Volldampf voraus auf Hals-über-Kopf

Die Neuheiten im Erlebnispark Tripsdrill

Der Erlebnispark Tripsdrill hat mal wieder etwas Neues gebaut und präsentierte dieses halbfertig – und somit gar nicht mit Liebe gemacht – seinem Publikum. In der deutschen Freizeitparkszene kennen wir ein solches Verhalten eigentlich nur aus dem Hansa Park, aber da muss ja auch jedes Mal ein großer Turm irgendwie verkleidet werden. Ehrlich gesagt, erschloss es mir nicht unbedingt, warum man gerade während der Covid-19 Pandemie seine beiden Achterbahnen Volldampf und Hals-über-Kopf eröffnen musste; immerhin hätte man das Ganze umso größer vermarkten können, wenn die Pandemie sich ihrem Ende zuneigt.

Volldampf

Nun gut, jetzt sind die beiden Achterbahnen halt da und können getestet werden. Die kleinere der beiden Vekoma-Anlagen ist der Family Boomerang Volldampf, welcher schon jetzt sehr stimmungsvoll daherkommt. Zugegebenermaßen ist die Anlage im Grunde auch schon fertig; das Einzige, was fehlt ist die Dekoration am Umkehrpunkt der Anlage.  Neben der schönen Station, dem putzigen und makabren Zugdesign macht der Besucher von Außerhalb vor allem die Bekanntschaft mit schwäbischem Volksgut und ehe es zur Fahrt kommt, singt man auch schon fleißig Trulla-trulla-trullala des Lieds Auf de schwäbsche Eisebahne mit, nachdem die Achterbahn gestaltet wurde.

Die Fahrt beginnt mit der rückwärtigen Steigung des Reibradlifts. Auf der Aufgangshöhe angekommen wird man zunächst in Position gehalten, während die Reibräder auseinander gedrückt werden und somit den Weg freigeben. Sogleich lösen sich die Bremsen und die Abfahrt beginnt. Mit Schwung fahren wir nun durch die Station und über einen kleinen Hügel nach rechts. Hierbei weichen wir auch der bedrohlich nahen Schiene von Hals-über-Kopf aus. Bodennah flitzen wir nun durch eine weite Linkskurve, ehe wir auf einem Hügel einen Weg queren. Nun bahnen wir uns unseren Weg quer durch den Innenbereich des Suspended Thrill Coasters. Nach einem leichten Schlenker nach rechts folgt sogleich ein Schlenker nach links. Mit Schwung geht es dann noch durch eine Rechtskurve, woraufhin wir in das Stationsgebäude von Hals-über-Kopf einfahren und oberhalb des Bahnhofs unsere Richtung ändern. Etwas gemächlicher als zuvor geht es nun rückwärts durch die bereits absolvierte Strecke.

Volldampf macht Spaß! Die Fahrt quer durch die große Schwesteranlage überzeugt durch ihre bodennahen Kurven, den stetigen Richtungswechseln und der wechselseitigen Interaktion. Durch die langgestreckte Fahrstrecke wird den Passagieren zudem einiges geboten.

Hals-über-Kopf

Weniger geboten – zumindest gestaltungstechnisch – wird den Parkgästen derweil am Suspended Thrill Coaster Hals-über-Kopf. Hierbei handelt es sich um eine Iteration des überaus häufig anzutreffenden Suspended Looping Coasters. Das Schienenprofil hingegen basiert auf dem der neuen Looping-Achterbahnen des Herstellers.

Die Fahrt auf Hals-über-Kopf beginnt sogleich mit einer kurzen Rechtskurve, die uns alsbald in den Lift der Anlage führt. Auf einer Höhe von 30m angekommen stürzen wir uns sogleich recht geradlinig zu Boden. Knapp oberhalb der Achterbahn Volldampf knicken wir dann nach rechts ab. Mit Schwung geht es nun durch das erste Tal und sogleich in die erste Inversion hinein. Dabei überqueren wir das Stationsgebäude der Familienachterbahn in einer langgezogenen Zero-G Roll. Kurz darauf wenden wir in einem Immelmann Jr. die Fahrtrichtung. Weit oberhalb eines Gehweges flitzen wir nun über einen Airtimehügel. Nach einem kurzen Knick nach Links stürzen wir uns ein weiteres Mal zu Boden und wenden uns sogleich nach rechts und Schwups sehen wir die Welt ein zweites Mal kopfüber. Sogleich stürzen wir uns in eine bodennahe und druckreiche 270° Helix, ehe wir auf einem kleinen Hügel ein wenig abheben. Es folgt eine weitere stark geneigte Wendekurve. Überaus bodennah folgt nun ein kurzer Knick nach rechts, ehe wir in eine Senke nach links einfahren. Hieran schließt sich dann die letzte und finale Inversion der Fahrt an. Kurz darauf schießen wir auch schon die Schlussbremse.

