# Hard Gaan

Hard Gaan in Walibi Holland

So langsam aber sicher kann man sagen, dass sich Walibi von der Six Flags Ära erholt hat. Mit dem Re-branding der Marke im Jahr 2012 und den damit einhergehenden Änderungen im Park war man lang genug beschäftigt, doch Neuheiten blieben bis auf die Reaktivierung des schallgeschwindigkeits-Boomerangs und der wahrlich genialen Gestaltung der Abschussachterbahn Xpress: Platform 13 aus. So gelungen die Neustrukturierung des Parks rund um die fiktiven Bands W.A.B. und The Skunx auch ist, so scheint man in Holland lieber eigene Wege zu gehen und wirft vieles einfach so über den Haufen; weil „Hard Gaan“ und so. Viel Sinn steht da nicht mehr dahinter, zumal man nun eine eher asoziale Klientel bedient. Aber was soll man machen, wenn der größte Konkurrent alle anderen Zielgruppen bedient?! Als ersten Schritt zum Steilgehen oder Schnellgehen, nach der wortwörtlichen Übersetzung, war es Speed of Sound seinem Soundtrack zu berauben. Klar, der neue Track ist gut, er nimmt der Anlage aber seine Geschichte. Der zweite Schritt wurde in diesem Jahr mit der Eröffnung der Achterbahn Lost Gravity durchgeführt.

Lost Gravity

Die Gestaltung der Warteschlange ist abgedreht, teilweise aber doch sehr konservativ und erinnert zwangsläufig an die Achterbahn Dizz des belgischen Freizeitparks Bobbejaanland. Hier wäre dann doch einiges mehr möglich gewesen, zumal das eigens erzeugte Universum der Comics von Morvan, L’Hermenier und Wuye deutlich mehr Möglichkeiten bereitgestellt hat. Wahrlich ungewöhnlich sind hingegen die Wagen von Lost Gravity, die ähnlich den Intamin Wing Coaster, jeweils zwei Sitzplätze mit Flur und zwei ohne bieten, darüber hinaus aber auch eine hohe Front aufweisen. Der Sitzkomfort ist großartig und der Aufbau der Wagen wirkt sich nur sehr geringfügig, oder genauer gesagt in einer vernachlässigbaren Art und Weise, auf den Fahrkomfort aus.

Die Fahrt beginnt mit einer Rechtskurve aus der Station heraus, ehe es rasch via Kettenlift hoch hinausgeht. Ohne Rast und Ruh wirft sich der Wagen in einer wahnsinnigen Art und Weise sogleich die 32 Höhenmeter hinunter; zumindest gilt dieses, wenn man auf einem linksseitigen Sitzplatz Platz genommen hat. Das überaus steile und weit verdrehte Gefälle ist atemberaubend ohne Frage, aber auf der rechten Seite beinahe schon langweilig im Vergleich zur linken, der Radius ist schlichtweg zu eng. Mit einem Affenzahn geht es nun über einen bodennahen Double-Up, über dessen Hügel man regelrecht fliegt, ehe man sich auf einem leicht zur Seite geneigten Top-Hat Element wiederfindet; welchen man auch als non-inverted Banana Roll bezeichnen könnte, wenn man denn so wollte. Etwas widersprüchlich zum vorangehenden Layout fügt sich ein riesiger Camelbackhügel an, welcher die Fahrgäste erneut aus den Sitz befördert. In luftiger Höhe durchrast man nun eine weite Wendekurve, die zudem nach außen geneigt wurde. So weit, so gut und würde Lost Gravity nun enden, so wäre sie eine sehr kurze Achterbahn, aber auch eine außerordentlich geniale. Doch anstelle der finalen Bremsstrecke folgt nun eine Blockbremse und der zweite Part der Fahrt.

