Eine Reise in die 80er Jahre

Branson, Missouri ist eine wirklich interessante Stadt. Das Vegas im Bible Belt fällt durch seine immense Anzahl an Touristenfallen, Country Theatern und Hotels einfach nur auf. Bibeltreue Christen kommen hier definitiv auf ihre Kosten und treiben es mit der großen Musicalshow im Sight & Sound Theatre auf die Spitze. Ja, das Publikum in Branson ist anders und das ist auch gut so, denn so ist die Touristenburg immerhin halbwegs verträglich. Ich zumindest freute mich auf zwei Tage im Freizeitpark Silver Dollar City.

Geschichte des Freizeitparks Silver Dollar City

Als im Jahr 1869 die Marvel Cave nach Bleierz erkundet wurde hatte man von dem Potential des Geländes natürlich noch wenig Ahnung; immerhin führte die erste Expedition zu keiner Erkenntnis. Da sich die Bergleute jedoch sicher waren, dass eine der Hallendecken Marmor enthielte, startete man im Jahr 1882 eine weitere Expedition. Zwar stieß man statt auf Marmor nur auf Kalkstein und einer riesigen Menge Guano (Fledermauskacke), doch nach viereinhalb Jahren war auch mit dem Abbau Schluss und das Gelände veräußert.

William Henry Lynch erwarb 1989 die Höhle und eine Quadratmeile des umliegenden Landes, um einige Jahre später Touristen durch die Höhle zu führen. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten ist die Höhle nun seit Anfang der 1900er Jahre ununterbrochen für Besucher zugänglich, wodurch sie zu den ältesten touristischen Zielen der Ozarks zählt. Nach dem Tod von William Lynch übernahmen die Töchter das Geschäft, ehe der Staubsaugervertreter Hugo Herschend die Höhle für 100 Jahre pachtete.

Nach seinem Tod übernahm seine Frau Mary und die beiden Söhne Jack und Peter das Geschäft. Nach dem Bau einer Standseilbahn am heutigen Höhlenaufgang fokussierte man sich vermehrt um das Gelände um die Höhle herum um mehr Touristen anzusprechen. Mit dem Nachbau eines typischen 1880s Ozark Village wurde dabei der Grundstein für den heutigen Freizeitpark Silver Dollar City und der Herschend Family Entertainment Gruppe errichtet.

Und genau dieses betritt man auch sogleich man die Parkplatz-Tram verlassen hat. Auf eine zutiefst immersive Art und Weise wird man sogleich in die 80er Jahre zurückbefördert, genauer gesagt 100 Jahre vor meinem Geburtsjahr. In diesem Bereich sind vor allem die Handwerker in den verschiedenen Manufakturen anzutreffen, egal ob Kerzen, Fudge, Marmelade oder sämtlich denkbaren Holz- und Glaswaren, alles ist gläsern und wird vor den Augen der schaulustigen Passanten hergestellt.

Parkrundgang durch Silver Dollar City

Time Traveler

Die erste Attraktion auf unserem Rundlauf nimmt uns dann ebenfalls auf eine Zeitreise mit, wenngleich auch eine etwas modernere Interpretation dessen. Der Steam Punk ist mit seinem Siegeszug bis nach Silver Dollar City gefahren und am Bord dessen die Firma Mack Rides. Der Achterbahnhersteller aus dem Schwarzwald überrascht mit seiner bislang innovativsten Achterbahn, dem Time Traveler. Dabei ist das Konzept einer Drehgondelachterbahn keineswegs neu – doch die Ausführung ist es definitiv.

Nachdem man im Zug mit seinen vier Gondeln Platz genommen hat, kann die Fahrt auch gleich beginnen. Langsam wird man aus der Station befördert, ehe man sogleich in einen 90° Sturz einfährt. Die bislang nur vor- und rückwärts gerichteten Passagiere werden zuvor noch durch eine einseitig angebrachte Wirbelstrombremse in Rotation versetzt, wodurch jetzt schon keine Fahrt der anderen gleicht. 27m weiter unten geht es nun beschwingt durch ein Tal, ehe wir einem Dive Loop emporklettern und die Welt in sämtlichen denkbaren Lagen überkopf sehen. Mit Schwung folgen wir nun in leichten Schwenkern dem Gelände an der Achterbahn Thunderation entlang. Eine Wendekurve führt uns dann in die erste Blockbremse der Anlage, wo wir auch zum Stehen kommen und sich die Drehung bis auf ein Minimum verlangsamt.

Es dauert nicht allzu lang und unser Zug wird auf der nun folgenden Abschussstrecke beschleunigt, wobei die Drehung leider ruckartig einsetzt. Über eine hochgeständerte Wende geht es nun rasant in einer Steilkurve dem nächsten Element entgegen. In einem 29m hohen Looping erleben wir die Welt nun ein zweites Mal überkopf, was ein atemberaubendes Gefühl ist. Hieran fügt sich ein schnell überfahrener Umschwung an, welcher sogleich in das dritte Inversionselement der Fahrt überleitet. Der als Zero-G Roll vermarktete Korkenzieher ist dabei nicht von schlechten Eltern und überzeugt auf ganzer Linie. Nach einer weiteren Kurve und einem kleinen Hügel erreichen wir den zweiten Launchabschnitt, welcher den Zug die nötige Energie zum Erreichen des Stationslevels zufügt. Eine, an einem Dive Loop erinnernde, Wende und eine auffährtsführende Steilkurve prägen das Finale der Fahrt, ehe wir uns sogleich auf der Bremsstrecke und alsbald in der Station der Anlage wiederfinden.

Der Time Traveler ist eine rundum besondere Achterbahn, die durch ihr atemberaubendes Setting in sämtlichen Punkten überzeugen kann. Das Layout ist schlichtweg einzigartig und sticht durch die verwendeten Elemente weitestgehend hervor; der nicht ganz ruckfreie erste Abschuss ist dabei die einzige Schwachstelle der Bahn, welche wie kaum eine andere Achterbahn das Familienpublikum des Freizeitparks zu überzeugen weiß.

Thunderation

Unter den Klängen einer Country Version von If I could turn back time geht es sogleich zur benachbarten Achterbahn Thunderation, wo ich mir den Wunsch nach einer Zeitreise tatsächlich ganz gerne mal erfüllt hätte. Bis vor einigen Jahren fuhren hier nämlich der zweite, wie auch der vierte Wagen der fünfgliedrigen Züge rückwärts. Heutzutage jedoch sind alle Blicke nach vorne gerichtet, was diesem recht besonderenen Mine Train aus dem Hause Arrow leider etwas weniger besonders macht.

