Alpsee Coaster (2019)

Der Alpsee Coaster ist für mich als norddeutscher Achterbahnfan eine überaus exotische Alpine-Coaster-Anlage des Herstellers Wiegand, da er recht weit von jeglichen (für mich relevanten) touristischen Zielen entfernt gelegen ist; sprich: Er liegt am Arsch der Heide oder wie es die Süddeutschen gerne sagen in Buxtehude. Ohne einen weiteren Grund wäre ich so schnell auch gar nicht in der Nähe von Kempten (Allgäu) vorbeigekommen, weswegen der Besuch auch erst durch eine erfrischenden Runde Wildwasser-Rafting auf der Iller beim Anbieter MAP-Erlebnis Zustande kam. Mit von der Partie war mein englischer Kumpel William mit dem es allein auf dem Hinweg – ausgelöst durch das Ende der Schulferien in Bayern – durch 5-6 Stunden Stau und unzählige Baustellen ging.

Nach einer Nacht im Hotel ging es dann ausgeruht zum Alpsee Coaster, der bereits durch seine Lage – direkt am Alpsee gelegen – überzeugen kann. Es war ein kalter, verregneter Tag und bis auf ein paar mutige Wanderer waren keine Besucher vorhanden; auf der 2700m langen Strecke zumindest war niemand zu sehen. Die Temperatur wurde mit jedem Meter des Aufstiegs immer geringer. Oben angekommen setzte dann auch noch ein Regenschauer ein. Statt einer Fahrt zog es uns also erst einmal in die Berghütte Bärenfalle, wo wir eine warme Mahlzeit zu uns nahmen.

Gut gestärkt konnte es nun also auf die – durch den Regen – gut geschmierte Fahrt gehen. Da es schwierig ist den erlebten Irrsinn der Fahrt in Worte zu fassen, habe ich für euch ein POV aufgenommen:

 
 

Direkt nach den ersten drei Serpentinen rasen wir bereits über den ersten größeren Jump, welcher den Schlitten schnell auf seine Maximalgeschwindigkeit befördert. Kurze Zeit später fliegen wir ein weiteres Mal über einen Schussfahrt. Nach einer äußerst flotten Passage durch den Wald geht es über mehrere Wellen, die einen gekonnt aus der Sitzschale reizen und einen dabei ein wenig durchschütteln. Mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht folgen mehrere steilere Kurvenpassagen, die zwischendurch immer wieder durch Wellen und Jumps unterbrochen werden. Nach einigen ruhigeren Passagen (die bei anderen Anlagen bereits ein Highlight darstellen) geht es dann ab 1:01 wieder ordentlich zur Sache. Auf einem Jump folgen im schnellen Wechsel einige sehr enge und steile Kurven. Hat man sich auch davon erholt wird ab 1:25 eine sechs sekündige Airtime-Orgie eingeleitet. Nach einer Vielzahl an Serpentinen fügt sich nach 2:15 eine weitere Wellenpassage an. Auch hiernach geht es weiterhin in Serpentinen den Berg hinunter, ehe dann gegen Ende noch eine Helix auf die Mitfahrer wartet.

Der Alpsee Coaster der Alpsee Bergwelt bietet eine absolut wilde und atemberaubende Fahrt, die so kaum eine andere Achterbahn in Deutschland aufweisen kann. Er ist ohne Zweifel jedem anderen Alpine Coaster in Deutschland überlegen; zumal neuere Anlage heutzutage mit Magnetbremsen ausgestattet sind, die meist zu sehr in das Geschehen eingreifen (auch ältere Anlagen, wie z.B. der Hasenhorn Coaster in Todtnau, wurden durch ein Upgrade zu diesem System leider verschlimmbessert). Wie immer bleibt jedoch das Risiko, dass ihr auf eurer Fahrt einen Schleicher vor euch habt und spätestens dann kann die 2700m lange Fahrt zu einer ziemlichen Geduldsprobe werden. Ungebremst jedoch ist sie eine Mordgaudi und sollte von jedem Achterbahnfan mal gefahren werden (zumindest solange bis auch hier ein neues Sicherheitssystem installiert wird).