Regelrecht in der Geschwindigkeit vermindert neigt man sich nun zur Seite und stürzt sich in einem Dive-Loop erneut gen Boden. Recht zahm vollzieht man nun eine enge Wendekurve und eine Zero-G Rolle. Auch in der nächsten Wendekurve in Bayernkurvenmanier ist mindestens eine der Beschleunigungsvektoren null. Dies hat zur Folge, dass von einer dynamischen Fahrweise nicht mehr zu reden ist. Ständig bremst man ab und beschleunigt von neuen, was den aus Staus bekannten Ziehharmonikaeffekt gleichkommt. Über einen Hügel wechselt man erneut die Richtung, überquert eine weitere Kuppe, passiert ein letztes druckreiches Tal, vollzieht eine letzte Wendekurve und findet sich dann in der finalen Bremse und kurz darauf in der Station wieder.

Lost Gravity ist eine hervorragende Achterbahn für einen kleinen Zwischenstopp am Wegesrand, mehr leider nicht. Die ersten Gerüchte gingen noch von einer Drehgondelachterbahn aus, dieses wäre sicherlich mit dem ersten Teil der Fahrt kaum machbar, für den zweiten aber ideal gewesen. So oder so, der erste Part ist wirklich verdammt gut, der zweite ist jedoch verschenkt. Die letzten Kurven holen zwar noch einiges heraus und entlassen einen wenigstens noch mit einem kleinen Grinsen aus der Anlage, dennoch konnte die Premiere des Mackschen Big Dippers nicht zufriedenbringend überzeugen; Potential zumindest besteht zu Genüge.

Bilder Walibi Holland

Schlusswort

Zum Abschluss möchte ich an die menschliche Vernunft appellieren, die niederländischen Schüler wohl nicht mehr ihr Eigen nennen. Ich gehe davon aus, das besagter Schüler ein äquivalent zum deutschen Abitur anstrebt (macht ja hier auch jeder) und somit keineswegs dumm sein sollte – doch wie bitte schön kommt man auf die Idee bei einer Rafting-Anlage mit beweglichen Booten, wie es Rio Grande nun ‚mal ist, auf der Sitzfläche zu hocken und sich nur lose festzuhalten?! Das ist gefährlich und sollte im Normalfall sofort mit Ausschluss aus dem Park auf Lebenszeit belohnt werden. Wäre dieser Junge ins Wasser gefallen und ertrunken, so wäre ich weder geschockt, noch um ihn besorgt gewesen; im Grunde war es ja sogar vorhersehbar. Seine Kumpel waren ja auch ähnlich drauf, aber im postfaktischen Zeitalter darf man sich durch etwas Willkürliches wie vernunftbasierte Regeln nicht von seiner eigenen Geilheit ablenken lassen. Darauf erstmal ein Selfie! Yeah!

Walibi, überleg dir das mit Hard Gaan besser nochmal, evtl. tust du dir damit im Endeffekt keinen Gefallen.

 

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Walibi Holland



Freizeitpark:Walibi Holland (ab 2011)
Walibi World (2005 - 2010)
Six Flags Holland (2000 - 2004)
Walibi Flevo (1994 - 1999)
Flevohof (1971 - 1991)
Teil des Resorts Walibi Holland
Adresse:Spijkweg 30
8256 RJ Biddinghuizen
https://www.walibi.nl/de
Betrieb:Compagnie des Alpes

Walibi Holland bei Biddinghuizen im wunderschönen Flevoland ist einer der größten Freizeitparks der Niederlande. Der 1971 gegründete Freizeitpark kann dabei auf eine durchaus bewegte Vergangenheit zurückblicken. Als im Jahr 1994 der Park als Walibi Flevo unter Führung der belgischen Walibi Gruppe wieder eröffnete konnte noch keiner ahnen, dass wenige Jahre später die Gruppe von Premier Parks übernommen werden würde und diese den Park dann als Six Flags Holland betreiben und massiv expandieren würden. Mit der Übernahme durch die Compagnie des Alpes bezog man sich weider auf seine ursprünglichen Wurzeln zurück.

Walibi Holland bietet einen gelungenen Mix aus familienfreundlichen Fahrgeschäften und thrilllastigeren Fahrgeschäften. Der Fokus des Freizeitparks liegt dabei nicht auf Kindern, sondern eher auf Teenager und junge Erwachsene, was durch das derzeitige Leitmotiv Festival noch einmal unterstrichen wird.