Wie auch beim Time Traveller geht auch bei Thunderation geht die wilde Fahrt gleich nach Verlassen der Station los. In einer Rechtskurve nehmen wir langsam, aber sicher immer mehr Geschwindigkeit auf. Nach einer kurzen Geraden flitzen wir sogleich durch eine Linkskurve, ehe wir uns in eine stetig verjüngende Rechtskurvenspirale begeben. Diese mündet dann in einen kurzen Tunnel, woraufhin wir über einen kurzen Hügel schnellen. Eine am Hang verlegte bodennahe Rechtskurve bildet dann das Highlight der Fahrt. Nach einem kurzen Linksschlenker werden wir in einer Blockbremse abgebremst, woraufhin der Lifthügel der Anlage auf uns wartet. Gemächlich geht es nun wieder bergaufwärts. Oben angekommen begeben wir uns sogleich in eine weitere Linkskurve, die alsbald unerwartet steil abfällt. Nach einem kurzen Anstieg und einer Rechtskurve befinden wir uns auf dem Stationslevel, wo wir nun in der Bremsstrecke vor der Station zum Stehen kommen.

Thunderation ist ein großartiger Mine Train, welcher sich wie eigentliche alle späten Arrow Mine Trains durch seine sehr intensive Fahrt auszeichnet. Das Layout ist durch seine Lage am Hang unfassbar grandios, auch wenn die Fahrt nach dem Lifthügel gerne etwas länger hätte sein können.

The Flooded Mine und Frisco Silver Dollar Line Steam Train

Fans uriger Themenfahrten kommen mit The Flooded Mine vollkommen auf ihre Kosten. Hierbei versucht man auf dem Weg durch die sich flutende Mine des lokalen Country Prisons die Gefangenen von ihrer Flucht abzuhalten. Dabei kann man mit Pistolen auf verschiedenste Ziele zielen, wobei jedoch eine Fahrt ohne sogar deutlich mehr Spaß macht.

Direkt neben The Flooded Mine befindet sich die Station des Frisco Silver Dollar Line Steam Train. In der großen Schmalspur-Dampfeisenbahn geht es 20 Minuten lang durch die Ozark Mountains und den Freizeitpark. Zwischendrin wird der Zug in einer Showeinlage von mehreren ungeübten Bankräubern ausgeraubt. Ein herrlicher Spaß, den man keineswegs verpassen sollte.

The Grand Exposition und Fireman’s Landing

Im Kinderbereich The Grand Exposition treffen wir auf zahlreiche Fahrgeschäfte des italienischen Herstellers Zamperla. Hier können kleine Freizeitparkfans auf The Grand Exposition Coaster ihre erste Achterbahnfahrt erleben oder auf einem der zahlreichenden Rundfahrgeschäften eine Runde nach der anderen drehen. Neben einer Schiffschaukel findet man hier einen Wellenflug, ein Teetassenkarussell, eine Berg- und Talbahn, sowie eine Disc’o und einige kleinere Karusselle des Herstellers.

Firefall

Der für mich interessante Kinderbereich ist Fireman’s Landing, wo sich weitere klassische Rundfahrgeschäfte in einem stimmigen Ambiente befinden. Die interessanteste Attraktion ist dabei der S&S Double Shot Firefall, welcher sich zuvor im nahen Freizeitpark Celebration City befand. Als der Schwesterpark dann 2008 geschlossen wurde, zog die Anlage von dem einen Standort in Branson zum anderen um. Die Fahrt selbst überzeugt durch ihre großartige Airtime und sollte daher von niemanden ausgelassen werden.

Giant Barn Swing

An der Baustelle der neuen Raftinganlage Mystic River Falls vorbei geht es nun in Richtung einer weiteren Attraktion aus dem Hause S&S, dem Screamin‘ Swing Giant Barn Swing. Diese überdimensionierte Schaukel befördert die Passagiere mit Druckluft in eine überaus bemerkenswerte Höhe, von der man eine tolle Sicht auf die neue Raftinganlage haben dürfte, aber auch jetzt schon auf die nahe Achterbahn Outlaw Run hat.

Outlaw Run

Outlaw Run ist die erste Holzachterbahn des Herstellers RMC, welcher zuvor durch seine I-Box Lösung der alten Holzachterbahn Texas Giant aus dem Freizeitpark Six Flags Over Texas ein neues Leben als Stahlachterbahn ermöglicht hat. Wie auch beim New Texas Giant erwartet die Besucher eine wilde Fahrt über zahlreiche atemberaubende Elemente, wovon viele davon erstmalig auf dieser Achterbahn verbaut wurden.

Die Fahrt auf Outlaw Run beginnt sogleich mit dem Lifthügel der Anlage, welcher einen auf eine Höhe von 32,6m bringt. Nach einem kleinen Dip schnellt der Zug über eine knapp bemessene Kuppe, woraufhin wir losgelöst von unserem Sitz in einem 81° steilen Gefälle gute 50m zu Boden stürzen. Nach einem druckreichen Tal schießen wir sogleich eine steile Linkskurve empor, welche sogleich in eine Overbanked Inversion am Scheitelpunkt des Hügels übergeht. In einer weiteren Linkskurve rasen wir nun durch das Tal und wenden uns sogleich einer Reihe von Umschwüngen zu, die uns zu jeder Zeit ordentlich aus dem Sitz heben. In einem Twist & Turn erleben wir zum ersten Mal das Gefühl einer lateralen Schwerlosigkeit auf einer Achterbahn, ehe wir uns in das nächste Tal begeben. Über einen weiteren geschwungenen Airtimehügel nähern wir uns dem Finale der Fahrt. Nach einem flachen Airtimehügel schrauben wir uns bodennah in einer doppelten Heartline Roll empor. Kurz darauf erreichen wir die Bremsstrecke der Anlage, woraufhin unsere Fahrt in der Station endet.

Was für eine Fahrt! Outlaw Run ist definitiv keine Achterbahn für schwache Mägen, denn sie hat es ganz schön in sich. Die vielen Airtimemomente und zugleich wahnsinnig druckreichen Täler sorgen für eine atemberaubende Fahrt, die man keineswegs wieder vergessen wird. Die beiden Inversionen am Ende der Fahrt sind zudem ein Novum für eine Holzachterbahn, welche einem ganz schon schummerig werden lassen können. Die Fahrt ist schlichtweg genial und sollte von jedem Achterbahnfan erlebt werden.

Tom and Huck’s River Blast und Fire in the Hole

Auf unserem Rückweg aus der Sackgasse rund um die Achterbahn Outlaw Run stoßen wir auf die überaus schnieke interaktive Wasserfahrt Tom and Huck’s River Blast, bei der man Tom Sawyer und Huckleberry Finn auf den Spuren ist.

Ein weiteres Highlight in Silver Dollar City ist die Themenfahrt Fire in the Hole. Die Fahrt behandelt den Brand des – aus dem Guanoabbau der Marvel Cave entstandenen – Bergbauörtchens Marmaros. Eine Bürgerwehrgruppe namens Bald Knobbers steht in dem Verdacht das Dorf niedergebrannt zu haben. Genaueres jedoch weiß man nicht, jedoch hat man sich schlussendlich für diese Geschichte entschieden. Vorbei an mehreren Szenen geht es nun in einem großen Oval immer weiter bergauf. Man beobachtet dabei, wie die Bewohner versuchen ihr Dorf zu löschen, ehe man über eine einstürzende Brücke fährt und die Fahrt folglich einer Achterbahn gleicht. Ein zweites Gefälle schließt sich an, als man einem entgegenkommenden Zug ausweicht. Unter dem Aufschrei Fire in the Hole kracht man dann noch in eine Lagerhalle für Dynamit, welche zum Glück gelöscht werden konnte. Durch die Wasserung wird der Zug abgebremst, kurz darauf ist man auch schon wieder in der Station.

