Spooky Thorpe Park Hell Dream

Die Veränderungen der letzten fünf Jahre

Was hat Merlin nur aus der Island like no other in den vergangenen fünf Jahren gemacht? Die letzten zwei Reihen der Achterbahn The Swarm fahren wieder vorwärts, der Discocoaster X wurde zu The Walking Dead – The Ride umgestaltet, Teile von Amity Cove sind den Vögeln aus Angry Birds zum Opfer gefallen, die Wildwasserbahn Logger‘s Leap rottet vor sich hin, genauso wie die Himmelsklatsche Slammer, die nun ganz offiziell auf ihren Abriss wartet und Saw: Alive wird zumindest ab und an betrieben (gleiches gilt für das noch relativ neue Maze I’m a Celebrity…Get Me Out of Here!). Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Schließtagen innerhalb der Saison und auch der prägende Soundtrack der Insel wurde ausgetauscht.

Man wird für vieles seine Gründe haben, aber einiges verstehe ich bei bestem Willen nicht. Offiziell hat man nun einen deutlich familienorientierteren Kurs eingelegt, also weg von den Thrill-Ride-Fetischisten und dem damit verbundenen Schmuddelimage (# Hard Gaan) – seltsam nur, dass man seitdem Karten an Studenten verramscht und somit die bevorzugte ehemalige Klientel in weitaus größeren Scharen anzieht. Kann man machen, aber ich bin mittlerweile zu alt für diesen Scheiß. Genauso, wie ich es nicht gut heißen kann, wenn Angestellte am Eingang einer Attraktion einen zum Kauf von Fast Pässen ermutigen, obgleich die zugehörige Warteschlange fast nicht existent ist.

Derren Brown’s Ghost Train

Aber es gibt auch Lichtblicke. Derren Brown’s Ghost Train ist so einer. Die Neuerfindung der klassischen Geisterbahn ist, was Storytelling angeht, eine ganz große Granate. Blöd nur, dass das die Besucher des Thorpe Park auch allesamt wissen, so dass hier oftmals sehr lange Wartezeiten vorhanden sind. Jedoch sollte das einen nicht abhalten sich hier anzustellen, immerhin ist die Mischung aus Fahrgeschäft, Maze und VR-Erlebnis einzigartig und in etwa so gruselig, wie ein japanischer Horrorfilm in einem 360° Kino.

Die Neuerfindung der Geisterbahn

Nachdem man sich in der Warteschlange die Beine in den Bauch gestanden hat, wird man von Derren Brown persönlich in einer kurzen Pre-Show begrüßt. Es geht thematisch um die Neuerfindung der Geisterbahn und warum wir es lieben uns zu gruseln. Das klingt alles vielversprechend und so verlassen wir erwartungsfreudig den Schauraum und erklimmen eine kurze Treppe. Hier werden wir noch kurz zurückgehalten, doch lange dauert es nicht mehr, bis wir in die Halle mit dem Geisterzug treten. Von der Decke hängend zeigt sich ein alter viktorianischer Wagen, dessen Inneres jedoch dem einer Londoner U-Bahn gleicht. Nun gilt es die VR-Brille aufzusetzen und wenn beide Züge abgefertigt sind, kann die Fahrt in der Geisterbahn auch schon losgehen.

Die Fahrt

Eigentlich sind es ja sogar drei Züge, doch nur zwei sind zu diesem Zeitpunkt mit Fahrgästen versehen. Und so verlassen wir die Station und fahren ein wenig mit der Tube. Ein Mann mit einem Hund steigt ein und erzählt uns eine Geschichte, die die Wissenschaftler der BGR in Hannover evtl. nicht ganz so gut heißen können. Fracking ist böse und irgendwas ging verdammt schief. Es dauert nicht lang und eine verseuchte Person sucht sich Zugang zu unserem Abteil. Es wird gruselig und wir können dank der VR-Brille nicht anders, als immer direkt in Richtung des Geschehens zu schauen. Zwischenzeitlich wird es auch mal dunkel und ein Mitarbeiter muss einmal durch die Reihen um die Knie der Fahrgäste zu streicheln. Es kommt zu einem Unfall und wir müssen den Zug schleunigst verlassen.

Mittels merlinarischen Drills werden wir durch ein kurzes und sehr nett gestaltetes Maze geschickt. Gruselig ist das weniger, aber irgendwie müssen wir ja zum zweiten Gleis dieses Sackbahnhofs kommen, in der bereits eine weitere U-Bahn auf uns wartet. Dieses Mal sind wir jedoch nicht die einzigen Fahrgäste und jeder der anderen hat eine VR-Brille auf. Der Zug setzt sich in Bewegung, doch diesmal zeigt sich der wahre Hintergrund den Besuchern; es ist nicht das Fracking per se, was die Leute verseucht hat, nein es waren Dämonen. Einzeln entledigen sich diese nun Fahrgast um Fahrgast, ehe wir uns in einer grandios inszenierten Transfergleisszene unserem Schicksal zuwenden und in den Abgrund fallen. 3,2,1, wir sind wieder hier.

