestaltung und niedrigen Kapazität leider nicht so überzeugend wie die eigentliche Fahrt.

Leprotto Express

Direkt gegenüber im Kinderland Bimbopoli befindet sich mit dem Leprotto Express die nächste Achterbahn des Mirabilandia. Hierbei handelt es sich um eine einfache Kinderachterbahn des Herstellers L&T Systems, dessen Layout eine einfache Acht im ständigen Wechsel von Auf- und Abwärtsbewegungen beschreibt. Auf Grund der Fülle fuhr die Anlage nur eine Runde.

Rexplorer

Über die Insel mit der Acapulco-Todesspringer-Show erreicht man das im Jahr 2014 neugestaltete Dinoland. Neben der Umgestaltung vorhandener Anlagen, wie z.B. der Pressluftflieger mit Schrägstellung oder der beliebten Kindermonorail, fanden auch eine Gelddruckmaschine, ähm Kinderfahrschule, und ein Magic Bike von Zamperla ihren Weg in den Themenbereich. Wichtigstes Ziel für uns war jedoch die älteste Achterbahn des Mirabilandia, der Powered Coaster Rexplorer.

Die Fahrt beginnt mit einer weiten Linkskurve, an der sich ein gemächlicher Anstieg vorbei an einigen künstlichen Felsen anschließt. Oben angekommen durchfährt der Zug eine Abwärtshelix durch die Felsenformation ehe es eine steilere Gerade empor geht. Nun fährt der Zug durch eine weite abwärtsführende Rechtskurve, unterquert die eben passierte Strecke und umrandet die erste Abwärtshelix in einer Linkskurve. Mit nun deutlich mehr Schwung durchquert man die Station und vollführt eine weitere Runde durch den Parcours.

Theoretisch wäre die Fahrt auf dem Rexplorer schnell abgehandelt gewesen, denn im Gegensatz zu vielen anderen Fahrgeschäften im Mirabilandia hat diese Anlage von Haus aus eine etwas höhere Kapazität und die Warteschlange selbst war überschaubar, doch das Mirabilandia wäre nicht das Mirabilandia, wenn man auch dieses nicht versauen würde. Die Abfertigung war unter aller Sau und wurde durch die mangelnden Zahlenkenntnisse des Personals nochmals in die Länge gezogen. Nachdem man nämlich solange mit der Einteilung der potentiellen Fahrgäste wartete, bis alle Fahrgäste des eben eingetroffenen Zuges den Stationsbereich verlassen haben, wurden etwa die Hälfte des Zuges mit Fast Pass Leuten befüllt, die jedoch allesamt einzeln abgezählt und geprüft werden mussten. Natürlich verzählte sich das Personal dabei andauernd, was besonders nach einem Personalwechsel negativ auffiel. Erst nachdem sich jeder der Fast-Pass-Besitzer auf seinen Platz gesetzt hatte wurden die Normal-Wartenden eingelassen. Die Kontrolle der Bügel und die Fahrt selbst war hingegen schnell erledigt, doch der Ein-Mann-Betrieb an der Anlage benötigte für einen Durchgang fast immer 5 oder mehr Minuten während des Beladens.

El Dorado Falls und Gold Digger

Da die Bauarbeiten im neuen Themenbereich Far West Valley des Mirabilandia während des Besuchs noch im vollsten Gange waren verblieben der Spillwater El Dorado Falls, der Wasserfahrtpioniere O.D. Hopkins, welcher jedoch mit stetigen Ausfällen kämpfte und durch den Ein-Boot-Betrieb keine gute Form machte, sowie die Wilde Maus Gold Digger, ehemals Pakal, als einzige Attraktionen im Betrieb. Da auch hier 50% der Wagen mit Fast Passlern bestückt wurde, hatten wir leider ausreichend Zeit jeden noch so kleinen Winkel der kleinen, recht trostlosen, Warteschlange zu erleben und somit fast eine Stunde für die Wilde Maus italienischer Bauart investiert.

Dabei ist die Fahrt eigentlich recht unterhaltsam, denn nachdem man im oberen Level die Haarnadelkurven, insgesamt sieben an der Zahl, hinter sich gebracht hat geht es eine Ebene tiefer, wo sich nach einem großen Drop direkt eine weitere Serpentinenkurve anschließt. Auch hierauf folgen ein größeres Gefälle und ebenfalls eine Haarnadelkurve. Bekannter Weise machen bei Wilden Mäusen die beiden aufeinander folgenden Gefälle am meisten Spaß, weswegen auch hier nicht darauf verzichtet wird. Eine letzte enge Kurve und ein kleiner Dip schließen sich dann noch an, ehe man zur Station zurückgeführt wird.

Katun

Durch eine großzügig ausgelegte Tempelanlage gelangt man von hier aus zum Inverted Coaster Katun, welcher seit dem Millennium seine Fahrgäste mit baumelden Füßen gleich mehrmals auf den Kopf stellt. Mit einer Höhe von 50m und einer Länge von 1200m ist Katun seit jeher die größte Anlage ihrer Art in Europa und glücklicher Weise angsteinflößend genug um die Wartezeit trotz Ein-Zug-Betriebs gering zu halten. Interessanter Weise wurde gegen Ende des Tages tatsächlich der zweite Zug auf die Reise geschickt, wohl aber auch nur um pünktlich Feierabend zu machen.

