Sydney und sein Holz

Der Luna Park Milsons Point ist wahrscheinlich der Freizeitpark mit der atemberaubendsten Aussicht von allen. Direkt neben der weltberühmten Harbour Bridge und in Sichtweite des Sydney Opera House gelegen, bietet der klassische Tivoli-Vergnügungspark mitunter die beste Unterhaltung in Australien.

Interessanterweise beginnt die Geschichte des Freizeitparks in Adelaide. Von 1930 bis 1934 gab es dort den Luna Park Glenelg. Aufgrund politischer Entscheidungen in South Australia, die den Betrieb des Parks nicht mehr rentabel machten, suchten die Philipps Brothers einen neuen Standort in Sydney. Gleichzeitig wurde die Nutzung des ehemaligen Dorman Long Geländes für Volksvergnügungen ausgeschrieben. Die Gebrüder Phillips gewannen die Ausschreibung und verlegten die Fahrgeschäfte kurz darauf an den neuen Standort am Milsons Point. Ein Jahr später wurde der Luna Park eröffnet.

In den 1950er Jahren übernahmen unter anderem David Atkins und Ted Hopkins den Park von den Philipps Brothers. 1969, als Hopkins in den Ruhestand ging, wurde der Pachtvertrag von der World Trade Centre Pty Ltd. übernommen. Als erste Maßnahme schloss das Konsortium viele der alten Fahrgeschäfte und ersetzte sie durch neue amerikanische Thrill-Rides. Ein neuer Spielplan, ein neuer Slogan und sogar ein Maskottchen wurden eingeführt, um den Park populärer zu machen und das, obwohl 1975 der Pachtvertrag auslief. Zwar durfte der Luna Park weiter betrieben werden, doch sein Fortbestand war nicht gesichert. Nach zwei Zwischenfällen im Jahr 1979 schrieb die Regierung von New South Wales den Betrieb neu aus.

Australian Amusements Associates gewann die Ausschreibung im September 1980 und übernahm Anfang Juni 1981 die Verwaltung des Geländes. Der Luna Park wurde zwischen 1982 und 1988 als Harbourside Amusement Park weiter betrieben. Nachdem zwei unabhängige Ingenieure festgestellt hatten, dass mehrere Fahrgeschäfte im Park für Renovierungen und Reparaturen stillgelegt werden müssten, wurde der Park am 10. April geschlossen. Im November wurde der Pachtvertrag an die Luna Park Investments Pty Ltd. übertragen – und das Chaos nahm seinen Lauf. Nach mehreren Anträgen, den größten Teil oder den gesamten Luna Park durch Apartmenthäuser und Hotels zu ersetzen, und ohne ein erkennbares Interesse an dem Vergnügungspark, stellte die Regierung von New South Wales der Firma ein Ultimatum, den Luna Park bis zum 1. Juni 1990 zu öffnen. Kurz darauf wurden Fahrgeschäfte versetzt, neu gestrichen und umbenannt, um den Anschein zu erwecken, das Gelände für den Betrieb vorzubereiten. Die Direktoren brachten immer wieder Ausreden vor, um einen Aufschub zu erreichen, doch kurz nach dem Ultimatum wurde der Pachtvertrag gekündigt und der Luna Park Reserve Trust gegründet. Kurz darauf nahm der National Heritage Trust mehrere Gebäude auf dem Gelände in seine Liste der geschützten Bauwerke auf.

Von 1991 bis 1995 erhielt der Park eine umfassende Sanierung, die zur Installation der Achterbahn Big Dipper von Arrow Dynamics führte. Aufgrund von Lärmbeschwerden der neuen Bahn musste der Park die Betriebszeiten der Anlage reduzieren, was zu einem Rückgang der Besucherzahlen führte und schließlich 1996 zur Schließung des Parks. Im Juni 1997 stellte die Regierung von New South Wales der Öffentlichkeit vier Entwicklungsvorschläge vor. Im Februar 1998 rief das NSW Department of Public Works and Services zur Einreichung von Vorschlägen für die Neugestaltung des Luna Parks auf. Die Metro Edgley Group gewann die Ausschreibung. Ihr Vorschlag sah vor, dass die meisten Fahrgeschäfte erhalten bleiben sollten, forderte aber, dass der Big Dipper durch einen Mehrzweck-Konzertsaal ersetzt werden sollte und bat darum, den Crystal Palace als Veranstaltungszentrum umzubauen. Während des langen Entscheidungs- und Genehmigungsprozesses durfte der Luna Park Ende 2000, Anfang 2001 während der Olympischen Spiele und der Sommersaison betrieben werden.

