Im Jahr 1974 wurde der Tier- und Freizeitpark Cigoland von der Familie Willmann gegründet und befindet sich seit jeher im Familienbesitz, wobei sich sowohl der Tierpark, wie auch der Freizeitpark erst im Laufe der Zeit entwickelten. Denn angefangen hat der Park als kleine Gastwirtschaft um den bestehenden Hof der Familie, welche sich nach und nach zu einem Ausflugsziel der Region entwickelte. Besondere Bedeutung hat hierbei der Storch, nachdem der Park auch benannt wurde, denn obgleich das Elsass immer schon für seine Anzahl an Storchen bekannt war, so war die Tierart in ihrem Bestand bedroht, weswegen Anfang der 70er Jahre Naturparks und Zuchtprogramme ins Leben gerufen wurden. Auch heutzutage züchtet der Park erfolgreich Weißstörche, die nach ihrer Auswilderung aber auch gerne wieder vorbeikommen und somit den Park, wie auch die Region, bereichern.
Les mondes Extrêmes
Betritt man das Cigoland findet man auf der rechten Seite eine elektrische Pferdereitbahn, sowie einen Circus, doch neben zwei größeren Gehegen ist in diesem Areal des Parks nicht viel vorzufinden. Folgt man dann den Weg in Richtung des großzügigen Gasthauses so zeigt sich plötzlich ein deutlich kompakteres Parklayout. Neben mehreren Karussellen, Bumper Boats und Spielplätzen befindet sich hier die Drehtheatershow Les mondes Extrêmes, bei der man, untermalt von zahlreichen Effekten, vier verschiedene Klimazonen unserer Welt bereist.
Cigopanoramique
Daran anschließend befindet sich ein größerer Tierbereich, in dessen Gehegen einige Nutztierrassen vorgestellt werden. Mittendrin befindet sich das Fahrgeschäft Cigopanoramique, ein Flying Wheel aus dem Hause Metallbau Emmeln, von dem man eine hervorragende Sicht auf das Cigoland haben könnte, wenn man sich denn nicht wie ein Irrer in dem Teetassenriesenrad vergnügen würde. Nach wie vor ein grandioses Fahrgeschäft, welches sich hervorragend im Park präsentiert und absolut auf das junge Familienpublikum des Cigoland zugeschnitten ist.
Monorail La Cigogne
Apropos Familienpublikum, wer schon immer mal wissen wollte, wie denn im Elsass die Kinder gezeugt werden, der sollte in die Monorail La Cigogne steigen. Auf der 10 Minuten langen Tour lernt man alles Mögliche über den Storch kennen und natürlich ist es der Vogel selbst, der die Kinder bringt, aber auch nur, wenn denn auch alles für das zukünftige Kind vorbereitet wurde. Dementsprechend ist der Elsass-Franzose auch überaus vorbildlich im Benehmen und kann ohne Probleme drei Sprachen sprechen, wenn denn nur alle französischen Gäste im nahen Europa Park so wären…
Les vieux Tacots und King Kong
Im hinteren Teil des Cigoland befinden sich mehrere Volieren zur Zucht der Weißstörche, ebenso findet man am Parkrand einen leicht afrikanisch angehauchten Bereich. Neben der großzügigen Oldtimerbahn Les vieux Tacots, bei der man ein Königskranichgehege umrundet, findet sich hier mit dem Hochfahrgeschäft King Kong quasi das spannendere Vorbild zum modernen HUSS Fahrgeschäft gleichen Namens. Hierbei wird eine Sitzreihe vom Riesenaffen King Kong emporgehoben, woraufhin man eine wunderbare Sicht auf den Park hat, ehe sich der Affe erbarmt und einen wieder hinablässt. Ganz ohne grimmiges Gesicht und Rüttelpartien; nur leider funktioniert die Drehung um die eigene Achse wohl nicht mehr, so dass das Fahrgeschäft keine Rundumsicht bieten kann. Nichts desto trotz ist das Erlebnis recht besonders in jeglicher Beziehung und hat dementsprechend sogar einen gewissen Re-Ride Faktor, den man sich in Bremen wohl gerne wünschen würde.