Die Fahrt beginnt mit einer kurzen Linkskurve aus der Station hinaus hinein in den Lift der Anlage. Sobald der Zug seiner Ausgangshöhe erreicht hat dreht er sich nach links weg und vollführt zeitgleich ein recht steiles Gefälle. Mit ordentlichem Druck durchquert man das erste Tal, ehe man in dem riesigen Looping das erste Mal kraftvoll Überkopf gestellt wird. Wieder auf Bodenniveau angekommen schießt der Wagenverbund gleich erneut empor um sich in einer Zero-G Roll bei Schwerelosigkeit einmal um die eigene Achse zu drehen. Um die geniale Platzierung der Cobra Roll am See rechts des Eingangs zu ermöglichen fehlen nun einige Streckenmeter die durch eine bodennahe und nach rechts führende Steilkurve gelöst worden. In der anschließenden Inversionsfigur schießt man dann einen halben Looping empor, dreht sich dann zur Seite weg und vollführt das ganze nochmal in umgekehrter Reihenfolge. Natürlich mit überaus erfreulichen positiven Fliehkräften, die auch im anschließenden Tal nicht zu unterschätzen sind. Ebenfalls mit viel Druck dreht man eine Runde in einer weiten Aufwärtshelix an dessen Ende die Blockbremse der Anlage erreicht wird. Diese passiert man ohne jegliche Reduktion der Momentangeschwindigkeit und stürzt sich sogleich gen Abgrund. Beinahe schon geradlinig wird der erste Korkenzieher eingeleitet, welcher einen mit voller Kraft nach rechts in einen Tunnel hinein wirbelt. Diesen verlässt man dann in einen weiteren Korkenzieher, dieses Mal jedoch in die andere Richtung. Ein kurzer Hügel entlässt einen in die abschließende Abwärtshelix der Anlage, woraufhin auch schon gleich die Station erreicht wird.

Katun ist ein toller Inverted Coaster der größeren Bauart, welcher mit ordentlicher Geschwindigkeit viele riesige und gut aufeinander abgestimmte Inversionsfiguren in einem erlebenswerten Layout abspielt. Das Kräftespiel ist dabei nicht zu unterschätzen, doch immer noch recht sanft im Vergleich zu den kleineren Vertretern dieser Achterbahnart in Europa.

Max Adventures Master Thai, Eurowheel und die Hot Wheels Stunt Show

Bereits aus der Warteschlange der Achterbahn Katun konnten wir beobachten, dass die benachbarte Achterbahn Max Adventures Master Thai einen technischen Defekt hat und dementsprechend evakuiert wurde. Auch eine Stunde später war von einer Wiedereröffnung der Anlage nichts abzusehen, sodass wir uns in Richtung des markanten Wahrzeichens des Mirabilandia begaben. Auch beim 90m hohen Riesenrad Eurowheel erwartete uns eine lange und vor allem zähe Warteschlange. Doch eine Fahrt auf dem ehemals höchsten Riesenrad in Europa wollten wir uns aus lauter Lustlosigkeit noch irgendwo anders hinzugehen und dort genauso ewig zu warten nicht nehmen. Wie zu erwarten wurden beim Riesenrad nur die Hälfte der Gondeln bestückt, wodurch wir sehr viel Zeit hatten die unkonventionelle Stützkonstruktion des Riesenrads genauer anzusehen. Während der Fahrt konnten wir neben der Aussicht auf das Mirabilandia noch die Hot Wheels Stunt Show von oben betrachten, dessen Finale aus der Durchfahrt eines riesigen Loopings bestand.

Bilder Mirabilandia

Schlusswort

Ebenfalls von oben konnten wir einige Testfahrten auf Max Adventures Master Thai beobachten, weswegen wir sofort wieder zurück zur Anlage liefen, nur um dort erneut vor verschlossenen Türen zu stehen. Eine halbe Stunde blieb uns noch, weswegen wir uns zu einer weiteren Fahrt auf Katun entschlossen. Das uns danach keine weitere Fahrt mehr möglich war, war nicht abzusehen, weswegen wir insgesamt nur sechs der sieben Achterbahnen und das Riesenrad fahren konnten. Eine Schmach sondergleichen, die aus den eigentlich brillanten Freizeitpark Mirabilandia die letzte Absteige gemacht haben. Man merkt hier allzu deutlich warum das Gardaland (bei vergleichbaren Andrang am Besuchstag) in jeglicher Beziehung der erfolgreichste Freizeitpark in Italien ist und warum sich Parques Reunidos seine Strategie noch einmal überlegen sollte.