Die Sanierung und Restaurierung des Luna Parks wurde über 14 Monate durchgeführt. Seit dem Jahr 2004 hat der Freizeitpark wieder durchgängig geöffnet.

Betritt man den Freizeitpark durch das ikonische Eingangsportal mit seinem lachenden Gesicht, findet man zu seiner rechten Seite gleich eine der Knallerattraktionen des Freizeitparks: ein Rotor. Das von W. Ernst Hoffmeister patentierte Fahrgeschäft lässt seine Fahrgäste allein durch die Zentrifugalkraft des rotierenden Zylinders und der Reibung zwischen Fahrgast und Holzwand an eben jener kleben. Ein herrlicher Spaß, der jedoch leicht zu Schwindelgefühlen führen kann.

Weniger wild geht er derweil auf dem Wellenflieger Volare und dem Musikexpress Tango Train daher. Der wunderschöne und recht neue Musikexpress bietet dabei gleich zwei Fahrprogramme: Mild und Wild. Dabei ist gerade die wildere Fahrt empfehlenswert, da diese sowohl vorwärts wie auch rückwärts stattfindet.

Direkt gegenüber kann man auf dem Ferris Wheel die Aussicht genießen oder eine Fahrt auf dem Hair Raiser wagen. Der kleine Freifallturm der Firmen Larson & ARM Rides hat es konstruktionsbedingt überaus in sich, denn dank der über dem Fahrgast angebrachten Blenden weiß man nie, wann man die Spitze des Turmes erreicht hat und sogleich nach unten fällt. Durch den zudem sehr kurzen Bremsweg entsteht darüber hinaus auch ein sehr intensives Fallvergnügen.

Oberhalb des Autoscooters Dodgem City befand sich früher einmal die Station der Achterbahn Big Dipper und zukünftig der Eingang zur Achterbahn New Big Dipper – ein Single Rail Coaster der Firma Intamin. Zum Zeitpunkt meines Besuchs war hiervon noch gar nichts bekannt und so erfreute ich mich nur an einer Fahrt auf der HUSS Troika Tumble Bug, welche mittlerweile den Park verlassen hat.

Auf der anderen Seite der Main Street befindet sich der Zugang zur Holzachterbahn Wild Mouse. Leider gehört die hölzerne Wilde Maus zu einer aussterbenden Spezies und seit dem Wegfall der Wild Mouse aus dem englischen Blackpool Pleasure Beach kann man diese Art von Achterbahn nur noch hier oder in Indonesien erleben. Dabei sind hölzerne Wilde Mäuse vor allem eines: Verdammt gute Achterbahnen!

Die Fahrt auf der Wild Mouse beginnt nach einer Rechtskurve mit der Erklimmung des Lifthügels. Oben angekommen rasen wir auch schon durch eine Reihe von engen Haarnadelkurven, ehe wir in einer weiten Kurve eine Ebene nach unten sausen. Nach zwei längeren Geraden nähern wir uns dann der ersten großen Schussfahrt und werden sogleich von der Sitzfläche gehoben. Nachdem wir im Tal wieder mit dem Sitz in Berührung gekommen sind, geht es sogleich untermalt von feinster Airtime über einen weiteren Hügel. Nach einem Anstieg überqueren wir nun, leicht in die Seitenwand des Wagens gepresst, den Eingangsbereich der Achterbahn. Nach einer knackigen S-Kurve stürzen wir uns ein weiteres Mal zu Boden. Auch hier erleben wir Airtime par excellence. Nach einem letzten Hügel und zwei überaus schnellen Geraden nähern wir uns dann dem Ausstiegsbereich der Anlage.

Die Wild Mouse ist ein Knaller an Achterbahn und ich hoffe, dass diese dem Luna Park noch lange erhalten bleiben wird. Sie gehört gewiss zu den besten Holzachterbahnen weltweit und gehört damit zu den Top-Sehenswürdigkeiten in Sydney für jeden Achterbahnfan.