 

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Ein Spaß für die ganze Familie

Parc des Combes

Wenn die Spurweiten einiger Modelleisenbahner zu groß werden, dann kann auch ein Freizeitpark daraus entstehen. So in etwa kann man die Geschichte des Parc des Combes zusammenfassen. Im Jahr 1985 entschieden sich Modeleisenbahner aus Le Creusot und der lokale Politiker, sowie spätere Präsident der NPO Chemin de Fer Touristique des Combes, Serge Chevalier die alte Trasse der Chemin de Fer des Crouillottes wieder aufleben zu lassen.

Ursprünglich diente die Strecke dazu Schlacke der Hochöfen der Usines Schneider auf das Plateau de la Combe zu befördern und dort zu entsorgen. Bereits in den 50er Jahren wurde diese jedoch stillgelegt und zurückgebaut. Nun galt es also die Strecke neu zu verlegen. Die Gleise, Schienen und Schwellen wurden dabei der Creusot-Loire entnommen – einem kurz zuvor Konkurs gegangenen Stahlunternehmen. Fünf Jahre später erfolgte dann die Eröffnung des ersten Abschnitts mit einer Streckenlänge von 2,5 km vom Bahnhof Parc des Combes bis hinunter zur Combe Denis. Der heutige Streckenrundkurs des Train des Combes von 5,2 km wurde fünf Jahre später fertiggestellt. Weiterhin erfolgte die Errichtung eines Bahnhofs im Stadtzentrum von Le Creusot, unweit des eigentlichen Bahnhofs der SNCF und damit verbunden der Bau des dritten Abschnittes, welcher dann im Jahr 1999 abgeschlossen werden konnte. In den französischen Sommerferien besteht seither die Möglichkeit mit dem Train des Deux Vallées auf einer Streckenlänge von 10 km vom Stadtzentrum hinauf zum Freizeitpark zu fahren. Zusätzlich besteht an ausgewählten Tagen im Juli die Möglichkeit mit einer Dampfeisenbahn zu fahren.

1996 erfolgte die Errichtung einer Sommerrodelbahn aus dem Hause Wiegand. Der Erfolg der Luge d’été setzte das Fundament für die heutige Ausrichtung des Parks. Im Jahr 2003 folgte dann mit dem Déval’Train eine Familienachterbahn des niederländischen Herstellers Vekoma. Die Folgejahre sind geprägt von kleineren Neuheiten, ehe man dann mit dem Alpine Coaster 2007 neue Maßstäbe in den Besucherzahlen setzten konnte. 2011 präsentierte man mit dem Boomerang eine Neuentwicklung aus dem Hause Vekoma, die den Parc des Combes auch überregional bekannt machte. 2013 folgte mit dem interaktiven Überschlagsfahrgeschäft L’Escadrille ebenfalls eine Neuentwicklung aus dem Hause Technical Park. Das muss den Franzosen gefallen haben, andernfalls ist der Folgeschritt für einen Park dieser Größe kaum zu erklären, denn 2017 zog mit Canad’R ein Flying Fury in den Park ein. Wohlgemerkt eine von insgesamt nur zwei Anlagen. Vraiment magnifique!

Bevor wir uns nun daran wagen den Berg hinauf zum Selbststeuerpropeller zu besteigen, heißt es erst einmal uns mit dem Pass Partout auszustatten, dem all-you-can-ride Whistband des Parks ganz ähnlich denen eines Tivolis. Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit Einzeltickets zu kaufen, was sich jedoch wirklich nur lohnt, wenn man für bis zu vier Fahrten in den Parc des Combes gekommen ist und einem der Train Touristique nicht interessiert. Natürlich kann man für die Zugfahrt ebenfalls ein Sonderticket kaufen, wenn einem der Freizeitpark nicht anspricht. Der eigentliche Eintritt ist frei.

Alpine Coaster

Vorbei am Bahnhof des Combes, welches die Parkgastronomie beinhaltet und einer Vielzahl kleinerer Kinderfahrgeschäfte bahnen wir uns unseren Weg zu den beiden Rodelbahnen. Wir reihen uns in die linke Warteschlange ein und sitzen sogleich als erster Fahrgast des Tages im Alpine Coaster.