Was ist deine Meinung über den Freizeitpark Mirabilandia? Schreib es einfach hier unter dem Bericht im Kommentarfeld oder besuche unsere Social Media Channels:

          


Klicke hier für den nächsten Bericht der Il Viaggio dei due Runner Tour

Im Osten viel Neues

Vorwort

Der aus einem Forellenhof mit angeschlossener Gaststätte in Plohn bei Lengenfeld entstandene Freizeitpark Plohn stand bereits seit mehreren Jahren auf meiner Must-Do Liste und wurde immer wieder in diversen Ausflugsideen berücksichtigt, bevor diese mal wieder verworfen wurden. Ausschlaggebend hierfür war die überaus positive Berichterstattung seit der Eröffnung der Holzachterbahn El Toro im Jahr 2009 und obwohl Freizeitpark Plohn für mich kaum weiter entfernt liegt als das Phantasialand in Brühl habe ich es bislang noch nie in den Freizeitpark geschafft.

Nachdem ich im nahen Eibenstock die dort ansässige Allwetterbobbahn getestet hatte erreichte ich den Parkplatz um etwa 11 Uhr und verließ diesen auch bereits eine halbe Stunde später. Diese Zeit nutzte ich in der Warteschlange vor der einzigen geöffneten Kasse bevor ich gesagt bekam, dass meine Bankkarte mit PIN Eingabe hier nicht akzeptiert werden kann, sondern nur eine mit Unterschrift. Das liege nicht an mir, sondern am Kassensystem des Parks und somit dem Park selber, bekam ich gesagt ohne auch nur eine vernünftige Alternative genannt zu bekommen. Tatsächlich meinte die nicht gerade freundliche Kassenbedienstete im Grunde damit, dass es nur an mir lag.

Äußerst verärgert fuhr ich nach Lengenfeld um mir in der lokalen Sparkasse Geld abzuheben und danach erneut nach Plohn, immerhin steht dort eine ziemlich vielversprechende Holzachterbahn und der Rückweg an sich wäre 500 km lang, wo ich dann erneut in der Kassenschlange stehen durfte. Untermalt von einem zutiefst doofen Kommentar konnte ich dann endlich in den Freizeitpark Plohn.

Freizeitpark Plohn

Fluch des Teutates

Gott sei Dank arbeitet man bereits an einem besseren Eingangsbereich am Dorf der Gallier, hoffentlich auch mit einem besseren Kassensystem. In diesem Bereich steht neben der Drachenschaukel, ein Scheibenwischer ähnliches Fahrgeschäft, welches jedoch nicht in Betrieb war, die River Splash Anlage Fluch des Teutates des Herstellers ABC Rides.

Die Fahrt in den Rundbooten beginnt sogleich mit einem etwas längeren Lift. Oben angekommen verlässt man diesen in einer Rechtskurve woraufhin nach einem kleinen geraden Teilstück eine größere Wende anschließt. Hierauf folgt, relativ ungewöhnlich für diesen Fahrgeschäftstyp, ein kleines Gefälle in luftiger Höhe unter den Lifthügel hindurch. Nach einer weiteren Wende, dieses Mal jedoch nach Links, schließt sich sogleich ein weiteres Gefälle an. Nun nimmt man in einer rechtführenden Abwärtshelix deutlich an Schwung auf. Diese verlässt man in einer Linkskurve oder eher gesagt in einem Linksknick, welcher kurzzeitig parallel zum Lift verläuft, woraufhin die finale Schussfahrt eingeleitet wird. Es folgt die Rückführung zur Station.

Der Fluch des Teutates ist eine nette Anlage, welche mit etwas Gewichtsverlagerung im Boot in eine mehr als nur ordentliche Drehung versetzt werden kann. Aber auch ohne war dieses wohl zu Beginn des Jahres durch einen etwas zu rauen Lack auf der Fahrbahn jedermann ungewollt problemlos möglich. Dieser wurde dann abgeschliffen und die Anlage mit dem richtigen Lack neu lackiert, weshalb die Anlage in diesem Jahr länger außer Betrieb war.

Vorbei an einem Tiergehege führt der Weg nun in das Plohnidorf, wo sich neben einem ehemaligen Karussell aus dem norddeutschen Freizeitpark Heide Park, eine Themenfahrt und eine Achterbahn befinden. Die Häuser sind verziert mit Witzen über das parkeigene Maskottchen und in zahlreichen Schaufenstern werden die Streiche von Max und Moritz des Dichters und Zeichners Wilhelm Busch erzählt.

Plohseidon

Bei der Familienachterbahn Plohseidon handelt es sich um einen Force 190 des Herstellers Zierer, welcher über ein Wasserbecken gebaut wurde und eine phantasievolle Unterwassergestaltung vorweisen kann. Hierbei wurde die Gestaltung hervorragend an das etwas auseinandergezogene Layout angepasst.

Die Fahrt beginnt mit einer seicht ansteigenden Geraden, welche alsbald in eine Linkskurve überleitet. Ein kleiner Schwenker nach rechts und eine kleine Gerade später befördern einen die Reibräder des Lifthügels nach oben. Diesen verlässt man in einer seichten Steilkurve nach links woraufhin die maximale Höhendifferenz von etwa 7,5m erreicht wird. In einer Aufwärtshelix nimmt man erneut an Höhenmetern auf und vollzieht sogleich einen Richtungswechsel. In einer Bayernkurve geht es nun abwärts, hierauf folgt die Rückführung in die Station.