Fun Fact #1: Eddie de Clown ist die Ikone der Halloween Saison. Walibi Holland bietet mit den Halloween Fright Nights eines der bekanntesten und aufwändigsten Halloween Events, welches auch international bekannt ist und daher meist schnell ausverkauft ist.

GoliathFun Fact #2: Da man den Zug der Achterbahn La Via Volta auf der Achterbahn Wipeout im englischen Pleasurewood Hills einsetzte, stand der Boomerang mehrere Jahre lang ungenutzt herum. Erst mit der Umgestaltung zu Speed of Sound im Jahr 2012 wurde die Anlage  wieder in Betrieb genommen.

Fun Fact #3: Der Freizeitpark kann im Computerspiel Roller Coaster Tycoon 2 als Scenario gespielt werden.

 
 
 

Highlights des Freizeitparks

 




Blast

 

Blast

Ein sehr nasser Top Spin

 


Crazy River

 

Crazy River

Eine große Wildwasserbahn

 


El Condor

 

Condor

Das erste SLC

 


 

Drako

Die Familienachterbahn

 


El Rio Grande

 

El Rio Grande

Ein malerischer Stromschnellenfluss

 


Goliath

 

Goliath

Eine der besten Stahlachterbahnen

 


Lost Gravity

 

Lost Gravity

Eine verrückte Fahrt mit einem fantastischen ersten Drop

 


Untamed

 

Merlin’s Magic Castle

Ein klassisches Mad House

 


Space Shot

 

Space Shot

3,2,1… Abschuss

 


Speed of Sound

 

Speed of Sound

Der Boomerang mit dem Soundsystem

 


 

Untamed

Eine der besten Achterbahnen in Europa

 


Xpress

 

Xpress: Platform 13

Die Wollknäulachterbahn mit der tollen Warteschlange

 


 
 

Ehemaliges Highlight des Freizeitparks

 





Robin Hood

 

Robin Hood

Eine fantastische Holzachterbahn

 


Rémys total beklopptes Abenteuer in Paris

Walt Disney Studios Park

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich den Walt Disney Studios Park stets mehr mochte als den Freizeitpark nebenan, immerhin spricht der Park ein deutlich erwachseneres Publikum an, darüber hinaus bietet er mit dem Thema Film ein wunderbares Leitmotiv. Nun ist es bedauerlicher Weise so, dass europaweit die Filmparks meist nicht als solche agieren und bestenfalls nur noch durch Trickfilmfiguren auffallen, aber hier In Paris wäre dieses bereits deutlich schwerer. Natürlich gibt es einige Ausnahmen, diese sind meist aber keine Freizeitparks oder befinden sich in Italien, dennoch schafft es der Walt Disney Studios Park eine Hommage an den Film zu kreieren und einen dadurch wunderbar zu unterhalten.

Obwohl mein letzter Besuch fast fünf Jahre zurücklag und sich in dieser Zeit nicht sehr viel geändert hatte kam es mir so vor als hätte der Park das Doppelte an Fläche gewonnen. Einerseits liegt dieses an den bekannten Erweiterungen, wie dem damals noch in Bau befundenen Toy Story Themenbereich, sowie dem kleinen Themenbereich rund um den Pixar Film Ratatouille, aber auch daran das dieses Mal einfach nichts geschlossen hatte.

Durch Rémy und seiner Familie ist der Walt Disney Studios Park zugegebenermaßen deutlich frequentierter, so dass von einstigen unzähligen Wiederholungsfahrten auf dem Rock n Roller Coaster, sowie Besuchen im Hollywood Tower Hotel nicht mehr viel übrig bleibt. Vorausgesetzt man will keine der anderen Sehenswürdigkeiten in diesem Park verpassen. Das Wort Sehenswürdigkeit passt in diesem Park deutlich besser als nur das Wort Attraktion, immerhin sind es hier nicht nur die Fahrgeschäfte, wie in den meisten anderen Freizeitparks in Europa, sondern vor allem die Shows die man, zumindest als Erstbesucher, nicht verpassen sollte. Auch kann es nicht schaden als bereits kundiger Parkbesucher die eine oder andere Show erneut anzusehen um sein eigenes Bild ein wenig aufzufrischen.