Train de la Mine
Ebenfalls einen großen Wiederholungsfahrtfaktor hat die kleine Soquet Achterbahn Train de la Mine, bei der man mühelos zu einer großen Anzahl an Fahrten kommt. Immerhin soll man sich aktiv melden, wenn man denn aussteigen möchte. Nach einer bzw. meist zwei Fahrten in Folge wird einem dann die Frage gestellt, ob man denn nochmals sitzenbleiben möchte; was man gerade im hinteren und vorderen Teil des Zuges stets durch Regungslosigkeit bejaht.
Nach einer kurzen Rechtskurve hinaus aus der Station erklimmt man sogleich den Lifthügel. Oben angekommen verweilt man einige Zeit auf einer kurzen Gerade in luftiger Höhe, ehe man sich in einer steil abfallenden Rechtskurve hinab wirft bzw. gerade im hinteren Teil des Zuges grandios hinabgezogen wird. Das anschließende Tal wird sehr druckvoll durchfahren, just bevor man einen recht hohen Hügel emporschießt. Hier oben vollzieht man einen, zumindest im vorderen Teil des Zuges, unerwartet ruppigen Richtungswechsel, welcher einen herrlich herumwirft und sogleich in eine Abwärtshelix entlässt. Mit ordentlicher Geschwindigkeit durchquert man das nächste Tal und nähert sich sogleich einen weiteren Hügel. Hieran schließt sich eine wirklich flotte und absolut grandiose rechtslaufende Bayernkurve an. Nach den ständigen Auf und Ab schließt sich ein weiteres Tal an, woraufhin nach einer auffällig geneigten Kurve die Station und somit die Bremse erreicht wird.
Der Train de la Mine bietet eine überraschend wilde Achterbahnfahrt für alle Altersgruppen. Das Layout lässt für eine solch kompakte Strecke wirklich keine Wünsche offen und kann gerade durch das erste Gefälle, sowie das grandiose Finale wirklich überzeugen. Die Fahreigenschaften sind typisch Soquet schlichtweg hervorragend, wenngleich auch, abhängig von der Sitzplatzwahl, teilweise recht überraschend, weswegen wir immer wieder gerne sitzengeblieben sind.
Bilder Cigoland
Fazit Cigoland
Das Cigoland ist ein sympathischer Tier- und Freizeitpark, der vor allem durch die namensgebenden Tiere zu überzeugen weiß. Gerade jetzt im Frühjahr ist es ungeheuer spannend den Tieren beim Nestbau zu beobachten, zumal es recht witzig ist woher sie ihre Materialien dazu nehmen. Zwar ist die Anzahl der Fahrgeschäfte recht gering, doch überaus gut abgestimmt, weswegen man mit kleineren Kindern hier sicherlich sehr viel Spaß haben kann.
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Nachdem sich das Futuroscope in der Nähe der französischen Stadt Poitiers recht zügig zu einem der erfolgreichsten Freizeitparks des Landes entwickelte plante die Grévin & Cie Gruppe im Jahr 1993 einen ähnlich orientierten Park, wo in verschiedenen Pavillons (ähnlich einer Weltausstellung) das Thema „Mensch und Natur“ behandelt werden sollte. Erst 13 Jahre später und mittlerweile bereits unter der Compagnie des Alpes wurde unter Verwendung öffentlicher Mittel (was den Park schon recht früh in die Kritik rückte) das Bioscope in der Nähe der französischen Stadt Mülhausen in die Tat umgesetzt. Leider blieben die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurück, so dass die CdA den Park bereits nach sechs Jahren an die Aerophile SAS, einen Hersteller für Fesselballons und andere Aussichtsfahrten, veräußerte. Diese gestalteten den Park rund um die Geschichten des Autors Antoine de Saint-Exupéry um, dessen Großneffe und Nachlassverwalter Sie erst auf die Idee brachte, wodurch die Besucher seit dem Sommer 2014 die Welt des kleinen Prinzen im Parc du Petit Prince hautnah erleben können.
Der Parc du Petit Prince bezeichnet sich selbst als der erste bzw. einzige Flugpark der Welt, was vor allem an den beiden Fesselballons und der Aérobar liegen dürfte, dabei wurde das ursprüngliche Konzept des Bioscopes zum größten Teil beibehalten und sinnvoll ergänzt. Interessanter Weise geschah dieses meist mit einfachsten Mitteln, z.B. wurde der Einschlagskrater in der Parkmitte, um welchen sich der Parc du Petit Prince in mehreren Kreisen anordnet, um den Asteroiden B-612, also der Heimat des kleinen Prinzen, ergänzt.