Powder Keg

Eine ebenso interessante Geschichte – wenn gleich auch nur aus ingenieurstechnischer Sicht – weist die Achterbahn Powder Keg auf. Bevor sie zu einem Unikum an Abschussachterbahn wurde, war sie nämlich jahrelang eine Wasserachterbahn. Eröffnet wurde die Achterbahn im Jahr 1999 unter dem Namen Buzzsaw Falls. Der Prototyp aus dem Hause Premier Rides konnte eine längere Wildwasserfahrt aufweisen, ehe diese in den Achterbahnpart wechselte. Über eine längere Helix ging in Richtung des einzigen Lifthügels, worauf nach einer kurzen Fahrt in luftiger Höhe die finale Schussfahrt wartete. Vier Jahre später wurde die Anlage jedoch bereits umgebaut. Der Hersteller der neuen Hardware wurde S&S Power, wodurch den Besucher nun ein kräftiger Druckluftabschuss erwartet.

Den Auftakt der Fahrt macht ein zur Seite hinauf zur Abschussstrecke führendes Transfergleis. Auf der Abschussstrecke angekommen, fährt der Zug nun bis zu seiner Ausgangsposition, hakt währenddessen in den Mitnehmerschlitten ein und wartet nun auf seine Freigabe. Irgendwann schaltet sich eine Warnsirene an und eine Ampel schaltet von rot auf grün. Der Abschuss bringt einen nun zügig auf 85 km/h, woraufhin man einen Hügel emporschnellt. Untermalt von saftiger Airtime gleitet man nun in das unter einem liegenden Tale hinein. In einer weiten Rechtskurve nähert man sich einem weiteren airtimelastigen Hügel. Eine leicht übergeneigte Kurve schließt sich an, woraufhin ein dritter Hügel folgt, welcher im Scheitelpunkt nach Links wegknickt. Nach einer flotten Kurve wechselt urplötzlich das Schienenprofil, woraufhin man mit einem Affenzahn den Streckenverlauf der ehemaligen Wasserachterbahn folgt. Nach einer weiten Kurve folgt dann der Lifthügel der Anlage. Oben angekommen wechselt dann das Schienenprofil erneut. Während die Wasserachterbahn nun auf Höhe des Launchabschnitts zu ihrer finalen Schussfahrt eingesetzt hätte, knicken wir nun noch etwas weiter nach links weg und stürzen uns das große Gefälle der Achterbahn hinunter. Hierauf folgt eine überaus intensive Helix, die jedoch auch das Finale der Fahrt beschreibt. Kurz darauf befindet man sich in der Bremsstrecke der Anlage.

Powder Keg ist eine richtig feine Achterbahn. Der Abschuss, die vorhandene Airtime und der schöne Druck in den Kurven und Tälern prägen diese Achterbahn, auch wenn das Finale ein wenig zu antiklimatisch daherkommt. Insgesamt gesehen ist die Achterbahn jedoch ein Garant für gute Laune.

American Plunge and Wildfire

Ebenso wie die benachbarte Wildwasserbahn American Plunge. Zwar besteht die Bahn im Grunde nur aus einem etwas längeren Betontunnel und einer einzigen und überaus nassen Schussfahrt, dennoch ist die von O.D. Hopkins erbaute Anlage definitiv eine Fahrt wert.

Direkt nebenan befindet sich der Eingang zur letzten Achterbahn des Parks. Der B&M Sitting Coaster Wildfire ist seit dem Jahr 2001 der Platzhirsch in Silver Dollar City. Mit seiner Lage direkt an einem der Hänge des Parks wirkt die Anlage noch einmal um einiges größer, was durch die geschickte Ausnutzung des Terrains nochmals untermalt wird.

Die Fahrt beginnt mit einem kurzen Dip aus der Station hinaus, bei dem man unter die große Aussichtsplattform abtaucht. Auf der anderen Seite dieser fügt sich dann der Lifthügel der Achterbahn an, welcher einen auf eine Höhe von etwa 37m befördert. Nach einem Predrop folgt eine weite Kurve, woraufhin es ein Gefälle mit einem Höhenunterschied von 47m hinuntergeht. B&M typisch erwarten einem im Tal stark ausgeprägte G-Kräfte, ehe wir uns der ersten Inversion der Anlage nähern. In einem Immelmann ändern wir die Fahrrichtung, woraufhin wir unseren Weg in Richtung des riesigen Loopings bahnen. In einer weiten bodennahen Kurve donnern wir nun in Richtung der Cobra Roll, welche gewohnt brachial durchfahren wird. Hierauf folgt eine schwungvolle Overbanked Turn, welche einen ebenso schwungvoll in den finalen Korkenzieher der Bahn entlässt. Eine bodennah eingeleitete Helix entlässt einen dann in die Schlussbremse der Anlage. Kurz darauf befindet man sich auch schon wieder in der Station der Achterbahn.

Wildfire ist meine Lieblingsachterbahn in Silver Dollar City. Die Fahrt ist schlichtweg grandios und wird durch das Setting direkt am Hang und umrandet von den Ozark Mountains noch einmal ordentlich aufgewertet. Zudem ist Wildfire tatsächlich meine 600ste gefahrene Achterbahn – ein Meilenstein, den ich mir nicht anders wünschen würde.

Marvel Cave

Nach all den Achterbahnen und Fahrgeschäften ist es nun an der Zeit gekommen sich die Marvel Cave in einer einstündigen Führung etwas genauer anzusehen. Über den gewaltigen Cathedral Room geht es zunächst immer tiefer in die Höhle hinein. In den nachfolgenden Räumen wird dann vermehrt auf die Geschichte der Höhle eingegangen. Nach mehreren engen Passagen, wobei man stets auf seinen Kopf aufpassen sollte geht es dann mit der alten Standseilbahn wieder an das Tageslicht. Die Marvel Cave ist im Grunde das Highlight in Silver Dollar City und sollte daher auf keinem Fall ausgelassen werden.

Echo Hollow Amphitheatre

Damit wären wir am Ende des Berichts angekommen. Der Tag neigt sich seinem Ende entgegen und auch die Fahrgeschäfte haben nun allesamt geschlossen. Doch Silver Dollar City wäre nicht Silver Dollar City, wenn man dem nicht noch einen draufsetzen würde. Im Echo Hollow Amphitheatre beginnt jetzt nämlich erst die große Show zum Tagesabschluss.

Bilder Silver Dollar City

Fazit Silver Dollar City

Silver Dollar City ist ein wunderschöner Freizeitpark, den man zurecht als besten Freizeitpark der Welt bezeichnen kann. Der Park bietet einen tollen Mix aus Achterbahnen, Fahrgeschäften und Shows, den man so nur selten vorfinden kann. Dementsprechend ist auch die Zielgruppe des Parks eine etwas andere – während meines Besuchs im April bestand diese nämlich fast ausschließlich aus Rentnern oder Familien mit jüngeren Kindern. Silver Dollar City ist also ein Freizeitpark für einfach jeden.