Hals-über-Kopf ist eine überaus solide Familienachterbahn mit einem schönen Streckenverlauf und tollen Pacing. Die Fahrt ist nur wenig belastend, wodurch jedes Familienmitglied voll auf seine Kosten kommen dürfte. Für uns Achterbahnfans steht nun im Erlebnispark Tripsdrill eine überaus aufregende Achterbahn, die man getrost gleich mehrere Stunden am Stück fahren könnte und das ist per se eine überaus schöne Sache.

Bilder Erlebnispark Tripsdrill

Fazit Erlebnispark Tripsdrill

Beim neuen Achterbahn-Duo hat der Erlebnispark Tripsdrill einiges richtig gemacht. Die neuen Bahnen werten den vorderen Parkbereich auf und sorgen allein durch ihre Lage für eine insgesamt bessere Verteilung der Besucher im Park, die sich ansonsten zumeist im hinteren Parkteil tummeln würden. Nun gibt es in jedem Bereich des Parks etwas für die ganze Familie und das ist für einen Familienfreizeitpark wie dem Erlebnispark Tripsdrill eine durchaus schöne Entwicklung.

 

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Auf Dinosaurierjagd in der Peppa Pig World

Geschichte des Paultons Park

Der überregional als Peppa Pig World bekannte Tier- und Freizeitpark Paultons Park befindet sich auf dem Land der ehemaligen Paulton’s Estate bei Southampton. Im Jahr 1979 kaufte die Familie Mancey das Gelände, befreite es von Gestrüpp und Unrat und errichtete die heutigen Gärten, samt kleinen Vogelpark und Abenteuerspielplatz. Im Jahr 1983 eröffnete der Park als Paultons Park and Bird Gardens zum ersten Mal seine Pforten den Besuchern.

Drei Jahre später zogen die ersten Fahrgeschäfte in den Park. Im Jahr 1993 gesellte sich dann die erste Achterbahn hinzu. Seit dem Millennium wächst der Park beständig. Doch seine wichtigste Investition erfolgte im Jahr 2011 mit der Eröffnung des ersten Peppa Pig Landes, der Peppa Pig World. Innerhalb eines Jahres konnte Paultons Park seine Besucherzahlen verdoppeln. Ein Erfolg sondergleichen, der eine ganze Reihe anderer Kleinkinderthemenbereiche in diversen Freizeitparks innerhalb und außerhalb des Vereinigten Königreichs mit sich zog. Ob eine solche Markenbindung außerhalb Großbritanniens jedoch überhaupt funktioniert, sei dahingestellt.

Parkrundgang

Betritt man den Park findet man sich sogleich in den wunderschönen Gärten des Parks wieder. Von hier aus kann man entweder nach rechts direkt in die Peppa Pig World gehen oder nach links in den Themenbereich Lost Kingdom. Im Grunde also eine Entscheidung gegen oder mit dem Besucherstrom. Als Achterbahnfan ist die Wahl hingegen noch einfacher, aus erzählerischen Gründen hingegen fange ich mit dem Besucherbooster an.

Peppa Pig World

Vorbei an einem 3D Kino, in der der Film Sammys großes Abenteuer gezeigt wurde, sowie einer im Eintrittspreis inkludierten Adventure Golf Anlage, der Parkeisenbahn, einer Schlauchbootrutsche, einer wunderschön ausgelegten Traktorfahrt und einem Karussell, geht es in Richtung des Themenbereichs Peppa Pig World. Hier befinden sich einige Fahrgeschäfte aus dem Hause Metallbau Emmeln und Zamperla, darunter eine elektrische Pferdereitbahn im Spielzeugdino-Design, ein Entenkarussell im Bötchendesign und ein Flying Wheel (eine Art Teetassen-Riesenrad). Komplementiert wird das ganze durch aus der Serie bekannte Figuren, passende Spielplätze und das Haus der Familie Wutz. Im Jahr 2018 wird der Themenbereich zudem durch eine Rundboot- und eine Aussichtsfahrt erweitert.