Chaises Volantes und Courrier Sud
Wir beginnen unsere Runde nun im Uhrzeigersinn, wo uns gleich der Wellenflug Chaises Volantes aus dem Hause Zierer begrüßt. Dieser ist das erste klassische Hoch- und Rundfahrgeschäft des Parks und wurde zur Neueröffnung des Parks hier errichtet. Direkt daneben befindet sich mit dem Courrier Sud ein interaktives Laufgeschäft, bei dem man verschiedene Fragen beantworten muss, in dem man sich auf das entsprechende Feld auf dem Boden stellt bzw. im späteren Verlauf auch die Hände nutzt. Zu Bioscope Zeiten war diese Attraktion im Übrigen als Planète Party bekannt, was das eigentliche Spiel im Inneren doch etwas besser beschreibt. Topp!
Folgt man den Wegen findet man sich schnell in einer kurzen Sackgasse wieder, wo sich mit dem Vulkan ein überdachter Kinderspielplatz mit verschiedenen Hüpfburgen befindet, aber auch die diesjährige Neuheit Le Serpent und der Bahnhof des Petit Trains.
Le Serpent
Die Fahrt auf der Achterbahn Le Serpent beginnt mit einer kleinen Rechtskurve, woraufhin der 9m hohe Lifthügel zügig erklommen wird. Nach einer kurzen Gerade in luftiger Höhe stürzt sich der Zug eine Rechtskurve hinunter. Nach einem flachen Hügel folgt nun eine weite Linkskurve, die den Lift gegen Ende unterquert. Hieran fügt sich eine leicht hügelige Rechtskurve an, bei der man in einen überdimensionalen Baumstamm hineinfährt. Unter Zischen einer Schlange verlässt man diesen und findet sich sogleich in der Bremsstrecke der Achterbahn wieder. Nach einer weiteren kurzen Rechtskurve folgt dann auch sogleich die Station, die man jedoch erst einmal nur durchquert. In der nun folgenden zweiten Folge macht man dann auch mit der namensgebenden Schlange und allerlei Wassernebel Bekanntschaft.
Aérobar du Buveur
Da die beiden Fesselballone wegen des starken Winds am Boden bleiben mussten, blieb uns nur die Aérobar du Buveur, also die Luftbar des Säufers übrig um den Park von oben beobachten zu können. Hierbei handelt es sich um einen sehr interessant konstruierten Aussichtsturm, bei den die Fahrgäste mit baumelnden Füßen um einen Tisch sitzen. Als interessantes Gimmick darf und soll man dabei Getränke und Speisen mit nach oben nehmen, eine Pflicht dazu besteht jedoch nicht.
Métamorphose
Im ehemaligen Bioscope-Pavillon Métamorphose kann man während einer Filmvorstellung die einzelnen Stadien der Metamorphose einer Raupe zu einem Schmetterling beobachten. In direkter Nähe befinden sich dann auch mehrere Schmetterlingshäuser. Auf den weiten Wiesen im hinteren Bereich des Parks bietet der Park zusätzlich einige Tiergehege und ein Taubenschlag. Die Tiere werden in regelmäßigen Abständen vorgestellt, haben jedoch recht viel Platz um sich gegebenenfalls zurückzuziehen.
Planète Sous-Marine 4D
Im Planète Sous-Marine 4D befindet sich ein interaktives Theater des Herstellers Alterface, ähnlich der Desperados-Anlage im dänischen Freizeitpark Bakken, bei der man auf beweglichen Vehikeln sitzend mit Pistolen auf die Leinwand schießen darf. Der ursprüngliche Film ist interessanter Weise bereits etwas überarbeitet worden um den Charakteren aus dem Petit Prince Universum Rechnung zu tragen, jedoch ist die Umsetzung noch nicht zu 100% ideal.
Le Petit Prince et la Cigogne und L’Aviateur vous raconte
Im benachbarten Petit Théâtre werden im Laufe der Saison zwei Marionettentheaterstücke geboten, wobei sich das Stück Le Petit Prince et la Cigogne auf das jüngere Publikum des Parks konzentriert und sich L’Aviateur vous raconte auch etwas dem älteren Publikum widmet.