Die Familienachterbahn Plohseidon ist eine nette Achterbahn mit einem überraschend rasanten Layout, jedoch mit recht bescheidenen Fahreigenschaften. Gut, den Kindern wird das wahrscheinlich gar nicht auffallen, doch die Anlage fährt sich wie eine relativ alte Anlage desselben Typs.

Plohnis Tauchfahrt

In unmittelbarer Nähe befindet sich die kleine Themenfahrt Plohnis Tauchfahrt. Hierbei durchfährt man, ähnlich der ehemaligen Themenfahrt Ocean of Darkness des niederländischen Freizeitparks Attractiepark Slagharen, eine farbenfrohe Unterwasserwelt. Dabei wird die plastische Gestaltung mit einigen gut eingearbeiteten Bildschirmen, in denen unter anderem das Parkmaskottchen auftaucht, unterstützt.

El Toro

Durch einen Durchgang gelangt man in der Westernstadt, dem Westernbereich des Freizeitpark Plohn und steht sogleich vor der Holzachterbahn El Toro des amerikanischen Herstellers Great Coaster International. Entlang der hinteren Wende der Achterbahn kann man, ebenso von der anderen Seite kommend, zum Zugang der Holzachterbahn gelangen. Nach einer kleinen Rampe steht man sogleich in der Station und hat nun mehr oder weniger freie Platzwahl, denn viel los war hier trotz des anlagenbedingten Einzugbetrieb nicht.

Nachdem der Zug endlich abgefertigt wurde befördert einen die Liftkette in eine Höhe von etwa 25m. Mit ordentlichen Schwung vollzieht man nun das erste Gefälle, welches recht geradlinig eingeleitet wird ehe es in eine Steilkurve übergeht. Im Tal unterfährt man zum ersten Mal den Lifthügel der Wildwasserbahn und vollzieht währenddessen sogleich einen Richtungswechsel. Eine aufwärtsführende Linkskurve schließt sich an, wechselt aber relativ flott ihre Richtung. Nun führt eine weite Kurve den Zug an den tiefsten Punkt des Layouts, doch auch hier verweilt man nur kurz. Über einen Hügel hinweg drischt der Wagenverbund erneut unter den Lifthügel der Wildwasserbahn hindurch und kurz darauf durch eine Kurve parallel zum First Drop. Nun folgen mehrere Hügel, welche einen allesamt leicht aus dem Sitz befördern. Vorbei an der Station vollzieht man einen kleinen Schlenker und daraufhin eine Wende. Mit vollem Elan geht es nun erneut hinab wobei das Fahrtfoto geschossen wird. Der darauffolgende Hügel leitet eine bodennahe Rechtskurve ein an der sich zwei Hügel anhängen. Eine letzte Kurve führt den Zug dann hinauf zu den Bremsen und sogleich zurück in die Station.

El Toro ist eine wirklich gute Achterbahn mit einem absolut brillanten Start, aber eher lauen Ende. Obwohl der wilde Stier bereits am frühen Mittag überzeugen konnte zeigte dieser erst am späten Nachmittag im eingefahrenen Zustand sein volles Potential und dieses lädt, ähnlich der nie wirklich vollen Station des Besuchstages, zu stetigen Wiederholungsfahrten ein. Als die Fülle der Station aber ein einfaches Umsetzten nicht mehr gestattet hat habe ich die Anlage dann aber verlassen, denn der Weg vom Ausgang zum Eingang war es mir auch irgendwann nicht mehr wert. El Toro ist halt nicht Troy aus dem niederländischen Freizeitpark Toverland, aber immerhin eine sehr gute Holzachterbahn und eine Bereicherung ohne Gleichen für den zuvor kaum bekannten Freizeitpark.

Westerneisenbahn und Westernrodeo

In der Mainstreet des Themenbereichs befindet sich der Bahnhof der Westerneisenbahn, eine Rundfahrt durch den Wilden Westen vorbei an den Fahrgeschäften des Bereichs und unterhalb der Holzachterbahn. Interessanter Weise führt die Anlage kurzweilig an den Eingängen des Westernrodeos, ein Break Dance der dritten Bauart mit einer langen und abwechslungsreichen, wenn auch langsamen Fahrt, und der Achterbahn Silver Mine vorbei und blockiert diese.

Silver Mine

Bei der Silver Mine handelt es sich um einen Flitzer aus dem Hause Zierer, welche ähnlich der unter Vorlop hierzulande reisenden Anlage High Explosive ist. Gestartet unter einem deutschen Schausteller in den 70ern wanderte sie bereits recht schnell nach Amerika aus, wo sie bis 1990 ihre Fahrgäste im Freizeitpark Adventureland noch in Originalausstattung unterhielt. Im Jahr 1996 präsentierte sich die Anlage als Rioolrat in einem neuen Gewand und mit neuen Wagen im niederländischen Freizeitpark Avonturenpark Hellendoorn. Diese Wagen in Form einer Kanalratte wurden auch bei der Mäuseachterbahn der Spielerei Rheda-Weidenbrück verwendet, hier aber auch noch in Verbindung mit den Originalen. Komplett an Fahrspaß verlor die Anlage erst im Jahr 2000 wo sie sich mit Bergwerksloren bestückt dem Publikum präsentierte. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht wenn man mit den minimalistischen Flitzern über die Schiene brettert, wie beispielsweise im dänischen Freizeitpark Bakken, oder an den hochwandigen Wagen während der Fahrt andauernd irgendwo anstößt wie es hier der Fall ist.