Eine weitere Sehenswürdigkeit für jeden Freizeitparkfan ist das große Fun House Coney Island, welches eine Vielzahl an Attraktionen bietet. Neben klassischen Cake-Walk-Elementen findet man hier auch ein Teufelsrad, ein Spiegellabyrinth, eine Vielzahl sehr steiler Rutschen und eine überaus bemerkenswerte Sammlung alter Flipperautomaten.

Direkt hinter dem Fun House befindet sich eine größere Parkfläche, die jedoch weniger charmant daherkommt und einige Rundfahrgeschäfte aufweisen konnte. Hier standen der Break Dance Spider, sowie der Moon Ranger. Letzterer war auch einer der Gründe, warum ich unbedingt einmal in den Luna Park Sydney fahren wollte, denn so ein HUSS Ranger ist eine leider sehr rar gewordene Spaßmaschine sondergleichen. Nun wurde die Fläche neu konzipiert und kann bald gleich zwei neue Achterbahnen aufweisen: Little Nipper und Boomerang. Ebenfalls wird es hier eine Ansammlung neuer Familienfahrgeschäfte aus dem Hause Zamperla geben, wie auch das große Überschlagskarussell Sledgehammer.

Der Luna Park Sydney hat mir richtig gut gefallen. Leider hatte ich nur etwa 2 ½ Stunden im Park zur Verfügung, dennoch hat mir jede Minute im Park richtig gut gefallen. Der Charme des alten Vergnügungsparks, die atemberaubende Lage, wie auch die überaus gute Auswahl der Attraktionen prägen den Luna Park, wie kaum einen anderen Park in Australien.

 

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Zipper-Dee-Doo-Dah in Cleveland

Da ich mich gerade beruflich in Ohio aufhalte, habe ich jetzt am Samstag die Chance genutzt den I-X Indoor Amusement Park in Cleveland zu besuchen. Bereits zum 30. mal findet die Kirmes im International Exposition Center (kurz I-X Center) statt. Der Name Amusement Park passt dank des einmaligen Eintrittspreises und des vielfältigen Showprogramms ganz gut, ansonsten aber handelt es sich um eine typische amerikanische Großkirmes. Der Clou an der Sache ist die Wetterunabhängigkeit der Kirmes und die Interaktion vieler Fahrgeschäfte mit der Hallendecke.

Die meisten Fahrgeschäfte kommen dabei von der Baker Bros. Amusement Company. Rockwell Amusements, SwikaS Amusements und Reithoffer Shows stellen jeweils eine Achterbahn. Insgesamt kann die Kirmes sechs Achterbahnen vorweisen, drei davon für Kinder. Wichtiger für mich war es jedoch endlich mal einen Zipper zu fahren.

Der Klassiker aus dem Hause Chance ist wie auch der Tilt-a-Whirl und Sizzler von keiner Kirmes in den USA wegzudenken – das Oval mit den Umlenkrollen an beiden Enden wurde seit dem Jahr 1968 immerhin gute 200 mal verkauft. Und auch auf europäischen Plätzen konnte man in der Vergangenheit schon Zipper antreffen; sie sind nur sehr selten.

Die Fahrt selbst gleicht der auf einem Top Spin: Es wird geschaukelt, gerollt und sich teilweise wild überschlagen. Nur eine Gondelbremse gibt es nicht; man überlässt also alles mehr oder weniger dem Zufall. Die Geschwindigkeiten während der Fahrt sind meist konstant: Der Hauptarm dreht sich mit sieben Umdrehungen in der Minute, während es die Stahlseile auf immerhin vier Umdrehungen schaffen. An den Umlenkpunkten folgt dann jedesmal ein kurzer Beschleunigungskick, der die Gondeln mit etwas Glück in eine ordentliche Rotation versetzt. Da man dabei nur durch einen komfortablen Beckenbügel gesichert ist, ist festhalten an den Haltestangen definitiv angesagt.