Während der Auffahrt haben wir einen hervorragenden Blick auf die noch anstehenden Attraktionen, allen voran dem Canad’R. Oben angekommen nehmen wir in mehreren kleinen Zickzackkurven stetig an Geschwindigkeit zu. In den nachfolgenden Serpentinenkurven überqueren wir mehrere kleinere Wellen, die uns etwas aus dem Sitz heben lassen. Kurz darauf rasen wir einer Helix entgegen. Mit nun ausgeprägter Geschwindigkeit brettern wir durch eine langgezogene Linkskurve und alsbald über einen wunderschönen Jump. Leider endet die kurze und vergnügliche Fahrt nach einer weiteren Rechtskurve.

Luge d’été

Bevor wir jedoch gleich wieder in den Alpine Coaster steigen, widmen wir uns dem Luge d’été. Parallel zur eben getesteten Anlage erklimmen wir den Lifthügel, biegen dann aber auf einer etwas niedrigeren Höhe bereits rechts ab. Nach einer weiteren Rechtskurve nehmen wir über ein größeres Gefälle schnell an Geschwindigkeit zu. Recht rasant folgen nun eine Linkskurve, sowie eine kleine Zickzackpassage, ehe wir uns mit ausgeprägter Querneigung in einer Rechtskurve sehen. Nun schließen sich im schnellen Wechsel mehrere Links- und Rechtskurven an, die einen auch aus der Bahn werfen können. Nach einem Jump und einer weiteren Rechtskurve endet die Fahrt.

Es ist schwierig zu sagen, welche der beiden Anlagen nun die bessere ist. Mir persönlich haben beide sehr viel Spaß gemacht. Da keiner der französischen Besucher auch nur auf die Idee gekommen ist frühzeitig zu bremsen, konnte man beide Anlagen auch jeweils in voller Fahrt erleben. Generell schien jedoch die Luge d’été bei den Besuchern etwas beliebter zu sein.

Déval’Train

Über eine Treppe erreichen wir nun die Station der Achterbahn Déval’Train. Die Fahrt auf dem klassischen Rollerskaterlayout mit einer Länge von 207m überzeugt vor allem durch die Einbettung in die Umgebung und dem hohen Grad der Thematisierung. Selbstverständlich werden hier gleich mehrere Runden gedreht, so dass die Kleinen voll auf ihre Kosten kommen.

Boomerang

Etwas spannender bzw. rasanter geht es bei der Achterbahn Boomerang von statten. Jedoch auch erst ab 6 Personen, weswegen ich hier einige Zeit auf meine Fahrt warten durfte. Gerade in der Nebensaison sollte man nicht zu früh am Parc des Combes sein, denn es dauert schon einige Zeit bis eine ausreichende Zahl Fahrwilliger ihren Weg auf den Berg finden. Dafür aber hat man dann den Canad’R erst einmal für sich allein, sobald auch dieser öffnet. So oder so, irgendwann war es dann auch hier soweit und da nur wenige Personen nach der Fahrt ausstiegen, konnte man eine Runde nach der anderen drehen.

Die Fahrt selbst beginnt mit der Erklimmung des rückwärtigen Lifthügels. In der Ausgangsposition angekommen wird man kurz angehalten, während die Reibräder auseinander gedrückt werden. Nun ist die Bahn frei und man rast die eben erklommene Strecke geradewegs hinunter. Mit 60 km/h durchquert man die Station und schießt anschließend in eine aufwärtsführende Linkskurve. Nun geht es rasant durch ein Tal, ehe sich eine über Berg und Tal führende Aufwärtshelix anfügt. Auf dem nun folgenden wellenförmig ausgeführten Spike verliert der Zug seinen Schwung, woraufhin dieser die Richtung umkehrt und die Strecke folglich rückwärts passiert. Daraufhin kommt man in der Station wieder zum Stehen.

Family Boomerangs sind eine durchaus tolle Achterbahngattung. Umso schöner ist es, dass der Parc des Combes dieses mit dem englischen Freizeitpark Drayton Manor vor allen anderen erkannt hat. Zwar bietet das ursprüngliche Layout mit seinem wellenförmigen Verlauf kein ausgeprägtes Geschwindigkeitsprofil, doch dem Fahrspaß tut dieses keinen Abbruch. Umso schöner ist es, wenn man gleich mehrere Runden am Stück drehen kann.