Wildwasserbahn mit Geisterbahn

Auf der anderen Seite des großzügig ausgelegten Platzes befindet sich der Zugang zur Wildwasserbahn mit Geisterbahn, wobei sich der Geisteranteil wahrscheinlich nur zu Halloween wirklich zeigt. Nachdem man die Station verlassen hat führt der Kanal das Boot durch eine kleine Themenpassage in Richtung des ersten Lifthügels. Oben angekommen erfolgt auch sogleich die erste Schussfahrt, welche einen ein wenig befeuchten kann. Nach einer Wende und einer Rechtskurve verlässt man das Plateau und kurvt ein wenig in Zickzackbewegungen durch die Baumwipfel und über das zweite Gefälle hinweg bis nach einer weiteren Rechtskurve der zweite Lift erreicht wird. In luftiger Höhe vollführt man nun eine weitere Wendekurve woraufhin man sich langsam aber sicher der großen Abfahrt nähert. Ohne großen Schnickschnack geht es nun die Schussfahrt hinunter an dessen Ende das kühle Nass wartet und dabei ordnungsgemäß befeuchtet. Es folgt die Rückfahrt zur Station dieser recht ordentlichen Wildwasserbahn.

Holzmichl-Villa und Crazy House

Am Ausgang der Wildwasserbahn befindet sich interessanter Weise ein kleiner Autoskooter und oberhalb dessen die Geistermühle, welche einige Rüttelplatten, Zerrspiegel und viele schlechte Witze vorweisen kann.  Ebenso besonders geht es oberhalb der Wildwasserbahn zu statten. Hier befindet sich neben Deutschlands größtem Baumhaus mit der Rutschbahn Wilde Sau, die Holzmichl-Villa und an ihr angeschlossen das Crazy House. Die Anzahl der Belustigungselemente ist dabei, entgegen meiner vorherigen Vorstellung des Freizeitpark Plohn leider recht überschaubar.

Miniwah und das Geheimnis von Gold Creek City

In einer ehemaligen Reit- und Showhalle, deren Show wohl auf Grund horrender GEMA Gebühren abgesetzt wurde, befindet sich seit diesem Jahr die Achterbahn Miniwah und das Geheimnis von Gold Creek City. Gut zehn Jahre nachdem der letzte Powered Coaster des Herstellers Mack in Europa ans Netz ging präsentiert man hier in einer eindrucksvollen Kulisse eine ebenso eindrucksvolle Anlage inklusive regelmäßig stattfindender Multimedia-Show und einer Zuschauerbühne.

Miniwah und das Geheimnis von Gold Creek City ist ein richtig guter Powered Coaster. Die allgemeine Gestaltung überrascht wie auch die rasante Fahrweise, in diesem doch sehr kompakten Layout. Selbst die erste, langsam durchfahrene, Runde mit ihrem sightseeingähnlichen Charakter reicht bereits aus um die Anlage gut zu finden.

Raupe

So überzeugend und stimmig die Westernstadt doch ist, so unschön ist der Oldtimerpark auf der anderen Seite des Weges mit seiner Seebühne und kleineren Kinderattraktionen. Hier befindet sich auch die letzte Achterbahn des Freizeitpark Plohn, die Kinderachterbahn Raupe, ein Big Apple des Herstellers SBF Visa mit altbewährten Layout.

Freefall im Urzeitdorf

An diesem Bereich angrenzend befindet sich der Märchenwald mit einigen versteckten Karussellen und nett gestalteten Märchenszenen. Folgt man den Wegen befindet man sich im Dinoland, dem abseits gelegensten Bereich des Parks. Hier befinden sich neben der Floßfahrt durch die Urzeit der ziemlich nett betriebene Family Freefall Tower Freefall im Urzeitdorf des Herstellers Zierer und ein Tretbootverleih.

Bilder Freizeitpark Plohn

Fazit Freizeitpark Plohn

Der Freizeitpark Plohn ist ohne Frage ein guter Freizeitpark, es fehlt nur ein wenig die Professionalität. Es ist schon ein wenig seltsam wenn man um kurz nach 14 Uhr kaum noch Speisen im Park vorrätig hat, um vier Uhr keinen Kaffee und Kuchen mehr anbietet und stattdessen dabei ist den Kassensturz zu vollziehen und einzuräumen. Neben dem allgemein unmotivierten und unfreundlichen Personal gesellt sich noch das Erlebnis an der Kasse dazu und schon entsteht ein wenig lobenswertes Bild des allgemein doch sehr gelobten Freizeitparks – ich bin ein Kunde und bin bereit Geld auszugeben, also nehmt es bitte und verweist mich nicht ständig wegen vermeidbarer Fehler.