La Tyrolienne und Le Petit Prince 3D
Vorbei an der Seilbahn-Achterbahn La Tyrolienne, die sich jedoch zu unserem Besuch noch in Wartung befand, zog es uns in das riesige 3D Kino des Parks, wo der sehenswerte Film Le Petit Prince 3D (unter anderem auch in Deutsch) gezeigt wird. Gemeinsam mit der Hauptfigur des Parks und seinen besten Freund dem Fuchs, bereist man verschiedene Planeten auf der Suche nach seiner Rose.
Atlantique Sud
Neben dem Kinosaal entsteht derzeit die Wildwasserbahn Atlantique Sud des französischen Herstellers Soquet. Diese zeichnet sich durch eine einzige, jedoch recht hohe Schussfahrt aus und verspricht eine feuchtfröhliche Fahrt.
Labyrinthe de la Fontaine
Direkt daneben befindet sich ein Rosengarten, sowie das Labyrinth Labyrinthe de la Fontaine, in dem man sich nicht nur im späteren Verlauf des Rundgangs gnadenlos verlaufen kann, sondern auch den Brunnen am Ende des Weges durch Eingabe eines Lösungswortes zum Laufen bringen kann. Die einzelnen Bestandteile der Lösung sind jeweils unter den Statuen der einzelnen Personen aus dem entsprechenden Universum zu ermitteln. Hierbei empfiehlt es sich den kleinen Prinzen tatsächlich irgendwann mal gelesen zu haben.
Das kleine Funhouse Vol de nuit, das Kinderkarussell Aérousel, sowie die Trampolinhalle Trampoline Park im Eingangsgebäude, runden bisweilen das Angebot des Parks ab. Und dieses ist ohne groß zu übertreiben schlichtweg großartig.
Bilder Parc du Petit Prince
Fazit Parc du Petit Prince
Der Parc du Petit Prince ist ein überaus professioneller Freizeitpark, bei dem man zurecht gespannt in die Zukunft schauen darf. Wir zumindest hatten hier einen sehr gelungenen Nachmittag, bei dem es sogar zeitlich sehr knapp wurde alles in der Zeit zu schaffen, da an jeder Ecke irgendeine weitere Überraschung zu sein scheint. Der Eintrittspreis des Parks ist darüber hinaus überaus fair, weswegen ein Besuch ohne Einschränkung zu empfehlen ist; nur sollte man hier etwas mehr Zeit verbringen und gegebenenfalls das Buch vorher gelesen haben, es lohnt sich!
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Im Anschluss an unsere mehr oder weniger rassige Rodelpartie am Pradaschier fuhren wir wieder talwärts nach Chur, wo wir in einer pyramidenförmigen Mc-Donald’s-Ibis-Kombi eine Essens- und Rabattfindepause auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel einlegten, dem Alpamare Pfäffikon. Interessanterweise war die Ermässigung auf dem Gutschein der Kassenzettelrückseite geringer als auf der Website des Bads selber. So gestärkt und bereits mit E-Tickets ausgerüstet ging es danach direkt ins Bad, wo wir an der Kasse dafür dann gleich die Chiparmbänder für die Spinde erhielten.
Nachdem im Jahr 1970 das, mittlerweile leider geschlossene, Wellenbad und spätere Erlebnisbad Alpamare im bayrischen Bad Tölz seine Premiere feierte und sich schnell zu einem überregionalen Publikumsmagneten entwickelte, folgte im Jahr 1977 das Schwesterbad im schweizerischen Pfäffikon als zusätzliche Freizeiteinrichtung zum 1974 errichteten Seedamm-Center nebenan. Wie auch in Bad Tölz bestand das Bad vorerst aus einem Wellenbad, Wellnessbereich, sowie zwei Thermalbecken, ehe es ab 1985 beständig erweitert wurde und die ersten größeren Rutschen in das Bad zogen.
Lustigerweise hat sich das Alpamare im Laufe der Jahre quasi hügelabwärts entwickelt: Drei der insgesamt elf Wasserrutschen befinden sich im oberen Bereich beim Flussbad Rio Mare – Alpabob, Wildwasser und Mini Canyon. Diese Rutschbahnen befinden sich größtenteils in einer Halle – manchmal führen sie zwar auch aus dem Gebäude hinaus, sind dann aber übertunnelt, so dass man auf diesen drei Rutschen eigentlich nie ins Freie gelangt. Sie enden auf einer etwa zehn Meter tiefer gelegenen Ebene. Dort ist der Startpunkt von sieben weiteren Rutschen, die eine Höhendifferenz von etwa 17m überwinden, die Alpa Canyons. Diese Rutschen verlaufen über einen Hügel und sind teilweise auch offen. Man gelangt dort also auch im Winter mal an die frische Luft. Die längste Rutsche, Balla Balla, überwindet die grösste Höhendifferenz: sie beginnt auf der obersten Ebene und endet dort, wo auch die Auffangbecken der Alpa Canyons sind. Diese angesichts der Rutschenlängen doch stolzen Höhenunterschiede ermöglichen außergewöhnlich schnelle und wilde Streckenführungen mit einem Drop nach dem anderen. Was die Rutschen hier generell sehr heftig macht, den Badegästen aber auch sportliche Höchstleistungen abverlangt: die vielen Treppen.
