Zwischen Kraken, Rochen und neuen Wellen

SeaWorld Orlando

Bei meinem letzten Besuch in SeaWorld Orlando hatte ich ausgerechnet bei Manta und Kraken Pech, denn beide Achterbahnen befanden sich damals gerade im Refurbishment. Entsprechend weit oben standen die beiden B&M-Anlagen diesmal auf meiner Liste.

Auch Ice Breaker war bei meinem damaligen Besuch bereits fertig im Park zu sehen, hatte aber noch nicht eröffnet. Inzwischen ist die Bahn längst in Betrieb und mit Pipeline und Penguin Trek sind noch zwei weitere Achterbahnen hinzugekommen. Auch der ehemalige Wild-Arctic-Bereich wird mit Expedition Odyssey wieder für eine große Attraktion genutzt.

Für mich gab es diesmal also einiges nachzuholen und gleichzeitig mehrere Neuheiten zu entdecken. Genau auf diese sechs Attraktionen konzentriert sich daher dieser Bericht.

Manta

Mit Manta wartet gleich zu Beginn einer der schönsten Flying Coaster auf uns. Die Strecke kannte ich bereits von Acrobat im Nagashima Spa Land, denn beide Anlagen sind baugleich. In SeaWorld Orlando wirkt Manta durch seine Einbettung in den Park aber noch einmal ganz anders. Schon die Warteschlange führt an mehreren wunderschön gestalteten Aquarien vorbei, bevor es schließlich eine Treppe hinauf zur Station geht. Wenig später hängen wir unter der Schiene und der große Rochen startet mit uns zu seinem Flug.

Der Lifthill bringt uns zunächst auf rund 43 Meter Höhe. Oben angekommen geht es in einer steilen Rechtskurve hinab und mit weitem Radius durch das Tal, bevor wir direkt wieder an Höhe gewinnen. Damit ist auch schon die Ausgangsposition für den Pretzel Loop erreicht. Ohne Gnade geht es kopfüber in Richtung Boden und mit ordentlich Druck durch das Tal, bevor wir auf der anderen Seite wieder nach oben schießen. Eine Linkskurve führt uns anschließend in einen Inline Twist, ehe wir in einer Rechtskurve wieder Richtung Boden rauschen. Es folgt ein Korkenzieher, bevor wir kurz darauf die Blockbremse erreichen.

Danach geht es in einer Rechtskurve dicht über den See, begleitet von synchronisierten Wasserfontänen. Über mehrere kleine Höhenunterschiede führt die Strecke weiter, bevor noch ein zweiter Inline Twist und eine letzte Linkskurve folgen und wir kurz darauf wieder die Station erreichen. Manta gefällt mir richtig gut; die Bahn ist wunderschön in den Park eingebettet und bietet dabei einen überraschend intensiven Flug.

Kraken

Nach Journey to Atlantis zog im Jahr 2000 mit Kraken die nächste große Anlage in den Park ein – und was für eine. Als einer der frühen Floorless Coaster von B&M bietet die rund 45 Meter hohe Bahn ein weitläufiges Layout mit zahlreichen Inversionen.

Die Fahrt beginnt mit einem kleinen Dip und einer Kurve aus der Station heraus, bevor es hinauf auf den Lifthill geht. Oben angekommen fahren wir zunächst durch eine Kurve, ehe wir uns in die Tiefe stürzen. Danach geht es Schlag auf Schlag: Auf den riesigen Looping folgt ein ebenso großer Dive Loop und direkt danach eine Zero-G Roll. Nach einer kurzen Fahrt durch einen Graben wartet bereits die Cobra Roll auf uns. Eine Linkskurve führt anschließend hinauf in die Blockbremse.

Der nächste Drop zieht uns elegant nach links und wieder hinein in einen Graben, wo direkt der zweite, deutlich kleinere Looping folgt. Über einen Hügel geht es anschließend entlang der Entrance Plaza, bevor wir in einen Tunnel abtauchen und dort einer Linkskurve folgen. Wieder im Tageslicht schrauben wir uns in einem Korkenzieher ein letztes Mal über Kopf, ehe eine Rampe hinauf in die Schlussbremse führt.