 

Was ist eure Meinung zum Freizeitpark Plohn? Schreibt sie einfach in das Kommentarfeld unter dem Bericht oder in unsere sozialen Medienkanäle:

 

          


Bayerns stärkstes Stück Freizeit

Vorwort

Bereits zwei Mal bin ich bereits auf dem Weg nach München an Bayerns stärkstem Stück Freizeit vorbei gefahren; das erste Mal unwissend von der Existenz des Freizeitparks als Kind, beim zweiten Mal aus Respekt vor meinem Mitfahrer, welcher den Besuch des Parks seit Jahren einer anderen Person versprochen hatte, und einem eher strikten Tagesablaufplan. Da ich meinen Vater auf einer Fahrradtour entlang der Tauber bis zum Main, startend in Rothenburg ob der Tauber, begleitete wurde der gerade einmal 30km lange Schlenker abseits der Autobahn A7 nach Geiselwind endlich in Angriff genommen.

Freizeit-Land Geiselwind

Den Ursprung hat der 1969 eröffnete Freizeitpark als Vogel-Pony-Märchen-Park, eine schon damals außergewöhnliche Mischung. Obgleich Reste des Märchenparks erhalten blieben, so dominieren die Tiergehege den Freizeitpark, welcher seit den 80er Jahren auch vermehrt Fahrgeschäfte vorweisen kann, welche seither die größte Resonanz erzeugen. Dabei ist der Tierpark durchaus ansehnlich und kann ähnlich dem Weltvogelpark im niedersächsischen Walsrode eine große Artenvielfalt in hinreichend großen Volieren und Gehegen vorweisen.

T-Rex World

Gestalterisch wird das Freizeit-Land Geiselwind hingegen dominiert von bereits ausgestorbenen Lebewesen. Neben einer Wegebahn im Dinosaurierlook und zahlreichen Figuren finden die Dinosaurier besonders in der T-Rex World ihre Geltung. Hierbei handelt es sich um eine kleine sehenswerte Ausstellung mit Animatroniks, welche gekonnt in Szene gesetzt wurden. Interessanter Weise konnte mich die Ausstellung hier mehr überzeugen als die geführte Ausstellung neueren Baujahrs Era T-Rex im portugiesischen Freizeitpark Zoomarine, trotz des deutlich geringeren Ausmaßes.

T-Rex Tower

Vor der Halle befindet sich mit dem T-Rex Tower ein Shot ‚n‘ Drop des Herstellers HUSS, eine zumindest auf deutschen Kirmessen mittlerweile ausgestorbene Vertikalfahrt. Während Robrahns Countdown unter Fleur durch Frankreich reist und Goetzkes Freefall an den australischen Freizeit- und Wasserpark Adventure World bei Perth verkauft wurde, blieb Roies Shot ‚n‘ Drop als einzige Anlage in Deutschland erhalten. Wie auch die bereits erwähnten Türme liefert auch der T-Rex Tower eine grundsolide Fahrt mit einem sehr schönen Abschuss nach oben und Fall nach unten. Trotz, im Vergleich zum Hersteller S&S Sansei, fehlender negativer Beschleunigung macht mir die Fahrt durch den wunderbaren Abschuss auf einem HUSS Turm stets ein wenig mehr Spaß, obgleich hier bereits nach einem Fahrtzyklus das Ende der Fahrt erreicht ist.

Die HUSS Ecke

Neben zwei Wasserbecken mit Nautic Jets und Wasserrondell, welche stets die längste Wartezeit vorweisen konnten, befindet sich eine Ecke ausschließlich bestehend aus Fahrgeschäften aus dem Hause HUSS, wie man sie zuvor auch, in einer ähnlichen Konstellation, in den niedersächsischen Freizeitparks Heide Park und Serengeti Park, erleben konnte. Neben einem schicken Condor namens Ikarus und einem Ranger namens Shuttle kann man hier noch eine Enterprise, sowie einen Break Dance fahren. Dabei bieten alle Fahrgeschäfte eine durchaus lange Fahrweise mit mehr oder weniger ausgewogenen Fahrprogrammen. Interessant und zugleich ein wenig störend empfand ich dabei die Beschleunigungsphasen beim Ranger, da er im Tal immer abgebremst hatte, was beim baugleichen Fahrgeschäft Fliegenden Hai im Hansa Park jedoch nie der Fall war.

Wildwasserbahn

Folgt man den Wegen weiter stößt man an deren Ende auf die große Wildwasserbahn mit ihren drei Schussfahrten. Hierbei handelt es sich um eine leicht abgewandelte und durch eine weitere Abfahrt ergänzte Variante des Standardmodells des französischen Herstellers Reverchon. Obwohl die Anlage durch ihre große Rückwand stark an eine Kirmes vergangener Tage erinnert, so ist die allgemeine Gestaltung der Anlage, besonders durch den sehr nett gestalteten Wartebereich, doch gelungen.