L’Escadrille

Die nächste Attraktion auf unserer Bergbesteigung ist der Aerobat L’Escadrille. Nach dem Erfolg des Gerstlauer Sky Rollers und des Sky Flys aus demselben Hause hat der italienische Hersteller Technical Park seine eigene Interpretation eines interaktiven Überschlagkarussells auf die Beine gestellt. Soweit nichts ungewöhnliches, gehört es doch zum guten Ton erfolgreiche Konzepte anderer Hersteller zu übernehmen. Statt einer direkten Kopie setzte man jedoch auf eine verschärfte Weiterentwicklung des bekannten Paratrooper-Fahrgeschäfts.

Zwar wusste ich im Vorhinein, dass die Fahrt nicht wirklich berauschend ist, doch man soll immer aufgeschlossen gegenüber neuen Fahrgeschäften sein. Also erst einmal das Positive: Die Gondeln sind bequem und auch die Flügel liegen gut in der Hand. Nun jedoch das Negative: Ob man die Flügel nun bewegt oder nicht, ändert nichts am Fahrverlauf. So sind dauerhafte Überschläge von Beginn an ausgeschlossen und ob man will oder nicht, irgendwann geht es für jeden kopfüber durch die Grube. Hourra…

Generell ist das Konzept eines modifizierten Paratroopers nicht verkehrt. Doch die Fahrt auf dem Aerobat macht einfach keinen Spaß. Aus meiner Sicht ist die Anlage während der Fahrt einfach viel zu steil, um die Interaktivität der Anlage ausreizen zu können. Schade eigentlich, denn das Konzept an sich hat Potential.

Woodside 66

Tja, dann steigt man doch lieber in einen modifizierten Apollo 2000. Mit dem Woodside 66 steht seit diesem Jahr ein Sidecar von Technical Park im Park. Der Ausschwung des interaktiven Druckluftfahrgeschäfts kann über den Gasdrehgriff am Motorrad gesteuert werden, zumindest solange bis irgendwann die Luft aus ist. Doch nach einigen Runden am Boden, kann die wilde oder auch nicht so wilde Schaukelei wieder von vorne beginnen. Ein wirklich tolles Fahrgeschäft, was in der Freizeitparkbranche schnell an Anklang gefunden hat.

Etwas was dem letzten Fahrgeschäft auf unserer Erkundungstour durch den Parc des Combes leider nicht zugute wurde. Obwohl unter Fans wirklich sehr beliebt, fristet der Flying Fury ein Schattendasein unter den Propellern; sehr wahrscheinlich bedingt durch seine etwas niedrige Kapazität und der technisch höheren Komplexität. Doch all dieses hat den Parc des Combes nicht abgehalten die Anlage auf einen Berg zu stellen, wo sie jedermann bereits von weiten aus sehen kann. Ihr glaubt nicht, wie hoch die gerade einmal 37m hohe Anlage wirken kann, wenn man während der Fahrt einen Berg herabsieht.

Canad’R

Auf Grund des interaktiven Charakters der Fahrt auf Canad’R ist es schwierig die Fahrt im Detail wiederzugeben. Sie gestaltet sich aber in etwa so: „So, Ich habe nun den Joystick in der Hand, wie geht es nun vorwärts? Okay, jetzt drehe ich mich schonmal im Kreis. Was passiert, wenn ich diesen Regler zur Seite schiebe? Aha, nun überschlage ich mich seitlich. Dann ziehe ich den Joystick nun noch zu mir heran, aha der Propeller bewegt sich nun im Uhrzeigersinn. Dann kann es ja losgehen.“. Nach dieser kurzen Eingewöhnungsphase geht es dann je nach Bedarf ganz ordentlich zur Sache. Freunde sehr starker Beschleunigungen können auch noch eine Turbophase einläuten, in der das Flugzeug kurzzeitig in eine Automatik übergeht, dabei das Flugzeug geraderichtet und nun rundenweise mit 5G beschleunigt. Je nachdem in welche Richtung man dabei den Stick hält passiert dieses entweder vorwärts oder rückwärts verlaufend. Man muss schon ganz schön aufpassen, dass man sich selbst nicht einen Grey Out oder gar Black Out aussetzt, abgesehen davon macht die Fahrt einiges her.