Mehr gibt es dort eigentlich nicht zu erzählen. Während der restliche Park teilweise verwaist war, war hier sehr viel Betrieb. Das alles spricht für die seit 2004 produzierte Serie, die seit dem Jahr 2005 auch bei uns im KiKa ausgestrahlt wird. Ich selber halte solche Brandings für bedenklich, denn sie beeinflussen Kleinkinder im großen Maße. Leider muss man hier sagen, dass die Zeit allgemein gestalteter Kleinkinderbereiche (z.B. ein Bauernhofbereich) vorbei zu sein scheint.

Cat-o-pillar

Interessanter Weise bietet der Paultons Park selbst die Ausnahme zur eben erstellten Regel und lockert sein Angebot in dieser Richtung gehörig auf. Denn statt nur aus Peppa Wutz zu setzen, macht er im Themenbereich Critter Creek sein eigenes Ding. Neben der Achterbahn Cat-o-pillar, einem Zierer Tivoli in der mittelgroßen Ausführung, überzeugt der Themenbereich vor allem durch seine abgedrehte Gestaltung und der Einbindung eines Insekten- und Amphibienhauses.

Little Afrika

Entlang des Flusses erstrecken sich zudem einige Tiergehege, die im Jahr 2018 durch den Themenbereich Little Afrika erweitert wurden. Ebenfalls besteht hier ein großes Pinguingehege, in dem mehrmals täglich Showfütterungen stattfinden.  Direkt angrenzend befinden sich mehrere kleinere Fahrgeschäfte, darunter eine Schiffschaukel, eine Teetassenbahn, ein Kontiki, sowie gleich zwei unterschiedlich hohe Familienfreifalltürme, die direkt nebeneinander platziert wurden.

Lost Kingdom

Auf der anderen Seite der Gärten befindet sich der Themenbereich Lost Kingdom, der durch geschickte Erweiterungen des Portfolios und der Einbindung einst nur lose thematisierter Fahrgeschäfte ein ganz besonderes Flair erschaffen hat. Hier zeigt sich, wie man mit gut überlegten Maßnahmen einen rundum stimmigen Themenbereich entstehen lassen kann.

Flight of the Pterosaur

Um uns einen besseren Überblick über den Bereich zu verschaffen steigen wir sogleich in die Achterbahn Flight of the Pterosaur. Nach einer kurzen Kurve aus der Station heraus erklimmen wir den 20m hohen Lifthügel. Oben angekommen stürzen wir sogleich in einer weiten Linkskurve in Richtung Boden. Weit oberhalb des angrenzenden Demolition Derbys steigen wir in gleicher Weise wieder hinauf. Eine geradlinige Kuppe schließt sich an. Mit Schwung geht es nun durch eine kurze Senke, woraufhin sich ein Labyrinth aus engen Helices anfügt. Im Wechsel flitzen wir nun durch rechts- und linksführende Helices, passieren während dessen eine Höhle und werden dabei kontinuierlich immer schneller, ehe wir mit Höchstgeschwindigkeit in die Station schießen. Dort werden wir dann sanft abgebremst und kommen anschließend zum Halt.

Flight of the Pterosaur ist eine spitzenmäßige Anlage. Das Layout macht Spaß und kann gerade die jungen Parkgäste voll zufrieden stellen. Als erste große Achterbahn kann ich mir zumindest kaum eine bessere Anlage vorstellen, obgleich Paultons Park ja noch zwei ähnliche Kaliber aufbieten kann. Das Pacing und die Fahreigenschaften überzeugen auf diesem modernen Familienachterbahnklassiker ungemein.

Velociraptor

Direkt nebenan befindet sich die kleine Shuttle-Achterbahn Velociraptor. Als erste Rebound-Variante des Family Boomerang der Firma Vekoma besticht die Anlage vor allem durch ihre bodennahen Kurven und dem kleinen Hügel über der Station. Das Layout selbst gleicht dabei einer Acht, wobei die beiden Enden über die Schlaufen verlaufen.

Nachdem man rückwärts den Lifthügel hinaufgefahren wurde, geht es sogleich rasant hinab und dann mit Vollgas durch die Station hindurch. Es folgt eine bodennahe Linkskurve, sowie der bereits genannte Hügel über die Station, auf dem leichte Airtime einsetzt. Nach einer Rechtskurve unter den Lifthügel hindurch folgt ein Hügel über die erste Kurve, der mittendrin einen kleinen Buckel aufweisen kann. Hier kommt man dann zum Stillstand, woraufhin sich die Rückwärtsfahrt anbahnt. Etwas gemächlicher als zuvor bahnt man sich nun den Weg zurück zur Station.