Moteurs… Action! Stunt Show Spectacular

Während ich von der Stuntshow mit dem viel zu langen Namen Moteurs… Action! Stunt Show Spectacular beim letzten Besuch nur minder zufrieden war konnte sie mich nun deutlich besser unterhalten, auch wenn die Zwischenszene mit Lightning McQueen und dem Bösewicht mit der „sehr“ geheimen Waffe als öder Lückenfüller nicht wirklich spannender ist als Herbie.  Dafür konnten aber die übrigen Stunts mehr als gefallen, zumal man diese nicht mit der üblichen fremdschäm Story wie in den meisten anderen Parks unterlegt hat, sondern ein wenig Edutainment betreibt.

Studios Tram Tour

Auch wenn die Studios Tram Tour nebenan keine wirkliche Show ist, so ist das was während des ersten Zwischenstopps passiert wirklich sehenswert und zugleich interessant. Bereits auf der Einfahrt in die Katastrophenschlucht fallen einem die riesigen Pumpen auf, welche die benötigte Wassermenge befördern. Was nun folgt ist in erster Linie sehr imposant, zumindest aus technischer Sicht, denn die Wagen werden über bewegliche Bodenplatten ein wenig hin und her geschüttelt, es bricht verdammt viel Feuer aus, welches dann mit deutlich mehr Wasser gelöscht wird. Ein sicherlich nicht ganz günstiges Vergnügen, welches leider als einziges Highlight der Tour zu nennen ist, denn danach geht es den ganzen Weg vorbei an den Requisiten eher unbekannter Filme zurück. Auf dem Weg zur anderen Wende fährt man an dem Set von Herrschaft des Feuers entlang und wird nochmals mit ein wenig Feuer unterhalten, wäre der Film erfolgreich gewesen, wäre die Szene sicherlich deutlich eindrucksvoller, da bekannter. Es folgt der Rückweg zum Bahnhof.

Die Studios Tram Tour ist als Studio Tour des Walt Disney Studios Park deutlich zu kurz, die Filmsets und Requisiten an denen man vorbeifährt sind meist leider nicht der Rede wert und nur der Catastrophe Canyon kann überzeugen, obwohl man sich mit den Onboard-Videos größte Mühe gibt auf dem Weg zu den zwei größeren Szenen einiges über die verschiedenen Arbeiten am Set zu erzählen. Glücklicher Weise scheint die eigentliche Tour immerhin deutlich länger als das nun abgerissene Original der Hollywood Studios in Orlando zu sein.

Aus der Ferne betrachtet bietet die Tour ein weiteres Gimmick, denn die Kulisse inklusive Hollywoodschriftzug sieht beeindruckend groß aus, tatsächlich besteht das Gebilde aus mehreren kleineren Einzelfragmenten, die durch die räumliche Trennung zueinander erst die dazu benötigte Tiefe hervorrufen.

Armageddon – les effets speciaux

Ebenso trickreich geht es vermeintlich bei Armageddon – les effets speciaux zu Gange, denn was wäre ein Blockbuster Movie ohne seinen Specialeffekten? Grundsätzlich wahrscheinlich den meisten Kinobesuchern zu öde, weshalb man hier ein wenig über die Entstehungsgeschichte aufgeklärt wird, bis man sich dann interaktiv an der Pre-Show beteiligt beziehungsweise sich daran vergnügt wie sich andere daran beteiligen. Ein weiterer Film mit einem der Hauptdarsteller des Films später, ja diese Show zieht sich doch sehr in die Länge, gelangt man dann endlich in die Hauptshow. Ein paar unbedeutende Effekte später schießt endlich verdammt viel Feuer aus der Mitte des Raumes und die Besucher können die Show erwärmt verlassen.

Cinémagique

Nach der Hommage an die Spezialeffekte geht es gleich zu der Hommage an den Film schlechthin, nämlich Cinémagique, wo sich der Feind eines jeden Kinogängers plötzlich selbst im Film widerfindet und dort ein Genre nach dem anderen durchquert. Die dabei gezeigten Filmsequenzen erzeugen eine recht lange Referenzliste und kommen vielen Besuchern sicherlich sehr bekannt vor. Das Zusammenspiel zwischen Theater und Kino wertet die Show zudem auf und macht die simple Story umso unterhaltsamer.

Animagique

Genauso unterhaltsam könnte eigentlich auch die Schwarzlichtshow Animagique in dem Studio nebenan sein, zumindest würde sie sich nur auf die Disney Klassiker konzentrieren. Stattdessen wird eine doch sehr kindgerechte Show, mit Donald Duck, in der Hauptrolle geboten, welche einen durch die eingängigen Melodien, dem ständigen Mitklatschen des Publikums und der notwendigen dunklen Beleuchtung eher zum Einschlafen bringt als zu unterhalten. Eine Eigenschaft welche ich bislang nur dem Europa Park zugeschrieben habe, aber dort sind die Shows meist ja auch eher schlecht als recht, Animagique hat zugegebenermaßen wenigstens noch ein paar interessante Szenen und ein interessantes Konzept. Noch nerviger als der namensgleiche Song am Ende der Show ist im Übrigen die Soundkulisse kurz vor der Show, weshalb man das Gebäude eher kurz vor der Vorstellung erst betreten sollte.

The Art of Disney Animation

Bei The Art of Disney Animation lernt man ein wenig über die Entstehungsschritte eines Trickfilms kennen. Nach einer kleinen Preshow, bei der ein gelungener Zusammenschnitt der verschiedenen Disney- und Pixarfilme gezeigt wird, gelangt man in die Hauptshow bei der Mushu, der Drache aus den Mulan Filmen, die Hauptrolle übernimmt. Über Kopfhörer kann man nun die Show in seiner Sprache hören, was in der deutschen Version Otto als Synchronstimme zur Folge hat, oder in Niederländisch den besten Frikandelwitz aller Zeiten. Obwohl diese Show immer den faden Beigeschmack einer Werbeveranstaltung hat, immerhin wird stets der Trailer des aktuellen Films der Disney Animation Studios gezeigt, gefällt mir die Show sehr.

Stitch live!

Ähnlich sieht es bei Stitch live! aus, auch wenn es diese Art von interaktiver Show außerhalb der Dungeons von Merlin Entertainment nur noch viel zu selten in Europa gibt. Auch wenn die Show für Kinder konzipiert ist sorgt sie doch für die richtige Portion Flachwitz gerade in Bezug auf ältere Zuschauer. Die Freude die man dabei verspürt, dass gegebenenfalls eine Person der mitgebrachten und ahnungslosen Gruppe gleich durch den Kakao gezogen wird, ehe man es dann doch selber ist, ist dabei genauso zufriedenstellend, wie auch die gehörige Portion Fremdschämens wenn sich mal wieder nur das Personal zum Affen macht. Schade nur, dass es Movie Magic seit nun einigen Jahren im Movie Park Germany nicht mehr gibt.

Rock ’n‘ Roller Coaster avec Aerosmith

Freunde guter Musik und guter Achterbahnen werden beim Rock ’n‘ Roller Coaster avec Aerosmith fündig, denn die laser- und musikgestützte Fahrt durch das Streckenknäul innerhalb der Soundstage der Hallen 8 und 9 ist mehr als gelungen. Nach Besichtigung der Tour de Force Records wird man von der US-amerikanischen Rock-Band Aerosmith begrüßt, daraufhin wartet man noch einige Minuten parallel zur Abschussstrecke bis man schlussendlich in die Limousine einsteigen kann.

Je nach Zug ist das Erlebnis auf dieser Achterbahn stets anders, so ändert sich je Zug nicht nur die Lichtstimmung während der gesamten Fahrt, sondern auch der zugehörige Soundtrack. Vorausgesetzt es gibt kein Notaus weil jemand denkt es sei toll mittels Selfiestick ein verwackeltes Video der Fahrt aufzunehmen, denn dann hat man für die ersten Sekunden zwar wunderbaren Sound, ehe man minutenlang auf der gleichen Stelle steht und die Fahrt schlussendlich ohne Ton und synchronisierter Lichtshow abwickelt. Ich fand es in Walibi Belgium auf der Achterbahn Vampire auch nicht lustig als mein Leben einen kleinen Moment in Zeitlupe verlief, da eine Kamera während des Roll Overs nur wenige Zentimeter an meinen Kopf vorbei flog. Klar, es war ein Headchopper ohnegleichen, aber einen auf den man gerne verzichten kann, ebenso auf die verwackelten Onrides diverser selbstgeiler Social-Medienhuren.

Der Rock ’n‘ Roller Coaster ist und bleibt eine rundum gelungene Achterbahn, bei der ich mir weiterhin schwertue diese aus meiner Favoritenliste zu entlassen. Jedoch ist die Anlage stark abhängig von ihrer Musik, denn trotz der bequemeren Züge, verliert die Indooranlage rasant an Fahrspaß sobald diese nicht erklingt, während die Outdooranlage Xpress aus dem niederländischen Freizeitpark Walibi Holland sich stets als solide Achterbahn zeigt und mittlerweile, verbunden mit dem Zusatztitel Platform 13, zusätzliche Effekte bereits ab Betreten der Warteschlage vorweisen kann.

Tower of Terror

Das Hollywood Tower Hotel gilt zweifelsfrei als das bekannteste Disney Hotel, zumindest unter Freizeitparkenthusiasten und denen die es werden wollen. Obwohl die Geschichte des Tower of Terror jedes Mal aufs Neue als Episode der Twilight Zone in der hoteleigenen Bibliothek erzählt wird ist vielen Kennern des Hauses eher unbekannt, das es mit „Im Jenseits sind noch Zimmer frei“ auch einen durchaus unterhaltsamen Film über die Geschehnisse des besagten Abends gibt.

Nach Verlassen der Bibliothek befindet man sich im Maschinenraum, wo sich die drei Service Fahrstühle befinden, da der eigentliche Gästefahrstuhl seit der besagten Nacht verständlicher Weise außer Betrieb ist. Einmal in den Fahrstuhl gestiegen scheinen sich die Ereignisse von damals zu wiederholen. Von der Startposition bewegt sich der Gästeträger nach hinten und wird dort mit der Lifttechnik gekoppelt. Einmal in Bewegung gesetzt fährt der Fahrstuhl einige Meter nach oben und hält vor einem Spiegel, welcher einen verschwinden lässt. Eine Etage tiefen trifft man dann auf die Insassen des Fahrstuhlunglücks von damals, sie verschwinden, der Flur wird dunkel und kurz darauf sieht man sie erneut abstürzen, ehe man selbst abstürzt. Obwohl man es wissen sollte, so ist gerade dieser eher kleine Fall immer wieder sehr überraschend.  Deutlich schneller als zuvor geht es nun aufwärts um ein wenig frische Luft zu tanken und um die Aussicht zu genießen, bevor es erneut rasant gen Boden geht. Es folgt das gleiche Spiel ein wenig kraftvoller, ehe es zum finalen Fall erneut nach ganz oben geht.

Der Tower of Terror ist gewiss die aufwendigste Vertikalthemenfahrt unserer Zeit, zumal es im Vergleich zu den ABC Türmchen aus den Dungeons oder mittlerweile auch anderen Merlin Entertainment Attraktionen kein reiner Freifallturm ist, dennoch dieselben Kräfte bietet. Die Fahrt an sich ist überragend, auch wenn der letzte Fall stets aus dem Muster fällt, nur die Storyline mit der Twilight Zone nervt bei Wiederholungsfahrten ungemein.

Crush’s Coaster

Vergleichbar nervtötend ist die Wartezeit bei Crush’s Coaster, welche nun durch das Hinzufügen einer Single Rider Line ohne wirklichen Nutzen, ein wenig schleppender voran geht. Hier sollte man sich vor der Fahrt, sofern man alleine unterwegs ist, fragen ob man den größten Teil der Wartezeit an der frischen Luft verbringen möchte oder innerhalb der stets sehr warmen und stickigen Halle. Obwohl die Idee einer Single Rider Line an einem Spinning Coaster nicht verkehrt ist, so zeigt es sich das fast alle fahrwilligen Personen meist zu zweit oder viert unterwegs sind und sich dementsprechend die Single Rider Line nur sehr schleppend voran bewegt, während man in der normalen Warteschlange stets in Bewegung ist. Natürlich gibt es auch hier eine Ausnahme, nämlich im englischen Freizeitpark Alton Towers bei Regen, da aus irgendeinem kuriosen Grund die Wagen nur noch mit drei Personen beladen werden.

Die Fahrt gleicht einer Fahrt des Spinning Racers während der Abendstunden, nur das bei dieser Anlage die Drehung bereits nach dem Lift freigegeben wird und die Strecke um einige Meter verlängert wurde. Auf diesem Teilstück, vor dem bereits bekannten Layout, verlässt man nach einem kleinen Lift kurz das Gebäude um dann erneut im Inneren einen kleinen Darkridepart zu absolvieren. Obwohl die Fahrt recht gut ist lohnt es sich kaum über eine Stunde für sie zu warten, zumal der Walt Disney Studios Park nun einiges mehr bietet.

Toy Story Playland

So zum Beispiel das Toy Story Playland mit seinem Musikexpress Slinky Dog Zigzag Spin, welcher ein noch öderes Fahrprogramm bietet als der Flipper VolPaiute aus dem spanischen Freizeitpark Port Aventura, welcher bekanntermaßen seine Runden im Wartungsmodus dreht, dem nicht gerade schönen Parachute Tower Toy Soldiers Parachute Drop, sowie der Intamin Halfpipe RC Racer.

RC Racer

Obwohl keine allzu großen Ähnlichkeiten vorhanden sind, so kann man den RC Racer bestenfalls noch als eine übergroße Schiffschaukel mit grausamer Kapazität beschreiben. Obwohl nicht wirklich viele Personen in der Warteschlange vorhanden waren wartet man hier eine halbe Ewigkeit, kaum auszudenken wie es in der Hauptsaison bei gefüllten Wartebereich aussehen würde. Dabei bietet die Fahrt im Grunde nichts, denn kaum hat sie begonnen ein kleines Fünkchen Spaß zu machen endet diese auch wieder. Gut, das ist Halve Maen des niederländischen Freizeitparks Efteling ähnlich, aber die Anlage ist wenigstens eine übergroße Schiffschaukel enormer Kapazität.

Ratatouille L’Aventure Totalement Toquée de Remy

Während das Toy Story Playland nicht sonderlich durch seine Fahrgeschäfte auffallen kann, so besticht der seit dem letzten Jahr vorhandene Bereich umso mehr durch seine Attraktion, denn wir befinden uns in Paris, der Stadt der Liebe und vor allem der Ratten. Auch wenn Paris wirklich nicht die sauberste Stadt ist geht es hier hauptsächlich um die Ratte Rémy und seiner Familie, bekannt aus dem Pixar Film Ratatouille. Dieser klingt zwar nach Ratte und Pfui, ist aber ein mehr als gelungener Animationsfilm und hat mit Ratatouille L’Aventure Totalement Toquée de Remy eine durchaus würdige Themenfahrt spendiert bekommen.

Aus Zeitgründen haben wir stets die Single Rider Line genutzt, denn bei Wartezeiten jenseits der 75 Minuten in der normalen Warteschlange hätten wir wahrscheinlich nur eine einzige Fahrt tätigen können. Hingegen sind durch die Sitzreihen für jeweils drei Personen ideale Zustände für Einzelfahrer geschaffen worden, denn selbst wenn dieser Wartebereich voll wäre, dürfte man nie länger als 20 Minuten hier warten.