So sehr sogar, dass ich gleich mehrere Runden am Stück die wildesten Fahrmanöver ausprobiert habe. Teilweise kann man während der Fahrt ganz schön die Orientierung verlieren, doch egal ob Kopfüber und dabei seitlich drehend durch den Stationsbereich oder Runden mit dauerhaften seitlichen Überschlägen, die extremste Fahrt hatte ich erst, als die Anlage kurz nach dem Start einen Fehler hatte und anschließend auf Nullposition gefahren ist. Interessanter Weise fuhr der Ausleger dann im Schneckentempo und gegen den Uhrzeigersinn eine komplette Runde, ehe die Einstiegsposition erreicht wurde. Anfangs doch noch sehr entspannend, wurde es spätestens mit der Hangtimepartie und dem sagenhaften Ausblick in über 30m Höhe ganz schön beängstigend. Italienischer Technik kann man zum Glück vertrauen, dennoch war die Anlage nach der Fahrt erst einmal für einige Zeit geschlossen.

Später konnte ich dann noch weitere Runden auf Canad’R drehen, doch nach meiner sechsten Fahrt legte ich die Anlage erst einmal lahm. Kurz nach Beginn der Fahrt passierte dann gar nichts mehr und ich konnte – immerhin halbwegs bequem – gute 15 Minuten darauf warten, aus der Anlage befreit zu werden. Zum späten Nachmittag fuhr die Anlage zwar wieder, aber dann musste ich auch schon wieder in Richtung meines nächsten Ziels aufbrechen.

Bilder Parc des Combes

Fazit Parc des Combes

Der Parc des Combes ist ein sehr sympathischer kleiner Freizeitpark mit einem recht interessanten Portfolio. Kaum ein anderer Park dieser Größenordnung bietet so viele – für das Land – einzigartige Fahrgeschäfte. Wenn sich der Park weiterhin in diese Richtung entwickelt, muss man ständig nach Le Creusot fahren, schon heute ist der Parc des Combes ein Must-Do für jeden Liebhaber richtig guter Fahrgeschäfte. Darüber hinaus lässt sich der Freizeitpark hervorragend mit Le Pal verbinden, einen Park, den man so oder so erleben muss. Wer dann auch noch ein Freund von Schmalspurbahnen ist, wird hier definitiv seine Freude haben.


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Quadruple-down voraus

Die Schweiz ist teuer; zu meiner eigenen Verblüffung sogar nicht nur teuer, sondern sehr teuer. Dieses zieht sich natürlich durch das ganze Land und die hiesige Gesellschaft kann dieses mit ihrem entsprechenden Gehalt auch locker finanzieren, doch für Touristen sieht das Ganze etwas anders aus. Wer Lust hat kann für 28 CHF, also ungefähr 26€ eine Fahrt auf der Rodelbahn Pradaschier (inkl. der Sesselliftfahrt) wagen oder für etwa den selben Preis vier Stunden in ein Erlebnisbad gehen bzw. ganz normal essen gehen.

Angefixt durch den Bericht des Sommerrodelbahnveterans Martin Spies blieb uns aber auch kaum etwas Anderes übrig, als den Pradaschier wenigstens einmal hinunterzurasen. Tja, wenn man das nur könnte. Modernisiert auf das neueste Sicherheitssystem des Herstellers und somit ausgerüstet mit automatischen Abstandshaltern und durchgängig vorhandenen Bremsschwertern, in die die Magnetbremse je nach Bedarf greift, ist das nun wirklich nicht mehr so einfach machbar. Doch ehe einem diese Erkenntnis kommt heißt es den Berg zu erklimmen und oben in einen der Bobs zu steigen. Dass das Ganze auch schwieriger sein kann als gedacht zeigte uns das Schicksal eines Jungen aus NRW der mit seinem Cousin aus der Schweiz dieses 3 km lange Prachtexemplar eines Alpine Coasters hinunterrasen wollte, bei dem jedoch das Kassenpersonal nicht auf die Größe achtete, weswegen nun beide hier oben strandeten. Da man sich über zusätzliches Gewicht im Bob nun wirklich nicht beschweren kann, habe ich den Jungen sehr gerne mitgenommen. Ein Glücksgriff, denn Daniel musste trotz beachtlichen Zeitintervalls hinter dem schleichenden Cousin eine beachtliche Strecke herumgurken, während wir zwei absolut freie Bahn hatten.