Fazit Derren Brown’s Ghost Train

Das war also die Neuerfindung der klassischen Geisterbahn und man, war das gut. Die VR-Inszenierung im Thorpe Park wirkt, immerhin ist die Grafik hier ja auch hochauflösend und bedarf keiner Echtzeitrenderung. Man fühlt sich halt wie im Film und nicht wie in einem Computerspiel der frühen 90er Jahre. Wie bereits eingangs erwähnt ist die Fahrt auf Derren Brown’s Ghost Train nicht wirklich gruselig und eher im Suspense Horror anzusiedeln. Das macht sie jedoch gut, wodurch die Fahrt, wie halt jede richtig gute Geisterbahn, sehr unterhaltsam ist.

The Walking Dead – The Ride

Direkt neben Derren Brown’s Ghost Train befindet sich der Eingang zur Achterbahn The Walking Dead – The Ride, vormals bekannt unter den Namen X und X:\ No Way Out. Gestaltet rund um die Serie The Walking Dead zeigt sich die Bahn nun mit einem eindeutigen thematischen Bezug. Zombies sind halt besser zu vermitteln als ein Computervirus oder eine Diskothek. Grundsätzlich erwartet einen die selbe nackte Warteschlange im Inneren des Gebäudes, doch statt fanzigen Lichteffekten und toller Mukke findet man nur noch trostlose braune Wände vor. Die Fahrt selbst ist teilweise nett gestaltet und für Fans der Serie bestimmt ganz, ganz großartig. Ich zumindest konnte damit nichts anfangen. Über den ebenso langen Weg zurück findet man wieder einmal nur nackte braune Wände vor, weswegen man schlussendlich nur froh ist, wieder an der freien Luft zu sein.

Das war wohl nichts. Bekannte Lizenzen kann man ja gerne implementieren, aber dann muss man auch das Potential dieser ausschöpfen. Tatsächlich wünsche ich mir nichts anderes als die quirlige computervirenbefallende Rückwärtsachterbahn zurück. Die war wenigstens konsequent seltsam und dennoch absolut spaßig. Der Umbau zu X war durchaus cool und für das jüngere Publikum recht optimal, doch nun als Walking Dead – The Ride lohnt sich ja nicht einmal mehr eine Fahrt zwischendurch. Das ist schade und für mich ein Sinnbild für die Entwicklungen der letzten Jahre.

Bilder Thorpe Park

Fazit Thorpe Park

Thorpe Park, du warst mal cooler. Aber eigentlich gilt das für die gesamte Merlin-Gruppe. Irgendwas läuft bei euch gewaltig schief. Warum wollt ihr euch in letzter Zeit eigentlich so sehr vom Tussauds-Image trennen? Die Insel war mal stimmig, nun gibt es nur noch einen IMAscore Einheitsbrei, der so mancher Attraktion gar nicht gut tut. Darüber hinaus liefen an beiden Besuchstagen meinerseits sehr viele Attraktionen einfach mal gar nicht oder nur sehr problembehaftet. Gut, Ausfälle waren im Thorpe Park schon immer an der Tagesordnung, aber so etwas kann man zumindest versuchen im Rahmen zu halten. Eigentlich fehlt nun nur noch der Ausfall einer größeren Achterbahn für einen Zeitraum von 2 Jahren und dann wäre das typische Image der Merlin-Gruppe auch hier perfekt.

 

Was ist deine Meinung zu Derren Brown’s Ghost Train und The Walking Dead – The Ride im Thorpe Park?  Schreib sie einfach in das Kommentarfeld unter dem Bericht oder besuche unsere Social Media Kanäle:

 

          


Mit der Formule 1 auf die schiefe Bahn

Parc Saint Paul

Der Ursprung des Freizeitparks Parc Saint Paul liegt im Jahr 1978 als am Rande des Örtchens Saint-Paul ein kleines Ausflugsziel mit Ponyreiten, Bootsverleih und einem Lokal entstand. Fünf Jahre später kaufte der Schausteller André Campion das Gelände. Dieser stellte gut zwanzig Fahrgeschäfte in den Park und taufte diesen unter seinem heute bekannten Namen. Im Jahr 1999 übernahm der Sohn Gilles Campion das Geschäft. Dieser baute den Park dann zum Freizeitpark aus. Wo man vorher den Park frei betreten und für einzelne Attraktionen zahlen musste, galt fortan ein einheitlicher Eintrittspreis. Bereits im nächsten Jahr folgte mit dem Wild Train die erste Achterbahn des Parks. Seither zeichnet sich der Freizeitpark durch eine interessante Auswahl an Fahrgeschäften aus ohne dabei seine Hauptzielgruppe – Familien mit kleineren Kindern – außer Acht zu lassen.