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Italienische Miniaturen in Minitalia

Leolandia

Die Geschichte des Leolandia beginnt vor 45 Jahren, als der Unternehmer Guido Pendezzini seinen im Bau befindlichen Miniaturenpark, nach Vorbild des niederländischen Miniaturenpark Madurodam bei Den Haag, der Öffentlichkeit vorstellte; offiziell als Minitalia wurde der Park aber erst drei Jahre später eröffnet. Das Kernstück des Parks, welches auch sehr lange markant im offiziellen Parknamen vorhanden war, ist das dem italienischen Staat nachempfundene Miniland Minitalia mit seinen Nachbauten markanter italienischer Gebäude und Städte. Zudem präsentierte man das Land mit kleineren regionalen Ständen und bot schon damals einige Fahrgeschäfte. Im Jahr 1997 verkaufte Pendezzini seinen Park an die Familien Triberti und Fabbri, welche als Schausteller und Hersteller von Vergnügungsanlagen durchaus Erfahrung in diesem Bereich mitbrachten. Diese bauten den Park zu einem Freizeitpark aus und betrieben ihn fortan als Fantasy World Minitalia bis zum Jahr 2007, woraufhin die Familie Zamperla, ebenfalls ein Hersteller für Fahrgeschäfte, den Park übernahm. Seitdem wird das Leolandia regelmäßig erweitert und durch Produkte aus dem eigenen Katalog ergänzt.

Twister Mountain

Prominentes Beispiel dafür ist die Drehgondelachterbahn Twister Mountain, welche perfekt platziert direkt an der Ausfahrt zum Park, neben dem eh schon überdimensionierten Parkschild, die Kunden des gegenüber liegenden Hypermarktes ins Leolandia locken soll. Dabei handelt es sich jedoch nur um die kleine Version des bekannten Kirmesmodells nach dem Layout des französischen Herstellers Reverchon.

Nach Verlassen des Bahnhofs erklimmt man den 10m hohen Lifthügel. Oben angekommen durchquert man recht rasant zwei Haarnadelkurven, woraufhin bereits die erste Abfahrt wartet. Oberhalb der Station durchquert man eine  Blockbremse und kurz darauf halbwegs parallel zum Lifthügel die zweite größere Schussfahrt der Anlage. Ohne seltsamen Buckel in der Auffahrt erreicht man die andere Seite der Achterbahn. In der nächsten Bremse wird die Drehung des Wagens freigegeben, woraufhin die nächsten vier Haarnadelkurven mit überraschend viel Schwung durchfahren werden. Buckellos folgt die Rückführung auf die andere Seite der Anlage und schließlich, nach einer weiteren Haarnadelkurve, die Bremsstrecke.

Obwohl die Spinning Coaster Varianten von Zamperla dank ihrer optimierten Wagen nicht gerade als drehfreudig gelten und dementsprechend in aller Regel ihr Ziel verfehlen bot uns der Twister Mountain eine solide, wenn auch recht kurze, Fahrt. Der Komfort in der Gondel ist leider nicht ganz so hoch wie bei Reverchon, dafür bietet die Anlage aber in der Theorie dank der Einzelbügel die bessere Rückhaltewirkung gerade in Bezug auf kleinere Kinder.

Electro Spin und Donna Cannone

Ähnlich solide konnten uns die Mega Disk’o Electro Spin und der Flash Tower Donna Cannone unterhalten. Während die Disk’o bewährt intensives Drehvergnügen bot konnte der Seilzugturm durch überraschende Airtime am oberen Wendepunkt überzeugen, ein Abschuss aus der Kanone wird dabei leider nicht simuliert.

Leo Coaster

Die weiteren Attraktionen des eher kargen Expo 1906 Bereichs sind eine Koggenfahrt in King Kong Optik, ein Feuerlöschkarussell, ein Wellenflieger, sowie die kleine Kinderachterbahn Leo Coaster. Diese kommt in der Standardausführung des Herstellers daher, sprich ovalförmig mit einer Helix in der Mitte,  kann aber vergleichsweise gute Fahreigenschaften vorweisen.

Mondo di Peppa Pig

Mit der Mondo di Peppa Pig hat man im letzten Jahr versucht einen Kleinkinderbereich nach englischen Vorbild in den Park zu etablieren. Was jedoch in England dafür sorgt, dass der Freizeitpark Paultons Park nur noch als Peppa Pig World bekannt ist und ihn mit Besuchermassen versorgt, wirkt hier ein wenig lieblos dahingeklatscht. Es gibt zwar Möglichkeiten sich das originalgetreue Haus der Hauptprotagonisten der Serie anzusehen und auch ein Foto mit den Akteuren zu schießen, nur scheint der Merchandiseverkauf als einzige Grundlage für diesen Bereich.

Il Trenino

Das Ganze setzt man dann mit der Masha e Orso (Mascha und der Bär) Show und der Zugfahrt Il Trenino by Thomas & Friends fort. Zugegebenermaßen ist eine Zugfahrt mit Thomas und seinen Freunden immer eine gute Idee, was man beispielsweise am englischen Freizeitpark Drayton Manor sehen kann, es fehlt aber außerhalb zur Form des Zuges sämtliche Referenz zur Serie.

Im hinteren Parkteil des Leolandia, direkt neben dem Miniland Minitalia, befinden sich einige Tiergehege, welche größtenteils heimische Nutztierarten vorzeigen. Die Gehege sind dabei ausreichend groß und einem Bauernhof nachempfunden. Leider gibt es daneben einige kleinere Volieren mit Papageien, was sehr im Kontrast zum neuer wirkenden Bauernhofbereich steht.

Die Cowboy Town bildet den Westernbereich des Leolandia in der sich die bereits aus dem Wunderland Kalkar bekannte Kombination aus Wildwasserbahn und Powered Coaster erneut die Klinke gibt. Darüber hinaus findet man in diesem Bereich mehrere Rund- und Hochfahrgeschäfte, darunter der sehr unbequeme Kite Flyer Wild Avvoltoi, sowie eine größere Showbühne.

Gold River

Nachdem man die Station der Wildwasserbahn Gold River verlassen hat dümpelt der Einbaum ein wenig durch die Fahrrinne, nach einer längeren S-Kurve und einer kurzen Linkskurve erreicht man den ersten übersteilen Lifthügel, der einen in die ebenso übersteile Schussfahrt entlässt. Gut befeuchtet wird man wieder in den Kanal entlassen und durchquert nun eine größere Rechtskurvenschleife um im 90° Winkel zur ersten Schussfahrt den zweiten Lifthügel zu erklimmen. Typisch Zamperla ist die zweite Abfahrt nicht weniger steil als die erste, so dass man recht abrupt in die zweite Auslaufstrecke geleitet wird; auch hier ist der Nässegrad der Abfahrt in einem angenehmen Rahmen. Es folgt die Rückfahrt zur Station.