Alpabob
Angefangen hat das alles mit dem Alpabob im Jahr 1986, einer Crazy-River-Rutschanlage des Herstellers Klarer, welche über mehrere Ebenen mit Zwischenbecken verläuft und dabei einige nette Rutschabschnitte zu bietet hat. Zur blauen Hauptrutsche gesellten sich (damals) drei weitere Rutschenstarts, die von Mini Canyon und Wildwasser.
Mini Canyon
Die Bodyslide Mini Canyon ist seit jeher eigentlich bloß als Depot-Rutsche verschrien, da sie direkt neben das Schlußbecken des Alpabobs führt, wo die Rutschringe gelagert werden. Die 72m lange Rutschpartie ist rein von der Streckenführung her betrachtet recht unspektakulär, aber durch die zahlreichen S-Kurven und Jumps wird das Ganze mit richtiger Rutschtechnik zu einem überraschend schaukelfreudigen Gesamterlebnis.
Wildwasser
Die benachbarte Wildwasser-Bahn bietet eine interessante und geschichtsträchtige Alternativmöglichkeit, in den Alpabob hineinzurutschen: früher bestand sie aus zwei separaten und parallelen Spuren, die sich in einem recht eigenwilligen Plumpsauflauf-Manöver direkt auf eine sich verengende Crazy-River-Rutschfläche drauf vereinigt haben. Laut Daniels Erzählungen haben diese ungesunde Kombination aus Hopser und anschließendem Flipperkugel-Check die wenigsten ohne blaue Flecken überlebt. Was damals zu zahlreichen Wiederholungsfahrten anstachelte hat heutzutage stark an Reiz verloren, denn das anfängliche weiße Halbschalen-Rutschprofil wurde inzwischen um einige Meter verlängert, so dass man nun relativ unspektakulär ins arkane Zwischenbecken oder besser gesagt in die geheime Liebesgrotte reingleitet. Diese verborgene Ecke im Alpamare ist tatsächlich die größte Attraktion der ansonsten durch die Reifen in Bodyslide-Breite sehr langweiligen Rutschpartie – weil sie die wenigsten Badegäste überhaupt finden. Nach einer kleinen Schussfahrt führt die Strecke über einen sehr langsamen Strömungspart schließlich ins zweitletzte Zwischenbecken des Alpabobs.
Balla Balla
Über den ehemaligen Zugang der rechten Wildwasser-Spur besteigt man seit dem Jahr 1999 die herrlich bekloppte Proslide-Rutsche Balla Balla. Wahlweise mit Rutschunterlage kopfvoran oder in konservativer Rückenlage führt einen die Rutsche vorerst parallel zur Wildwasser-Rutsche den Hang hinunter. Auf einer etwas steileren Geraden nimmt man nun zügig an Geschwindigkeit zu, ehe man sich in mehreren aneinanderfolgenden S-Kurven schön emporschaukelt. Nach 111m verlässt man den geschloßenen Röhrenteil und wird sogleich mit der kalten Umgebungsluft konfrontiert. Unter beständigen Ausrufen der Außentemperatur, nämlich „Kalt, kalt, kalt!“, passiert man eine Abwärtshelix, bei der einem früher wohl mal Bälle um die Ohren geflogen sein sollen. Durch ein Autowaschanlagenportal vollzieht man einen kurzen Richtungswechsel, an den sich ebenfalls eine Kurve durch einen überdimensionallen Wasserhahn anschließt. Es folgt eine kurze Rechtskurve mit anschließendem Jump, die in eine falsch ausgeschilderte Linkshelix mündet. Nach einem recht abrupten Schlenker landet man dann im Auslaufbecken dieser 261m langen thematisierten Wasserrutsche. Größter Nachteil dieser grandiosen Rutsche sind die Treppenstufen und die durch die langsame Ampelschaltzeit und den abgelegenen Start ziemlich unvorhersehbaren Wartezeiten, wenn man denn eine Rutschmatte verwenden möchte.