Die Fahrt

Die Station befindet sich auf den Dächern von Paris und wir dürfen Mäuschen spielen, beziehungsweise Ratten, aber das Filmzitat möchte ich mir jetzt nicht verkneifen. Doch bevor ich als Kritiker, im Sinne von Anton Ego, agiere folgt aber erst einmal die Zusammenfassung der Fahrt. Nachdem die Wagen ihre Startposition verlassen haben scheint es so als würde sie erst einmal regellos herumfahren, kurz darauf fahren sie aber alle einen engeren Gang entlang. Auf dem Dach des Gusteau’s grübelt gerade Rémy über das aktuelle Abendmenu im eigenen Restaurant nach und oh welch Wunder, es wird wohl Ratatouille, ein simples Bauerngericht, welches man dem Kritiker Anton Ego serviert hat kurz bevor man das Restaurant schließen musste.

Rémy stürzt durch das Dachfenster und wir rutschen munter hinterher. Es folgt eine kleine Erkundungstour durch die Küche des Restaurants bei der uns der junge Koch Linguini, welcher eigentlich sogar Chefkoch sein müsste, hilft unerkannt zu entkommen. Der Weg führt nun durch die Speisekammer des Restaurants bei der Emile, Rémys Bruder, mal wieder den Magen voller Trauben stopft. Auch den erneuten Weg durch die Küche kann Linguini erfolgreich vertuschen, ehe wir im Speisesaal des Restaurants vom Chefkoch Skinner entdeckt werden. Zwar hilft uns Linguini schnell zu flüchten, doch Maître Skinner ist stets auf unseren Fersen, doch ehe er uns mit der Hand greifen kann fasst er dann doch lieber in eine Mäusefalle. Wir erreichen schlussendlich die Küche des Restaurants La Ratatouille, welches Vorbild für das Restaurant Chez Rémy ist, nach einer kleinen Sektdusche landen wir bei den anderen Ratten, woraufhin wir die Endstation unserer Reise erreichen.

Fazit Ratatouille L’Aventure Totalement Toquée de Remy

Trotz der zugegebenermaßen sehr losen Adaption des Films ist Ratatouille L’Aventure Totalement Toquée de Rémy eine äußerst gelungene Themenfahrt, bei der man selbst nach der zehnten Fahrt immer wieder neue Details finden würde. Dabei ist die Dynamik der Fahrt genauso aufregend wie das aus allen Seiten verdammt scharfe Bild, welches je nach Position vor den Leinwänden stets unterschiedlich wirkt und dementsprechend auch neue Details offenbart. Ebenso interessant ist der Zeitpunkt wann man eine Szene sieht, denn so sieht man entweder ein kleines Vorspiel oder ein kleines Nachspiel. Auch ist es ein signifikanter Unterschied ob man nun in der ersten oder auch zweiten Reihe eines jeden Wagens sitzt, denn auch hier unterscheidet sich die Wahrnehmung der einzelnen Szenen teilweise enorm, nur bei der Szene mit dem Sektkorken ist es von Vorteil wenn man in der vorderen Reihe sitzt, da dieser Effekt doch sehr überraschend ist.

Rémys total beklopptes Abenteuer sollte man dementsprechend keineswegs verpassen, auch ist es der Grund schlechthin seinen Besuch im Disneyland Resort Paris definitiv im Walt Disney Studios Park zu verbringen, denn nirgendwo anders in Europa wird man derzeit auf einer Themenfahrt so gut unterhalten wie es hier der Fall ist.

Bilder Walt Disney Studios Park

Der Walt Disney Studios Park kann durch seine neu gewonnene Perspektive, hauptsächlich durch Rémy und seiner Familie erzeugt, noch einmal ein wenig mehr überzeugen als es der Park zuvor eh schon tat. Es wäre schön zu sehen wenn man auch in den nächsten Jahren den Park noch weiter ergänzt, so wäre ein Besuch in San Fransokyo in naher Zukunft ein Ereignis auf das ich mich bereits Jahre vorher freuen würde.

 

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