Dabei ist die Fahrt in den engen Käfigen definitiv nichts für großgewachsene Menschen. Bei Schuhgröße 46 hat man zudem Probleme die Füße ordentlich zu platzieren. Personen mit einem schwachen Magen werden durch die ganze Schaukelei – gerade gegen Ende der Fahrt – schnell an ihre Grenzen kommen. Der Zipper selbst ist jedoch ein Meisterwerk der Ingenieurskunst der späten 60er Jahre. Noch vor dem großen Loopingfieber der 70er Jahre stellte dieser die Kirmeswelt Überkopf. Schade nur, dass dieser Zipper hier an unseren Besuchstag ein wenig überschlagsarm unterwegs war. Am Ende schaukelten wir nämlich mehr, als das wir irgendetwas anderes gemacht hätten.

Zum Glück gibt es im Indoor Amusement Park dafür aber noch genügend andere Möglichkeiten, wobei wir uns auf Grund des Andrangs nur auf dem Fabbri Kamikaze konzentrierten. Das italienische Fahrgeschäft bietet neben sekundenlanger Verweildauer am oberen Scheitelpunkt der Fahrt – trotz der Schulterbügel – auch wunderbare Hangtimemomente während der schnellen Überkopffahrt. Man hebt also wunderbar aus dem Sitz ab, während man im Tal wiederum ordentlich in diesen hinein gedrückt wird. Eine tolle Anlage, auch wenn der Bügelmechanismus ein wenig seltsam daherkommt und die Fahrt schlussendlich vielleicht doch etwas zu lang war.

Neben der kleinen Drehmaus Wild Mouse aus dem Hause Zamperla und dem kleinen Pinfari Wild Cat gleich nebenan, sorgt vor allem eine Achterbahn für Adrealinschübe. Der kleine Wing-Coaster-Butterfly aus dem Hause A.R.M. Rides hat es nämlich faustdick hinter den Ohren. Nachdem man in den 16 Personen fassenden Zug Platz genommen hat geht es recht gemächlich eine viel zu steile Gerade empor. Am oberen Ende angekommen klinkt der Zug dann zügig aus, woraufhin man überaus schnell zu Boden stürzt. Der Übergang zwischen dem viel zu steilen Lift und der aufsteigenden Geraden danach ist dann jedoch das einzige Highlight, da hier der Name der Achterbahn ganz plötzlich zum Programm wird. Nachdem man nun die G-Force erlebt hat, pendelt man leider recht zügig wieder aus und kommt dann auch wieder zum Stehen. Irgendwie schade, dass die Anlage nicht von Sunkid Heege kommt; die Fahrt wäre dann sicherlich noch berauschender 😀 .

Der I-X Indoor Amusement Park in Cleveland ist schon eine ziemlich coole Kirmes. Die Auswahl der Fahrgeschäfte ist durchaus ausgewogen und bietet für jeden Geschmack etwas. An unserem Besuchstag war der Indoor Amusement Park ziemlich gut besucht, das Wetter draußen war aber auch den ganzen Tag unter aller Sau. Wenn es etwas leerer ist kann man hier definitiv ziemlich viel Spaß haben, mir selbst hat die Kirmes sehr gut gefallen. Die Stimmung war toll und das Gimmick mit der Hallendecke wertet so gut wie jede Fahrt ziemlich auf.

 


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Mit der Formule 1 auf die schiefe Bahn

Der Ursprung des Freizeitparks Parc Saint Paul liegt im Jahr 1978 als am Rande des Örtchens Saint-Paul ein kleines Ausflugsziel mit Ponyreiten, Bootsverleih und einem Lokal entstand. Fünf Jahre später kaufte der Schausteller André Campion das Gelände. Dieser stellte gut zwanzig Fahrgeschäfte in den Park und taufte diesen unter seinem heute bekannten Namen. Im Jahr 1999 übernahm der Sohn Gilles Campion das Geschäft. Dieser baute den Park dann zum Freizeitpark aus. Wo man vorher den Park frei betreten und für einzelne Attraktionen zahlen musste, galt fortan ein einheitlicher Eintrittspreis. Bereits im nächsten Jahr folgte mit dem Wild Train die erste Achterbahn des Parks. Seither zeichnet sich der Freizeitpark durch eine interessante Auswahl an Fahrgeschäften aus ohne dabei seine Hauptzielgruppe – Familien mit kleineren Kindern – außer Acht zu lassen.