Mine Train

Oberhalb der Wildwasserbahn liegt der Zugang zur Achterbahn Mine Train, deren Parcours größtenteils über der Fahrrinne des Wild Rivers verläuft. Nach einer etwas längeren Steigung mit leichtem Linksknick, die recht gemächlich erklommen wird, folgt eine recht lang gezogene Rechtskurve. Erstmals an Geschwindigkeit legt man dann in der linksführenden Abwärtshelix zu, doch schon gleich darauf wird die Rinne der Wasserbahn in luftiger Höhe innerhalb einer Rechtskurve überquert. In einer etwas größeren Abwärtshelix umrundet man nun die zweite Schussfahrt der Wildwasserbahn, woraufhin sich eine recht weite Rechtskurve anschließt, die den Streckenparcours sogleich schließt. Der Wagenverbund rast dann durch die Station und vollzieht eine weitere, recht gemächliche Runde.

Obwohl die Strecke der Achterbahn aus dem Wunderland Kalkar deutlich kompakter gebaut wurde ist sie eindeutig die bessere Achterbahn dieser doch recht speziellen Kombo. Der Mine Train aus dem Leolandia hingegen durchquert die Strecke insgesamt ein wenig zu langsam und leider auch sehr ruckelig, weswegen kaum Fahrspaß aufkommen mag.

Rapide di Leonardo

Ihr gegenüber steht die Rundbootrutschanlage Rapide di Leonardo, eine italienische Interpretation der beliebten River Splash Anlagen des Herstellers ABC Rides mit einem sehr besonderen Dreh. Nachdem man die Station verlassen hat absolviert man sogleich eine kleine Rechtskurve hinein in den Vertikalaufzug, welcher ohne viel steuerungstechnischen Schnickschnack das Boot in Position bringt, hält und nach oben befördert. Nachdem man zügig nach oben transportiert wurde kippt der Korb nach vorne und das Boot rollt aus dem Aufzug. Mit Karacho wird man nun in die erste Helix geworfen, woraufhin auch gleich das Boot in Drehung versetzt wird. Nach wenigen Metern vollzieht man eine S-Kurvenkombination um den Turm herum, wodurch die Drehung des Bootes eine atemberaubende Geschwindigkeit aufbaut. Diese nimmt in der anschließenden Abwärtshelix immer weiter zu und lässt einem Russisch Roulette bei der anschließenden Schussfahrt spielen. Nach der Wässerung durchquert das Boot eine 180° Wende, bei der eine runde und sich drehende Kanonenapparatur in regelmäßigen Abständen Wasser auf die Fahrgäste losfeuert. Die Rückführung zur Station weist nun einige Elemente einer Raftinganlage auf, wie beispielsweise ein sich ausschaltender Wasserfall und diverse Stromschnellen. Es ist der deutlich ruhigere Teil der Fahrt, welcher einem das gerade erlebte erst einmal richtig in Worte fassen lässt und sich im gleichen Maße wundern lässt warum Zamperla bisweilen keine weitere Anlage dieser Art verkaufen konnte. Der Hydro Lift zumindest ist eine Spaßmaschine sondergleichen und gewinnt jeglichen Preis für den besten Drehwurm mit Leichtigkeit.

Riva dei Pirati

Der optisch überzeugendste Themenbereich im Leolandia ist der Piratenbereich Riva dei Pirati, welcher zwar größtenteils aus Kinderfahrgeschäften besteht, diese aber in einer großartigen Gestaltung dastehen lässt. Neben der guten Schiffschaukel Galeone und dem wunderschönen Splash Battle Mediterranea, findet man hier den Prototypen der Stand-Up Disk’os Surf’s Up Scilla e Cariddi. Obgleich die Fahrt durch den langen Gondelträger teilweise etwas ruppig ist, so ist die Floating Airtime doch schon ein Erlebnis wert, weswegen es recht schade ist bisweilen nur eine recht kleine Version dieser Anlage vorfinden zu können. Leider lädt man sich durch das Rückhaltesystem ein wenig statisch auf, weswegen man am Ausgang durchaus einen kleinen Schlag abbekommen kann.

Bilder Leolandia

Fazit Leolandia

Das Leolandia ist ein wirklich schöner Freizeitpark mit einer recht guten Idee gleich zu Beginn seiner Existenz. Das Miniland ist dabei recht hübsch umgesetzt und kann einen, im Vergleich zu den Legoländern dieser Welt, einige Stunden beschäftigen. Dabei bietet dieses Outdoorminiaturwunderland einen wunderbaren Blick auf die Ecken dieses charmanten Landes, welche man gerne mal in Echt sehen möchte. Die Qualität des Themenparks ist, mit Ausnahme des Expo 1906 Bereichs, sehr hoch und wird durch die passende Arbeiteruniformen, gegliedert nach den Themenbereichen des Parks, noch einmal untermauert.


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Viel TNT für (Freuden-)Explosionen

Parque de Atracciones de Madrid

Unweit der Metrostation Batán befindet sich mit der Puerta Batán ein Nebeneingang zum Parque de Atracciones de Madrid, dem innerstädtischen Freizeitpark der spanischen Hauptstadt. Im Gegensatz zu anderen städtischen Vergnügungsparks, wie dem Kopenhagener Freizeitpark Tivoli Gardens oder dem Parque de Atracciones de Zaragoza, wird das Tivoli Prinzip, bei dem man nur einen geringen Eintrittspreis bezahlt und die Fahrgeschäfte zusätzlich begleicht, nicht angewendet, so dass der Parque de Atracciones de Madrid als Freizeitpark im klassischen Sinne fungiert.

Nickelodeon Land

Sofern man den Park über dem Nebeneingang betreten hat befindet man sich am oberen Ende des hiesigen Nickelodeon Lands, ein Themenbereich den man in ähnlicher Form auch im englischen Pleasure Beach Blackpool oder dem deutschen Schwesterpark Movie Park Germany finden kann. Auch hier wurden bestehende Anlagen, unter Verwendung der Lizenzen des bekannten Viacom Kindersenders Nickelodeon, umgestaltet und durch eine Kinderfahrschule und allgemeiner Gestaltung ergänzt. Was zuvor als Kinderland ein wenig zu sehr zusammengewürfelt erschien zeigt nun einen konsequent bunten Mix, welcher zudem sehr gelungen ist.

Padrinos Voladores

Gerade die kleine Achterbahn Turbulencia zeigt als Padrinos Voladores unter Gestaltung der Kinderserie Fairly Oddparents  (Cosmo & Wanda – Wenn Elfen helfen) ihr volles Potential, was gerade im Vergleich zum deutlich größeren Bruder Zooom! aus dem englischen Flamingo Land recht groß ist. Dabei ist das verwendete Layout hier deutlich simpler, denn man absolviert im Grunde nur einige aneinandergereihte Haarnadelkurven ohne größeren Höhenunterschied; dadurch ist jedoch der Ausschwung der Fahrzeuge während der Fahrt deutlich markanter vorhanden und somit auch der Fahrspaß. Die Padrinos Voladores bieten dementsprechend eine echt tolle Fahrt für kleinere Kinder, die jedoch auch von Erwachsenen noch genossen werden kann.