Cobra
Die legendäre Röhrenrutsche Cobra zählt wohl ohne Übertreibung zum heftigsten, was man in der Schweiz thrillmässig erleben kann, und ist definitiv auch eine der krassesten Wasserrutschen im klassischen Nicht-Turborutschen-Profil, quasi der Bakken-Tornado unter den Rutschen. Sie beginnt recht harmlos und entwickelt sich schnell zum absoluten Wahnsinn, da man sich in einer rabiaten S-Kurve beinah schon hinlegt bevor es eine grenzwertig heftige Steilhelix runtergeht, die einen mit ungeheurem Druck in die Rutschfläche presst und einen auf ein geradezu unmenschliches Tempo beschleunigt. Mit diesem überfliegt man einen direkt darauf folgenden, ca. fünf Meter hohen und auch ansehnlich steilen Jump, wodurch sich der Geschwindigkeitsrausch gleich noch mehr in wahnsinnige Sphären steigert. Mit diesem nun wahrlich jenseits von gut und böse anzusiedelnden Affenzahn schießt man nun durch eine äußerst gefährliche S-Kurven-Kombination, in der man so heftig ausschwingt, dass man sich beinah auf die Fresse legt. Wirklich nichts für schwache Nerven oder Coasterfriends! Den letzten kleinen Jump vor dem Auffangbecken absolviert man dadurch unter Garantie in RMC-Manier – also mit Airtime in einem vollen seitlichen 90-Grad-Winkel. Entsprechend schmerzhaft donnert man in den Auslauf, wo man es kaum fassen kann, was dieses Biest mit einem gerade angestellt hat.
Das Alpamare ist sich des Kultstatus seiner Cobra durchaus bewusst, denn der 2013 ebenfalls durch Klarer erfolgte Neubau behielt nicht nur das sehr heftige Layout 1:1 bei, sondern orientierte sich sogar wieder an den Originalplänen von 1990. Im Verlaufe der Jahre wurden der alten, blauen Cobra nämlich einige entschärfende und in einem etwas dunkleren Blau daherkommende Röhrensegmente eingesetzt, die allzu heftige Schaukelbewegungen im letzten Teil etwas entschärften und auch den letzten Jump abflachten. Was bei Tuberides als Verschärfung gehandelt wird, ist in Tat und Wahrheit also nur eine Rückkehr zum Ursprungszustand vom Eröffnungsjahr. Ob das nun ein guter oder schlechter Move ist, sei dahingestellt – Daniel ist die Variante mit den veränderten blauen Segmenten aufgrund runderem Geschwindigkeitsbeibehalten und weniger Verletzungsgefahr laut eigener Aussage sogar lieber gerutscht – aber man muss definitiv auch feststellen, dass ein anderes Plauschbad da vielleicht sogar ein ganz anderes Layout hingestellt hätte. Insofern ist dem Alpamare in jedem Fall Treue zu seiner Historie und Mut zur Heftigkeit zu attestieren.
Cresta Canyon
Daniel bezeichnet die im Jahr 1990 erbaute Reifenrutsche Cresta Canyon gerne als die Airtimerutsche des Alpamares; kein Wunder, sorgt die Anlage auch für gewisse Momente der Schwerelosigkeit und das gleich schon zu Beginn der Rutschfahrt. Nach der Einfädelung aus dem Startbereich hinaus führt die Strecke nämlich direkt in den ersten Jump, welcher nach einem minimalistischen Linksknick sofort in ein erstaunlich hohes Gefälle überleitet. Daran anschließend folgt eine furchtbar enge Helix, die extrem druckreich durchfahren wird und es einem schon während des Drops Angst und Bange werden lässt. Ein abrupter Richtungswechsel lässt einen dann in der anschließenden Helix munter aufschwingen, ehe es den dritten Jump hinunter geht. Nach einer weiteren Kurve erreicht man dann das Auslaufbecken.