Bereits auf dem Weg zum Eingang fallen uns eine Vielzahl an Kinderkarussells und familienfreundliche Fahrgeschäfte auf. Meist kommen diese von der SBF Visa Group und sind neueren Baujahrs. Doch die eigentliche Attraktion in diesem Bereich ist das Personal, welches nicht nur den Einlass kontrolliert, sondern auch für Fotos zur Verfügung steht. Wo ich anfangs noch dachte das Personal sei hier auf Stelzen unterwegs, so war ich doch sehr überrascht tatsächlich auf 2m20 große Personen zu stoßen. Darunter befindet sich auch der mit 2m46 zweitgrößte Mensch der Welt Monsieur Brahim Takioullah.

Die erste Achterbahn auf unserem Rundlauf ist der Aérotrain. Diese Achterbahn aus dem Hause Vekoma stand zuvor in einem Einkaufzentrum in Portugal, wo sie als Montanha Russa bis ins Jahr 2013 betrieben wurde. Dank ihrer Lage und dem daraus resultierenden Verlauf oberhalb der Besucher ist die Bahn recht weit hochgeständert. Glück im Unglück suchte Gilles Campion eine Art Monorail für den Parc Saint Paul, damit dieser auch von oben betrachtet werden kann, als Cedeal Rides ihn diese Gebrauchtanlage als Vorschlag vorlegten.

Die Fahrt auf dem Aérotrain beginnt mit einer kurzen Linkskurve, an der sich der Reibradlift der Anlage anfügt. Auf einer Höhe von 11m angelangt geht es sogleich hinab. Das kurze Gefälle geht sogleich in eine Linkskurve über an der sich eine nach rechtsdrehende Helix anschließt. Über eine sehr lange Linkskurve nehmen wir langsam wieder etwas an Höhe zu, ehe wir diese in einer weiteren Helix auch schon wieder abbauen. Nach einer längeren Geraden folgt nur noch eine kurze Linkskurve bevor dann die Station auch schon wieder erreicht wird. Es folgt eine weitere Runde, ehe die Fahrt dann endet.

Auch wenn der Aérotrain nicht so schnell ist, wie der namensgebende Luftkissenzug, so ist die Fahrt ein durchaus kurzweiliges Vergnügen. Die Fahrt fällt generell seichter aus als die meisten Rollerskater und ist dadurch eine ideale Einstiegsachterbahn für die kleinsten Parkgäste.

Etwas spannender geht es derweil bei der Arche de Noé statt, einer Schiffschaukel des Herstellers Metallbau Emmeln. Diese wurde entsprechend der Thematik gestaltet, weswegen man zahlreiche Tierplastiken an der Anlage und um sie herum entdecken kann. Auch die Fahrt kann mit ihren kleineren Airtimemomenten durchaus überzeugen.

Ebenso überzeugend zeigt sich die Schlauchbootrutsche Aqua Splash desselben Herstellers direkt nebenan. Wir folgen derweil dem Weg am großen See entlang, wo sich einige Tretboote und der Mississippi-Dampfer des Parks tummeln. Vorbei an zahlreichen Spielplätzen und einer Trampolinhalle erreichen wir dann die zweite Achterbahn auf unserem Rundlauf.

Die Mini-Mouse Cartoon ist eine sehr familienfreundliche Achterbahn, bei der ein Zug durch eine Reihe von Haarnadelkurven geschoben wird. Auf den verbindenden Geraden gibt es zudem kleinere Hügel, ähnlich denen eines Wacky Worms, die die Fahrt ein wenig auflockern. Die Fahrt selbst ist jedoch sehr gemächlich. Je nach Andrang fährt man mehrere Runden durch das Layout.

Direkt nebenan steht mit der Téléphérique eine scheinbar harmlose schienengeführte Seilbahn. Doch der Schein trügt, denn sollte man auf die Idee gekommen sein die Fahrt mit einem Rucksack auf den Rücken zu fahren, so nehmen die Fliehkräfte überhand und man muss sich ganz schön festhalten, um nicht herunter zu fallen. Ein sehr interessantes Spielgerät und ein noch interessanterer Grauzonencount.