Im Vergleich zum Standardmodell besticht diese Anlage vor allem durch ihr ausgeprägtes Geschwindigkeitsprofil. Die bodennahen Kurven überzeugen auf ganzer Linie und auch der Hügel inmitten der Fahrstrecke weiß auf der Vorwärtsfahrt durchaus zu gefallen. Dank generell geringeren Besucheranspruchs kann man auf der Anlage wunderbar sitzenbleiben und somit eine Fahrt nach der anderen wagen. Für den Coasterfan also eine optimale Achterbahn, die wirklich sehr viel Spaß macht, wahrscheinlich jedoch durch ihre Rückwärtsfahrt viele Kinder von der Fahrt abhält.

Temple Heights, The Dinosaur Tour Co. und Dino Chase

Anders sieht es bei den restlichen Anlagen in diesem Bereich aus. Der kleine fliegende Teppich Temple Heights und die Jeep Safari The Dinosaur Tour Co. wissen dabei genauso gut zu gefallen, wie die Kinderachterbahn Dino Chase, einem Zierer Tivoli in der kleinsten Bauart mit überaus putzigen Zug-Design und einer rundum gelungenen Gestaltung.

Magma

Vorbei an einem Drachenkarussell des Hersteller Zierer, der hier sowohl eine Vorwärts- wie auch eine Rückwärtsfahrt bot und einer Gokart-Bahn geht es nun in Richtung der letzten Achterbahn des Parks. Vorher jedoch stellen wir uns beim interessanten Freifallturm Magma an und genießen erst einmal die aufwendig gestaltete Warteschlange, ehe wir auf dem SBF Visa Turm recht belanglos immer wieder auf und ab fahren. Würde der Park eine andere Hardware bieten, so wäre der Turm wahrscheinlich gut.

Cobra

Angekommen an der Cobra heißt es erst einmal den erdrückenden und überaus sterilen Wartebereich hinter sich zu lassen. Ist auch dies geschafft, gilt es sich in die bekannten Gerstlauer-Schlitten zu setzen, woraufhin die Fahrt auch schon losgehen kann. Nachdem einem der Lifthügel recht zügig auf die Ausgangshöhe von 16,5 m gebracht hat, stürzt sich der Wagen sogleich in einer sehr steilen Rechtskurve hinab, woraufhin im selben Drehsinn eine Aufwärtshelix absolviert wird. Nach einem kurzen Blockbereich schließen sich gleich vier Haarnadelkurven in bester Wilden-Maus-Manier an. In einer rasanten Kombination zweier Helices geht es nun überaus flott hinab und anschließend wieder einige Meter hinauf. Über mehrere Camelbacks bahnt man sich nun seinen Weg auf die andere Seite der Anlage, doch ein großzügiges Abheben bleibt leider aus. Nach einer weiteren Abwärtshelix wird dann auch bereits die Bremsstrecke der Anlage erreicht.

Cobra ist eine gute Achterbahn, die jedoch ihren Schwesteranlagen ein wenig hinterherhinkt. Mir kommt die Anlage zumindest insgesamt ein wenig kraftloser vor, was sich vor allem an den überaus laschen Camelbacks zeigte. Das Layout selbst unterscheidet sich bis auf dem verkürzten Ende nur wenig von der G’sengten Sau aus dem Erlebnispark Tripsdrill oder der grandiosen Achterbahn Thor’s Hammer aus dem dänischen Freizeitpark Djurs Sommerland und doch fällt der Funke während der Fahrt einfach nicht über. Vielleicht fehlt der Anlage auch einfach nur eine ansprechende Gestaltung, so richtig erklären konnte ich es mir nicht. Richtig Lust mich öfters an der Anlage anzustellen hatte ich dementsprechend auch nicht.

The Edge

Direkt hinter der Achterbahn Cobra erstreckt sich der Disk’o Coaster The Edge, der eine grundsolide Fahrt bot. Durch die gelungene Thematisierung des nahen Themenbereichs Lost Kingdom jedoch wirkt die Anlage, wie auch die Schlittenachterbahn Cobra, mittlerweile einfach nur noch lieblos dahingeklatscht. Ganz ähnlich wirkt der Bereich rund um die Reverchon Wildwasserbahn des Parks. Hier besteht derzeit Handlungsbedarf; doch auch hier ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Park einen weiteren tollen Themenbereich ins Leben ruft. Zumindest ist es nicht unwahrscheinlich.