Bereits auf dem Weg zum Eingang fallen uns eine Vielzahl an Kinderkarussells und familienfreundliche Fahrgeschäfte auf. Meist kommen diese von der SBF Visa Group und sind neueren Baujahrs. Doch die eigentliche Attraktion in diesem Bereich ist das Personal, welches nicht nur den Einlass kontrolliert, sondern auch für Fotos zur Verfügung steht. Wo ich anfangs noch dachte das Personal sei hier auf Stelzen unterwegs, so war ich doch sehr überrascht tatsächlich auf 2m20 große Personen zu stoßen. Darunter befindet sich auch der mit 2m46 zweitgrößte Mensch der Welt Monsieur Brahim Takioullah.

Aérotrain

Die erste Achterbahn auf unserem Rundlauf ist der Aérotrain. Diese Achterbahn aus dem Hause Vekoma stand zuvor in einem Einkaufzentrum in Portugal, wo sie als Montanha Russa bis ins Jahr 2013 betrieben wurde. Dank ihrer Lage und dem daraus resultierenden Verlauf oberhalb der Besucher ist die Bahn recht weit hochgeständert. Glück im Unglück suchte Gilles Campion eine Art Monorail für den Parc Saint Paul, damit dieser auch von oben betrachtet werden kann, als Cedeal Rides ihn diese Gebrauchtanlage als Vorschlag vorlegten.

Die Fahrt auf dem Aérotrain beginnt mit einer kurzen Linkskurve, an der sich der Reibradlift der Anlage anfügt. Auf einer Höhe von 11m angelangt geht es sogleich hinab. Das kurze Gefälle geht sogleich in eine Linkskurve über an der sich eine nach rechtsdrehende Helix anschließt. Über eine sehr lange Linkskurve nehmen wir langsam wieder etwas an Höhe zu, ehe wir diese in einer weiteren Helix auch schon wieder abbauen. Nach einer längeren Geraden folgt nur noch eine kurze Linkskurve bevor dann die Station auch schon wieder erreicht wird. Es folgt eine weitere Runde, ehe die Fahrt dann endet.

Auch wenn der Aérotrain nicht so schnell ist, wie der namensgebende Luftkissenzug, so ist die Fahrt ein durchaus kurzweiliges Vergnügen. Die Fahrt fällt generell seichter aus als die meisten Rollerskater und ist dadurch eine ideale Einstiegsachterbahn für die kleinsten Parkgäste.

Arche de Noé

Etwas spannender geht es derweil bei der Arche de Noé statt, einer Schiffschaukel des Herstellers Metallbau Emmeln. Diese wurde entsprechend der Thematik gestaltet, weswegen man zahlreiche Tierplastiken an der Anlage und um sie herum entdecken kann. Auch die Fahrt kann mit ihren kleineren Airtimemomenten durchaus überzeugen.

Aqua Splash

Ebenso überzeugend zeigt sich die Schlauchbootrutsche Aqua Splash desselben Herstellers direkt nebenan. Wir folgen derweil dem Weg am großen See entlang, wo sich einige Tretboote und der Mississippi-Dampfer des Parks tummeln. Vorbei an zahlreichen Spielplätzen und einer Trampolinhalle erreichen wir dann die zweite Achterbahn auf unserem Rundlauf.

Mini-Mouse Cartoon

Die Mini-Mouse Cartoon ist eine sehr familienfreundliche Achterbahn, bei der ein Zug durch eine Reihe von Haarnadelkurven geschoben wird. Auf den verbindenden Geraden gibt es zudem kleinere Hügel, ähnlich denen eines Wacky Worms, die die Fahrt ein wenig auflockern. Die Fahrt selbst ist jedoch sehr gemächlich. Je nach Andrang fährt man mehrere Runden durch das Layout.

Téléphérique

Direkt nebenan steht mit der Téléphérique eine scheinbar harmlose schienengeführte Seilbahn. Doch der Schein trügt, denn sollte man auf die Idee gekommen sein die Fahrt mit einem Rucksack auf den Rücken zu fahren, so nehmen die Fliehkräfte überhand und man muss sich ganz schön festhalten, um nicht herunter zu fallen. Ein sehr interessantes Spielgerät und ein noch interessanterer Grauzonencount.