Nachdem ich bereits im japanischen Freizeitpark Yomiuriland und im italienischen Mirabilandia das von Preston & Barbieri erbaute Crazy House auf Grund fehlender Sprachkenntnisse nicht gefahren bin, konnte ich dieses bizarre Fahrgeschäft nun endlich mal testen. Die Witze und Spezialeffekte des Maison Foldingue sind jedoch nicht sonderlich erwähnenswert, genauso wie der Fahrtablauf der Anlage. Eine bizarre Idee, die bei Kindern sicherlich gut ankommt.

Genauso wie das Kinderlied der Souris Verte. Im Parc Saint Paul jedoch verkörpert die grüne Maus eine Drehgondelachterbahn des Herstellers Zamperla. Die Fahrt durch das bekannte Layout verläuft leider ohne größere Drehung der Gondel.

Da bei der Achterbahn Wild Train der Zug fehlte, konnte ich diese Achterbahn leider nicht testen. Nebenan jedoch steht mit dem Tour Descente Extrême ein weiteres Produkt der ehemaligen russischen Firma Pax, welches nur so darauf wartete endlich getestet zu werden. Der 40m hohe Freifallturm bietet eine sehr skurrile Fahrt, denn ehe man zum Fall kommt wird man erst einmal ewig durch die Magnetbremse gezogen, die in etwa die Hälfte des Turms in Anspruch nimmt.  Durch diesen Umstand ist auch die Bremsung überaus rabiat. Ça me plait beaucoup! So einen Fall habe ich von Pax bei bestem Willen nicht erwartet, der ist grandios. Die Fahrt selbst nimmt jedoch ihre Zeit in Anspruch; es ist also kein Wunder, dass man nicht so viele Anlagen von Pax vorfinden kann.

Deutlich häufiger hingegen findet man Achterbahnen vom Typ Big Apple, in Frankreich auch gerne La Pomme genannt. Der hiesige kommt von der türkischen Firma DAL Amusement Rides Company. Besonders an der Anlage ist ihre stark präsente und überaus einladende Deko, die die Fahrt merklich aufwertet.

Vorbei am Riesenrad Grande Roue und den P’tits Lapins zieht es uns nun in den hinteren Bereich des Parks. In einem Anwesen und dessen Vorhof finden wir zahlreiche Laufgeschäfte, die Hauptgastronomie des Parc Saint Paul, sowie den Platz des Wellenfliegers Chaises Aériennes vor, der zum Zeitpunkt des Besuchs jedoch noch nicht aufgebaut war.

Von den vier Laufgeschäften überzeugt vor allem das Château Hanté, welches durch eine riesige Ansammlung an Animatroniks und absoluter Dunkelheit beängstigender wirkt, als so manche Geisterbahn hierzulande. Der Parcours 3D hingegen ist zu kurz, um ihn wirklich wahrzunehmen. Das Spiegelkabinett Miroirs Magiques und das schiefe Haus Toi aussi deviens un Géant runden das Angebot ab.

Direkt nebenan befindet sich die aufwändig gestaltete Wildwasserbahn Dino Splash des Herstellers Interlink. Bereits die Warteschlange der Anlage ist überraschend ansprechend gestaltet und lässt auf eine aufregende Fahrt hoffen.

Die Fahrt beginnt recht zügig mit der Erklimmung des ersten Lifthügels. Oben angekommen durchrollen wir eine enge Linkskurve, ehe dann bereits die erste Schussfahrt wartet. Über einen markanten Doppeldrop geht es dann überaus rasant und mit seichter Airtime hinab. Gut durchnässt rasen wir durch die Auslaufstrecke, ehe wir in der anschließenden Rechtskurve ein wenig gebremst werden. Über eine Gerade mit etwas Wildwasser und einem Wasserfall zur linken Seite zieht es uns nun in Richtung des zweiten Lifts. Dieser bringt uns auf 11m Höhe, woraufhin sich eine Rechtskurve anschließt. Kurz darauf geht es die zweite Schussfahrt mit ihrem signifikanten Dinosaurierrückgrad hinunter. Hier erwartet uns dann eine ordentliche Dusche, woraufhin wir den Rest der Fahrt komplett durchnässt verbringen. Nach einer längeren Geraden an der Front vorbei erreichen wir dann auch wieder die Station der Anlage und steigen glücklich und zufrieden aus dieser wirklich tollen Wildwasserbahn.