Bilder Paultons Park

Fazit Paultons Park

Der Paultons Park ist ein überaus sympathischer Vergnügungspark, der sich nicht zu Unrecht als UK’s number one family park bezeichnet. Der Park bietet eine große Anzahl an Familienfahrgeschäften, darunter gleich fünf Familienachterbahnen, sowie zahlreiche Spielplätze. Darüber hinaus bietet er eine wirklich schöne Gartenlandschaft, sowie zahlreiche Tiergehege und ein im Eintrittspreis inkludierten Minigolfplatz. Wäre hier noch ein Wasserpark vorhanden, so könnte man denken man befände sich in einem skandinavischen Sommerland. Das ist durchaus ansprechend, würde der gemeine Besucher nicht nur wegen Peppa Wutz kommen. Der Park bietet mehr und könnte nun noch einmal eine Schippe drauflegen. In dieser Hinsicht darf man gespannt auf die Zukunft schauen.

 

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Mit Karacho auf Karacho

Vorwort

Der Erlebnispark Tripsdrill ist kein guter Freizeitpark. Obwohl meine Berichte stets eine sehr differenzierte und wohl überlegte Meinung wiedergeben, so macht es ausgerechnet hier Sinn ausnahmsweise einmal ein Urteil vorwegzunehmen und mit offenen Karten zu spielen. Ich mag diesen Park nicht, ich werde ihn wohl auch nie mögen. Der Umstand, dass ich den Park einen zweiten Besuch nach dem Jahr 2009 abstattete lag nur an der relativ neuen Katapultstartachterbahn Karacho und selbst für diese würde ich nie wieder in den Park fahren wollen, dazu aber später mehr. Generell ist der Erlebnispark Tripsdrill überteuert, hat eine minderwertige Gastronomie und verlangt zudem an jeder Ecke einen kleinen Obolus um das volle Angebot nutzen zu können. Das zum Park gehörige Wildparadies ist wie auch das Parken im Eintrittspreis inkludiert, wird aber wahrscheinlich von den wenigsten Besuchern tatsächlich aufgesucht; immerhin ist die einzige sinnvolle Verbindung dahin das eigene Auto.

Geschichte des Freizeitparks

Angefangen hat alles im Jahr 1929 mit der Errichtung der Altweibermühle zu Tripsdrill. Eugen Fischer, Betreiber einer Gastwirtschaft im Ort Treffentrill nahm sich der Idee an die Weibermühle von Tripsdrill aus dem Singspiel von Georg Anton Bredelin in die Tat umzusetzen, nachdem einige Wanderer der Region explizit nach besagter Mühle gefragt haben. Die angeblich verjüngende Kur der wilden Rutschpartie war schon alsbald in aller Munde und so entwickelte sich Tripsdrill beständig zu einem beliebten Ausflugsziel der Region. 1957 folgte dann der erste Tierpark in unmittelbarer Nähe zur Mühle und ab den 60er Jahren dann die ersten Fahrgeschäfte.

Parkrundgang

Der vordere Parkteil

Betritt man den Park findet man sich sogleich auf der nett gestalteten Dorfstraße wieder, wo sich neben dem Gaudi-Viertel, einem überdachten Kinderspielplatz mit Kinderfreifall, die gemütliche Aussichtsfahrt Maibaum befindet. Ebenfalls kann man hier die Tickets für die Überfahrt zum Wildparadies lösen.

Daran anschließend folgt das Mühlental mit der bekannten Altweibermühle. Damit die Männer der Verjüngungskur der Frauen nicht tatenlos beistehen gibt es in diesem Bereich auch die Altmännermühle, einem mechanischen Freiluft-Hindernisparcours älteren Baujahrs. Der Doppelte Donnerbalken, eine mehr als bescheidene Vertikalfahrt mit seltsamen Neigungseffekt, die gemütliche Bootsfahrt Spirtztour für Seefahrer, die Kinderwildwasserbahn Mühlbach-Fahrt, sowie das originelle Seifenkistenrennen runden diesen Bereich ab.