Die Fahrt auf der Rodelbahn Pradaschier beginnt mit einer stark abfallenden Linkskurve, wodurch man schnell an Geschwindigkeit gewinnt. Nach einer kurzen Rechtskurve überfährt man den ersten kleineren Jump, ehe sich die Strecke zwei Serpentinkurven widmet. Auf der nachfolgenden Gerade schließt sich sogleich ein weiterer Jump an, bevor es nach einem kurzen Linksknick in eine weitere Haarnadelkurve geht. Nun schließen sich gleich drei direkte aufeinanderfolgende Abfahrten an, woraufhin sich sogleich eine Wendekurve anfügt. Auf der steil abfallenden Geraden könnte man nun ordentlich Geschwindigkeit aufbauen, die dann nach einer weiteren Kurve, den Po über mehrere kleinere Jumps mehrere Zentimeter aus der Sitzschale befördern würde, doch wird diese zuvor doch etwas reduziert und der Spaßfaktor etwas gedrosselt. Doch erst richtig schlimm zeigt sich die Modernisierung der Anlage erst nach den nächsten drei Haarnadelkurven, an denen sich ein recht großer Jump anschließt, bei dem man spürbar abgebremst wird, um in der nachfolgenden Kurve die lateralen Kräfte weiterhin auf ein Mindestmaß zu beschränken. So macht Vollgas geben auch keinen Spaß mehr und solche Momente gab es leider auf der gesamten Strecke immer wieder, wodurch sich ein echt seltsamer Beschleunigungsverlauf ergibt; also harmonisch ist das nicht mehr.

Weiter geht’s in einer Rechtskurve und wieder einmal mehreren kleineren Jumps. Den serpentinartigen Verlauf behalten wir nun über insgesamt sieben Kurven bei, wobei dieser durch zahlreiche Hügel immer mal wieder aufgelockert wird, ehe wir uns nach einer kurzen Linkskurve dem absoluten Highlight der Anlage nähern, einem waschechten Quadruple-Down und das gute sieben Jahre vor Dollywoods Lightning Rod. Das Lächeln auf dem Gesicht der Mitfahrer während dieser Airtimeorgie kann man kaum beschreiben, so unerwartet und gnadenlos kommt diese Abfahrt daher. Da stört es auch kaum, dass die nächsten drei Haarnadelkurven recht seicht daherkommen, immerhin dienen sie der Erholung. Voll Karacho, oder was dem Pendant im gedrosselten Zustand der Anlage angeht, führt der weitere Verlauf über einen weiteren Jump hinein in die schon 19. Kurve auf dieser Strecke. Eine kleine S-Kurve leitet dann wunderschön in die nächste Kurve über, woraufhin der serpentinartige Verlauf der Strecke langsam aufgebrochen wird. Mit mehr Ecken und Kanten und einer erhöhten Anzahl von Jumps führt einem der Bob nun durch sieben weitere Kurven, bevor der Streckenverlauf sich immer mehr zu einer Geraden formt. Doch nachdem man kurz in den Wald abgetaucht ist, begegnen einen drei weitere Haarnadelkurven. Doch ehe man sich alten Mustern annähert führt einem die weitere Strecke nur noch parallel zum Sessellift hinab ins Tal. Dieses wird durch mehrere Jumps weiterhin aufgelockert, doch das Ende der Fahrt ist nun immerhin in Sichtweite.

Die Strecke der Rodelbahn Pradaschier ist toll, wirklich. Insgesamt gesehen natürlich extrem serpentinartig in ihrem Verlauf, aber dafür immerhin ja auch über 3km lang. Der Quadruple-Down ist herrlich und ein überraschendes Highlight sondergleichen, doch leider, leider, leider leidet die restliche Strecke unter den baulichen Änderungen an der Strecke, wie auch an den Bobs. Es handelt sich also um eine Verschlimmbesserung, die mir persönlich der hohe Fahrpreis nicht wert ist. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass sich das Preis-/Leistungsverhältnis in diesem Land eh auf einem anderen Niveau bewegt als in Deutschland und mir somit fast alles viel zu teuer ist.

 

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