Maison Foldingue

Nachdem ich bereits im japanischen Freizeitpark Yomiuriland und im italienischen Mirabilandia das von Preston & Barbieri erbaute Crazy House auf Grund fehlender Sprachkenntnisse nicht gefahren bin, konnte ich dieses bizarre Fahrgeschäft nun endlich mal testen. Die Witze und Spezialeffekte des Maison Foldingue sind jedoch nicht sonderlich erwähnenswert, genauso wie der Fahrtablauf der Anlage. Eine bizarre Idee, die bei Kindern sicherlich gut ankommt.

Souris Verte

Genauso wie das Kinderlied der Souris Verte. Im Parc Saint Paul jedoch verkörpert die grüne Maus eine Drehgondelachterbahn des Herstellers Zamperla. Die Fahrt durch das bekannte Layout verläuft leider ohne größere Drehung der Gondel.

Tour Descente Extrême

Da bei der Achterbahn Wild Train der Zug fehlte, konnte ich diese Achterbahn leider nicht testen. Nebenan jedoch steht mit dem Tour Descente Extrême ein weiteres Produkt der ehemaligen russischen Firma Pax, welches nur so darauf wartete endlich getestet zu werden. Der 40m hohe Freifallturm bietet eine sehr skurrile Fahrt, denn ehe man zum Fall kommt wird man erst einmal ewig durch die Magnetbremse gezogen, die in etwa die Hälfte des Turms in Anspruch nimmt.  Durch diesen Umstand ist auch die Bremsung überaus rabiat. Ça me plait beaucoup! So einen Fall habe ich von Pax bei bestem Willen nicht erwartet, der ist grandios. Die Fahrt selbst nimmt jedoch ihre Zeit in Anspruch; es ist also kein Wunder, dass man nicht so viele Anlagen von Pax vorfinden kann.

La Pomme

Deutlich häufiger hingegen findet man Achterbahnen vom Typ Big Apple, in Frankreich auch gerne La Pomme genannt. Der hiesige kommt von der türkischen Firma DAL Amusement Rides Company. Besonders an der Anlage ist ihre stark präsente und überaus einladende Deko, die die Fahrt merklich aufwertet.

Vorbei am Riesenrad Grande Roue und den P’tits Lapins zieht es uns nun in den hinteren Bereich des Parks. In einem Anwesen und dessen Vorhof finden wir zahlreiche Laufgeschäfte, die Hauptgastronomie des Parc Saint Paul, sowie den Platz des Wellenfliegers Chaises Aériennes vor, der zum Zeitpunkt des Besuchs jedoch noch nicht aufgebaut war.

Château Hanté, Parcours 3D, Miroirs Magiques und Toi aussi deviens un Géant

Von den vier Laufgeschäften überzeugt vor allem das Château Hanté, welches durch eine riesige Ansammlung an Animatroniks und absoluter Dunkelheit beängstigender wirkt, als so manche Geisterbahn hierzulande. Der Parcours 3D hingegen ist zu kurz, um ihn wirklich wahrzunehmen. Das Spiegelkabinett Miroirs Magiques und das schiefe Haus Toi aussi deviens un Géant runden das Angebot ab.

Dino Splash

Direkt nebenan befindet sich die aufwändig gestaltete Wildwasserbahn Dino Splash des Herstellers Interlink. Bereits die Warteschlange der Anlage ist überraschend ansprechend gestaltet und lässt auf eine aufregende Fahrt hoffen.

Die Fahrt beginnt recht zügig mit der Erklimmung des ersten Lifthügels. Oben angekommen durchrollen wir eine enge Linkskurve, ehe dann bereits die erste Schussfahrt wartet. Über einen markanten Doppeldrop geht es dann überaus rasant und mit seichter Airtime hinab. Gut durchnässt rasen wir durch die Auslaufstrecke, ehe wir in der anschließenden Rechtskurve ein wenig gebremst werden. Über eine Gerade mit etwas Wildwasser und einem Wasserfall zur linken Seite zieht es uns nun in Richtung des zweiten Lifts. Dieser bringt uns auf 11m Höhe, woraufhin sich eine Rechtskurve anschließt. Kurz darauf geht es die zweite Schussfahrt mit ihrem signifikanten Dinosaurierrückgrad hinunter. Hier erwartet uns dann eine ordentliche Dusche, woraufhin wir den Rest der Fahrt komplett durchnässt verbringen. Nach einer längeren Geraden an der Front vorbei erreichen wir dann auch wieder die Station der Anlage und steigen glücklich und zufrieden aus dieser wirklich tollen Wildwasserbahn.

Safari Trip

Während in der Halle der Teen’s Party Holz für die Achterbahn Wood Express gelagert wurde, tummelten sich die Parkgäste auf Autoskooter, einer Teppichrutsche und dem Musik Express Safari Trip. Letzterer bietet durch seine Vor- und Rückwärtsfahrt eine echt schöne Fahrt. Unschön hingegen ist, dass auf der Teppichrutsche scheinbar Narrenfreiheit herrscht; hier zeigte sich das Parkpublikum von seiner unschönsten Seite. Generell fiel mir dieses im gesamten Tagesverlauf eher negativ auf, da sich vor allem eine marokkanische Familie und Geburtstagsgruppe wirklich danebenbenahm und ständig vom Parkpersonal – welches wirklich vorbildlich handelte – zurückgewiesen werden musste.

Generell ist das Personal im Parc Saint Paul verdammt freundlich. Als ich zum Beispiel im Lift der Achterbahn Formule 1 steckenblieb, da die Anlage unerwartet einen Notaus hatte, informierte man mich über jeden Schritt, bis dann die Anlage wieder lief. Auch nach der Fahrt entschuldigte man sich bei mir für die Unannehmlichkeit und brachte mir noch schnell meinen Rucksack, da ich den Wagen in diesem Fall im eigentlichen Ausstiegsbereich und nicht erst in der Station verlassen musste.

Formule 1

Die Fahrt auf der etwas anderen Wilden Maus Formule 1 des Herstellers Pax beginnt mit einer sehr, sehr steilen Auffahrt, an der sich sogleich ein ausgeprägter Pre-Drop anschließt. Recht zügig durchrasen wir nun eine Senke, ehe wir zur großen Schussfahrt ansetzen. Über eine enge Kuppe schießen wir nun gen Boden und werden dabei unerwartet stark aus dem Sitz gehoben. Über einen überaus airtimereichen Double-Up geht es dann erneut nach oben. Nach einer engen Kurve erwartet uns auch bereits die erste Blockbremse.

Erst jetzt folgen die Haarnadelkurven, die jedoch auch hier einen ganz besonderen Clou aufweisen. Die Einfahrt in diese erfolgt nämlich immer nach außen geneigt, während die Ausfahrt dieser nach innen geneigt ist. Eine ziemlich abgefahrene Angelegenheit. Nach insgesamt fünf Kurven ist dieser Abschnitt auch wieder vorbei und wir fahren (weiterhin nach außen geneigt) in eine Wendekurve ein. Hieran schließen sich gleich mehrere Auf- und Abfahrten an, die einen wieder einmal ordentlich aus dem Sitz heben. Nach einem weiteren Blockbereich verläuft die Fahrt ein wenig gemächlicher und so fährt man über mehrere Rechts-/Linksschwenker einmal quer durch die Anlage. Nach einer längeren Rechtskurve fügt sich dann die Auffahrt in die Bremsstrecke an. Nach der Fahrt durch den eigentlichen Ausstiegsbereich erreicht man nach einiger Zeit auch wieder die Station und kann dann auch aussteigen.

Die von Pax erbaute Anlage war für mich schon seit längerer Zeit der Grund irgendwann mal zum Parc Saint Paul zu fahren. Da bereits seit längerer Zeit das Gerücht einer baldigen Schließung der Anlage durch die Foren geht, war ein Besuch sozusagen unumgänglich. Da war es mir auch ganz egal, ob irgendwann im Laufe der Saison die Holzachterbahn Wood Express eröffnen würde. Pax geht vor. Die Fahrt auf Formule 1 ist wie zu erwarten brachial, bizarr und superbe. Die Airtime auf der Anlage sucht ihres Gleichen und die Mauskurven sind schlichtweg genial. Eine wirklich schöne und interessante Anlage.

Bilder Parc Saint Paul

Fazit Parc Saint Paul

Der Parc Saint Paul ist ein überaus seltsamer Vergnügungspark. Er wirkt konzeptlos und hingeklatscht. Auf der anderen Seite jedoch bietet man viele interessante Anlagen, die man in dieser Fülle nicht wirklich oft vorfinden kann. Allein die von Pax erbauten Anlagen sind den Besuch wert. Ob ich jedoch so schnell wieder in den Park möchte, mag ich zu bezweifeln. Als einziger Park meiner Reise, konnte mich der Park nicht so wirklich überzeugen. Das lag vor allem an seinem doch recht asozialen Publikum.


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Ein Spaß für die ganze Familie

Parc des Combes

Wenn die Spurweiten einiger Modelleisenbahner zu groß werden, dann kann auch ein Freizeitpark daraus entstehen. So in etwa kann man die Geschichte des Parc des Combes zusammenfassen. Im Jahr 1985 entschieden sich Modeleisenbahner aus Le Creusot und der lokale Politiker, sowie spätere Präsident der NPO Chemin de Fer Touristique des Combes, Serge Chevalier die alte Trasse der Chemin de Fer des Crouillottes wieder aufleben zu lassen.

Ursprünglich diente die Strecke dazu Schlacke der Hochöfen der Usines Schneider auf das Plateau de la Combe zu befördern und dort zu entsorgen. Bereits in den 50er Jahren wurde diese jedoch stillgelegt und zurückgebaut. Nun galt es also die Strecke neu zu verlegen. Die Gleise, Schienen und Schwellen wurden dabei der Creusot-Loire entnommen – einem kurz zuvor Konkurs gegangenen Stahlunternehmen. Fünf Jahre später erfolgte dann die Eröffnung des ersten Abschnitts mit einer Streckenlänge von 2,5 km vom Bahnhof Parc des Combes bis hinunter zur Combe Denis. Der heutige Streckenrundkurs des Train des Combes von 5,2 km wurde fünf Jahre später fertiggestellt. Weiterhin erfolgte die Errichtung eines Bahnhofs im Stadtzentrum von Le Creusot, unweit des eigentlichen Bahnhofs der SNCF und damit verbunden der Bau des dritten Abschnittes, welcher dann im Jahr 1999 abgeschlossen werden konnte. In den französischen Sommerferien besteht seither die Möglichkeit mit dem Train des Deux Vallées auf einer Streckenlänge von 10 km vom Stadtzentrum hinauf zum Freizeitpark zu fahren. Zusätzlich besteht an ausgewählten Tagen im Juli die Möglichkeit mit einer Dampfeisenbahn zu fahren.

1996 erfolgte die Errichtung einer Sommerrodelbahn aus dem Hause Wiegand. Der Erfolg der Luge d’été setzte das Fundament für die heutige Ausrichtung des Parks. Im Jahr 2003 folgte dann mit dem Déval’Train eine Familienachterbahn des niederländischen Herstellers Vekoma. Die Folgejahre sind geprägt von kleineren Neuheiten, ehe man dann mit dem Alpine Coaster 2007 neue Maßstäbe in den Besucherzahlen setzten konnte. 2011 präsentierte man mit dem Boomerang eine Neuentwicklung aus dem Hause Vekoma, die den Parc des Combes auch überregional bekannt machte. 2013 folgte mit dem interaktiven Überschlagsfahrgeschäft L’Escadrille ebenfalls eine Neuentwicklung aus dem Hause Technical Park. Das muss den Franzosen gefallen haben, andernfalls ist der Folgeschritt für einen Park dieser Größe kaum zu erklären, denn 2017 zog mit Canad’R ein Flying Fury in den Park ein. Wohlgemerkt eine von insgesamt nur zwei Anlagen. Vraiment magnifique!

Bevor wir uns nun daran wagen den Berg hinauf zum Selbststeuerpropeller zu besteigen, heißt es erst einmal uns mit dem Pass Partout auszustatten, dem all-you-can-ride Whistband des Parks ganz ähnlich denen eines Tivolis. Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit Einzeltickets zu kaufen, was sich jedoch wirklich nur lohnt, wenn man für bis zu vier Fahrten in den Parc des Combes gekommen ist und einem der Train Touristique nicht interessiert. Natürlich kann man für die Zugfahrt ebenfalls ein Sonderticket kaufen, wenn einem der Freizeitpark nicht anspricht. Der eigentliche Eintritt ist frei.

Alpine Coaster

Vorbei am Bahnhof des Combes, welches die Parkgastronomie beinhaltet und einer Vielzahl kleinerer Kinderfahrgeschäfte bahnen wir uns unseren Weg zu den beiden Rodelbahnen. Wir reihen uns in die linke Warteschlange ein und sitzen sogleich als erster Fahrgast des Tages im Alpine Coaster.

Während der Auffahrt haben wir einen hervorragenden Blick auf die noch anstehenden Attraktionen, allen voran dem Canad’R. Oben angekommen nehmen wir in mehreren kleinen Zickzackkurven stetig an Geschwindigkeit zu. In den nachfolgenden Serpentinenkurven überqueren wir mehrere kleinere Wellen, die uns etwas aus dem Sitz heben lassen. Kurz darauf rasen wir einer Helix entgegen. Mit nun ausgeprägter Geschwindigkeit brettern wir durch eine langgezogene Linkskurve und alsbald über einen wunderschönen Jump. Leider endet die kurze und vergnügliche Fahrt nach einer weiteren Rechtskurve.

Luge d’été

Bevor wir jedoch gleich wieder in den Alpine Coaster steigen, widmen wir uns dem Luge d’été. Parallel zur eben getesteten Anlage erklimmen wir den Lifthügel, biegen dann aber auf einer etwas niedrigeren Höhe bereits rechts ab. Nach einer weiteren Rechtskurve nehmen wir über ein größeres Gefälle schnell an Geschwindigkeit zu. Recht rasant folgen nun eine Linkskurve, sowie eine kleine Zickzackpassage, ehe wir uns mit ausgeprägter Querneigung in einer Rechtskurve sehen. Nun schließen sich im schnellen Wechsel mehrere Links- und Rechtskurven an, die einen auch aus der Bahn werfen können. Nach einem Jump und einer weiteren Rechtskurve endet die Fahrt.