Thriller
Die 1998 von Proslide erbaute Black Hole namens Thriller darf mit Doppel- oder Dreierreifen berutscht werden und ersetzte die sich bis dahin hier befindliche und fast noch heftiger als die Cobra gewesene rote Bodyslide Grand Canyon, welche vor allem mit einem 7-Meter-Sturz direkt in eine superenge und mit einem separat aufgekanteten Spritzwasserrand versehene Rechtshelix so manchen Unfall verursacht hat. Die heutige Thriller-Rutsche ist um einiges sicherer, aber vom Layout her auf ihre eigene Weise ziemlich ungezügelt. Gleich zu Beginn folgen einige sehr enge Richtungswechsel in mehr oder weniger völliger Dunkelheit – man sieht sie überhaupt nicht kommen und wird entsprechend wild von der einen in die andere Schräglage geworfen. Nach einem etwas ruhigeren Mittelteil mit Wasservorhängen und etwas breiter ausgeführten Kurven folgt als Finale dann ein riesenhafter Abschlusssturz, der einen mit Schmackes über die Wasseroberfläche des Endbeckens surfen lässt. Kürzer dürfte dies auf keinen Fall sein, denn man wird da wirklich so schnell, dass sich regelmässig beobachten lässt, wie die Rutscher fast übern Rand dahinter kugeln.
Ice Express
Der 2008 eröffnete Ice Express ist eine 158m lange Bodyslide, auf der man auch kopfvoran mit Matte rutschen darf. Im Wesentlichen behält sie den Verlauf der damals hier befindlichen Vorgängerin Niagara Canyon bei, mit dem Hauptunterschied, dass sie im Gegensatz zur abwechselnd offen und geschlossenen Vorläuferin nun fast durchgängig als geschlossene Röhre verläuft. Aber eben doch nicht ganz: Nach der ersten Helix ist die Rutsche schon immer in den Hang eingegraben unter der Erde verlaufen – der Ice Express hat dies überaus gut zu seiner Thematisierung passend so übernommen, so dass man dort durch eine veritable Eishöhle mit Pinguin-Figuren und violetten Stroboskop-Blitzen saust. Weitere knackige Jumps und schön enge Helices runden das Layout ab – besonders auf der Matte in Bauchlage ein überaus intensives Vergnügen. Die unfassbar enge Abschlusskurve vor dem letzten Jump schickt die Rutscher noch einmal mit Gewalt an den Rand hoch – hier zeigt sich ein „klarer“ Vorteil, die Rutsche beim Neubau als klassische Röhre ausgeführt zu haben, denn die alte Ausführung, die das Tunneldach erst nach der Kante der Halbschale aufgesetzt hatte, bot hier ein nicht zu verachtendes Unfallpotential. Daniel hätte es tatsächlich am liebsten gesehen, wenn man die Rutsche beim Neubau an solchen Stellen mit dem nun vorhandenen klassisch durchgehenden Spritzwasserrand versehen, die offenen Abschnitte aber trotzdem beibehalten hätte. Aber auch hier darf man ja eigentlich froh sein, wurde am ursprünglichen und ja auch grandiosen Layout nichts geändert. Mein persönlicher Favorit im Alpamare.
Double Bob Splash Pipe
Das Alpamare schafft es wie kein anderes Bad bestehende Rutschen durch geschickte Positionierung wie einen absoluten Geheimtipp aussehen zu lassen. Hierzu gesellt sich auch die 1991 errichtete Crazy-River-Rutsche Double Bob Splash Pipe, die man im Doppelreifen hinunterpreschen darf. Generell hofft man auf ein gutes Steuerungsgeschick des Piloten, um eine möglichst reibungslose Fahrt zu haben; doch das ist alles andere als einfach. Nach dem Start führt einen das Boot in wechselndem Kontakt zwischen den beiden Banden näherungsweise eine Gerade hinunter. Nach einer flotten Kurve folgt dann der erste Jump, woraufhin sich eine Helixkombination in Form einer Acht anschließt, bei der ebenfalls der Kontakt mit der Seitenbande nicht ausbleibt. Mit nun voller Geschwindigkeit geht es nach einer kurzen Kurve über einen Triple-Down einem absoluten Lachflash entgegen. Hieran schließen sich eine Wendekurve und ein kurzer Rechts-/Linksschwenker an, just bevor man über eine finale Helix wieder in das Bad hinein findet. Wenn Lightwater Valleys Achterbahn The Ultimate eine Wasserrutsche wäre, dann wäre sie die Double Bob Splash Pipe – oder anders ausgedrückt Carusos feuchter Traum. Dabei ist ein überlanger und überaus abrupter Rutschenspaß auf den insgesamt 175m Rutschlänge in jeglicher Hinsicht garantiert.