Vagones Locos

Im Gegenzug dazu stehen die Vagones Locos im Themenbereich Naturaleza, obgleich man dank der quietschbunten Gestaltung die Anlage eher zum Nickelodeon Land zählen möchte. Hierbei handelt es sich um das Standard Modell der Family Gravity Coaster des italienischen Herstellers Zamperla, welches man in dieser Form häufig finden kann. Mittels eines Kettenlifts erreicht man relativ zügig die Ausgangshöhe für die nun folgende kurvige Abfahrt. Hierauf schließt sich eine kurze Auffahrt an, woraufhin man sogleich eine abwärtsführende Rechtshelix und die Rückfahrt zur Station in leicht bayernkurvenartiger Manier absolviert. Das Fahrverhalten ist dabei relativ ruppig und bietet somit nur der Zielgruppe Grund zur Freude.

Naturaleza

Telesaurio und Tiovivo

Der Themenbereich Naturaleza ist mit Abstand der hübscheste Bereich im Parque de Atracciones de Madrid und kann zusätzlich zu den größeren Attraktionen mit Telesaurio ein rundum funktionstüchtiges Telecombat von Zamperla mit seitlicher Drehung, sowie mit Tiovivo ein altes Pferdekarussell und ein 4D Kino vorweisen.

TNT Tren de la Mina

Die eigentliche Hauptattraktion des Bereichs dürfte jedoch seit dem Jahr 2012 die Familienachterbahn TNT Tren de la Mina sein. Da ich den Bau nicht verfolgt hatte wusste ich bis zum Zeitpunkt meines Besuchs nicht wo genau die deutsche Interpretation eines Mine Trains im Park stehen sollte und war dementsprechend sehr überrascht ihn perfekt Integriert zwischen den Kinderbereich Nickelodeon Land und dem Spillwater Fiordos vorzufinden. Umso erstaunter war ich darüber, dass die Anlage einen großen Teil, der zuvor kaum noch gebrauchten, Warteschlange der Wasserbahn für sich nutzt.

Sobald der Zug endlich mal abgefertigt wurde verlässt dieser die Station und durchfährt sogleich eine Linkskurve auf dem Weg in Richtung des Lifthügels. Anfangs noch recht zügig aufwärts unterwegs verliert er schon rasch an Geschwindigkeit und kriecht die Liftkuppe nur langsam entlang. Nach einer kleinen kurvigen Schussfahrt nimmt der Zug erneut an Höhenmetern auf ehe es just unterhalb der Kuppe dem Abgrund entgegen geht. Noch fernab vom Boden schießt der Zug erneut in die Höhe und wendet in einem Horseshoe Element, ähnlich den Youngstar Coaster der Firma Mack, woraufhin sich ein aufwärtsführender Schwenker bis kurz unter den bisher größten Drop anfügt. In einer Steilkurve unterhalb der ersten Helix sucht der Wagenverbund zum ersten Mal Kontakt mit dem Bodenniveau doch die Verweilzeit ist nur von kurzer Dauer, denn eine linksführende Aufwärtshelix wird sogleich durchfahren. Nun folgt ein kleiner Drop mit anschließenden Camelback durch eine grotesk geformte Umgebung. In einer Rechtskurve wird der Kontakt mit dem Bodenniveau erneut hergestellt, hierauf folgen einige immer enger werdende Kurvenwechsel, woraufhin auch schon gleich die Bremsstrecke und kurz darauf die Station erreicht wird.

Mit TNT Tren de la Mina ist Gerstlauer eine sehr ordentliche Familienachterbahn gelungen, welche sich ein wenig im schnell durchfahrenen bodennahen Part des Layouts verliert. Die Stärke der Achterbahn liegt in dessen Anfang und Mittelpart, welcher dem Konkurrenzprodukt aus Waldkirchen erstaunlich nah kommt, nur das Ende trübt das allgemeine Fahrvergnügen, wie auch die allgemeine Abfertigung der Anlage, etwas, weswegen TNT Tren de la Mina keine Achterbahn ist, die ich bei einer längeren Wartezeit aufsuchen würde. Für Zwischendurch ist die Anlage aber mehr als perfekt.

Los Fiordos

Ehemals vorbei an saftigen Grün, welches eine ganze Showbühne verdeckte, tuckerte das Boot des Spillwaters Los Fiordos durch den Kanal bis dann relativ parallel zur Parkgrenze der Lift erklungen wurde. Besagte Bühne des Parque de Atracciones de Madrid fiel dem Bau der Familienachterbahn TNT Tren de la Mina zum Opfer, ebenso wie die Vegetation, weswegen man nun unterhalb der Achterbahn durch eine recht kahle Landschaft, jedoch mit guten Einblicken, herumschippert. Nachdem man das Felsmassiv empor gestiegen ist folgt nach einer kurzen Rechtskurve auch sogleich die einzige Schussfahrt der Anlage. Unten angekommen wird unmittelbar der Kontakt mit dem kühlen Nass geknüpft, woraufhin nach einer kurzen 180° Wende und weiten Linkskurve die Rückfahrt in Richtung der Station in Angriff genommen wird. Zu meiner eigenen Überraschung entsprach der Nässegrad nicht dem einer normalen Wildwasserbahn, wie ich es bei meiner letzten Fahrt vor vier Jahren erlebt hatte, sondern dem der Durchfahrt einer Wasserwand, welche aus der unmittelbaren Reflektion des Wassers an der Brücke resultierte. Klatschnass und recht zufrieden entließ uns die Anlage, welche ich nun gerne als nasseste Anlage dieser Art in Spanien beschreiben möchte.

Vértigo

Die Abfertigung der Wilden Maus Vértigo ist eine Frechheit! Eigentlich gäbe es bei dieser schicken Maus mit dem altbekannten Layout und absolut großartigen Fahreigenschaften nichts, absolut gar nichts zu meckern, würde man nur nicht anstelle von 10-15 Minuten hier gut eine Stunde seiner wertvollen Besuchszeit in eine Fahrt investieren müssen. Durch die fehlende Trennung zwischen Ein- und Ausstiegsbereich werden hier alle Wagen zugleich beladen und dann nach und nach auf die Strecke geschickt. Erst nachdem alle Wagen wiedergekehrt und entladen sind werden die neuen Fahrgäste in die Station gelassen, immerhin 16 Personen. Diese Prozedur vermindert die Kapazität der Anlage immens, so dass man sich stets nach einer normal betriebene Wilde Maus sehnt, wie z.B. die andere Hälfte dieser ehemaligen Doppelanlage, welche sich nach wie vor im belgischen Freizeitpark Bobbejaanland befindet.