Während in der Halle der Teen’s Party Holz für die Achterbahn Wood Express gelagert wurde, tummelten sich die Parkgäste auf Autoskooter, einer Teppichrutsche und dem Musik Express Safari Trip. Letzterer bietet durch seine Vor- und Rückwärtsfahrt eine echt schöne Fahrt. Unschön hingegen ist, dass auf der Teppichrutsche scheinbar Narrenfreiheit herrscht; hier zeigte sich das Parkpublikum von seiner unschönsten Seite. Generell fiel mir dieses im gesamten Tagesverlauf eher negativ auf, da sich vor allem eine marokkanische Familie und Geburtstagsgruppe wirklich danebenbenahm und ständig vom Parkpersonal – welches wirklich vorbildlich handelte – zurückgewiesen werden musste.

Generell ist das Personal im Parc Saint Paul verdammt freundlich. Als ich zum Beispiel im Lift der Achterbahn Formule 1 steckenblieb, da die Anlage unerwartet einen Notaus hatte, informierte man mich über jeden Schritt, bis dann die Anlage wieder lief. Auch nach der Fahrt entschuldigte man sich bei mir für die Unannehmlichkeit und brachte mir noch schnell meinen Rucksack, da ich den Wagen in diesem Fall im eigentlichen Ausstiegsbereich und nicht erst in der Station verlassen musste.

Die Fahrt auf der etwas anderen Wilden Maus Formule 1 des Herstellers Pax beginnt mit einer sehr, sehr steilen Auffahrt, an der sich sogleich ein ausgeprägter Pre-Drop anschließt. Recht zügig durchrasen wir nun eine Senke, ehe wir zur großen Schussfahrt ansetzen. Über eine enge Kuppe schießen wir nun gen Boden und werden dabei unerwartet stark aus dem Sitz gehoben. Über einen überaus airtimereichen Double-Up geht es dann erneut nach oben. Nach einer engen Kurve erwartet uns auch bereits die erste Blockbremse.

Erst jetzt folgen die Haarnadelkurven, die jedoch auch hier einen ganz besonderen Clou aufweisen. Die Einfahrt in diese erfolgt nämlich immer nach außen geneigt, während die Ausfahrt dieser nach innen geneigt ist. Eine ziemlich abgefahrene Angelegenheit. Nach insgesamt fünf Kurven ist dieser Abschnitt auch wieder vorbei und wir fahren (weiterhin nach außen geneigt) in eine Wendekurve ein. Hieran schließen sich gleich mehrere Auf- und Abfahrten an, die einen wieder einmal ordentlich aus dem Sitz heben. Nach einem weiteren Blockbereich verläuft die Fahrt ein wenig gemächlicher und so fährt man über mehrere Rechts-/Linksschwenker einmal quer durch die Anlage. Nach einer längeren Rechtskurve fügt sich dann die Auffahrt in die Bremsstrecke an. Nach der Fahrt durch den eigentlichen Ausstiegsbereich erreicht man nach einiger Zeit auch wieder die Station und kann dann auch aussteigen.

Die von Pax erbaute Anlage war für mich schon seit längerer Zeit der Grund irgendwann mal zum Parc Saint Paul zu fahren. Da bereits seit längerer Zeit das Gerücht einer baldigen Schließung der Anlage durch die Foren geht, war ein Besuch sozusagen unumgänglich. Da war es mir auch ganz egal, ob irgendwann im Laufe der Saison die Holzachterbahn Wood Express eröffnen würde. Pax geht vor. Die Fahrt auf Formule 1 ist wie zu erwarten brachial, bizarr und superbe. Die Airtime auf der Anlage sucht ihres Gleichen und die Mauskurven sind schlichtweg genial. Eine wirklich schöne und interessante Anlage.

Der Parc Saint Paul ist ein überaus seltsamer Vergnügungspark. Er wirkt konzeptlos und hingeklatscht. Auf der anderen Seite jedoch bietet man viele interessante Anlagen, die man in dieser Fülle nicht wirklich oft vorfinden kann. Allein die von Pax erbauten Anlagen sind den Besuch wert. Ob ich jedoch so schnell wieder in den Park möchte, mag ich zu bezweifeln. Als einziger Park meiner Reise, konnte mich der Park nicht so wirklich überzeugen. Das lag vor allem an seinem doch recht asozialen Publikum.


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