Nachdem der Einbaum die Station verlassen hat dümpelt man ein wenig durch die Fahrrinne entlang der Wartungshalle des Freizeit-Land Geiselwind ehe es den ersten Lift empor geht. Oben angekommen absolviert man eine kleine Kurve hinter der Rückwand auf Rollen bis ein Reibrad das Boot in die erste Schussfahrt schiebt. Diese ist als doppeltes Gefälle ausgeführt und entlässt einen ein wenig angefeuchtet in den weiteren Streckenverlauf. Eine S-Kurve später geht es erneut hinauf und eine kleine Rechtskurve fügt sich an. Nun folgt die kleinste Abfahrt der Anlage und so schnell wie dieser kam, so schnell ist das Ende der Auslaufstrecke bereits erreicht und man vollzieht rasant eine weitere Rechtskurve. Nach einer etwas längeren Geraden sammelt das Boot zum letzten Mal an Höhenmetern an. Oben angekommen wiederholt sich das Spiel wie vor der ersten Abfahrt, doch nun folgt eine hohe Schussfahrt ohne Unterbrechungen. Unten angekommen wird man ordentlich befeuchtet just bevor es die restliche Strecke in Richtung der Station geht. Durch ausgeklügelte Technik, die mir bei der Anlage tatsächlich zum ersten Mal aufgefallen ist, werden die Boote kurz angehalten und sanft auf das Förderband der Station gelegt ohne dabei gegen die anderen Boote zu knallen.

Top of the World

Aus technischer Sicht ähnlich interessant, aber in deutlich größeren Dimensionen, ist der Aussichtsturm Top of the World, welcher sich kurz und knapp als 132 Personen fassendes Monstrum beschreiben lässt. Das ehemals größte transportable Fahrgeschäft der Welt misst insgesamt eine Höhe von 95 m, wobei eine Fahrhöhe von 72 m erreicht wird. Erbaut wurde die Anlage Mitte der 90er Jahre von Nauta Bussink für den Bremer Schausteller Finnendahl, welcher die 270 t schwere Konstruktion bis zum Jahr 1998 betrieb. Dabei ist das Hochfahrgeschäft, im Vergleich zu den modernen Freifalltürmen des Herstellers Funtime, sehr massiv, was bereits an den vier Auslegern auffällt. Der Turm selbst ist relativ breit ausgelegt, was den Transport sicherlich nicht gerade einfach gemacht hatte. Die Antriebstechnik der Gondel hingegen ist sehr einfach und erfolgt über zwei Stahlseile die auf- bzw. abgerollt werden und somit das Gegengewicht heben bzw. senken und dadurch die Position der Gondel beeinflussen. Nachdem die Gondel ein wenig angehoben wurde wird über eine Stromschiene die Versorgung der Motoren für die Drehbewegung der Gondel sichergestellt. Die Fahrt selbst ist in beiden Bewegungen jedoch relativ langsam und bietet somit einen guten Blick auf den Freizeitpark. Dabei ist auch die klimatisierte Gondel eine Besonderheit ohne Gleichen, denn die meisten Plätze sind als Stehplätze konzipiert und in zwei Reihen ausgeführt. Die Sicht aus den Fenstern ist dabei überraschend klar, denn es fehlen jegliche Kratz- und andere Verschleißspuren.

Drehgondelbahn

Recht unscheinbar und selbst von oben leicht zu übersehen steht mit der Drehgondelbahn ein wahres Unikat an Achterbahn im Freizeit-Land Geiselwind. Hierbei handelt es sich um den einzigen Spinning Coaster der Firma Zierer, welcher seit dem Jahr 1994 seine Runden im Park dreht. Dabei ist bereits dieser Fakt spannender als das eigentliche Layout der Anlage, denn hier absolviert man nur ein einfaches Oval mit einer abwärtsführenden Helix in der Mitte dessen. So einfach die Strecke scheint, so gut bringt sie die Gondeln in Drehung, so dass eine durch und durch lustige Fahrt entsteht. Drei Runden geht es dabei durch den Streckenparcours ehe die Gondeln automatisch in der Station ausgerichtet werden.

Es ist schon seltsam nur eine Achterbahn dieser Art aus dem Hause Zierer vorfinden zu können, denn das Potential heutzutage ein Kassenschlager zu sein zeigen derzeit die kompakten Spinning Coaster aus dem Hause SBF Visa mit ihrem noch einfacheren Layout. Gerade für kleinere Freizeitparks wäre eine Anlage wie die Drehgondelbahn mehr als ideal, so dass eine Neuauflage dieses Klassikers sicherlich nicht die schlechteste Idee wäre.

Boomerang

In einer Flucht mit dem Aussichtsturm Top of the World und der Drehgondelbahn steht die größte Achterbahn Geiselwinds, ein Vekoma Boomerang. Obwohl dieser von außen relativ normal wirkt handelt es sich hierbei um eine aufwändig gestaltete Anlage im australischen Stil, inklusive der namensgebenden Wurfwaffe. Der Zugang erfolgt bei dieser Anlage um den Maschinenraum herum, woraufhin man sich direkt in der Station befindet. Diese vibriert bei Durchfahrt des Zuges im Vergleich zu ähnlichen Anlagen kaum, weswegen interessanterweise Fernseher die Station zieren.