Los Rápidos

Mit Los Rápidos steht eine wahrhaft besondere Raftinganlage im Parque de Atracciones de Madrid, denn sie ist die einzige Anlage dieser Art des Hersteller O.D. Hopkins in Europa. Mit ihr wurde der Naturaleza Bereich im Jahr 1996 gegründet, was man anhand der konsequenten und recht schönen Gestaltung der Anlage auch sehen kann. Der Nässegrad ist durch das recht wilde Ende der Fahrt immer noch erhöht vorhanden, nur leider verzichtete man während des Besuchs auf die meterhohe Fontäne, die in regelmäßigen Abständen auf die vorbeifahrenden Boote niederprasselte.

Maquinismo

Top Spin, La Maquina and La Lanzadera

Im Maquinismo genannten Themenbereich warten gleich im Eingangsbereich dessen drei Sahneschnittchen darauf gefahren zu werden, denn hier steht wirklich die Crème de la Crème der spanischen Hochfahrgeschäfte auf einem Haufen, allesamt natürlich wunderbar gestaltet. Den Anfang macht sogleich der Top Spin mit gleichen Namen aus dem Hause HUSS, welcher zu Beginn ein ähnliches Fahrprogramm wie die Anlage Aqua Spin aus dem deutschen Freizeitpark Heide Park vorweisen kann, welches jedoch in eine absolut wilde Schaukelpartie ausufert. Direkt nebenan dreht die Frisbee La Maquina, ebenfalls aus dem Hause HUSS, ihre Runden. Auch hier sollte man dank des großartigen Fahrprogramms die eine oder andere Fahrt auf dem eh stets überragenden Fahrgeschäftstypus wagen. Zu guter Letzt bietet der Intamin Freefall La Lanzadera neben einer tollen Aussicht über den Casa de Campo und Madrid einen recht intensiven Fall mit guter Airtime bei vergleichbar geringer Höhe.

Abismo

Leicht erhöht befindet sich der Zugang zur Achterbahn Abismo, der bis dato einzigen XT 450 Anlage des Herstellers Maurer, welche man relativ simpel als, um 300 Streckenmeter, erweiterte Anlage des Sky Wheels aus dem deutschen Freizeitpark Skyline Park beschreiben kann. Hierbei ist der Anfang des Layouts identisch, ebenso wie die Länge des Wagenverbunds, weswegen hier selbst bei überschaubaren Andrang stets hohe Wartezeiten vorhanden sind. Dieses kann aber auch an leeren Tagen stets der Fall sein, denn die Achterbahn fährt nur sobald der Zug vollbesetzt ist.

Nach der leider etwas zeitraubenden Abfertigung setzt sich der Zug in Bewegung und wird sogleich vertikal empor befördert. Als Besonderheit wird im Humpty Bump Lift wird der Zug an dessen Kuppe überkopf gedreht, wodurch ein extrem mulmiges Gefühl in etwa 46m Höhe entsteht, welches durch die anschließende Rolle in luftiger Höhe nur kurz unterbrochen wird. Nun rast man im wahrsten Sinne des Anlagennamens den Abgrund entgegen. Mit etwas mehr als 100 km/h schießt der Wagenverbund an der Station vorbei und passiert dabei ein druckreiches Tal ehe man in einer Steilkurve den Lift umschließt. Mit einer starken Querneigung wird der darauffolgende Drop eingeleitet, welcher einen weit erhöht über den Wartebereich leitet. Hierauf folgt ein klassischer Camelback, welcher die Insassen zumindest in der Theorie gut aus den Sitzen heben lässt. Immer noch weit über den Köpfen der Passanten folgt nun ein weiteres Tal bevor mit einem 127° steilen Immelmann Turn eine weitere Wende im Layout vollzogen wird. Auf einer Geraden wird nun die Geschwindigkeit für das nachfolgende Finale angepasst, denn statt klassisch in die Bremsen zu übergehen schießt man nun über ein kleines Gefälle, welches einen erneut aus den Sitz befördern kann, durch die Station und erneut den vertikalen Turm empor. Relativ weit oben und somit ohne großartige Energieverluste wird der Zug angehalten und in die Kette gehakt, woraufhin dieser zügig zurück zur Station gefahren wird.

Ich mag Abismo nicht. Eigentlich sollte das als Fazit ausreichen, denn großartig Freude daran mit dieser Achterbahn zu fahren habe ich einfach nicht. Die Fahreigenschaften sind unterirdisch, es rappelt wie Sau. Bereits im Jahr 2011 suchte ich die Airtime auf dieser Anlage vergebens und gebe es nun endgültig auf, denn auf eine weitere Fahrt verzichte ich gerne. Dabei könnte die Anlage überaus gut sein, wie es Daniel, welcher links neben mir saß, während der gleichen Fahrt erlebt hatte, dafür müsste aber das Bügelsystem deutlich aufgewertet werden.

Tarántula

Praktischer Weise befindet sich der Eingang des Spinning Coasters Tarántula direkt gegenüber dem Ausgang des Sky Loops Abismo. Trotz Einzelwagen bietet die Anlage die höchste Kapazität des gesamten Parks, wahrscheinlich aber auch nur wegen den getrennten Ein- und Ausgangsbereichen. Zumindest bewegt sich hier die Warteschlange angenehm schnell, wodurch die Wartezeit, verglichen zu den anderen Anlagen des Parque de Atracciones de Madrid, wie im Flug vergeht.

Kurz nachdem man in den vier sitzigen Chaisen Platz genommen hat beginnt die Fahrt auch sogleich mit einer Linkskurve in Richtung des recht großgeratenen Lifthügels. In einer Höhe von etwas mehr als 25m angekommen wird sogleich die Drehung der Gondel freigegeben, so dass man bereits die erste leicht kurvige Abfahrt mit einer seichten Drehbewegung absolviert. Hierauf folgt eine großzügig ausgelegte Wende, welche leicht einem Immelmann Turn ähnelt. Nun ist die Drehung der Gondel meist kaum noch zu stoppen, was auch der recht steilen kurvigen Auffahrt in die erste Blockbremse zu verdanken ist. Diese passiert man recht zügig, woraufhin man in einer weiteren Kurve in die Tiefe gerissen wird. Diese führt in einer großzügig ausgelegte Kurve mit Auf- und Abwärtsbewegungen über bis dann die zweite Blockbremse in luftiger Höhe erreicht wird. Diese entlässt einen in ein Gefälle, welches sogleich in einen Immelmann Turn, ähnlich dem aus Dragons Fury aus dem englischen Freizeitpark Chessington World of Adventures, überleitet. Eine Steilkurve fügt sich an, welche nach einem kurven Richtungswechsel recht gemächlich in die dritte Blockbremse überleitet. Ein rasanter Zickzackkurs bestimmt den Verlauf bis zur nächsten Blockbremse. Es folgen eine Links- und eine Rechtskurve bevor es dem Ende der Anlage entgegen geht.