King Cone
Die neueste vollwertige Rutschanlage im Alpamare ist die 2012 nachgerüstete King Cone, eine Cone Slide von Klarer. Die 153m lange Strecke ist im Magic-Tube-Profil ausgeführt und bietet insgesamt drei schräg liegende Mini-Kegel, in denen man je nachdem recht beachtlich rumschaukelt und sich gerne auch mal rückwärts dreht, bevor man von recht eigenwillig konstruierten Lenkmaßnahmen in die nächsten Rutschpartien entlassen wird. Die Besonderheit: Nebst der auf ähnlichen Anlagen üblicherweise ja erlaubten Benutzung mit Einer- oder Doppelreifen darf man hier auch kopfvoran auf einer Speedmatte rutschen, was dem Schaukelerlebnis in den Cones einen ebenso einzig- wie eigenartigen Zugewinn verpasst. Richtig seltsam wird es, wenn es einen mit Matte rutschend im letzten Kegel rückwärts dreht und die Matte nach dem letzten Sturz in die Auffangwanne quasi unter einem wegrollt.
Tornado
Auf derselben Hangseite befindet sich die 2004 errichtete Super-Crater-Rutsche namens Tornado des Herstellers Van Edgom. Auf einer sehr langen Gerade baut man eine beachtliche Geschwindigkeit auf, ehe man über eine recht enge Kurve in den großen Trichter geleitet wird, wo man nun Runde für Runde seine Bahnen zieht, ehe man dann die Tunneleinfahrt in der Mitte der überdimensionalen Schüssel erwischt. Da alle Rutschen im Alpamare auch im Winter betrieben werden, kann der Outdoor-Spaß zu einer wahren Mutprobe werden; wir zumindest hatten Glück, die Temperatur lag nur leicht im negativen Bereich. Eine kurze Schussfahrt durch zwei Wasserfälle hindurch führt einen dann in das Auslaufbecken der Anlage.
Beckenwelt und Rio Mare
Wenn das endlose Treppensteigen und der bei null Andrang allgemein recht schlauchende Rutschmarathon im Alpamare einen irgendwann an die Grenzen bringen, begibt man sich am besten in die auf der Eingangsebene liegende Beckenwelt. Im Wellenbad kann man sich in erfreulich oldschoolig und dadurch heftig erzeugten Wogen austoben. Die nebenan liegende Alpa-Therme lädt zu allerlei Sprudelvergnügen oder einem kneippmässigen Kontrastbad im Kaltwasserpool. Die schweizweit einzigartige Jod-Sole-Therme mit ihrem in den Abendstunden merkwürdig grünlich-gelblich-bräunlich-rötlich schimmernd-schäumenden Badewasser bietet ein ähnlich entspannendes Badevergnügen, mit 36 Grad allerdings um einiges wärmer temperiert; überaus wohltuend für Haut und Nase. Und darüber hinaus bietet sich das Fliessbad Rio Mare jede halbe Stunde zum Treibholzspielen durch den 100 Meter langen Strömungskanal an. Die Heftigkeit der Wasserdüsen auf der Stufe „stark“, die jeweils um :45 laufen gelassen werden, ist überregional bekannt – diesbezüglich empfindliche Körperteile wie Ohren oder Schultern sollten dann tunlichst gebührenden Abstand zum Beckenrand einhalten.
Fazit Alpamare
Als erstes Bad seiner Art steht das Alpamare als Synonym für jedes Erlebnisbad in der Schweiz. Es ist ein geschichtsträchtiges Bad, an dem man im Laufe der Zeit einiges geändert hat, sei es nun durch neu hinzugekommene Rutschen oder bauliche Veränderungen am Bestand. Generell hat man hier, wie kaum ein anderes Bad, stets Mut für Neues bewiesen und insgesamt sehr viel ausprobiert. Das sieht man den Rutschen dann auch an, weswegen hier in Pfäffikon eines der interessantesten Bäder Europas steht, welches auch international heraussticht. Zwar könnte man nun den horrenden Eintrittspreis kritisieren, aber wir sind hier in der Schweiz – der ist hier normal – und wenn man ganz ehrlich sein soll, es lohnt sich ihn zu bezahlen.
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