Kraken ist ein großer B&M alter Schule: ein elegantes Layout, viel Tempo und jede Menge druckreiche Inversionen. Gerade die großen Elemente in der ersten Hälfte werden mit ordentlich Schwung durchfahren, ohne dass die Bahn danach deutlich abbaut. Eine richtig gute Anlage, die auch heute noch Eindruck macht.

Penguin Trek

Bei meinem letzten Besuch durfte ich nur noch durch Antarctica: Empire of the Penguin laufen und dabei die Pinguine beobachten. Inzwischen wird das große Areal wieder für ein Fahrgeschäft genutzt. Dort, wo früher die Wagen der ehemaligen Themenfahrt unterwegs waren, befindet sich heute die Station von Penguin Trek, einer Familienachterbahn von B&M.

Die Fahrt beginnt zunächst als kleine Themenfahrt durch eine Höhle, die zusätzlich durch einen kurzen Film auf einer großen Leinwand in Szene gesetzt wird. Nach einer Linkskurve nähern wir uns dem ersten Launch und verlassen das Gebäude mit ordentlich Schwung. Eine aufwärtsführende Rampe bringt uns direkt in eine Rechtskurve, bevor es über mehrere Kurvenwechsel und Hügel auf die andere Seite der Anlage geht. Dort durchfahren wir eine flache Wendekurve und folgen anschließend parallel zur Strecke von Manta mehreren weiteren Umschwüngen bis zur nächsten Wende und hinein in den zweiten Launch.

Mit ordentlich Tempo erklimmen wir nun eine recht hohe, stark gebankte Wendekurve. Einige schnelle Rechts-Links-Kurvenwechsel und zwei weitere Hügel später nähern wir uns bereits wieder der Station. Ganz so aalglatt wie die älteren Achterbahnen von B&M fährt sich Penguin Trek zwar nicht – tatsächlich wird die Fahrt von recht deutlichen Vibrationen begleitet –, Spaß macht sie aber trotzdem jede Menge. Eine tolle Familienachterbahn.

Expedition Odyssey

Wo früher der Simulator Wild Arctic seine Fahrgäste auf eine Reise in den hohen Norden schickte, wartet heute mit Expedition Odyssey ein modernes Flying Theater von MACK Rides auf uns. Zum Einsatz kommt dabei das speziell für SeaWorld angepasste AIRIFIC-System mit mehrstöckigen Gondeln, die sich nach dem Einstieg in Richtung der großen Leinwand drehen und uns anschließend auf einen Flug durch die Arktis mitnehmen.

Die Reise führt über Gletscher und verschneite Landschaften, vorbei an Eisbären und anderen Bewohnern des hohen Nordens und zwischendurch auch unter die Wasseroberfläche. Dort begegnen wir unter anderem Belugas und Orcas. Unterstützt wird das Ganze durch Wind, Nebel und die Bewegungen der Gondel.

Im direkten Vergleich mit ähnlichen Anlagen von Brogent wirkt Expedition Odyssey auf mich allerdings etwas weniger dynamisch. Die Bewegungen sind insgesamt zurückhaltender und das gesamte System vermittelt eher den Eindruck, als hätte man hier bewusst auf eine etwas einfachere und vermutlich kostengünstigere Lösung gesetzt. Den anderen Besuchern gefiel die Fahrt allerdings richtig gut – nach unserer Runde gab es sogar Applaus.

Mit der eigentlichen Fahrt ist die Expedition dann aber noch nicht ganz vorbei, denn der Ausgang führt uns direkt weiter zu den Belugas, Walrossen und Robben des Wild-Arctic-Bereichs. So wird das Erlebnis aus dem Film anschließend mit den echten Tieren fortgesetzt.