Tarántula ist ein richtig guter Spinning Coaster mit einem fantastischen Layout, wobei leider die Strecke nicht ganz so überragend ist, wie bei den beiden englischen Vertretern dieser Art. Die Drehung auf der Anlage im Parque de Atracciones de Madrid ist jedoch ausgeprägt und sorgt somit fast automatisch für ein tolles Gesamterlebnis. Darüber hinaus ist die Gestaltung der Anlage gelungen, auch wenn sie nur sehr minimalistisch vorhanden ist, zumal sie mit der Themenfahrt La Cueva de las Tarántulas unterhalb der Achterbahn eine Einheit bildet. Leider ist dieser interaktive Darkride nur noch ein Schatten seiner selbst, denn bis auf Dunkelheit erkennt man leider kaum noch etwas.

El Aserradero, Tifon, Sillas Voladores und Rotor

Neben der recht langen Wildwasserbahn El Aserradero des Herstellers Zamperla mit zwei Schussfahrten und einem Tunnel an dessen Ende ein Wasserfall wartet, der sich nur von Zeit zu Zeit im richtigen Moment abschaltet, gibt es im Themenbereich Maquinismo noch eine Disk’o namens Tifon, den Wellenflieger Sillas Voladores und den HUSS Condor Rotor, von dem man eine wunderbare Sicht auf die darunter liegenden Achterbahn Tornado hat.

Tornado

In einer Sackgasse ohne Gleichen befindet sich seit dem Jahr 1999 der Intamin Suspended Looping Coaster Tornado. Die früher mal in Zitronengelb und –grün gehaltene Anlage zeigt sich seit einigen Jahren komplett in schwarz lackiert, wobei vereinzelt die alten Farben hervorscheinen. Die Streckenführung ist im Allgemeinen recht weit gezogen und frei von jeglichen Besonderheiten, diese kann man jedoch in der Stützkonstruktion der Anlage, im Besondern die Stützen der beiden Loopings, vorfinden.

Nachdem man die Zugangsrampe hinauf zur Station erklommen hat und die Station geräumt wurde kann der überlange Zug endlich beladen werden. Nachdem die Mitarbeiter diesen dann abgefertigt haben verlässt dieser die Station in einer leichten Rechtskurve um kurz darauf den Lifthügel empor zu steigen. Nachdem man die Ausgangshöhe von 30m erreicht hat führt der Zug einige Meter über eine kleine Gerade um sich dann mit vollem Einsatz in abwärtsführende Linkskurve zu werfen. Mit 80 km/h schießt der Zug durch das Tal hinein in den ersten Looping, welcher recht kraftvoll durchfahren wird. In einer weiten aufgeständerten Rechtskurve nimmt man erneut Schwung um sogleich den zweiten Looping zu passieren. Auch hierauf folgt eine Rechtskurve in deren Tal diesmal jedoch ein klassischer Korkenzieher wartet, welcher sehr schwungvoll durchfahren wird. In der darauffolgenden Linkskurve nimmt man abermals einige Höhenmeter auf, die nach einem Richtungswechsel in einer Abwärtshelix sogleich wieder abgebaut werden. Unterhalb des Lifts folgt nun der letzte Richtungswechsel hinein in die Kurve vor den Bremsen.

Tornado macht seiner Produktbezeichnung als SLC alle Ehre, obgleich der Hersteller ein anderer ist als bei den oft verschmähten Rappelkisten aus dem Hause Vekoma. Das Layout von Tornado ist schlichtweg langweilig und bietet bis auf die drei Inversionen nicht sonderlich viel auf zu viel Raum. Obwohl der Kontakt mit dem Bügel gering ausfällt, so sind die Vibrationen dieser Anlage bis zum letzten Meter spürbar, was unter anderem an den zu sperrigen Zügen liegt. Hinzu kommt eine relativ langatmige Abfertigung, bei der man sich einerseits fragt wie die Spanier die Anlage mit zwei Zügen überhaupt betreiben wollen und andererseits fragt ob es besagten zweiten Zug überhaupt gibt. Gerade wenn man von außerhalb Fotos machen möchte sollte man sich viel Zeit einplanen, besonders an ruhigeren Tagen an denen sich kaum ein Gast hierher verirrt.

Tranquilidad

Zeppelin, La Jungla and The Walking Dead Experience

Fast genauso ruhig wie die Gegend um Tornado ist der Themenbereich Tranquilidad, wobei hier zugegebenermaßen eher der Bär steppt. Hier befinden sich hauptsächlich ruhigere Fahrgeschäfte wie die Monorail mit unterhängenden Wagen namens Zeppelin oder die Floßfahrt La Jungla, die vor allem durch ihren alten Charme überzeugen kann. Aber auch einen Simulator oder den Star Flyer mit gleichen Namen, welcher das vormalige Wahrzeichen des Parks ersetzt, findet man hier. Freunde guter Grusellabyrinthe kamen mit El Viejo Caserón voll auf ihre Kosten, dieses wurde in diesem Jahr durch die The Walking Dead Experience ersetzt, womit die zusammengewürfelten Szenen wohl einem konsequenten Leitmotiv zum Opfer fielen und somit der Charme des seit 1989 bestehenden Gebäudes ein wenig in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Fantasia

Mit Fantasia bietet dieser Themenbereich jedoch eine echt nett gestaltete Themenfahrt nach dem Vorbild von Disneys It’s a small World. Die Bootsfahrt durch unsere ach so fröhliche und kleine Welt beginnt hier im Weltraum, denn man zeigt die Sicht außerirdischer auf diesen Planeten. Vorbei an kleinen Szenen, die mit wirklich niedlichen Puppen bestückt sind, geht es durch die unterschiedlichen Ländern unserer Welt, untermalt von einem kitschigen Soundtrack, welchen man jedoch kaum wahrnimmt. Dieses ist auch der größte Kritikpunkt bei der ansonsten sehr beliebten Anlage, denn neben der doch eher geringen Kapazität ist die Fahrt einfach nicht kitschig genug. Dabei muss man eigentlich nur die Musik, sowie die Beleuchtung der Szenen ein wenig anpassen und schon hätte man eine der besten Themenfahrten überhaupt. Im derzeitigen Zustand jedoch scheint der Zahn der Zeit etwas zu sehr an der Anlage genagt zu haben.

Bilder Parque de Atracciones de Madrid

Fazit Parque de Atracciones de Madrid

Der Parque de Atracciones de Madrid ist ein guter Park mit einem ganz eigenen Charme, welcher zu Zeiten des Tivoli Prinzips, also bis zum Jahr 2011, sicherlich deutlich ausgeprägter vorhanden war. Der Park bietet viele schöne Ecken, aber auch leider viele unschöne und ungenutzte Flächen, gerade im Themenbereich Tranquilidad. Trotz dessen scheint der Park eine richtige Strategie zu verfolgen, denn die Themenbereiche Nickelodeon Land und Naturaleza können sich seit dem letzten Update wirklich sehen lassen. Dabei bietet der Parque de Atracciones de Madrid selbst ein schönes Portfolio an Fahrgeschäften, welches mich jedoch nicht zum dauerhaften Verbleib einlädt, dafür ist mir dann auch irgendwann die Abfertigung an den Fahrgeschäften zu anstrengend. Zu einen weiteren Besuch am späten Nachmittag bis in die Abendstunden hinein würde ich beim nächsten Besuch der Stadt Madrid zumindest sicherlich nicht nein sagen.

 


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