Freunde überlanger gemächlicher Fahrten werden auf dem Hochzeitsmarkt fündig. Hier stehen mit der Oldtimer- und Pferdekutschenbahn Hochzeitsreise, sowie dem Schmetterlingsflug und der Wiegen-Hochbahn gleich drei solcher Anlagen. Da die Ehen heutzutage aber eher von kürzerer Dauer sind empfiehlt sich eine Reise auf der Weinkübelfahrt, ehe man sich, auf ähnlicher Art und Weise, auf der Suppenschüsselfahrt durch die einzelnen Suppen probiert. Mit der Kaffeetassenfahrt könnte sich der Drehwurm fortsetzen, doch betreibt der Park sämtliche Rundfahrten leider eher auf Sparflamme, so dass auch der Prototyp dieses gerngesehenen Klassikers nicht überzeugen kann. Schlimm wird dieses aber tatsächlich erst bei der Gugelhupf-Gaudi-Tour, der ersten und einzigen modernen Waltzerfahrt aus Münsterhausen, die mit ihrem Vorbild bei besten Willen nichts mehr gemein hat. Die drei weiteren Fahrgeschäfte Wäschekorb-Rundflug, Schlappen-Tour und der Wellenflieger Wirbelpilz sind, außerhalb ihrer Gestaltung, dementsprechend keiner Rede wert. Immerhin schafft es die große Tivoli-Achterbahn Rasender Tausendfüßler des Herstellers Zierer nach wie vor die Fahrgäste gut zu unterhalten.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt des Berichts wurden die vorderen Themenbereiche des Freizeitparks behandelt, denn diese stellen mehr oder weniger eine Einheit dar und sind mit dem hinteren Bereich nur durch einen recht schmalen Weg an der äußeren Parkgrenze entlang vorbei verbunden. Eine direkte Anbindung zu der recht dominanten Achterbahn Karacho gibt es also nicht, so dass man sich ohne Ortskenntnis gnadenlos verläuft.  Die Peeps des berühmt-berüchtigten Computerspiels Roller Coaster Tycoon hätten sich in dem Falle schon längst lautstark beschwert Attraktion XY nicht zu finden, zumal die Beschilderung nicht optimal ist. Tatsächlich kenne ich kaum einen anderen Freizeitpark in Europa der so miserabel aufgebaut ist wie Tripsdrill, dabei kann es doch gar nicht so schwer sein eine Über- oder Unterführung zu errichten und einen zweiten Zugangsweg zu schaffen, was auch der allgemeinen Gästeverteilung zu Gute kommen dürfte.

Waschzuber-Rafting

Sollte man es dann doch irgendwann in den hinteren Bereich geschafft haben, so trifft man sogleich auf die erste Großattraktion des Parks dem Waschzuber-Rafting. Diese schicke Hafema Anlage widmet sich ganz dem Thema des Wäschemachens und weißt einige interessante Exponate in seiner, an ein Museum erinnernde, Warteschlange auf. Die Fahrt durch die kurvenreiche Strecke ist dabei nicht sonderlich nass, noch schnell, aber nett und wirklich schön in die Landschaft eingebettet.

Badewannen-Fahrt zum Jungbrunnen

Hinter dem Rundbootrafting zieht die Fassade der Burg Rauhe Klinge alle Blicke auf sich, immerhin beherbergt dieser einseitig wunderschön gestaltete Betonklotz gleich zwei größere Anlagen, welche sich äußerst gut ergänzen. Recht ungewöhnlich zeigt sich dabei die Wildwasserbahn Badewannen-Fahrt zum Jungbrunnen, deren Name bereits alles aussagt und den einen oder anderen, sagen wir mal eher prüden, Mitfahrer doch ein wenig überrascht.

Nachdem man die, wieder einmal museale, Warteschlange hinter sich gelassen hat und in seine Wanne gestiegen ist kann die Fahrt auch sogleich losgehen. Sobald das Boot nun frei im Kanal schwimmt dümpelt man ein wenig der Burg Rauhe Klinge entgegen. Parallel zum Gemäuer führt der erste Lift das Boot kurz empor ehe es die erste, noch kleine Schussfahrt hinabgeht. In einer Rechtskurve führt einem der Kanal nun in das Gemäuer hinein, woraufhin man auch gleich den Jungbrunnen gefunden hat und tatsächlich scheinen sich die alten Weiber in junge, knackige und durchaus gut gebaute Frauen zu verjüngen. Doch der Anblick ist nur kurz und so führt einem der zweite Lift zügig hinauf. Hier wartet dann auch der erste Drehteller, woraufhin man die zweite, mittelgroße Abfahrt rückwärts tätigt. Auf der Rückseite der Burg vollführt man nun eine Wendekurve inkl. dem zweiten Drehteller. Daraufhin führt einem ein weiterer Lifthügel ein letztes Mal empor. Oben angekommen kann man einen letzten Blick auf die umgebende Landschaft werfen bevor es in einer Linkskurve in das obere Stockwerk der Burg geht. Nach einer kürzeren Geraden erfolgt die große und finale Schussfahrt der Anlage, woraufhin der Kontakt mit dem nassen Element unausweichlich ist. Gischt erfrischt weswegen man nach der Rückführung zur Station höchst erfreut aus der Wanne heraussteigt.

G’sengte Sau

Die zweite Anlage der Burg Rauhe Klinge ist die 1998 erbaute Schlittenachterbahn G’sengte Sau des Münsterhausener Herstellers Gerstlauer und ihres Zeichens erste neue Achterbahn aus den ehemaligen Werken der legendäre Achterbahnschmiede Schwarzkopf. Nach dem zügigen Lifthügel beginnt die Fahrt mit einer sehr steilen rechtsführenden Abwärtskurve, woraufhin im selben Drehsinn eine Auswärtshelix absolviert wird. Hierauf schließen sich vier kraftvolle, aneinanderfügende Serpentinen an, welche sich wunderbar dafür eignen etwas Druck auf seinem Sitznachbarn auszuüben, bevor es dann, immer noch eingeleitet durch das „Wetten, Dass…?“-Schild der berühmten Wette des Extremsportlers Dirk Auer im Jahr 2001, in eine rasante Helix-kombination geht. Die anschließenden Camelbacks werden zügig durchfahren und können einen ein wenig aus dem Wagen heben, ehe es in eine letzte Helix-kombi geht. Hierauf wird sogleich die finale Bremsstrecke und kurz darauf die Station erreicht.

Die G’sengte Sau bietet allerlei Fahrspaß auf dem wilden Ritt durch die nackte Betonwelt der Burg Rauhe Klinge. Schön ist gewiss anders, das zeigt vor allem die baugleiche Anlage Thor’s Hammer aus dem dänischen Freizeitpark Djurs Sommerland, dafür ist die Anlage besonders durch das nie abgehängte Banner der beinahe schon vor Urzeiten, also vor zwei Jahren, abgesetzten Familiensendung „Wetten, Dass…?“ unheimlich kultig.

Mammut

Folgt man dem Rundweg wartet mit der Holzachterbahn Mammut die nächste Großanlage des Parks. Die 2008 eröffnete Achterbahn wurde von der Firma Holzbau Cordes berechnet und errichtet, die verwendeten Züge jedoch stammen von Gerstlauer. Die perfekt zusammengefügte Strecke und die Züge mit ihren gefederten Achsen sorgten gerade in den ersten Jahren für eine viel zu laufruhige Bahn, weswegen ein Holzachterbahn-Feeling weitestgehend ausblieb. Ein Umstand, der mich Mammut als eher schlechte Holzachterbahn abstempeln ließ, doch die Bahn ist gealtert und wie!

Die Fahrt beginnt mit einer kurzen Linkskurve aus der Station hinaus in ein, unpassend gestaltetes, Disco-Sägewerk. Ein kleiner Dip und schon klinkt der Zug in die Kette ein, woraufhin dieser auf eine Ausgangshöhe von 30m gebracht wird. Die erste Abfahrt gestaltet sich als stark abfallende Linkskurve bis hinab auf das Bodenniveau. Hier passiert man nun ein kraftvolles Tal ehe es sogleich eine hochgelegene Wendekurve mit einer ordentlichen Geschwindigkeit entlanggeht. Ein hoher Camelback schließt sich an, wo man auch etwas aus dem Sitz gehoben wird. Auch hierauf folgte eine Wendekurve, die jedoch in eine linksführende Steilkurve überleitet, woraufhin der Zug in einen kleinen Graben abtaucht. Ein deutlich geringer Camelback wiederholt nun das Spiel der Schwerelosigkeit der Passagiere, woraufhin man eine schnelle Bayernkurve vollzieht. Nun führt die Strecke durch das Gebälk des Lifthügels und an der Rückseite der Anlage entlang. Über eine kurze Zickzackstrecke erfolgt einiges an Shake & Roll, also Attribute einer wirklich tollen Holzachterbahn, ehe der Wagenverbund nach einer Linkskurve und kurzem Richtungswechsel in einen Tunnel eintaucht. Hier wiederholt sich der wunderbar dynamische Zickzackparcours erneut, woraufhin auch schon die Bremsstrecke erreicht wird.

Mammut macht Spaß! Tatsächlich sogar so sehr, dass man damit bei besten Willen nicht rechnet, wenn man zuvor nur den Zustand des Jahres 2009 kennengelernt hat. Sie ist die beste Achterbahn des Parks, weswegen es umso mehr eine Schande ist, dass man bei durchaus vorhandenen Andrang nur mit einem Zug fuhr.

Karacho

Kommen wir nun zur letzten und neuesten Achterbahn des Parks, der Abschussachterbahn Karacho. Die Erwartungen waren durchaus hoch, denn wenn der Hersteller Gerstlauer eines kann, dann sind es knackige Abschüsse und eine überaus spaßige Streckenführung und tatsächlich weißt auch Karacho beides auf. Doch überzeugen konnte die Anlage bereits nach dem Einstieg nicht mehr, denn die Züge sind wahrlich unbequem und das Bedienpersonal drückt die Bügel zusätzlich noch so weit herunter, auf das die Beine wahrlich zwischen Bügel und der Kante des Sitzes eingequetscht werden. Aua! Wie es anders geht zeigt Kärnan aus dem norddeutschen Freizeitpark Hansa Park, aber bis zu ihrer Auslieferung zwei Jahre später gab es sicherlich noch einige Änderungen an den Zügen.

Die Fahrt auf Karacho beginnt mit einer langsam befahrenen Rechtskurve aus der Station heraus. Nach einem kurzen und relativ steilen Dip wird auf einer Geraden eine Heartline-Roll eingeleitet. Dieses passiert meiner Meinung nach eher ungeschickt, da die Dynamik währenddessen zu fehlen scheint; ein Beispiel wie man es besser macht findet man im englischen Freizeitpark Thorpe Park auf Saw – The Ride, wo die Rolle nach einer kurzen Kurve passiert wird. Hierauf passiert man die erste Blockbremse und kurz darauf einen weiteren, meiner Meinung nach viel zu kleinen, Dip. Voll Karacho wird man nun auf eine Geschwindigkeit von 90 km/h beschleunigt, woraufhin man ein Top Hat Element emporschießt. Ohne Verschnaufpause stürzt sich der Wagenverbund dem Erdboden entgegen, passiert mit voller Wucht das anschließende Tal und schießt wagehalsig einen übergroßen Korkenzieher entgegen. Hier wird man mit Schwung ein zweites Mal kopfüber gestellt, ehe man sich der Zug erneut nach dem Boden sehnt. Sehr unruhig und schlagfertig führt einem der Wagen nun über einen stark zur Seite geneigten Hügel, just bevor man sich in einer Steilkurve zur Blockbremse hinaufschraubt. Hier wird man auf Schritttempo abgebremst, woraufhin der nachfolgende Teil auf Karacho sehr gemächlich durchfahren wird. Ein kurzes Gefälle schreitet dabei in einen kurzen und ereignislosen Camelback über, woraufhin man sich sehr lange in einer Rechtskurve aufhält. Doch dann nimmt der Wagen erneut Schwung und kehrt die Passagiere ein erneutes Mal kopfüber, während es in einem Diveloop hinabgeht. Ein weiterer Korkenzieher fügt sich an und leitet zugleich in die Bremsstrecke über, woraufhin auch alsbald die Station der Achterbahn Karacho erreicht wird.

Karacho ist nicht nur unbequem, es fehlt ihr auch der Biss. Die Fahrt wäre just ok, wenn man sie ohne Schmerzen fahren könnte, sprich mit den klassischen Achterbahnzügen des Herstellers, aber sie wäre eben auch nicht mehr. Gerade der Part mit dem Dive Loop wird ohne die irrsinnige Wucht früherer Anlagen absolviert und macht daher kaum etwas her; von dem absolut unsinnigen Fahrtteil davor ganz und gar abgesehen. Dem Zielpublikum wird die Karacho sicherlich gerecht.

Bilder Erlebnispark Tripsdrill

Fazit Erlebnispark Tripsdrill

Der Hansa-Park des Südens ist kein guter Park; er ist ein schöner Park, aber halt einfach kein guter.  Ich habe versucht die ganze Lobhudelei diverser Achterbahn- und Freizeitparksfans unterschiedlicher Foren zu verstehen und nachvollziehen, doch ich kann das einfach nicht. Denn Fakt ist nun mal auch, dass er selbst unter Schwaben (zumindest diejenige die ich während meiner Zeit in Stuttgart kennengelernt habe) eher als Kleinkinderpark gilt. Hier steht einfach nichts, was den hohen Eintrittspreis rechtfertigt. Mal sehen, ob die Neuheiten nach Karacho meine Meinung ändern können…

 

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