Nachdem der Mitnehmer den Zug gegriffen hat wird dieser langsam die erste Rampe hinauf gezogen. Oben angekommen klinkt dieser automatisch aus, woraufhin der Zug diese hinab fährt und folglich mit Höchstgeschwindigkeit die Station durchquert. Daraufhin schießt er die erste Fahrfigur empor und steht infolgedessen das erste Mal kopfüber, ehe es in der zweiten Hälfte der Cobra Roll erneut überkopf geht. Ein klassischer Looping, welcher bereits vorwärts kraftvoll durchfahren wird, fügt sich an. In dessen Ausfahrt greifen bereits die ersten Bremsen und reduzieren somit die Geschwindigkeit kurz bevor der Zug in eine Liftkette einklinkt. Diese wiederum führt den Zug erneut auf Maximalhöhe ehe ein Mechanismus diese senkt und somit den Zug freigibt. Nun geht es rückwärts die zweite Rampe hinunter und mit Höchstgeschwindigkeit in den Looping, welcher nun deutlich spürbar an Druck gewonnen hat. Die Cobra Roll hingegen wird dementsprechend etwas langsamer durchfahren bevor es erneut in die Station geht und die Bremsen greifen. Die Fahreigenschaften sind dabei, ähnlich den Exemplaren aus den belgischen Freizeitparks Bellewaerde und Walibi Belgium, überaus gut und laden insgeheim zu mehreren Fahrten ein.

Cobra

Auf dem Platz der ehemaligen Achterbahn Marienkäferbahn, welche aus Kosten- und Altersgründen das Freizeit-Land Geiselwind verlassen hat, befindet sich in diesem Jahr die Achterbahn Cobra des Schaustellers Agtsch. In den Jahren zuvor wurde der Platz bereits von zwei Wilden Mäusen, der Dunkelachterbahn Black Hole und einer Geisterbahn belegt, was einerseits verständlich ist, andererseits durch das bereits große Angebot an Fahrgeschäften nicht unbedingt benötigt wird. Durch die Absperrungen entlang der Anlage wirkt dieser Platz nicht sonderlich schön, hier wäre eine nicht temporäre Attraktion in Zukunft sicherlich von Vorteil.

Blauer Enzian

Direkt nebenan befindet sich ein Blauer Enzian mit gleichem Namen aus dem Hause Mack. Wie viele Fahrgeschäfte im Freizeit-Land Geiselwind handelt es sich auch hier um eine ehemalige Reiseanlage, was man an den zwei Wasserbecken, welche die Sohle der Anlage erschweren, sehen kann. Da die Brücke oberhalb der Station nicht aufgebaut wurde geschieht der Ausstieg auf derselben Seite wie der Einstieg, weswegen eine Zugseite verschlossen wurde.

Die Fahrt beginnt mit einer weiten Linkskurve, woraufhin sich ein gemächlicher Anstieg anschließt. Oben angekommen vollführt der Zug eine linksführende Abwärtshelix ehe es eine steilere Gerade empor geht. Nun vollführt der Wagenverbund eine weite abwärtsführende Rechtskurve, unterquert die eben passierte Strecke und umrandet die erste Abwärtshelix in einer weiteren Linkskurve. Mit nun deutlich mehr Schwung durchquert man nun die Station und anschließend Runde für Runde den Parcours. Bis auf den abrupten zweiten Richtungswechsel immer wieder eine nette Fahrt.

Fränkischen Weinfahrt

Neben einem 4D Kino, bei dem derzeit ein Film im Stil von Jurassic Park gezeigt wird, bietet das Freizeit-Land Geiselwind noch einige Rundfahrgeschäfte, welche allesamt gut gestaltet wurden. Hierbei fällt jedoch nur bei der Fränkischen Weinfahrt, einer Teetassenbahn, der regionale Bezug des Parks auf. Alles andere ist bayerisch, wodurch sich auch die Gastronomiepreise in einem guten Rahmen bewegen.

Bilder Freizeit-Land Geiselwind

Fazit Freizeit-Land Geiselwind

Das Freizeit-Land Geiselwind ist ein ziemlich dufter Vergnügungspark. Die Fahrgeschäfte sind allesamt in einem sehr guten Zustand und wirken im Allgemeinen sehr gepflegt, ebenso die Gartenanlagen. Die Wegeführung erinnert trotz parzellenartiger Aufteilung der Fahrgeschäfte nicht an das Computerspiel Roller Coaster Tycoon, einen Zustand wie man ihn beispielsweise im hinteren Teil des Erse Parks in Uetze erleben kann, so dass ein stimmiger Gesamteindruck entsteht. Zwar kann man die Herkunft vieler Fahrgeschäfte nicht leugnen, jedoch entsteht keinesfalls der Eindruck einer Dauerkirmes, was durch die nette Einbindung der Fahrgeschäfte erzeugt wird. Das Freizeit-Land Geiselwind zumindest schafft es mit Leichtigkeit seine Besucher für einige Stunden gut zu unterhalten und bietet darüber hinaus ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis, weswegen ich den Park durchaus als Bayerns stärkstes Stück Freizeit bezeichnen möchte, wodurch der parkeigene Slogan treffsicherer nicht sein könnte (die Konkurrenz in diesem Bundesland ist jedoch sehr überschaubar).

 

Was ist eure Meinung zum Freizeit-Land Geiselwind? Schreibt sie einfach in das Kommentarfeld unter dem Bericht oder in unsere sozialen Medienkanäle: