Ein toller Nachmittag in De Panne

Vorwort

Über síeben Jahre sind vergangen als ich das erste Mal, an einem, sehr stark frequentierten, Gründonnerstag das Plopsaland De Panne besuchte. Die Katapultstartachterbahn Anubis – The Ride war keine vier Tage alt, doch begeistern konnte mich der Freizeitpark damals überhaupt nicht. Spätestens mit der Entgleisung der Parkeisenbahn, die noch durch ein größeres Tiergehege fuhr, war die Luft raus und ich verließ frühzeitig den Freizeitpark.

Meine Erinnerungen an das Plopsaland waren seither negativ geprägt, doch der ständige Tatendrang auf Seiten der Studio 100 Gruppe ließ einen immer wieder nach De Panne schauen. Themenbereiche wurden neu strukturiert oder aus dem Boden gestampft, ein Theater wurde errichtet, sowie ein vielversprechendes Schwimmbad gebaut und dennoch blieb es stets bei interessierten Blicken. Mit der Errichtung der Holzachterbahn Heidi – The Ride und der angedachten baldigen Eröffnung war ein Besuch unumgänglich, weswegen ich mir zu Saisonbeginn eine Plopsa Funcard mit Parkingpass (sehr lohnenswert, gerade bei den Benelux’schen Parkgebühren) im Holiday Park kaufte. Blöd nur, dass gerade die Holzachterbahn dank Lärmschutzproblemen, bislang über eine kurze Testphase nicht herauskam und eine Eröffnung erst im nächsten Jahr erfolgen wird. Evtl. war es aber auch ein Glücksfall, denn ohne die beinahe panische „Hilfe, ich habe mir eine Plopsa Funcard gekauft und muss die noch irgendwie ausnutzen“ Tour kurz nach Abgabe meiner Abschlussarbeit, hätte ich meinen Freund David so schnell nicht wiedergesehen.

Nach einem kurzen Besuch im Plopsa Indoor Coevorden erreichte ich den Parkplatz gegen 15 Uhr. Von hier aus führt unterhalb der, unfassbar gut positionierten, Holzachterbahn der Weg in Richtung Eingang des Parks. Quelle douleur, quel camouflet hier nicht mitfahren zu können, vor allem da die Ausstrahlung der Anlage auch innerhalb des Parks absolut harmonisch ist.

Geschichte des Freizeitparks

Das Plopsaland De Panne wurde im Jahr 2000 eröffnet, die Ursprünge des Parks jedoch reichen auf das Jahr 1935 zurück, wo die Familie Florizoone mit dem Meli Park den ersten Freizeitpark des Landes rund um ihr Honigimperium Meli eröffneten. Stetig fallende Besucherzahlen in den 90er Jahren sorgten dann für den Verkauf an das (damals noch recht frische) Studio 100, welche den Park durch ihre eigenen (Kinderserien-)Lizenzen wieder auf Erfolgskurs brachte.

Parkrundgang

Mayaland

Betritt man den Park findet man sich, ähnlich dem Holiday Park bei Haßloch, auf einer überdachten Main Street und kurz darauf auf einem riesigen Platz mit einigen Fontänen wieder. Von hier gehen zahlreiche Wege ab, auch befindet sich hier der Zugang zum parkeigenen Theater und dem Indoor-Themenbereich Mayaland. Dieser spiegelt eine kleinere, jedoch überdachte, Version des pfälzischen Kinderlandes dar und bietet mit dem Kontiki De Swingboom, dem Flying Fish De Bloemenmolen, dem Demolition Derby De Waterlelies und dem Family Freefall Tower De Valtoren Spaß für die ganze Familie. Wie auch das Theater und das benachbarte Schwimmbad, wird auch das Mayaland außerhalb der regulären Parköffnungszeiten genutzt.

De Vleermuis

Folgt man der Wegstrecke der Parkeisenbahn, mit der man im Übrigen den bislang noch nicht fertiggestellten Themenbereich um die Kinderserie Heidi passiert, stößt man recht zügig auf die Achterbahndoppelanlage De Vleermuis. Hierbei handelt es sich um eine kleine Anlage mit freischwingenden Gondeln der Firma Caripro, bei der sich beide Spuren ein Rennen über das stetig abfallende und recht simple Layout in Form einer Acht liefern. Besonders dabei ist eigentlich nur der recht zügige Vertikallift, bei dessen Einfahrt man sich lieber ordentlich festhalten sollte um böse Überraschungen vorzubeugen, sowie der Aufbau der Wagen, die der eh schon geringen Kapazität durch teilweise langandauernde Einstiegsversuche keineswegs zugutekommen.  Die Fahrt ist just ok und bedient hauptsächlich das jüngere Publikum des Parks, welches auch recht viel Spaß auf der Anlage hatte.

De Boomstammetjes

Einige Meter weiter stößt man auf den hübsch gestalteten mittelalterlichen Themenbereich, in dem De Boomstammetjes, die große Wildwasserbahn des Parks, sowie die angetriebene Achterbahn De Draak auf Fahrgäste warten.  Als eine der ersten Anlagen ihrer Art konnte die im Jahr 1989 eröffnete Wildwasserbahn eine doppelte Schussfahrt aufweisen, darüber hinaus bietet die Anlage eine überaus lange Fahrstrecke bei nur zwei Schussfahrten; während des Besuchszeitpunkt hingegen war die Anlage leider nicht geflutet, eine Fahrt daher nicht möglich.

De Draak

Über der Wildwasserbahn hingegen drehte der Drache Runde für Runde, weswegen es sogleich durch die ellenlange und wunderschön gestaltete Warteschlange direkt in die Station ging. Diese verlässt man auch sogleich in einer schnelleren Rechtskurve in Bayernkurvenmanier, also eine Kurve mit mehreren Hügeln und Tälern. Nun folgt eine längere Gerade mit einem ähnlichen Verlauf, doch die Geschwindigkeit ist nun bereits deutlich gedrosselt. In der anschließenden Linkshelix nimmt man wieder etwas an Geschwindigkeit zu, doch auch die kommenden, bodennahen Richtungswechsel oberhalb der Wildwasserbahn können die Spannung leider nicht wirklich steigern. Eine Rechtshelix führt den Zug wieder in luftige Höhe, wo dieser dann eine Kuppe überschleicht. Mittels einer weiteren Abwärtshelix baut man jedoch wieder etwas an Geschwindigkeit auf, woraufhin alsbald die Station zügig durchfahren wird. Es folgt eine weitere Runde.

Die Fahrt auf der Achterbahn De Draak ist leider nicht sonderlich spannend, noch schnell. Dabei ist der Streckenverlauf der Anlage nun wirklich nicht schlecht, es fehlt nur etwas die Geschwindigkeit mit der man die vorhandenen Elemente passiert. Ohne diese gehört die Achterbahn zu den langweiligsten Vertretern ihrer Art, was die im Park vorhandene Zielgruppe jedoch keineswegs stört.

Rollerskater

Am zentralen See angekommen trifft man sogleich auf ein Wildwasser-Rondell und ein Magic Bike, sowie auf den ersten Ohrwurm des Parks, denn beide Attraktionen sind dem Mega Mindy Universum angesiedelt, weswegen der Titelsong der Serie rauf und runter gespielt wird. Etwas Ruhe davon findet man beim benachbarten Rollerskater, einer Familienachterbahn des Herstellers Vekoma im Standart-Layout, welche hier in einer wunderschönen und vor allem überdimensionierten Gestaltung daherkommt.

Kaatje zoekt Eendje und Viktor’s Race

Neben der Rundbootfahrt Kaatje zoekt Eendje befindet sich die Familienachterbahn Viktor’s Race. Mit dem Einzug des Kinderserienprogramms Kaatje van Ketnet wurde die Achterbahn Dongo’s Race nicht nur neugestaltet, sondern bekam auch einen neuen Zug und neue Schienen spendiert; immerhin ist die 1976 erbaute Anlage die älteste Achterbahn des Parks und sogleich auch eine der beliebtesten. Die Umgestaltung zumindest wirkt sich überaus positiv auf die Anlage aus und fügt sich nahtlos an das allgemeine Konzept an.

Rox Flyer und Prinssesia

Währenddessen wirkt der Funtime Starflyer Rox Flyer mittlerweile wie ein Fremdkörper im eigenen Park. Direkt nebenan besteht seit diesem Jahr nämlich ein, ziemlich kitschiges, aber irgendwie auch passend gestaltetes, Märchenschloss, in der die gehobene Küche des Parks, das Restaurant Prinssesia, untergebracht ist. Die Preise sind dabei, wie überall im Plopsaland De Panne, durchaus hoch, jedoch findet man hier vom üblichen Fast Food glücklicherweise keine Spur. Ebenso positiv wurden die Teetassen mit in den neu erschaffenen Komplex eingebunden.

Piratenboot, Storm op Zee und Super Splash

Den Rundgang um den See rundet der Piratenthemenbereich um Piet Piraat ab. Neben der elegant auf dem See platzierten Schiffschaukel Piratenboot und der schicken Koggenfahrt Storm op Zee wird dieser Bereich vor allem durch den Mack Rides Super Splash gleichen Namens geprägt. Aus einer Höhe von 18m stürzt man in geräumigen Booten 20m gen Boden, überfährt einen kurzen Hügel und landet kurz darauf im kühlen Nass, woraufhin man gemächlich seinen Rückweg in Richtung Station antritt. Die Besonderheit dieses Exemplars liegt neben der Reduzierung auf das Wesentliche, so zum Beispiel gibt es keinen unnötigen Rückwärtspart in luftiger Höhe, auf der Verwendung eines Vertikallifts, welcher bei der Auffahrt eine Rotation um 180° vollführt. Der Nässegrad ist wie üblich eher überschaubar, so dass man hier eine weitere gelungene Familienachterbahn bietet.

Anubis – The Ride

Im Jahr 2009 entstand mit Anubis – The Ride eine Achterbahn rund um die TV-Serie Het Huis Anubis, welche kurz darauf auch in einer eigenen deutschsprachigen Produktion auf dem Sender Nickelodeon ausgestrahlt wurde. Das Haus Anubis stellt dabei ein Internat dar, in der eine Gruppe von Schülern zahlreiche mystische Abenteuer und allerlei Intrigen erleben; dementsprechend auch die Aufmachung im Inneren, die sich gerade im Vergleich zur Freifallturm-Neuinszenierung des Holiday Parks überaus sehen lassen kann, zumal die Bilder der Cast im Laufe der Zeit weniger wurden und der Soundtrack nicht mehr in Dauerschleife läuft.

Einmal in den sechssitzigen Wagen Platz genommen verlässt man auch sogleich die, dem Haus Anubis nachempfundene, Station und nimmt in einer kurzen Rechtskurve etwas an Schwung auf. Kurz darauf taucht der am Wagen befindliche Aktor in die an der Strecke befindlichen Statoren ein, woraufhin dieser sehr zügig auf eine Geschwindigkeit von 90 km/h gebracht wird. Nun rast man mit voller Wucht einen sehr steilen Hügel, ähnlich einem halbseitigen Top Hat Element, empor, passiert die Kuppe und verlässt diesen seitlich gedreht zur rechten Seite. Recht kraftvoll passiert man das nun folgende Tal, ehe man erneut emporschießt um anschließend in einem Dive Loop in Richtung Boden zu stürzen. Auf einem weiteren Top Hat ähnlichen Hügel wechselt man die Richtung und stürzt sich ein weiteres Mal airtimereich dem Grund entgegen. Wieder einmal sehr druckvoll passiert man das Tal ehe man die Welt in einem Immelmann erneut überkopf sieht. Eine Steilkurve führt nun hinauf in die Blockbremse der Anlage. Kaum an Geschwindigkeit reduziert folgt eine weitere Linkskurve hinab auf Bodenniveau. Hierauf überquert man einen kleinen Hügel und vollzieht dabei einen letzten Richtungswechsel, ehe man schwungreich in einer knackigen Heartlineroll ein letztes Mal über Kopf gestellt wird. Kurz darauf ist die Station auch wieder erreicht.

Anubis – The Ride fährt sich nach wie vor richtig, richtig gut. Die Fahrt ist von Anfang an überaus druckreich, die Airtime ist ausgeprägt und die Inversionen werden allesamt sehr zügig durchfahren. Die Gestaltung der Anlage ist darüber hinaus sehr gelungen und erzeugt ein ganz eigenes Ambiente, welches sich aber, recht untypisch für andere Inselthemenbereiche diverser Freizeitparks, vollkommen in das Gesamtkonzept einbettet.

De Grote Golf und Wickie – The Battle

Der optisch eindrucksvollste Themenbereich ist das 2013 errichtete Wickieland, wo Wickie und die starken Männer ihr zuhause gefunden haben. Mit dem wohl am schönsten gestalteten Disk’o Coaster De Grote Golf der Firma Zamperla, sowie dem malerischen Splash Battle Wickie – The Battle der Firma Mack Rides präsentiert man hier zwei gute Fahrgeschäfte in einer rundum gelungenen Atmosphäre, auch wenn die Effekte, sowie Mitfahrer beim Splash Battle während der Besuchszeit etwas gefehlt haben. Leider ist es sehr auffällig, dass Figuren bzw. Figurengruppen öfters verwendet wurden, so dass manchmal etwas die Abwechslung fehlt, zumal man besagte Figuren auch allesamt aus den anderen Plopsa Parks bereits kennt.

Kirmesplein

Ebenso gelungen ist der 2015 neu-arrangierte Themenbereich Kirmesplein, welcher nun nicht mehr wie eine Ansammlung alter Fahrgeschäfte aussieht, sondern gekonnt in Szene gesetzt wurde. Dabei wurde auch der Wellenflug Wienerwalz durch ein neueres Exemplar ersetzt. Ebenso tummeln sich nun etliche Figuren aus dem Samson & Gert Universum in diesem Bereich.

Het Bos van Plop

Neben der Kleinkindersparte rund um den Clown Bumba, welche man nun wirklich nicht seinen Kindern zeigen sollte, in den Benelux-Ländern aber überaus beliebt ist, prägt Kabouter Plop, nach dem auch das Plopsaland De Panne benannt wurde, den letzten verbleibenden Bereich. Neben einer kleinen Farm und einer Traktorfahrt, natürlich mit freilaufenden Nutztieren, besticht dieser Bereich vor allem durch die Themenfahrt Het Bos van Plop, in der man auf einer recht langen Fahrt die Welt der Gnome entdecken kann. Diese ist sehr schön in Szene gesetzt und weist (höchst wahrscheinlich) einen recht großen Bezug zur Fernsehserie auf, wodurch hier in der Regel sehr lange Wartezeiten vorhanden sein können.

Bilder Plopsaland De Panne

Fazit Plopsaland De Panne

Das Plopsaland De Panne hat sich in den letzten sieben Jahren rasant und vor allem stetig entwickelt, wodurch der Park mittlerweile einen sehr eftelingesquen Charme aufweisen kann. Alles ist rund und greift irgendwie ineinander über, weswegen man sich im Park wirklich sehr wohl fühlt. Die Ergänzungen und Erweiterungen der vergangenen Jahre zeigen eindrucksvoll wie man vorhandene Konzepte weiterentwickeln kann um ein insgesamt besseres Erlebnis zu bieten, wodurch man sehr erwartungsvoll in die Zukunft blicken darf und dass auch gerne in Haßloch.

 

Was ist eure Meinung zum Freizeitpark Plopsaland De Panne?  Schreibt sie einfach in das Kommentarfeld unter dem Bericht oder besucht unsere Social-Media-Kanäle:

 

          


Langes warten bei mäßigen Andrang

Vorwort

Nach unserem Tagesstart im Fiabilandia erreichten wir zum späten Mittag den Parkplatz des Freizeitparks Mirabilandia. Obwohl unser Besuchstag auf den Ostersonntag fiel, hielt sich der allgemeine Besucherandrang in Grenzen, nicht aber die Wartezeiten und der Eifer der Touristen/Einwohner, sich vorzudrängeln. Ja, es war kein schöner Besuch in Mirabilandia, obwohl die Attraktionen tatsächlich erstklassig sind, doch dazu im einzelnen später mehr.

Die Geschichte des Mirabilandia

Wir starten den Bericht mit einem Blick in die Geschichte des 1992 eröffneten Freizeitparks. Gegründet wurde der Park als Projekt einer Investorengruppe bestehend aus Situr-Finbrescia (46%), San Paolo Finance (44%) und Publitalia 80 (10%) die mit der einfachen Formel „Touristenort + Freizeitpark = Cashcow“ völlig an ihren überzogenen Erwartungen scheiterten und nicht einmal ein Drittel der erhofften zwei Millionen Besucher in den Park ziehen konnte. Da die Betreibergesellschaft 1996 kurz vor dem Bankrott stand verkauften sie den Park im späten Herbst des Jahres an die Löffelhardt-Casoli Gruppe, einem Joint Venture aus dem Phantasialandmitgründer Gottlieb Löffelhardt und Giancarlo Casoli, einen der Eigentümer des ehemaligen italienischen Fahrgeschäft-Herstellers S.D.C., die den Park in den folgenden Jahren massiv erweiterten. In Folge dessen wuchsen auch die Besucherzahlen auf über 1,5 Millionen Besucher heran. Nach einigen Jahren zog sich Löffelhardt aus dem Geschäft zurück und Casoli übernahm die Schirmherrschaft, ehe das Mirabilandia 2006 an die spanische Gruppe Parques Reunidos verkauft wurde.

Parkrundgang

Nachdem man die Kassen hinter sich gelassen hat betritt man über eine Brücke, ähnlich dem englischen Freizeitpark Thorpe Park bei London, den Park. Die Skyline hält sich hier jedoch dezent zurück, ist aber mit der perfekt platzierten Cobra Roll des Inverters Katun zur Rechten der Brücke schon sehr beeindruckend. Von hier geht ein Weg in das Far West Valley, welches sich jedoch noch größtenteils im Bau befand, und den eigentlichen Eingangsbereich des Mirabilandia ab. Dieser stellt sich als detailverliebtes Piratennest heraus und beherbergt einige Shops, wo man unter anderem die, für diesen Park beinahe schon gezwungener Maßen benötigten, Fast Pässe erwirtschaften kann.

Zu meiner eigenen Verwirrung gab es im Mirabilandia willkürlich getaktete Öffnungs- und Schließzeiten der Fahrgeschäfte, wodurch viele Attraktionen erst zum Mittag oder auch später öffneten bzw. deutlich früher wieder schlossen. Dadurch wiederum ergaben sich im ganzen Park überall lange Wartezeiten. Einerseits kann ich verstehen, dass manch kleinere Parks ihre Fahrgeschäfte erst nach und nach in Betrieb nehmen oder manchmal auch bestimmte Themenbereich erst ab einer bestimmten Uhrzeit freigeben, jedoch ist mir eine solche Maßnahme in einen großen Freizeitpark noch nie über dem Weg gelaufen. Auch erklärt es mir warum das Gardaland im Gegenzug damit wirbt nur die Warteschlange seiner Fahrgeschäfte zum Ende seiner Öffnungszeit zu schließen; andererseits handeln die meisten Freizeitparks in Italien genauso und dementsprechend sehr vernünftig.

Divertical

Vorbei am Pepsi Theatre, in dem, wie soll es auch anders sein, eine Zaubershow gezeigt wird, und der davor gelegenen Musicalbühne geht es in Richtung der, bereits von weiten sehr markant wirkenden, Wasserachterbahn Divertical. Spätestens jetzt wird einem bewusst, wie hoch die Anlage doch ist und wie verschwenderisch sie mit dem Platz auf dem sie platziert wurde umgeht; dadurch wirkt die Anlage jedoch keineswegs ästhetisch, was vor allem an den sparsam platzierten Dekorationselementen liegt. Andererseits schmückt sie mit dem hinteren Teil der Fahrt den irrsinnig langen Zugangsweg zur völlig deplatzierten interaktiven Themenfahrt Reset, was durchaus positiv anzumerken ist und wahrscheinlich mehr Personen als je zuvor in diese Ecke des Mirabilandia lockt.

Nachdem man in die Station hinaufgebeten wurde und sich in das Schnellboot gesetzt hat kann die Fahrt auf Divertical auch schon beginnen. Da der Vertikallift der Anlage noch in weiter Ferne liegt dümpelt man mit dem Boot noch etwas durch den Kanal, wobei hier interessanter Weise recht gutes Wildwasserfeeling erzeugt wird, immerhin schlagen die Wellen immer wieder beinahe in das Boot um und lassen einen durch die aufgewirbelten Wassertropfen regelrecht davonzucken. Sobald der Lift erreicht wird geht es recht schnell auf die Ausgangshöhe von 60m, wobei man hier die Krümmung des Aufzugs interessanter Weise kaum bemerkt. Da die Sicht von hier oben wenig interessant ist wird man alsbald über die Kuppe geschoben und hat auf dem folgenden 45° steilen Gefälle genug Zeit um zu merken, dass diese Anlage verdammt schnell ist. Gischt erfrischt und so rast man anschließend durch das erste Becken nur um kaum gebremst über einen Hügel zu fahren. Hier hebt man dann ein wenig ab, ehe man sich in eine flotte Bayernkurve schmeißt. In der Hoffnung durch den anschließenden Blockbereich ein wenig an Geschwindigkeit abzubauen durchfährt man diesen nun ohne jegliche Bremswirkung und wird anschließend in eine Rechtskurve entlassen. Eine flotte Abwärtshelix fügt sich an, geht dann jedoch in einen Hügel über, welcher die finale Schussfahrt der Fahrt einleitet. Gut durchfeuchtet wird man wieder in den Kanal entlassen und erreicht kurz darauf die Station.

Entgegen meinen Erwartungen ist Divertical eine wirklich verdammt gute Wasserachterbahn, welche wie kaum eine andere Anlage ein Geschwindigkeitsgefühl sondergleichen vermittelt. Die Fahrt ist einfach nur schnell, was mir persönlich aber auch erst während der Durchquerung des ersten Beckens aufgefallen ist, was in Betrachtung der Ausgangshöhe, der weltgrößten Wasserachterbahn, ja eigentlich in der Natur der Anlage liegt; zumindest habe ich einen solchen Geschwindigkeitsrausch bisher nur selten erlebt. Darüber hinaus ist die Verarbeitung der Anlage astrein, wodurch die Reibungsverluste nicht wirklich ins Gewicht fallen, was der Geschwindigkeit auch wiederum zur Gute kommt.

iSpeed

Ebenfalls dem Leitthema der Geschwindigkeit zugewendet hat sich der Blitz Coaster iSpeed aus dem Hause Intamin, eine Katapultstartachterbahn mit LSM Modulen, welche die in die Jahre gekommene Holzachterbahn Sierra Tonante ersetzt. Als erstes Projekt der Spanier entstand mit dem selbstbetitelten „Il Rollercoaster #1“ eine durch und durch schnelle Achterbahn mit einer mehr als nur bescheidenen Kapazität.

Während wir bei Divertical noch recht kurz anstehen durften rächte sich unsere weniger verschwenderische und vor lauter Selbstgeilheit mangelnde Lebensweise, durch den Nichtkauf eines Fast Passes. Denn nun durften wir hier etwas über eine Stunde im trostlosen Wartebereich der Achterbahn warten, nur um dabei ständig von irgendwelchen Gören der durch und durch asozialen Touristen der italienischen Adria übergangen zu werden. Während in den anderen italienischen Parks niemand vordrängelte, sogar einen eher noch freiwillig vorließ um Gruppen aufrecht zu erhalten, war es hier schlichtweg eine Pest ohne Gleichen. Wer im Mirabilandia vernünftig sein möchte, der übt lieber im Voraus über das massenweise Erstellen von Selfies zum Narzisst zu werden und gönnt sich einen Fast Pass! So teuer ist der ja in der Theorie eh nicht, vor allem, wenn man sich eine Jahreskarte einer der anderen Parques Reunidos Parks (z.B. Movie Park Germany, Attractiepark Slagharen, …) gegönnt hat und eh keinen Eintritt bezahlt hat; immerhin erspart man sich das Warten mit den widerlich asozialen Touristen, während man in anderen Parks gerade mit dem Kauf eines Fast Passes zu einem widerlich asozialen Touristen wird.

Aber kommen wir nun zur Fahrtbeschreibung der LSM Achterbahn iSpeed, denn sobald man endlich die Treppen zur Station erreicht hat geht es auch bereits recht schnell voran. Einmal im Zug Platz genommen und die Bügel geschlossen wird der Zug alsbald leicht nach vorne geschoben, ehe der Impuls aufgegriffen wird und der Zug nun immer stärker beschleunigt. Nun geht es einen Top-Hat vertikal empor, ehe man diesen mit einer tollen Aussicht auf die Wildwasserbahn Autosplash überquert. Nun stürzt man sich vertikal gen Boden, vollzieht dabei noch eine kurze Rechtsdrehung und passiert sehr druckvoll das erste Tal, in dem man zudem eine S-Kurvenkombination unterhalb der Abschussstrecke vollführt. Parallel zur Station überquert man nun einen Hügel, bei dem man ordentlich aus dem Sitz gehievt wird. Schwungvoll vollführt man nun eine weitere S-Kurve, die in einer engen Rechtskurve übergeht. Auf dem nachfolgenden Hügel folgt ein gemächlicher Umschwung, welcher einen in eine leichte Linkskurve oberhalb der Station entlässt. Ganz plötzlich wird dann ein Korkenzieher eingeleitet, welcher einen wahnsinnig intensiv herumschleudert. Auf einen weiteren Hügel überquert man nun die Abschusstrecke, woraufhin man in der anschließenden Steilkurve zum ersten Mal wieder durchatmen kann. Eher gemächlich schießt der Wagenverbund durch eine weite Rechtskurve, die kurz darauf in die, von außen einsichtige, Herzlinienrolle übergeht. Nach einer weiteren Steilkurve folgt eine kurze Blockbremse. Diese verlässt man in einer ebenso steil abfallenden Linkskurve, woraufhin sich noch ein kleiner Hügel und die finale Linkskurve in Richtung der Station anschließt.

Auch wenn die Initialbeschleunigung des Abschusses eher lasch und kaum vergleichbar mit den Hydraulik- und Reibradantrieben des Herstellers ist, bietet die Fahrt ein Sammelsurium aufregender Elemente gepaart mit richtig viel Druck und Geschwindigkeit. Gerade der Korkenzieher, der von außen kaum einsehbar ist, hat mich während der Fahrt einfach nur überrascht und auch der Streckenteil nach der Blockbremse, welcher auf Videos immer belanglos wirkte, hat durchaus seine Momente und fügt sich hervorragend in das Gesamterlebnis der Fahrt ein. Die Anlage selbst hingegen ist dank der mageren Gestaltung und niedrigen Kapazität leider nicht so überzeugend wie die eigentliche Fahrt.

Leprotto Express

Direkt gegenüber im Kinderland Bimbopoli befindet sich mit dem Leprotto Express die nächste Achterbahn des Mirabilandia. Hierbei handelt es sich um eine einfache Kinderachterbahn des Herstellers L&T Systems, dessen Layout eine einfache Acht im ständigen Wechsel von Auf- und Abwärtsbewegungen beschreibt. Auf Grund der Fülle fuhr die Anlage nur eine Runde.

Rexplorer

Über die Insel mit der Acapulco-Todesspringer-Show erreicht man das im Jahr 2014 neugestaltete Dinoland. Neben der Umgestaltung vorhandener Anlagen, wie z.B. der Pressluftflieger mit Schrägstellung oder der beliebten Kindermonorail, fanden auch eine Gelddruckmaschine, ähm Kinderfahrschule, und ein Magic Bike von Zamperla ihren Weg in den Themenbereich. Wichtigstes Ziel für uns war jedoch die älteste Achterbahn des Mirabilandia, der Powered Coaster Rexplorer.

Die Fahrt beginnt mit einer weiten Linkskurve, an der sich ein gemächlicher Anstieg vorbei an einigen künstlichen Felsen anschließt. Oben angekommen durchfährt der Zug eine Abwärtshelix durch die Felsenformation ehe es eine steilere Gerade empor geht. Nun fährt der Zug durch eine weite abwärtsführende Rechtskurve, unterquert die eben passierte Strecke und umrandet die erste Abwärtshelix in einer Linkskurve. Mit nun deutlich mehr Schwung durchquert man die Station und vollführt eine weitere Runde durch den Parcours.

Theoretisch wäre die Fahrt auf dem Rexplorer schnell abgehandelt gewesen, denn im Gegensatz zu vielen anderen Fahrgeschäften im Mirabilandia hat diese Anlage von Haus aus eine etwas höhere Kapazität und die Warteschlange selbst war überschaubar, doch das Mirabilandia wäre nicht das Mirabilandia, wenn man auch dieses nicht versauen würde. Die Abfertigung war unter aller Sau und wurde durch die mangelnden Zahlenkenntnisse des Personals nochmals in die Länge gezogen. Nachdem man nämlich solange mit der Einteilung der potentiellen Fahrgäste wartete, bis alle Fahrgäste des eben eingetroffenen Zuges den Stationsbereich verlassen haben, wurden etwa die Hälfte des Zuges mit Fast Pass Leuten befüllt, die jedoch allesamt einzeln abgezählt und geprüft werden mussten. Natürlich verzählte sich das Personal dabei andauernd, was besonders nach einem Personalwechsel negativ auffiel. Erst nachdem sich jeder der Fast-Pass-Besitzer auf seinen Platz gesetzt hatte wurden die Normal-Wartenden eingelassen. Die Kontrolle der Bügel und die Fahrt selbst war hingegen schnell erledigt, doch der Ein-Mann-Betrieb an der Anlage benötigte für einen Durchgang fast immer 5 oder mehr Minuten während des Beladens.

El Dorado Falls und Gold Digger

Da die Bauarbeiten im neuen Themenbereich Far West Valley des Mirabilandia während des Besuchs noch im vollsten Gange waren verblieben der Spillwater El Dorado Falls, der Wasserfahrtpioniere O.D. Hopkins, welcher jedoch mit stetigen Ausfällen kämpfte und durch den Ein-Boot-Betrieb keine gute Form machte, sowie die Wilde Maus Gold Digger, ehemals Pakal, als einzige Attraktionen im Betrieb. Da auch hier 50% der Wagen mit Fast Passlern bestückt wurde, hatten wir leider ausreichend Zeit jeden noch so kleinen Winkel der kleinen, recht trostlosen, Warteschlange zu erleben und somit fast eine Stunde für die Wilde Maus italienischer Bauart investiert.

Dabei ist die Fahrt eigentlich recht unterhaltsam, denn nachdem man im oberen Level die Haarnadelkurven, insgesamt sieben an der Zahl, hinter sich gebracht hat geht es eine Ebene tiefer, wo sich nach einem großen Drop direkt eine weitere Serpentinenkurve anschließt. Auch hierauf folgen ein größeres Gefälle und ebenfalls eine Haarnadelkurve. Bekannter Weise machen bei Wilden Mäusen die beiden aufeinander folgenden Gefälle am meisten Spaß, weswegen auch hier nicht darauf verzichtet wird. Eine letzte enge Kurve und ein kleiner Dip schließen sich dann noch an, ehe man zur Station zurückgeführt wird.

Katun

Durch eine großzügig ausgelegte Tempelanlage gelangt man von hier aus zum Inverted Coaster Katun, welcher seit dem Millennium seine Fahrgäste mit baumelden Füßen gleich mehrmals auf den Kopf stellt. Mit einer Höhe von 50m und einer Länge von 1200m ist Katun seit jeher die größte Anlage ihrer Art in Europa und glücklicher Weise angsteinflößend genug um die Wartezeit trotz Ein-Zug-Betriebs gering zu halten. Interessanter Weise wurde gegen Ende des Tages tatsächlich der zweite Zug auf die Reise geschickt, wohl aber auch nur um pünktlich Feierabend zu machen.

Die Fahrt beginnt mit einer kurzen Linkskurve aus der Station hinaus hinein in den Lift der Anlage. Sobald der Zug seiner Ausgangshöhe erreicht hat dreht er sich nach links weg und vollführt zeitgleich ein recht steiles Gefälle. Mit ordentlichem Druck durchquert man das erste Tal, ehe man in dem riesigen Looping das erste Mal kraftvoll Überkopf gestellt wird. Wieder auf Bodenniveau angekommen schießt der Wagenverbund gleich erneut empor um sich in einer Zero-G Roll bei Schwerelosigkeit einmal um die eigene Achse zu drehen. Um die geniale Platzierung der Cobra Roll am See rechts des Eingangs zu ermöglichen fehlen nun einige Streckenmeter die durch eine bodennahe und nach rechts führende Steilkurve gelöst worden. In der anschließenden Inversionsfigur schießt man dann einen halben Looping empor, dreht sich dann zur Seite weg und vollführt das ganze nochmal in umgekehrter Reihenfolge. Natürlich mit überaus erfreulichen positiven Fliehkräften, die auch im anschließenden Tal nicht zu unterschätzen sind. Ebenfalls mit viel Druck dreht man eine Runde in einer weiten Aufwärtshelix an dessen Ende die Blockbremse der Anlage erreicht wird. Diese passiert man ohne jegliche Reduktion der Momentangeschwindigkeit und stürzt sich sogleich gen Abgrund. Beinahe schon geradlinig wird der erste Korkenzieher eingeleitet, welcher einen mit voller Kraft nach rechts in einen Tunnel hinein wirbelt. Diesen verlässt man dann in einen weiteren Korkenzieher, dieses Mal jedoch in die andere Richtung. Ein kurzer Hügel entlässt einen in die abschließende Abwärtshelix der Anlage, woraufhin auch schon gleich die Station erreicht wird.

Katun ist ein toller Inverted Coaster der größeren Bauart, welcher mit ordentlicher Geschwindigkeit viele riesige und gut aufeinander abgestimmte Inversionsfiguren in einem erlebenswerten Layout abspielt. Das Kräftespiel ist dabei nicht zu unterschätzen, doch immer noch recht sanft im Vergleich zu den kleineren Vertretern dieser Achterbahnart in Europa.

Max Adventures Master Thai, Eurowheel und die Hot Wheels Stunt Show

Bereits aus der Warteschlange der Achterbahn Katun konnten wir beobachten, dass die benachbarte Achterbahn Max Adventures Master Thai einen technischen Defekt hat und dementsprechend evakuiert wurde. Auch eine Stunde später war von einer Wiedereröffnung der Anlage nichts abzusehen, sodass wir uns in Richtung des markanten Wahrzeichens des Mirabilandia begaben. Auch beim 90m hohen Riesenrad Eurowheel erwartete uns eine lange und vor allem zähe Warteschlange. Doch eine Fahrt auf dem ehemals höchsten Riesenrad in Europa wollten wir uns aus lauter Lustlosigkeit noch irgendwo anders hinzugehen und dort genauso ewig zu warten nicht nehmen. Wie zu erwarten wurden beim Riesenrad nur die Hälfte der Gondeln bestückt, wodurch wir sehr viel Zeit hatten die unkonventionelle Stützkonstruktion des Riesenrads genauer anzusehen. Während der Fahrt konnten wir neben der Aussicht auf das Mirabilandia noch die Hot Wheels Stunt Show von oben betrachten, dessen Finale aus der Durchfahrt eines riesigen Loopings bestand.

Bilder Mirabilandia

Schlusswort

Ebenfalls von oben konnten wir einige Testfahrten auf Max Adventures Master Thai beobachten, weswegen wir sofort wieder zurück zur Anlage liefen, nur um dort erneut vor verschlossenen Türen zu stehen. Eine halbe Stunde blieb uns noch, weswegen wir uns zu einer weiteren Fahrt auf Katun entschlossen. Das uns danach keine weitere Fahrt mehr möglich war, war nicht abzusehen, weswegen wir insgesamt nur sechs der sieben Achterbahnen und das Riesenrad fahren konnten. Eine Schmach sondergleichen, die aus den eigentlich brillanten Freizeitpark Mirabilandia die letzte Absteige gemacht haben. Man merkt hier allzu deutlich warum das Gardaland (bei vergleichbaren Andrang am Besuchstag) in jeglicher Beziehung der erfolgreichste Freizeitpark in Italien ist und warum sich Parques Reunidos seine Strategie noch einmal überlegen sollte.


Was ist deine Meinung über den Freizeitpark Mirabilandia? Schreib es einfach hier unter dem Bericht im Kommentarfeld oder besuche unsere Social Media Channels:

          


Klicke hier für den nächsten Bericht der Il Viaggio dei due Runner Tour

Im Osten viel Neues

Vorwort

Der aus einem Forellenhof mit angeschlossener Gaststätte in Plohn bei Lengenfeld entstandene Freizeitpark Plohn stand bereits seit mehreren Jahren auf meiner Must-Do Liste und wurde immer wieder in diversen Ausflugsideen berücksichtigt, bevor diese mal wieder verworfen wurden. Ausschlaggebend hierfür war die überaus positive Berichterstattung seit der Eröffnung der Holzachterbahn El Toro im Jahr 2009 und obwohl Freizeitpark Plohn für mich kaum weiter entfernt liegt als das Phantasialand in Brühl habe ich es bislang noch nie in den Freizeitpark geschafft.

Nachdem ich im nahen Eibenstock die dort ansässige Allwetterbobbahn getestet hatte erreichte ich den Parkplatz um etwa 11 Uhr und verließ diesen auch bereits eine halbe Stunde später. Diese Zeit nutzte ich in der Warteschlange vor der einzigen geöffneten Kasse bevor ich gesagt bekam, dass meine Bankkarte mit PIN Eingabe hier nicht akzeptiert werden kann, sondern nur eine mit Unterschrift. Das liege nicht an mir, sondern am Kassensystem des Parks und somit dem Park selber, bekam ich gesagt ohne auch nur eine vernünftige Alternative genannt zu bekommen. Tatsächlich meinte die nicht gerade freundliche Kassenbedienstete im Grunde damit, dass es nur an mir lag.

Äußerst verärgert fuhr ich nach Lengenfeld um mir in der lokalen Sparkasse Geld abzuheben und danach erneut nach Plohn, immerhin steht dort eine ziemlich vielversprechende Holzachterbahn und der Rückweg an sich wäre 500 km lang, wo ich dann erneut in der Kassenschlange stehen durfte. Untermalt von einem zutiefst doofen Kommentar konnte ich dann endlich in den Freizeitpark Plohn.

Freizeitpark Plohn

Fluch des Teutates

Gott sei Dank arbeitet man bereits an einem besseren Eingangsbereich am Dorf der Gallier, hoffentlich auch mit einem besseren Kassensystem. In diesem Bereich steht neben der Drachenschaukel, ein Scheibenwischer ähnliches Fahrgeschäft, welches jedoch nicht in Betrieb war, die River Splash Anlage Fluch des Teutates des Herstellers ABC Rides.

Die Fahrt in den Rundbooten beginnt sogleich mit einem etwas längeren Lift. Oben angekommen verlässt man diesen in einer Rechtskurve woraufhin nach einem kleinen geraden Teilstück eine größere Wende anschließt. Hierauf folgt, relativ ungewöhnlich für diesen Fahrgeschäftstyp, ein kleines Gefälle in luftiger Höhe unter den Lifthügel hindurch. Nach einer weiteren Wende, dieses Mal jedoch nach Links, schließt sich sogleich ein weiteres Gefälle an. Nun nimmt man in einer rechtführenden Abwärtshelix deutlich an Schwung auf. Diese verlässt man in einer Linkskurve oder eher gesagt in einem Linksknick, welcher kurzzeitig parallel zum Lift verläuft, woraufhin die finale Schussfahrt eingeleitet wird. Es folgt die Rückführung zur Station.

Der Fluch des Teutates ist eine nette Anlage, welche mit etwas Gewichtsverlagerung im Boot in eine mehr als nur ordentliche Drehung versetzt werden kann. Aber auch ohne war dieses wohl zu Beginn des Jahres durch einen etwas zu rauen Lack auf der Fahrbahn jedermann ungewollt problemlos möglich. Dieser wurde dann abgeschliffen und die Anlage mit dem richtigen Lack neu lackiert, weshalb die Anlage in diesem Jahr länger außer Betrieb war.

Vorbei an einem Tiergehege führt der Weg nun in das Plohnidorf, wo sich neben einem ehemaligen Karussell aus dem norddeutschen Freizeitpark Heide Park, eine Themenfahrt und eine Achterbahn befinden. Die Häuser sind verziert mit Witzen über das parkeigene Maskottchen und in zahlreichen Schaufenstern werden die Streiche von Max und Moritz des Dichters und Zeichners Wilhelm Busch erzählt.

Plohseidon

Bei der Familienachterbahn Plohseidon handelt es sich um einen Force 190 des Herstellers Zierer, welcher über ein Wasserbecken gebaut wurde und eine phantasievolle Unterwassergestaltung vorweisen kann. Hierbei wurde die Gestaltung hervorragend an das etwas auseinandergezogene Layout angepasst.

Die Fahrt beginnt mit einer seicht ansteigenden Geraden, welche alsbald in eine Linkskurve überleitet. Ein kleiner Schwenker nach rechts und eine kleine Gerade später befördern einen die Reibräder des Lifthügels nach oben. Diesen verlässt man in einer seichten Steilkurve nach links woraufhin die maximale Höhendifferenz von etwa 7,5m erreicht wird. In einer Aufwärtshelix nimmt man erneut an Höhenmetern auf und vollzieht sogleich einen Richtungswechsel. In einer Bayernkurve geht es nun abwärts, hierauf folgt die Rückführung in die Station.

Die Familienachterbahn Plohseidon ist eine nette Achterbahn mit einem überraschend rasanten Layout, jedoch mit recht bescheidenen Fahreigenschaften. Gut, den Kindern wird das wahrscheinlich gar nicht auffallen, doch die Anlage fährt sich wie eine relativ alte Anlage desselben Typs.

Plohnis Tauchfahrt

In unmittelbarer Nähe befindet sich die kleine Themenfahrt Plohnis Tauchfahrt. Hierbei durchfährt man, ähnlich der ehemaligen Themenfahrt Ocean of Darkness des niederländischen Freizeitparks Attractiepark Slagharen, eine farbenfrohe Unterwasserwelt. Dabei wird die plastische Gestaltung mit einigen gut eingearbeiteten Bildschirmen, in denen unter anderem das Parkmaskottchen auftaucht, unterstützt.

El Toro

Durch einen Durchgang gelangt man in der Westernstadt, dem Westernbereich des Freizeitpark Plohn und steht sogleich vor der Holzachterbahn El Toro des amerikanischen Herstellers Great Coaster International. Entlang der hinteren Wende der Achterbahn kann man, ebenso von der anderen Seite kommend, zum Zugang der Holzachterbahn gelangen. Nach einer kleinen Rampe steht man sogleich in der Station und hat nun mehr oder weniger freie Platzwahl, denn viel los war hier trotz des anlagenbedingten Einzugbetrieb nicht.

Nachdem der Zug endlich abgefertigt wurde befördert einen die Liftkette in eine Höhe von etwa 25m. Mit ordentlichen Schwung vollzieht man nun das erste Gefälle, welches recht geradlinig eingeleitet wird ehe es in eine Steilkurve übergeht. Im Tal unterfährt man zum ersten Mal den Lifthügel der Wildwasserbahn und vollzieht währenddessen sogleich einen Richtungswechsel. Eine aufwärtsführende Linkskurve schließt sich an, wechselt aber relativ flott ihre Richtung. Nun führt eine weite Kurve den Zug an den tiefsten Punkt des Layouts, doch auch hier verweilt man nur kurz. Über einen Hügel hinweg drischt der Wagenverbund erneut unter den Lifthügel der Wildwasserbahn hindurch und kurz darauf durch eine Kurve parallel zum First Drop. Nun folgen mehrere Hügel, welche einen allesamt leicht aus dem Sitz befördern. Vorbei an der Station vollzieht man einen kleinen Schlenker und daraufhin eine Wende. Mit vollem Elan geht es nun erneut hinab wobei das Fahrtfoto geschossen wird. Der darauffolgende Hügel leitet eine bodennahe Rechtskurve ein an der sich zwei Hügel anhängen. Eine letzte Kurve führt den Zug dann hinauf zu den Bremsen und sogleich zurück in die Station.

El Toro ist eine wirklich gute Achterbahn mit einem absolut brillanten Start, aber eher lauen Ende. Obwohl der wilde Stier bereits am frühen Mittag überzeugen konnte zeigte dieser erst am späten Nachmittag im eingefahrenen Zustand sein volles Potential und dieses lädt, ähnlich der nie wirklich vollen Station des Besuchstages, zu stetigen Wiederholungsfahrten ein. Als die Fülle der Station aber ein einfaches Umsetzten nicht mehr gestattet hat habe ich die Anlage dann aber verlassen, denn der Weg vom Ausgang zum Eingang war es mir auch irgendwann nicht mehr wert. El Toro ist halt nicht Troy aus dem niederländischen Freizeitpark Toverland, aber immerhin eine sehr gute Holzachterbahn und eine Bereicherung ohne Gleichen für den zuvor kaum bekannten Freizeitpark.