Es ist schwierig zu sagen, welche der beiden Anlagen nun die bessere ist. Mir persönlich haben beide sehr viel Spaß gemacht. Da keiner der französischen Besucher auch nur auf die Idee gekommen ist frühzeitig zu bremsen, konnte man beide Anlagen auch jeweils in voller Fahrt erleben. Generell schien jedoch die Luge d’été bei den Besuchern etwas beliebter zu sein.

Déval’Train

Über eine Treppe erreichen wir nun die Station der Achterbahn Déval’Train. Die Fahrt auf dem klassischen Rollerskaterlayout mit einer Länge von 207m überzeugt vor allem durch die Einbettung in die Umgebung und dem hohen Grad der Thematisierung. Selbstverständlich werden hier gleich mehrere Runden gedreht, so dass die Kleinen voll auf ihre Kosten kommen.

Boomerang

Etwas spannender bzw. rasanter geht es bei der Achterbahn Boomerang von statten. Jedoch auch erst ab 6 Personen, weswegen ich hier einige Zeit auf meine Fahrt warten durfte. Gerade in der Nebensaison sollte man nicht zu früh am Parc des Combes sein, denn es dauert schon einige Zeit bis eine ausreichende Zahl Fahrwilliger ihren Weg auf den Berg finden. Dafür aber hat man dann den Canad’R erst einmal für sich allein, sobald auch dieser öffnet. So oder so, irgendwann war es dann auch hier soweit und da nur wenige Personen nach der Fahrt ausstiegen, konnte man eine Runde nach der anderen drehen.

Die Fahrt selbst beginnt mit der Erklimmung des rückwärtigen Lifthügels. In der Ausgangsposition angekommen wird man kurz angehalten, während die Reibräder auseinander gedrückt werden. Nun ist die Bahn frei und man rast die eben erklommene Strecke geradewegs hinunter. Mit 60 km/h durchquert man die Station und schießt anschließend in eine aufwärtsführende Linkskurve. Nun geht es rasant durch ein Tal, ehe sich eine über Berg und Tal führende Aufwärtshelix anfügt. Auf dem nun folgenden wellenförmig ausgeführten Spike verliert der Zug seinen Schwung, woraufhin dieser die Richtung umkehrt und die Strecke folglich rückwärts passiert. Daraufhin kommt man in der Station wieder zum Stehen.

Family Boomerangs sind eine durchaus tolle Achterbahngattung. Umso schöner ist es, dass der Parc des Combes dieses mit dem englischen Freizeitpark Drayton Manor vor allen anderen erkannt hat. Zwar bietet das ursprüngliche Layout mit seinem wellenförmigen Verlauf kein ausgeprägtes Geschwindigkeitsprofil, doch dem Fahrspaß tut dieses keinen Abbruch. Umso schöner ist es, wenn man gleich mehrere Runden am Stück drehen kann.

L’Escadrille

Die nächste Attraktion auf unserer Bergbesteigung ist der Aerobat L’Escadrille. Nach dem Erfolg des Gerstlauer Sky Rollers und des Sky Flys aus demselben Hause hat der italienische Hersteller Technical Park seine eigene Interpretation eines interaktiven Überschlagkarussells auf die Beine gestellt. Soweit nichts ungewöhnliches, gehört es doch zum guten Ton erfolgreiche Konzepte anderer Hersteller zu übernehmen. Statt einer direkten Kopie setzte man jedoch auf eine verschärfte Weiterentwicklung des bekannten Paratrooper-Fahrgeschäfts.

Zwar wusste ich im Vorhinein, dass die Fahrt nicht wirklich berauschend ist, doch man soll immer aufgeschlossen gegenüber neuen Fahrgeschäften sein. Also erst einmal das Positive: Die Gondeln sind bequem und auch die Flügel liegen gut in der Hand. Nun jedoch das Negative: Ob man die Flügel nun bewegt oder nicht, ändert nichts am Fahrverlauf. So sind dauerhafte Überschläge von Beginn an ausgeschlossen und ob man will oder nicht, irgendwann geht es für jeden kopfüber durch die Grube. Hourra…

Generell ist das Konzept eines modifizierten Paratroopers nicht verkehrt. Doch die Fahrt auf dem Aerobat macht einfach keinen Spaß. Aus meiner Sicht ist die Anlage während der Fahrt einfach viel zu steil, um die Interaktivität der Anlage ausreizen zu können. Schade eigentlich, denn das Konzept an sich hat Potential.

Woodside 66

Tja, dann steigt man doch lieber in einen modifizierten Apollo 2000. Mit dem Woodside 66 steht seit diesem Jahr ein Sidecar von Technical Park im Park. Der Ausschwung des interaktiven Druckluftfahrgeschäfts kann über den Gasdrehgriff am Motorrad gesteuert werden, zumindest solange bis irgendwann die Luft aus ist. Doch nach einigen Runden am Boden, kann die wilde oder auch nicht so wilde Schaukelei wieder von vorne beginnen. Ein wirklich tolles Fahrgeschäft, was in der Freizeitparkbranche schnell an Anklang gefunden hat.

Etwas was dem letzten Fahrgeschäft auf unserer Erkundungstour durch den Parc des Combes leider nicht zugute wurde. Obwohl unter Fans wirklich sehr beliebt, fristet der Flying Fury ein Schattendasein unter den Propellern; sehr wahrscheinlich bedingt durch seine etwas niedrige Kapazität und der technisch höheren Komplexität. Doch all dieses hat den Parc des Combes nicht abgehalten die Anlage auf einen Berg zu stellen, wo sie jedermann bereits von weiten aus sehen kann. Ihr glaubt nicht, wie hoch die gerade einmal 37m hohe Anlage wirken kann, wenn man während der Fahrt einen Berg herabsieht.

Canad’R

Auf Grund des interaktiven Charakters der Fahrt auf Canad’R ist es schwierig die Fahrt im Detail wiederzugeben. Sie gestaltet sich aber in etwa so: „So, Ich habe nun den Joystick in der Hand, wie geht es nun vorwärts? Okay, jetzt drehe ich mich schonmal im Kreis. Was passiert, wenn ich diesen Regler zur Seite schiebe? Aha, nun überschlage ich mich seitlich. Dann ziehe ich den Joystick nun noch zu mir heran, aha der Propeller bewegt sich nun im Uhrzeigersinn. Dann kann es ja losgehen.“. Nach dieser kurzen Eingewöhnungsphase geht es dann je nach Bedarf ganz ordentlich zur Sache. Freunde sehr starker Beschleunigungen können auch noch eine Turbophase einläuten, in der das Flugzeug kurzzeitig in eine Automatik übergeht, dabei das Flugzeug geraderichtet und nun rundenweise mit 5G beschleunigt. Je nachdem in welche Richtung man dabei den Stick hält passiert dieses entweder vorwärts oder rückwärts verlaufend. Man muss schon ganz schön aufpassen, dass man sich selbst nicht einen Grey Out oder gar Black Out aussetzt, abgesehen davon macht die Fahrt einiges her.

So sehr sogar, dass ich gleich mehrere Runden am Stück die wildesten Fahrmanöver ausprobiert habe. Teilweise kann man während der Fahrt ganz schön die Orientierung verlieren, doch egal ob Kopfüber und dabei seitlich drehend durch den Stationsbereich oder Runden mit dauerhaften seitlichen Überschlägen, die extremste Fahrt hatte ich erst, als die Anlage kurz nach dem Start einen Fehler hatte und anschließend auf Nullposition gefahren ist. Interessanter Weise fuhr der Ausleger dann im Schneckentempo und gegen den Uhrzeigersinn eine komplette Runde, ehe die Einstiegsposition erreicht wurde. Anfangs doch noch sehr entspannend, wurde es spätestens mit der Hangtimepartie und dem sagenhaften Ausblick in über 30m Höhe ganz schön beängstigend. Italienischer Technik kann man zum Glück vertrauen, dennoch war die Anlage nach der Fahrt erst einmal für einige Zeit geschlossen.

Später konnte ich dann noch weitere Runden auf Canad’R drehen, doch nach meiner sechsten Fahrt legte ich die Anlage erst einmal lahm. Kurz nach Beginn der Fahrt passierte dann gar nichts mehr und ich konnte – immerhin halbwegs bequem – gute 15 Minuten darauf warten, aus der Anlage befreit zu werden. Zum späten Nachmittag fuhr die Anlage zwar wieder, aber dann musste ich auch schon wieder in Richtung meines nächsten Ziels aufbrechen.

Bilder Parc des Combes

Fazit Parc des Combes

Der Parc des Combes ist ein sehr sympathischer kleiner Freizeitpark mit einem recht interessanten Portfolio. Kaum ein anderer Park dieser Größenordnung bietet so viele – für das Land – einzigartige Fahrgeschäfte. Wenn sich der Park weiterhin in diese Richtung entwickelt, muss man ständig nach Le Creusot fahren, schon heute ist der Parc des Combes ein Must-Do für jeden Liebhaber richtig guter Fahrgeschäfte. Darüber hinaus lässt sich der Freizeitpark hervorragend mit Le Pal verbinden, einen Park, den man so oder so erleben muss. Wer dann auch noch ein Freund von Schmalspurbahnen ist, wird hier definitiv seine Freude haben.


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