Ice Breaker

Direkt vor Expedition Odyssey wartet mit Ice Breaker die nächste Achterbahn auf uns. Nachdem man sich erst einmal in die recht engen Züge von Premier Rides gequetscht hat, kann die Fahrt auch schon losgehen. Ein Transfergleis bringt uns auf die Launchstrecke, wo wir zunächst rückwärts beschleunigt werden. Über einen kleinen Hügel wechseln wir die Richtung und brettern ein zweites Mal durch den Launch. Auch diesmal geht es zunächst über einen Hügel und hinein in den Top Hat – nur reicht die Geschwindigkeit noch nicht ganz aus.

Also geht es erneut zurück: über den Hügel, durch die Launchstrecke und noch einmal über den Hügel, bevor wir den Spike nun bis auf eine ordentliche Höhe erklimmen. Wieder vorwärts unterwegs folgt der letzte Durchlauf über die Launchstrecke. Dabei werden gerade die kleinen Hügel ziemlich brachial genommen, ehe wir diesmal genügend Schwung haben und schließlich auch den Top Hat überwinden.

Dicht über dem Boden geht es anschließend durch eine Rechtskurve und über zwei Hügel, bevor wir ein ziemlich abgefahrenes Wendemanöver erreichen. Dieses verlassen wir in einer Linkskurve, woraufhin noch eine ganze Serie an Airtime-Hügeln folgt, von denen einige stark zur Seite geneigt sind. Eine letzte Rechtskurve bringt uns schließlich zurück zur Station.

Mir persönlich macht Ice Breaker allerdings nur wenig Spaß. Die Bügel drücken sich während der Fahrt ziemlich stark ein und gerade bei einer so airtimelastigen Strecke wird das schnell unangenehm. Aus einer eigentlich ziemlich wilden Fahrt wird dadurch für mich eher eine kleine Bewährungsprobe.

Pipeline: The Surf Coaster

Bei meinem Besuch lag Pipeline leider etwas versteckt in einer schlecht erreichbaren Sackgasse. Hatte man den Weg aber einmal gefunden, teilte man sich den Zug meist nur mit wenigen Gleichgesinnten. Die Bahn ist B&Ms moderne Interpretation eines ziemlich alten Konzeptes, mit dem der Hersteller Ende der 1980er-Jahre groß geworden ist: dem Stand-Up Coaster. Da ich diese Anlagen ohnehin sehr gerne fahre, war ich entsprechend gespannt auf den Surf Coaster. Vor allem die deutlich größere Bewegungsfreiheit macht hier schon vor der Fahrt einen Unterschied, denn im Vergleich zu den alten Stand-Up Coastern steht man längst nicht mehr so starr im Zug.

Da nur zwei Personen pro Reihe mitfahren, läuft auch der Einstieg deutlich unkomplizierter ab. Nach dem Start schießt uns der Launch zunächst über einen kleinen Speedhill und direkt hinauf in ein hohes Wendemanöver. Mit ordentlich Schwung geht es wieder hinunter ins Tal und anschließend über einen geschwungenen Airtime-Hügel, auf dem man für einen kurzen Moment tatsächlich den Kontakt zum Board verliert. Nach der Landung folgt bereits der riesige Korkenzieher.

Ein weiterer Anstieg führt uns in eine Abwärtshelix und anschließend durch das nächste Wendemanöver. Über einen weiteren Airtime-Hügel geht es in eine geschwungene Rechtshelix, bevor noch ein bodennaher Umschwung und die letzte Kurve in die Schlussbremse folgen.

Trotz des recht geradlinigen Layouts macht Pipeline richtig viel Spaß und haucht dem alten Stand-Up-Coaster-Konzept neues Leben ein. Vor allem die größere Bewegungsfreiheit und die Airtime-Momente, bei denen man kurz den Kontakt zum Board verliert, machen die Fahrt besonders. Für mich ist das eine richtig gelungene Weiterentwicklung des Konzepts, welches man hoffentlich bald in weiteren Parks fahren kann.

Bilder SeaWorld Orlando

 


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