Westerneisenbahn und Westernrodeo

In der Mainstreet des Themenbereichs befindet sich der Bahnhof der Westerneisenbahn, eine Rundfahrt durch den Wilden Westen vorbei an den Fahrgeschäften des Bereichs und unterhalb der Holzachterbahn. Interessanter Weise führt die Anlage kurzweilig an den Eingängen des Westernrodeos, ein Break Dance der dritten Bauart mit einer langen und abwechslungsreichen, wenn auch langsamen Fahrt, und der Achterbahn Silver Mine vorbei und blockiert diese.

Silver Mine

Bei der Silver Mine handelt es sich um einen Flitzer aus dem Hause Zierer, welche ähnlich der unter Vorlop hierzulande reisenden Anlage High Explosive ist. Gestartet unter einem deutschen Schausteller in den 70ern wanderte sie bereits recht schnell nach Amerika aus, wo sie bis 1990 ihre Fahrgäste im Freizeitpark Adventureland noch in Originalausstattung unterhielt. Im Jahr 1996 präsentierte sich die Anlage als Rioolrat in einem neuen Gewand und mit neuen Wagen im niederländischen Freizeitpark Avonturenpark Hellendoorn. Diese Wagen in Form einer Kanalratte wurden auch bei der Mäuseachterbahn der Spielerei Rheda-Weidenbrück verwendet, hier aber auch noch in Verbindung mit den Originalen. Komplett an Fahrspaß verlor die Anlage erst im Jahr 2000 wo sie sich mit Bergwerksloren bestückt dem Publikum präsentierte. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht wenn man mit den minimalistischen Flitzern über die Schiene brettert, wie beispielsweise im dänischen Freizeitpark Bakken, oder an den hochwandigen Wagen während der Fahrt andauernd irgendwo anstößt wie es hier der Fall ist.

Wildwasserbahn mit Geisterbahn

Auf der anderen Seite des großzügig ausgelegten Platzes befindet sich der Zugang zur Wildwasserbahn mit Geisterbahn, wobei sich der Geisteranteil wahrscheinlich nur zu Halloween wirklich zeigt. Nachdem man die Station verlassen hat führt der Kanal das Boot durch eine kleine Themenpassage in Richtung des ersten Lifthügels. Oben angekommen erfolgt auch sogleich die erste Schussfahrt, welche einen ein wenig befeuchten kann. Nach einer Wende und einer Rechtskurve verlässt man das Plateau und kurvt ein wenig in Zickzackbewegungen durch die Baumwipfel und über das zweite Gefälle hinweg bis nach einer weiteren Rechtskurve der zweite Lift erreicht wird. In luftiger Höhe vollführt man nun eine weitere Wendekurve woraufhin man sich langsam aber sicher der großen Abfahrt nähert. Ohne großen Schnickschnack geht es nun die Schussfahrt hinunter an dessen Ende das kühle Nass wartet und dabei ordnungsgemäß befeuchtet. Es folgt die Rückfahrt zur Station dieser recht ordentlichen Wildwasserbahn.

Holzmichl-Villa und Crazy House

Am Ausgang der Wildwasserbahn befindet sich interessanter Weise ein kleiner Autoskooter und oberhalb dessen die Geistermühle, welche einige Rüttelplatten, Zerrspiegel und viele schlechte Witze vorweisen kann.  Ebenso besonders geht es oberhalb der Wildwasserbahn zu statten. Hier befindet sich neben Deutschlands größtem Baumhaus mit der Rutschbahn Wilde Sau, die Holzmichl-Villa und an ihr angeschlossen das Crazy House. Die Anzahl der Belustigungselemente ist dabei, entgegen meiner vorherigen Vorstellung des Freizeitpark Plohn leider recht überschaubar.

Miniwah und das Geheimnis von Gold Creek City

In einer ehemaligen Reit- und Showhalle, deren Show wohl auf Grund horrender GEMA Gebühren abgesetzt wurde, befindet sich seit diesem Jahr die Achterbahn Miniwah und das Geheimnis von Gold Creek City. Gut zehn Jahre nachdem der letzte Powered Coaster des Herstellers Mack in Europa ans Netz ging präsentiert man hier in einer eindrucksvollen Kulisse eine ebenso eindrucksvolle Anlage inklusive regelmäßig stattfindender Multimedia-Show und einer Zuschauerbühne.

Miniwah und das Geheimnis von Gold Creek City ist ein richtig guter Powered Coaster. Die allgemeine Gestaltung überrascht wie auch die rasante Fahrweise, in diesem doch sehr kompakten Layout. Selbst die erste, langsam durchfahrene, Runde mit ihrem sightseeingähnlichen Charakter reicht bereits aus um die Anlage gut zu finden.

Raupe

So überzeugend und stimmig die Westernstadt doch ist, so unschön ist der Oldtimerpark auf der anderen Seite des Weges mit seiner Seebühne und kleineren Kinderattraktionen. Hier befindet sich auch die letzte Achterbahn des Freizeitpark Plohn, die Kinderachterbahn Raupe, ein Big Apple des Herstellers SBF Visa mit altbewährten Layout.

Freefall im Urzeitdorf

An diesem Bereich angrenzend befindet sich der Märchenwald mit einigen versteckten Karussellen und nett gestalteten Märchenszenen. Folgt man den Wegen befindet man sich im Dinoland, dem abseits gelegensten Bereich des Parks. Hier befinden sich neben der Floßfahrt durch die Urzeit der ziemlich nett betriebene Family Freefall Tower Freefall im Urzeitdorf des Herstellers Zierer und ein Tretbootverleih.

Bilder Freizeitpark Plohn

Fazit Freizeitpark Plohn

Der Freizeitpark Plohn ist ohne Frage ein guter Freizeitpark, es fehlt nur ein wenig die Professionalität. Es ist schon ein wenig seltsam wenn man um kurz nach 14 Uhr kaum noch Speisen im Park vorrätig hat, um vier Uhr keinen Kaffee und Kuchen mehr anbietet und stattdessen dabei ist den Kassensturz zu vollziehen und einzuräumen. Neben dem allgemein unmotivierten und unfreundlichen Personal gesellt sich noch das Erlebnis an der Kasse dazu und schon entsteht ein wenig lobenswertes Bild des allgemein doch sehr gelobten Freizeitparks – ich bin ein Kunde und bin bereit Geld auszugeben, also nehmt es bitte und verweist mich nicht ständig wegen vermeidbarer Fehler.

 

Was ist eure Meinung zum Freizeitpark Plohn? Schreibt sie einfach in das Kommentarfeld unter dem Bericht oder in unsere sozialen Medienkanäle: